Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Kunstwerke im Spannungsfeld von Schein und Sein

Hooksiel (13. 7. 2026) – Kunst ist vielleicht nicht die Welt. Aber sie kann dabei helfen, sie zu verstehen. Einen Weg dahin zeigt Agnes Lörincz auf. Die in Berlin lebende Künstlerin ist die neue Stipendiatin im Künstlerhaus Hooksiel. Am Sonntag eröffnete sie unterstützt von Künstlerhaus-Leiterin Renate Janßen-Niemann und Wangerlands Bürgermeister Mario Szlezak ihre Ausstellung „Muster und Mimesis“, zwei Begriffe, die das künstlerische Wirken der gebürtigen Siebenbürgenerin maßgeblich bestimmen.

Die Stipendiatin Agnes Lörincz (Mitte) lebt und arbeitet bis Mitte August im Künstlerhaus Hooksiel. Künstlerhaus-Leiterin Renate Janßen-Niemann und Bürgermeister Mario Szlezak unterstützten die Künstlerin aus Berlin bei der Ausstellungseröffnung. Foto: hol

Muster steht für Agnes Lörincz für Wiederholungen, für stetig Wiederkehrendes und ein Stück weit auch für die Unendlichkeit. Mimesis hingegen verkörpert die Täuschung, das so sein als ob. Um das zu erkennen und zu entlarven, braucht es einen zweiten Blick. Der ist auch ratsam bei der Betrachtung der rund 30 Gemälde, Schnitte und Collagen der Künstlerin, die bis Mitte August im Künstlerhaus zu sehen sein werden.

Muster und Mimesis

Das Spannungsfeld von Schein und Sein ist ein philosophisches Kernthema. Schon Platon („Höhlengleichnis“) und sein Schüler Aristoteles haben sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie viel Wirklichkeit im Anschein der Dinge steckt. Agnes Lörincz setzt sich mit diesem Thema über Motive zu Mode, Lifestyle und Konsumgesellschaft auseinander. Der Schein des Schönen und Perfekten wird aus dem Unwirklichen in den Alltag, die Welt der immer wieder kehrenden Muster, überführt – hier durch die Maserungen des Holzes, auf dem die Künstlerin Frauenporträts malt, dort durch Tapeten- oder Stoffmuster, die den Hintergrund einiger ihrer Collagen bilden.

„Ich möchte die Dinge nicht nur abbilden, sondern neue Welten erschließen“, sagte Agnes Lörincz. Das gilt auch für die nächsten fünf Wochen, in denen sie in Hooksiel leben und arbeiten wird. Ihre Motive? Noch ungewiss. „Ich will erst einmal den Ort auf mich einwirken lassen. Wir werden sehen, was mich interessiert.“

Impressionen von Hooksiel

Erste Impressionen von Hooksiel hat die Künstlerin bereits am Samstag bei einem Spaziergang mit ihrem Mann vom Ortskern zum Strand gesammelt. Eine sportliche Strecke, wie Hiesige wissen. Dazu der Seenebel und Nebelhörner … Auf die künstlerische Umsetzung darf man gespannt sein.

Bürgermeister Szlezak unterstrich bei der Vernissage vor rund 30 Interessieren den hohen Stellenwert des Künstlerhauses Hooksiel, das zur überregionalen Bekanntheit des Ortes und der Gemeinde beitrage. Auch als Zeichen der Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements rund um den Kulturtempel im historischen Feuerwehrhaus von Hooksiel stehe die Gemeinde geschlossen zu dieser „freiwilligen Leistung“.

Leuchtturm für die Kunst

Renate Janßen-Niemann dankte Christine Keweritsch und Peter Lewald, die zusammen mit der Künstlerin deren Ausstellung gehängt haben. Dass mit Agnes Lörincz erneut eine Berlinerin in Hooksiel weilt, sei kein Zufall. Ganz offensichtlich habe sich in der Kunstszene der Hauptstadt herumgesprochen, dass das Künstlerhaus an der Nordsee ein Leuchtturm für Kunstschaffende ist.

Die Ausstellung „Muster und Mimesis“ ist bis zum 16. August dienstags bis sonntags, jeweils von 14 bis 18 Uhr gelöffelt. Der Eintritt ist frei.

Kommentare sind deaktiviert.