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Hotelbau in Horumersiel soll Thalasso Meeres Spa retten

Wangerland/Horumersiel (13. 5. 2026) – Die Stimmungslage in Horumersiel war deutlich wahrzunehmen. Thalasso hin oder her – der Ort braucht dauerhaft einen Versammlungs- und Veranstaltungsort. Vor diesem Hintergrund begleiten viele Bürger die Bemühungen der insolventen Wangerland Touristik GmbH (WTG) mit Skepsis, das komplette Areal „Zum Hafen 3“ in dem Sielort an einen Investor zu verkaufen, der dort zum Beispiel ein Hotel bauen könnte, dessen Gäste das benachbarte Thalasso Meeres Spa (TMS) beleben sollen.

Kann Horumersiel ohne sein Gäste- und Dorfgemeinschaftshaus leben? Viele der Gäste im Kursaal hielten das neue Thalasso Meeres Spa für weniger wichtig als die Begegnungs- und Versammlungsstätte im Ort. Foto: hol

Rund 500 Interessierte aus dem gesamten Wangerland waren am Dienstagabend der Einladung des Seebadevereins Horumersiel-Schillig und des örtlichen Vereins für Handel, Handwerk und Gewerbe in den Kursaal gefolgt. Das Ziel, so Holger Meyer vom Seebadeverein: „Ein ehrliche Bürgergespräch zur Zukunft von Horumersiel.“ 

Zentraler Veranstaltungsort

Dabei spielt die Zukunft des Grundstücks, auf dem WTG-Zentrale, Touristen-Information, Bücherei, Kurpark und auch der Kursaal untergebracht sind, eine Schlüsselrolle. „Für die Urlauber ist es das Gästehaus, für die Einheimischen das Dorfgemeinschaftshaus“, sagte Frank Hensel, der den Kursaal im Auftrag der WTG betreibt. Das 1967 als DGH eingeweihte Gebäude sei der zentrale Veranstaltungsort für das ganze Wangerland mit um die 20.000 Besuchern im Jahr. Theater, Comedy, Kino, Bälle, Feten, Märkte, Tagungen, Ausstellungen … 

Die Frage des Abends: Kann, will oder muss die Gemeinde auf das DGH verzichten? Hensel vertrat die Ansicht, dass man das Gebäude lieber (mit Fördermitteln) sanieren und so lange weiter betreiben sollte, wie es geht, damit Urlauber und Einheimische eine zentrale Anlaufstelle behalten. Energetisch modernisiert und um neue Angebote bereichert ließe sich das DGH nach seiner Überzeugung fast kostendeckend betreiben. Notfalls könnte ein Defizit durch den Gästebeitrag abgedeckt werden, den alle Urlauber im Wangerland zahlen müssen.

Dr. Christian Kaufmann (Foto), juristischer Berater für die Insolvenz in Eigenregie der WTG, hielt dem entgegen, dass das DGH sehr wohl erhebliche Kosten verursache. Zudem dürfe man den Gebäudekomplex nicht allein betrachten. „Das Problem steht nebenan.“

„Das Problem“ ist das Thalasso Meeres Spa (TMS). „Ohne Investor können wir das TMS nicht retten“, so Kaufmann. Im laufenden Ausschreibungsverfahren für den Verkauf des Grundstücks „Zum Hafen 3“ hätten sich bislang sechs Interessenten gemeldet. In der nächsten Woche sollen die ihre Vorstellungen in punkto Kaufpreis und Projektidee erstmals präzisieren.

14 Mio. Euro offene Forderungen

Die Kostenexplosion beim Bau des TMS von 8,8 auf zuletzt genannte 23 Millionen Euro gilt als Hauptgrund für die finanzielle Schieflage der WTG. Um ihre Gläubiger zu befriedigen, muss sich das gemeindeeigene Unternehmen von seinen Liegenschaften wie Campingplätze, Bäder und Grundstücke trennen. Zahlreiche Mitarbeiter wurden bereits entlassen. 

Wie groß die Probleme der WTG sind, verdeutlichen Zahlen, die Kaufmann erstmals öffentlich nannte. So hätten Bauunternehmen und Architekt aktuell noch Forderungen in Höhe von 14 Millionen Euro angemeldet, die aber nach Überzeugung der Insolvenzverwaltung nicht alle berechtigt sind. Hinzu kämen Zuschüsse des Landes Niedersachsen in Höhe von 8,5 Millionen Euro, die die WTG zurückzahlen müsste, wenn das TMS nicht als Thalasso-Zentrum genutzt werde. Die Summe von Baukosten, noch offener Forderungen und mögliche Zuschuss-Rückzahlungen bezifferte Kaufmann auf rund 37 Millionen Euro. 

