Wangerland (5. 3. 2026) – Aus Sicht des Kämmerers ist das Jahr 2025 sehr erfreulich gelaufen. Dennoch bleibt die finanzielle Lage der Gemeinde Wangerland angespannt. Für 2026 wird ein deutlicher Anstieg der Verschuldung erwartet. Dennoch stimmten die Mitglieder des Finanzausschusses des Gemeinderat dem Haushaltsentwurf am Mittwochabend einstimmig zu.

Der Entwurf sieht Einnahmen in Höhe von 26,4 Millionen Euro und Ausgaben von 27,6 Millionen Euro vor. Die Hebesätze etwa für die Gewerbe- und Grundsteuern sollen mit 480 beziehungsweise 390 Prozent unverändert bleiben.
Ausdrücklich bedankten sich Bürgermeister Mario Szlezak und einige Ausschussmitglieder bei Kämmerer Arthur Wichmann zu seinem Team in der Verwaltung für die gute Vorbereitung des Zahlenwerks. Auf einer Haushaltsklausur am vergangenen Samstag waren die Ansätze für den Ergebnis- und den Finanzhaushalt sowie die geplanten Investitionen der Gemeinde in vertraulicher Runde vorgestellt und eingehend diskutiert worden.
Im von Hermann Wilken geleiteten Finanzausschuss meldete sich inhaltlich lediglich Geraldine Vogdt (ZUW) zu Wort. Sie wies darauf hin, dass die Unabhängigen einen Ratsbeschluss für den Ankauf von Flächen durch die Gemeinde in der Nähe des Andelweges in Horumersiel fordern. Das erworbene Areal sei größer als zuvor angenommen – und vergleichsweise teuer.
Leichtes Plus im vergangenen Jahr
Wichmann stellte zunächst den Jahresabschluss für 2025 vor. Statt eines erwarteten Fehlbetrages von 1,1 Millionen Euro habe man ein Plus von gut 200.000 Euro erwirtschaften können. Gründe dafür seien unter anderem Mehreinnahmen etwa bei Gewerbesteuer (+ 1 Mio. Euro) und ein höherer Anteil an der Einkommensteuer (0,3 Mio.) gewesen. Negativ sei unter anderem zu Buche geschlagen, dass die insolvente Wangerland Touristik GmbH keine Zinsen auf die ihr von der Gemeinde bereitgestellten Kredite in Höhe von 4,3 Millionen Euro zahlen konnte.
Eigentlich hätte der Schuldenstand der Gemeinde bereits im vergangenen Jahr steigen sollen, so Wichmann. Da sich aber Großinvestitionen wie der Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses in Hohenkirchen und einer neuen Grundschule in Hohenkirchen noch nicht angefangen wurden, mussten geplante Kredite in Höhe von 6,3 Millionen Euro nicht aufgenommen werden. Im Gegenteil: Die Gemeinde konnte sogar noch 0,6 Mio. Euro Schulden tilgen (Schuldenstand Ende 2025: 12,21 Mio. Euro).
Finanzieller Druck steigt
Das laufende Jahr, so Wichmann, stehe aber „unter deutlichem finanziellen Druck“. Für den Ergebnishaushalt, in dem die laufenden Einnahmen und Ausgaben abgebildet werden, rechnet der Kämmerer mit einem Fehlbedarf von knapp 1,2 Millionen Euro – obwohl man mit steigenden Schlüsselzuweisungen vom Land (2,6 Mio), einer niedrigen Kreisumlage (Abgabe an den Landkreis, 6 Mio) sowie guten Gewerbe- (5,4 Mio.) und Einkommensteuereinnahmen (4,6 Mio) plant. Dem stünden im Haushaltsplan sinkende Zuschüsse für Kindertagesstätten, niedrigere Einnahmen aus dem Gästebeitrag sowie weiterhin Zinsausfälle für den WTG-Kredit gegenüber.
Zuschuss für die DLRG
Steigen werden zudem die Personalkosten (+ 0,46 Mio auf 10,4 Mio) und die Kosten für den Winterdienst (+ 126.000 Euro). Eine Zuschuss in Höhe von 58.000 Euro hat der Kämmerer zudem für die Deutsche Lebensrettung-Gesellschaft (DLRG) eingeplant. Damit sollen die erhöhten Kosten fürs Schwimmtraining aufgefangen werden, die dadurch entstehen, dass die DLRG Wangerland nach der Schließung des Hallenwellenbades Hooksiel zum Training ins „Aqua-Fit“ in Schortens ausweichen muss.
Neue Kredite über 5 Millionen Euro
Um die geplanten Investitionen (Feuerwehrgebäude und -fahrzeuge, Grundschule, Straßenunterhaltung, Sanierung Hooksieler Strand etc.) bezahlen zu können, hat die Kämmerei neue Kredite über fünf Millionen Euro eingeplant. Abzüglich der Tilgung anderer Kredite würde damit die Gesamtverschuldung der Gemeinde einschließlich der Verbindlichkeiten des Eigenbetriebes Wangermeer bis Ende 2026 auf über 21 Millionen Euro klettern.
„Die Spielräume werden enger“, sagte Wichmann, der betonte, dass auch die Liquidität, also die Zahlungsfähigkeit, angespannt sei. Steigende Zinsen und weitere Kredite würden künftige Haushalte zusätzlich belasten. Ein genehmigungsfähiger Haushalt sei vor diesem Hintergrund nur möglich, wenn die Gemeinde ihre sich selbst gesteckten Konsolidierungskonzepte konsequent umsetze.
Strukturelle Probleme
Als Ursache für die angespannte Finanzlage verwies Bürgermeister Szlezak auf „strukturell Probleme“. In der Verwaltung werde gespart, wo es nur gehe. Aber neue Gesetze, so etwa der Anspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen oder neue Anforderungen an die Feuerwehren, würden im Bereich der Pflichtaufgaben Großinvestitionen auslösen, die die Kommune nur schwer stemmen könne.
Um so wichtiger sei es, so Wichmann und Szlezak einvernehmlich, die Einnahmen der Gemeinde zu stärken. Neben dem Tourismus würden dabei die Erneuerbaren Energien eine zentrale Rolle spielen. Die Betreiber von Windkraftanlagen zählen im Wangerland zu den großen Steuerzahlern. Gegen den Bau weiterer Windparks gibt es aber mit Blick aufs Landschaftsbild und die Belastung von Anwohnern erhebliche Vorbehalte.









