Signal ins Land: Flüchtlingsunterkünfte können konfliktfrei laufen

Dorf Wangerland
Die letzten Flüchtlinge haben das „Dorf Wangerland“ verlassen. Aktuell werden Millionen für die touristische Zukunft der Quartiere auf dem ehemaligen Kasernen-Areal in Hohenkirchen investiert. Foto: hol

Wangerland (17. 3. 2025) – Im Wangerland ist eine Erfolgsgeschichte zu Ende gegangen. Nach zwei Jahren haben heute die letzten Mitarbeiter und Dienstleister der Landesaufnahmebehörde (LAB) für Flüchtlinge das „Dorf Wangerland“ verlassen. Und entgegen aller anfänglichen Sorgen und Befürchtungen hat es keinerlei nennenswerte Zwischenfälle gegeben. 

LAB-Leiter Klaus Dierker sprach auf der Abschluss-Pressekonferenz von einer „vorbildlichen Unterkunft“, in der sich die in der Spitze bis zu 450 Menschen vornehmlich aus Syrien, der Türkei, Afghanistan und Kolumbien, teils Familien, teils Alleinreisende, wohl und sicher gefühlt hätten. Dierker lobte das Betreiberkonzept und dankte den Einheimischen sowie den beteiligen Kommunen. Aufgrund des offenen Miteinanders sei wechselseitige Akzeptanz gewachsen.

Lob für vorbildliches Miteinander

Dierker und Standortleiter Sven Wietusch führten den Erfolg auf ein gutes Wohn-, Sicherheits- und Betreuungskonzept zurück. Die Flüchtlinge wurden im Dorf Wangerland medizinisch, sozial und schulisch betreut. Eine herausragende Rolle hätten dabei ehrenamtliche Helfer der Kirchengemeinde Wangerland gespielt. Vorbildlich auch das Miteinander am „Runden Tisch“, an dem sich Betreiber der Einrichtung, Vertreter von Polizei, Kommunen und zahlreicher Vereine und Institutionen aus dem Wangerland unmittelbar über alle Fragen und sich abzeichnenden Probleme ausgetauscht hätten.

Markus Wallenhorst, Leiter des Polizeikommissariats Jever, unterstrich, dass von den Geflüchteten keine Gefahr für Hohenkirchen ausgegangen sei. Entgegen den Befürchtungen von Angstmachern im Vorfeld habe die Zahl der Straftaten im Wangerland während der Zeit des LAB-Betriebes sogar noch abgenommen. Scharf kritisierte Wallenhorst den AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Sichert (Zetel), der in einem in den sozialen Medien verbreiteten Video Angst vor den Bewohnern der Flüchtlingseinrichtung geschürt habe und damit offenbar Probleme herbeireden wollte. „Dafür fehlt mir jedes Verständnis.“ Wallenhorst lobte ausdrücklich die gute Arbeit seiner Mitarbeiter in der Polizeistation Wangerland. „Wir haben der falschen Polemik das Wasser abgegraben!“

Abschlussbilnaz für den Flüchtlingsunterknft in Hojhenkirchen
Zogen nach zwei Jahren Flüchtlingsunterkunft in Hohenkirchen eine positive Abschlussbilanz: (von rechts) Wangerlands Bürgermeister Mario Szlezak, LAB-Standortleiter Sven Wietusch, LAB-Leiter Klaus Dierker, Landrat Sven Ambrosy und Polizeikommissariatsleiter Markus Wallenhorst. Foto: hol

Auch die Bilanz von Frieslands Landrat Sven Ambrosy und Wangerlands Bürgermeister Mario Szlezak fiel durchweg positiv aus. Es habe vor Ort keinerlei Probleme gegeben. Dennoch sei es richtig, so Ambrosy, die LAB-Außenstelle – wie im Vorfeld zugesagt – nach zwei Jahren wieder zu schließen. Wir haben nur dann eine Chance, wenn wir transparent vorgehen und das machen, was wir sagen“, so Ambrosy. Und: „Zwei Jahre sind zwei Jahre.“

Umbau der Immobilie läuft

Der Vertrag des Landkreises mit dem Land über die LAB-Außenstelle in Hohenkirchen sei modellhaft für ganz Niedersachsen gewesen. Besonders erfreulich sei, so der Landrat, dass die Eigentümer des „Dorfes Wangerland“ das Geld, dass sie für die Bereitstellung der Immobilie erhalten haben, wieder in den Standort investieren. Derzeit wird die Anlage mit Millionen-Aufwand umgebaut. Noch im Frühjahr soll der touristische Betrieb wieder aufgenommen werden.

Szlezak räumte ein, dass es zwischenzeitlich durchaus die Überlegung gegeben habe, die Laufzeit der Flüchtlings-Einrichtung zu verlängern. Aus ganz pragmatischen Gründen: Ohne die zentrale Aufnahmestelle wird der Gemeinde Wangerland ab April weder eine gewisse Quote von Flüchtlingen zugewiesen werden. Diese Menschen müssen dann dezentral im Gemeindegebiet untergebracht, deren Kinder in den Kindergärten und Schulen betreut werden. 

Künftig dezentrale Betreuung

Angesichts der stark gesunkenen Flüchtlingszahlen seien die damit zusammenhängenden Aufgaben aber zu bewältigen, zeigten sich Ambrosy und Szlezak überzeugt. Aktuell, so Dierker, würden je Woche rund 250 bis 300 Asylsuchende Niedersachsen erreichen. 2023 habe diese Zahl bei 1500 gelegen. 

Aus Sicht von Dierker wird die LAB-Einrichtung in Hohenkirchen auch nach dem Ende ihres Betriebes Signalwirkung für ganz Niedersachsen haben – nämlich dahingehend, dass es möglich ist, auf Grundlage eines guten Konzeptes Aufnahmelager für mehrere Hundert Menschen konfliktfrei zu betreiben. Das sei wichtig, so Dierker, „damit wir den Bauernfängern nicht auf die Schliche gehen“.