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Rolf Neuhaus

Landkreis Friesland bekommt einen neuen Landrat

Friesland (26. 7. 2026) – Seit der Sitzung des Kreiswahlausschusses am 21. Juli ist klar: Bei der Direktwahl des künftigen Landrates des Landkreises Friesland werden die Wählerinnen und Wähler sich zwischen drei Kandidatinnen und Kandidaten entscheiden müssen. Ein vierter Bewerber wurde zur Wahl nicht zugelassen.

Erfahrener Verwaltungsfachmann

Er hatte bereits im Januar als erster Bewerber seinen Hut in den Ring geworfen. Ende April hat dann die Delegiertenkonferenz der SPD im Landkreis Friesland Rolf Neuhaus (48) zu ihrem Landratskandidaten nominiert. Unterstützung signalisiert haben auch die Kreistagsfraktion und der Kreisvorstand der Grünen.

Rolf Neuhaus

Neuhaus (Foto) hat damit gute Chancen, am 13. September zum Nachfolger von Sven Ambrosy (55) gewählt zu werden. Der Sozialdemokrat ist seit 2003 hauptamtlicher Landrat in Friesland ist, will aber nicht erneut kandidieren. 

Neuhaus, seit über 16 Jahren beim Landkreis beschäftigt, ist in der Kreisverwaltung für Planung und Infrastruktur (Planung und Bauen, Klimaschutz, Umwelt, Straßenverkehr und Gebäudemanagement) verantwortlich. Vor seinem Wechsel nach Friesland hat der Ingenieur Raumplanung studiert und danach in einem privaten Planungsbüro und bei Kommunen gearbeitet. 

Neuhaus will unter anderem so schnell wie möglich alle Haushalte im Landkreis an die Breitband-Versorgung anschließen sowie die Daseinsvorsorge mit den Schwerpunkten auf Bildungseinrichtungen und Gesundheitsvorsorge weiterentwickeln. Dazu gehört der Bau eines neues Zentralklinikums. Durch verlässliche Rahmenbedingungen will er zudem der Wirtschaft helfen, Investitionsentscheidungen zu treffen.

Volljuristin aus Jever

CDU und FDP im Landkreis Friesland schicken mit der Juristin Sibylle Raquet (55) eine gemeinsame Kandidatin ins Rennen um das Landratsamt. Raquet lebt in Jever und arbeitet seit 2019 in einer Kanzlei in der Marienstadt.

Ihre beruflichen Schwerpunkte liegen im Familien- und Erbrecht. Geboren wurde sie in Bad Soden. Nach ihrem Studium war sie zunächst in Frankfurt tätig. Bereits dort sammelte sie politische Erfahrung als Referentin der FDP-Fraktion. Nach dem zweiten Staatsexamen praktizierte sie in eigener Kanzlei in Bad Homburg. Seit der Kommunalwahl 2021 gehört sie dem Stadtrat in Jever an. Raquet ist Mutter von zwei Töchtern.

Inhaltlich setzt die Juristin auf klare Führungsstrukturen und eine präsente Verwaltungsleitung. Wer eine Verwaltung erfolgreich führen wolle, müsse an der Spitze nicht nur präsent sein, sondern auch Verantwortung übernehmen und vorangehen, erklärt sie. Wichtig sei zudem ein offener und vorurteilsfreier Austauschs innerhalb der Verwaltung und mit der Politik. „Kreistag und Kreisverwaltung haben unterschiedliche Aufgaben und Zuständigkeiten. Das gilt es anzuerkennen und daraus eine neue Stärke der Gemeinsamkeit entstehen zu lassen.“

Als zentrale Herausforderungen für die kommenden Jahre nennt Raquet den geplanten Neubau einer Zentralklinik, die weitere Stärkung von Wirtschaft und Tourismus sowie die Rolle Frieslands beim Ausbau alternativer Energiequellen.