Suche nach Investor läuft

Die jährlichen Belastungen für die WTG aus dem TMS – unabhängig davon, ob man es betreibt oder nicht – lägen bei 1,3 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund könne es durchaus sinnvoll sein, so Kaufmann, einem Hotelinvestor zum Beispiel einen Zuschuss in Höhe von 500.000 Euro im Jahr zu zahlen, wenn der dafür die betriebswirtschaftliche Verantwortung für das TMS übernimmt. Und die Gemeinde würde zudem von den touristischen Impulsen profitieren, die man sich einst vom Bau des TMS versprochen hat.

Ein Großteil der Besucher im Saal – so der Eindruck – bezweifeln, ob es derartige Impulse wirklich gibt. Sie warnten von einer zusätzlichen Bettenburg, glauben nicht daran, dass betuchte Thalasso-Gäste tatsächlich den Weg nach Horumersiel finden – mit oder ohne 5-Sterne-Hotel. „Wir sollten uns vielleicht lieber auf unser vorhandenes 3-Stern-plus-Publikum konzentrieren und dem mehr bieten“, sagte der Moderator des Abends, Heiko Manott.

Lösung für „Friesland-Therme“?

Vermieter im Saal beklagten immer schlechter werdende Gästezahlen. In den Wintermonaten sei der Ort tot. Es gebe keine Apotheke, keinen Friseur, nicht einmal ein gutes Café. Mit der Schließung der „Friesland-Therme“ sei ein weiteres Angebot vor allem für Familien mit Kindern weggebrochen. 

Wie im Rahmen des Bürgergesprächs bekannt wurde, gibt es aber offenbar im Hintergrund Bemühungen, das Bad wieder zu öffnen. Eine Idee, so sagte Bürgermeister Mario Szlezak, sei es, den Gästebeitrag (derzeit 3,30 Euro am Tag) um 30 Cent zu erhöhen, um mit den Mehreinnahmen das Defizit des Bades zu decken. 

Szlezak sagte, dass ein Hotelbau nicht in Stein gemeißelt sei. „Den Erhalt des Gebäudes des DGH kann ich nicht versprechen“, so Szlezak. Aber über die Planungshoheit könne die Gemeinde dafür sorgen, dass ein Neubau zu Horumersiel passt. Die Gemeinde habe einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst, der Raum für ein Hotel, aber auch für andere Projekte bieten könnte.

Wenn es andere Ideen gebe, wie das TMS zu retten sei, sei man offen, so der Bürgermeister. Ein Vorschlag aus dem Saal: Eine Genossenschaft aus Bürgern der Gemeinde Wangerland gründen. Ein anderer: Die WTG als GmbH komplett in Insolvenz gehen lassen. „Wenn die Banken dann ihr Geld nicht bekommen, ist das deren Problem …“. 

Versammlungsraum im Hotel-Komplex

Insolvenzfachmann Kaufmann warnte davor, mit den Banken zu brechen. Die Kreditgeber hätten in der Regel Pfändungsrechte. Und wenn die Banken die Grundstücke der WTG dann verkaufen würden, habe die Gemeinde darauf noch weniger Einfluss.

Ebenso wie weitere Kommunalpolitiker betonten die Ratsfrauen Alice Brandenburg-Bienek (CDU) und Geraldine Vogdt (Pro Wangerland), dass die Gemeinde darauf setzt, dass ein Investor gefunden wird, der in seinem Hotel-Projekt auch einen öffentlich nutzbaren Versammlungsraum und Elemente des Dorfgemeinschaftshauses vorsieht. Letztlich habe die Gemeinde Wangerland als Herrin der Bauleitplanung das letzte Wort darüber, was auf dem Grundstück „Zum Hafen 3“ gebaut werden darf und was nicht. 

Die CDU-Landtagsabgeordnete Katharina Jensen warb für Vertrauen in die Kommunalpolitik. Ja, der Rat habe zusätzlichen Millionen für den Bau des TMS im Gemeinderat zugestimmt. Man habe Fachleuten vertraut und Angst vor der Gefahr gehabt, dass ein Abbruch der Arbeiten zu einer Bauruine geführt hätte. 

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Kommentar: Gemeinde muss offene Fragen zum Thalasso-Debakel zügig aufklären

Von Gerd Abeldt

Hooksiel (8. 5. 2026) – Vertrauen ist eine hohes Gut. Vor allem in einer Demokratie. Wählerinnen und Wähler delegieren mit ihren Stimmen Entscheidungsgewalt. Auf Zeit – und im Vertrauen darauf, dass die Mächtigen auf Zeit, seien es Ehrenamtliche oder Hauptamtliche, ihre Arbeit so gut wie möglich erledigen. 

