Hooksiel (13. 9. 2026) – Samstag, kurz nach 15 Uhr. Die „Trotz“ fährt in den Hooksieler Außenhafen ein. Auf der Mole wird ein Feuerwerk gezündet. Kapitän Nils Schröder steuert seinen Fischkutter durch eine Reihe von Sportbooten hindurch Richtung Liegeplatz. Dort warten bereits gut Hundert Freunde, Bekannte und Kunden, die zum letzten Mal frischen Granat direkt vom Kutter kaufen wollen.

Es war die letzte Fahrt der „Trotz“ – und möglicherweise der Anfang vom Ende des Fischereihafens Hooksiel. Schröder hat sich die „Abwrackprämie“ gesichert, mit der EU- und Bund bis Ende 2027 die Größe der Fischereiflotte deutlich verringern wollen. Nach Angaben der Wangerländer Landtagsabgeordneten Katharina Jensen (CDU) sollen von den noch 112 an der niedersächsischen Küste fischenden Kuttern 30 Prozent abgewrackt werden.
„Die niedersächsische Küstenfischerei befindet sich bereits seit Langem in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage. Jede weitere Belastung kann das Ende dieser traditionsreichen Branche einläuten“, betont Jensen in einer Mitteilung. Den Garaus für die beiden verbleibenden Hooksieler Krabbenfischer könnte die geplante Ausweisung von fischereifreien Gebieten bedeuten.
Erklärtes Ziel ist es, zehn Prozent des niedersächsischen Küstenmeeres zum Sperrgebiet zu erklären. Stark betroffen wäre davon das Jadegebiet. Nach zuletzt diskutierten Vorschlägen wären insbesondere die kompletten Fanggründe vor der Küste des Wangerlandes künftig Verbotszone.


Jensen und ihre Fraktion im Landtag fordern die Landesregierung auf, Entscheidungen über fischereifreie Gebiete auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu treffen und den so genannten „Fischereidialog“ neu aufzusetzen. Das Zehn-Prozent-Ziel der EU-Biodiversitätsstrategie beziehe sich auf die gesamte Union. Es gebe keine Verpflichtung in Niedersachen genau zehn Prozent der Flächen zu sperren. Niedersachen müsse hier seine Gestaltungsspielräume nutzen, zumal sich die Fangründe bereits durch Hafennutzung, Baggerungen, Kabeltrassen und Offshore-Windparks erheblich verkleinert hätten.
„Unsere Fischer wollen keine Sonderbehandlung. Sie wollen fischen, arbeiten und ihren Lebensunterhalt erwirtschaften. Deshalb müssen wir nicht nur beantworten, wo künftig nicht mehr gefischt werden darf, sondern auch, wo Fischerei dauerhaft möglich bleibt“ so Jensen.
Für Nils Schröder, Fischer in vierter Generation, spielt das nur noch bedingt eine Rolle. Er ist froh, dass er bei seinem letzten Fang so viele Krabben fangen konnte, dass alle an der Kaje wartenden Kunden bedient werden konnten. Schröder meldet seinen Kutter jetzt aus der aktiven Fischfangflotte ab und plant seine berufliche Zukunft neu.

Als Erinnerung an die „Trotz“ zurück bleibt ein Rettungsring mit dem Schriftzug des Krabbenkutters, der in der Gaststätte „Ahoi“ am Alten Hafen einen Platz finden wird und dort an ein Kapitel der Hooksieler Krabbenfang-Geschichte erinnert.











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