Ehrlichkeit und Transparenz

„Die Partei“ hat bereits Mitte Januar ihren Kandidaten nominiert. Zur Wahl stellt sich der Kreistagsabgeordnete Jan Ole Möller (29/Foto) aus Schortens. Der gelernte Versicherungskaufmann studiert derzeit Wirtschaftswissenschaften. Er ist zudem Kreisvorsitzender der Satire-Partei.

Satire sei für ihn eine Kunstform, mit der man inhaltsleere Phrasen entlarven könne, sagte Möller in einem Zeitungsinterview. Bei wichtigen Zukunftsfragen wie die nach der Zukunft der „Friesland-Kliniken“ reiche sie allein aber nicht aus. Da sei Ehrlichkeit und Transparenz gefragt. Die Gesundheitsvorsorge gehöre für ihn neben der Haushaltslage, der Digitalisierung, der Mobilität und dem Klimaschutz zu den Herausforderungen, denen er sich als Landrat stellen wolle.

AfD-Bewerber nicht zugelassen

Die Alternative für Deutschland (AfD) hatte ihren Bundestagsabgeordneten Martin Sichert als Kandidaten für das Landrats-Amt in Friesland nominiert. Allerdings: Der Kreiswahlausschuss hat den 45-Jährigen am 21. Juli nicht zur Wahl zugelassen. Das überparteilich besetzte Gremium hatte Zweifel, ob Sichert die Gewähr bietet, jederzeit auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu stehen.

Der Wahlausschuss folgte damit den Bedenken, die die Kommunalaufsicht beim niedersächsischen Innenministerium und der Verfassungsschutz nach einer Überprüfung von Sicherte Äußerungen in öffentlich zugänglichen Quellen geäußert hatten. Als Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Friesland-Wittmund und Bundestagsabgordneter gehöre Sichert zu den führenden Köpfen des niedersächsischen AfD-Landeverbandes, der als rechtsextrem eingestuft wird.

Hinzu gekommen seien Äußerungen des Bewerbers, „die einem ethnopluralistischen Weltbild zugeordnet wurden, sowie Aussagen, die aus Sicht der Kommunalaufsicht, die den Kreiswahlleiter im Rahmen der rechtlichen Prüfung unterstützt hat, als revisionistisch oder verharmlosend im Hinblick auf den Nationalsozialismus bewertet wurden“, heißt es in der Begründung des Wahlausschusses.

Die Überprüfung der besonderen Verfassungstreue ist im niedersächsischen Kommunalwahlrecht für Bewerber vorgesehen, die für „Beamtenverhältnisse auf Zeit“ (Landräte, Bürgermeister etc.) kandidierten. Seit einer Gesetzesänderung im vergangenen Jahr können Wahlausschüsse hierbei auf Erkenntnisse des Verfassungsschutzes zurückgreifen.

Sichert (Foto) war von den AfD-Mitgliedern einstimmig zum Kandidaten gewählt worden. Er hatte angekündigt, im Fall seiner Wahl zum Landrat sein Bundestagsmandat nieder zu legen. Der Bundestagsabgeordnete bewertet seine Nicht-Zulassung zur Wahl als politisch motiviert und kündigte rechtliche Schritte an.

Allerdings kann das Wahlprüfungsverfahren wohl juristisch erst nach der Wahl mit der Bekanntgabe des Wahlergebnisses angefochten werden. Sollte Sichert dann erfolgreich sein, müsste die Landratswahl wohl wiederholt werden.

Abschied nach über 23 Jahren im Amt

Sven Ambrosy

Ambrosy (Foto), der mit seine Familie in Middoge (Wangerland) wohnt, war am 2. Februar 2003 mit 53,05 Prozent zum ersten hauptamtlichen Landrat Frieslands gewählt worden. Er setzte sich damals gegen den Parteilosen Uwe Link durch, der für die CDU antrat. Am 11. September 2011 wurde Ambrosy mit 75,06 Prozent gegen Frank Vehoff (CDU) und am 26. Mai 2019 mit 78,9 Prozent der Stimmen gegen Sebastian Schröter (Die Partei) wiedergewählt.

Anmerkung: Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert.