Trotz Wertschätzung für Familien: Krippenplätze werden ab August teurer

Wangerland (26. 3. 2025) – Die Krippenentgelte im Wangerland steigen ab dem 1. August. In einer Kampfabstimmung segnete der Gemeinderat am Dienstagabend mit neun gegen acht Stimmen, bei vier Enthaltungen aus den Reihen der Unabhängigen, die neuen Gebührensätze ab, mit denen gestiegene Kosten etwa für Personal, Gebäudeunterhaltung und Energie abgedeckt werden sollen. 

Die Entgelte für die Betreuung der unter Dreijährigen seien seit 2018 nicht mehr angepasst worden, erläuterte Markus Gellert, der in der Verwaltung für soziale Belange zuständig ist. Die Höhe der Gebühren richtet sich nach dem Einkommen der Eltern. Da die entsprechende Staffelung von derzeit 5 auf 16 Stufen erweitert werde, werde das Entgeltsystem gerechter und auch nicht für alle Eltern teurer, so Gellert.

Neue Einkommensstaffel

Bislang mussten zum Beispiel alle Eltern mit einem Nettoeinkommen von über 700 Euro für einen Platz in der Ganztags-Krippengruppe in Hooksiel 317 Euro im Monat zahlen. Künftig wird dieser Betrag erst ab einem Einkommen von 1200 bis 1400 Euro fällig. Für Besserverdienende steigt die Gebühr allerdings auf maximal 506 Euro (ab 2800 Euro Nettoeinkommen). 

Die Verpflegungskosten wurden bereits zum 1. Januar erhöht. Künftig sollen die Entgelte regelmäßig Anfang des Jahres entsprechend des amtlichen Preissteigerungsindex angepasst werden. 

„Alles wird teurer“, sagte Reiner Tammen (Grüne). „Wenn wir den hohen Standard bei unseren Gebäuden und beim Betreuungskonzept halten wollen, müssen wir die Entgelte anpassen.“ Auch den Ratsmitgliedern der Gruppe Gemeinsam fürs Wangerland (GfW) falle die Entscheidung nicht leicht, sagte Alice Brandenburg-Bienek (CDU). Aber es gehe nicht anders. „Und mit der Kostensteigerung beim Bau des Thalasso Meeres Spa in Horumersiel hat das gar nichts zu tun“, beteuerte Tammen.

Die SPD-Fraktion stimmte geschlossen gegen die Erhöhung. Als „Zeichen der Wertschätzung“ für Familien, so Ratsfrau Stefanie Bremers. Und aus Trotz, wie Fraktionssprecher Holger Ulfers erläuterte. Die Kommune bekomme zu wenig Geld, um ihre Aufgaben zu erfüllten. Sind ihre Haushalte dann nicht ausgeglichen „müssen“ die Rate Entgelte erhöhen. „Aber wir wollen die Eltern nicht weiter belasten.“ Durch die Erhöhung erwartet die Gemeinde Mehreinnahmen in Höhe von rund 15.000 Euro im Jahr.

Schlechte Zahlen solide verpackt

Trotz der Kritik an der Entgelterhöhung segnete die SPD-Fraktion ebenso wie die GfW (CDU/Grüne/FDP) und die Gruppe der Unabhängigen (ZUW) den Gemeindehaushalt für 2025 ab. Das Papier sieht Einnahmen in Höhe von 34 Millionen und Ausgaben von 35,4 Millionen Euro vor. Unter anderem sind Investitionen von über 8 Millionen Euro geplant. Die Gemeinde will dafür Kredite bis zu 6,3 Millionen Euro aufnehmen, was die Schuldenlast der Kommune erhöht. Zum Beispiel soll, so die Hoffnung von Bürgermeister Mario Szlezak, noch in diesem Herbst der 1. Spatenstich für ein neues Feuerwehrgerätehaus in Hohenkirchen gesetzt werden. Auf der Agenda steht auch die Erweiterung der Grundschule Hohenkirchen.

Für Personalkosten hat Kämmerer Arthur Wichmann für das laufende Jahr 9,9 Millionen Euro angesetzt. Unklar ist noch, inwieweit die schwierige Finanzlage der gemeindeeigenen Wangerland Touristik GmbH (WTG) auf den Gemeindehaushalt durchschlägt. Im Haushalt sind für eine möglicherweise erforderliche Kapitalerhöhung vorsorglich 3,5 Millionen Euro eingestellt, die aber erst nach einem gesonderten Beschluss freigegeben werden sollen. Die Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuern bleiben unverändert. 

Alle Gruppen im Rat dankten der Kämmerei für ihre gute Arbeit bei der Erstellung und Erläuterung des Haushalts. Das Papier sei trotz der schwierigen Rahmenbedingungen „solide aufgestellt“, so Ulfers (SPD). Das Zahlenwerk biete kaum noch Raum für Innovationen, bedauert Alice Brandenburg-Bienek als Sprecherin der GfW-Gruppe. Aber man werde „trotz Bauchschmerzen“ zustimmen. Auch Dieter Schäfermeier, Sprecher der ZUW, sah keinen Grund, das Papier abzulehnen.