Wangerland (2. 11. 2026) – Im Wangerland hat heute ein neue Ära begonnen. Thies Fischer hat sein Amt als Bürgermeister angetreten. Der 25-Jährige ist der jüngste Hauptverwaltungsbeamte in der Gemeindegeschichte, vielleicht der jüngste in ganz Niedersachsen. Er tritt die Nachfolge von Mario Szlezak an, der an seinem letzen Arbeitstag am vergangenen Freitag von den freiwilligen Feuerwehren von zu Hause nach Hohenkirchen gebracht und dort von den Kolleginnen und Kollegen im Rathaus nach fünf Jahren im Amt verabschiedet worden war.

„Mario ist ein fairer Sportsmann“, lobt Fischer. Der SPD-Politiker habe sich mit ihm, dem CDU-Politiker, zweieinhalb Stunden lang zusammengesetzt und ihn in den Stand sämtlicher laufender Projekte der Gemeinde eingeführt. „Das ist keineswegs selbsverständlich.“
Bürgermeister für alle Wangerländer
Fischer hatte sich bei der Stichwahl am 27. September gegen Szelzak mit fast 70 Prozent der Stimmen durchgesetzt. Er steht damit für die kommenden acht Jahre an der Spitze der Gemeinde. Ein Vertrauensvorschub, den der studierte Diplom-Finanzwirt als Auftrag für Veränderung wertet. „Ich werde ein Bürgermeister für alle Wangerländer sein, unabhängig davon, welches Parteibuch sie haben.“ Dazu gehöre auch, dass er mit allen Fraktionen im Rat vertrauensvoll zusammenarbeiten wolle.
Fischer ist in Middoge aufgewachsen. Kommunalpolitisch hat er sich bislang vornehmlich in der Parteiarbeit engagiert. Seit 2022 steht er an der Spitze des CDU-Kreisverbandes Friesland. Sein Amt als Vorsitzender des Gemeindeverbandes der Partei hatte er mit Blick auf die anstehende Wahl in diesem Jahr niedergelegt. Beruflich war Fischer beim Finanzamt Wilhelmshaven beschäftigt. Für die Tätigkeit im Wangerland als „Beamter auf Zeit“ hat er sein Beamtenverhältnis beim Land Niedersachsen auf Lebenszeit aufgeben. Seine Devise: „Entweder ganz oder gar nicht.“
Bauhof erster Anlaufpunkt
Seit dem Wahlabend hat sich Fischer noch einmal besonders intensiv auf seine neuen Aufgaben vorbereitet. Dazu gehörten erste Gespräche mit künftigen Mitarbeiter und den Fraktionsvorsitzenden, die Vorstellung bei seinen beiden Vorzimmerdamen und das Lesen von Vorschriften, Akten und Berichten. Heute früh um 7 Uhr hat sich der neue Chef bei den Mitarbeitern im Bauhof der Gemeinde vorgestellt. Ab 8 Uhr folgten weitere Gespräche im Rathaus.
Fischer hat sich für die ersten 100 Tage im Amt einiges vorgenommen. Zunächst gehe es um eine Bestandsaufnahme und um die Personalsituation im Rathaus. Zuversichtlich zeigte sich der Bürgermeister im Gespräch mit „Hooksiel-Life“, dass die unter anderem durch den Wechsel des bisherigen Bauamtsleiters und allgemeinen Vertreters des Bürgermeistern, Peter Podein, zur Stadt Schortens entstandene Lücke in der Bauverwaltung kurzfristig geschlossen werden kann.
Gespräche mit allen Fraktionen
Dazu, wen er dem Rat als seinen allgemeinen Vertreter vorschlagen wird, hielt sich Fischer noch bedeckt. Zunächst einmal solle sich am morgigen Dienstag der neue Gemeinderat konstituieren. Das Klima bei der Vorbesprechung zur Vergabe der Ausschuss-Vorsitze bewertet Fischer als angenehm. Er gehe davon aus, dass die Bildung von Gruppen im Rat nicht zu einer Verkrustung von Machtverhältnissen führen werde. „Ich werde auch durch regelmäßige Gespräche mit allen Fraktionen versuchen, möglichst viele einvernehmliche Entscheidungen auf dem Weg zu bringen und dabei auch um Verständnis für die Haltung der Verwaltung zu werben.“
Im Wahlkampf hatte sich Fischer für mehr Bürgerservice ausgesprochen. „Die Verwaltung ist für die Bürger da – und nicht umgekehrt.“ Ein erster Schritt in diese Richtung soll eine Ausweis-Abholstation sein, damit vor allem berufstätige Bürger nicht auf die Öffnungszeiten des Rathauses angewiesen sind. Ab 2027 werde es regelmäßige Bürgermeister-Sprechstunden geben – im Rathaus, aber auch einmal jährlich vor Ort in den Dörfern im Gemeindegebiet.
Zukunft der WTG klären
Umgehend anschieben will Fischer die seiner Ansicht nach längst überfällige Debatte über die künftige Struktur und Ausrichtung der gemeindeeigenen Wangerland Touristik GmbH (WTG). Die WTG ist bekanntlich insolvent. Die finanzielle Sanierung des Unternehmens soll durch den Verkauf zahlreicher Immobilien erfolgen. Wie groß die WTG der Zukunft sein wird, mit wie viel Personal sie welche Aufgaben übernehmen soll, ist noch offen. „Wir müssen die Debatte darüber noch im November beginnen“, so Fischer. Dabei gehörten neben Vertretern der Kommune auch touristische Leistungsträger aus Hotellerie, Gastronomie und dem Vermietungsgewerbe mit an den Tisch. „Denkverbote darf es nicht geben.“
Der Bürgermeister ist nach Gesprächen mit den Verantwortlichen für die WTG zuversichtlich, dass die Insolvenz zeitnah beendet werden kann. Allerdings: Sollte die erhofften Immobilienverkäufe wie geplant über die Bühne gehen, sei wiederum die Gemeinde gefragt, die für die Bauleitplanung zuständig ist, die erst den Weg für neue Investitionsvorhaben frei machen würde.
Ehrlichkeit und Transparenz
Fischer geht davon aus, dass es dabei auch zu schwierigen Diskussionen und Entscheidungen kommen kann. Als Verwaltungschef will er diese mit größtmöglicher Ehrlichkeit und Transparenz vorbereiten. Dazu gehört für den CDU-Politiker auch, das bislang unter Verschluss gehaltene Gutachten eines Bausachverständigen zum Thalasso-Desaster so schnell wir möglich öffentlich zu machen. Bekanntlich hatte der Bau des Thalasso Meeres Spa (TMS) mit einer Kostensteigerung von geplanten 8,8 auf erwartete 23 Millionen Euro die WTG-Krise ausgelöst.
Die Sanierung der WTG hätte auch für die Gemeinde selbst große Bedeutung. Sollte das Unternehmen wieder zahlungsfähig werden, könnte der Kämmerer darauf hoffen, dass Kredite in Höhe von mehreren Millionen Euro wieder ins Rathaus zurückließen.