Die gewählten Vertreter an der Spitze des Wangerlandes laufen im Moment Gefahr, das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger zu verspielen. Deutlich spürbar ist der Unmut darüber, dass die Gemeinde sich dazu entschieden hat, den „vorläufige Abschlussbericht“ zum Desaster beim Bau des Thalasso Meeres Spa (TMS) entgegen ursprünglichen Zusagen doch nicht öffentlich zu machen. Aus ermittlungstechnischen Gründen, wie es heißt.

Es geht nicht nur um Straftaten

Polizei und Staatsanwaltschaft suchen schon seit Monaten nach Ansatzpunkten für strafrechtlich relevante Taten im Umfeld der gemeindeeigenen Wangerland Touristik GmbH. Insolvenzverschleppung? Untreue? Verstöße gegen das Vergaberecht oder Buchhaltungspflichten?

Es ist schwer vorstellbar. Aber wenn es wirklich so sein sollte, dass die Veröffentlichung des Gutachtens zur Kostenexplosion beim Bau des TNS von 8,8 auf mindestens 23 Millionen diese Ermittlungen behindern würde, könnte man die Geheimniskrämerei um die WTG-Interna nachvollziehen. Zumindest teilweise. 

Aber es geht beim Thalasso-Desaster ja nicht nur um Straftaten und Schuld. Mindestens genau so wichtig ist die Aufarbeitung von Verantwortlichkeiten, etwa durch Unterlassungen – und zwar nicht nur bei der Tourismus GmbH, sondern auch bei ihrer Mutter, der Gemeinde Wangerland.

Wer hat wann was gewusst?

Mit Ausnahme einer Teil-Chronik zu den Entscheidungsabläufen durch die Wählergruppe Pro Wangerland liegt bislang noch keine kritische Auseinandersetzung mit möglichen Versäumnissen im Rathaus vor. Gerade dazu gibt es aber jede Menge Aufklärungsbedarf.

Was hätte der Gemeinderat als Gesellschafterversammlung der WTG wissen müssen und was hat er tatsächlich zu welchem Zeitpunkt gewusst? Warum hat niemand in Politik und Verwaltung gemerkt, dass die WTG mit dem Bauvorhaben überfordert war und es faktisch offenbar so gut wie keine Bauaufsicht gab? Wer hätte wann Alarm schlagen müssen, als die Kosten aus dem Ruder liefen? Zumindest aus heutiger Sicht und mit Blick auf die gravierenden Folgen für die touristische Infrastruktur im Wangerland wäre wohl selbst ein später Ausstieg aus dem Projekt sinnvoller gewesen als ein „Augen zu und durch“.

Konzept war nie schlüssig

Wer hat die erheblichen Mehrausgaben – unabhängig davon, ob sie durch Zusatzwünsche des Bauherrn oder durch unerwartete Preisentwicklungen verursacht wurden – eigentlich abgesegnet? Nur der Architekt und der WTG-Geschäftsführer, der dem Vernehmen nach ja nur über ein sehr begrenztes Zeichnungsrecht verfügte? Oder auch der Verwaltungsausschuss im Rathaus?

Was auch zum Strauß an offenen Fragen gehört: Wer hat eigentlich beim Land Niedersachsen und beim Landkreis Friesland wie geprüft, ob das Thalasso-Konzept tatsächlich zuschussfähig war? Offenbar niemand, denn wie lässt sich sonst erklären, dass der inzwischen fertig gestellte Gesundheitstempel – und zwar auch ohne Baukostenexplosion – nicht wirtschaftlich auskömmlich zu betreiben ist, selbst wenn er komplett ausgelastet wäre. 

Quittung droht am Wahltag

Fragen über Fragen also, die nicht oder nur am Rande etwas mit den Ermittlungen von Polizei und Anklagebehörde zu tun haben. Ohne Antworten darauf wird es den Verantwortlichen bei der Gemeinde Wangerland aber kaum gelingen, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen

Fatal wäre es, wenn – unabhängig von der juristischen Aufarbeitung – die nötige Aufklärung zu Verantwortlichkeiten und möglichen Fehlern im Rathaus nicht vor der Kommunalwahl am 13. September erfolgen sollte. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, was dann passiert. Die Wählerinnen und Wähler bekunden ihren Unmut an den Wahlurnen – zu Lasten aller unter Generalverdacht stehenden Kommunalpolitikern – und der Demokratie.

Was heißt das? Aufklärung tut Not. Und zwar so schnell wir möglich. Für Fehler, die man begangen hat, kann man sich entschuldigen. Auch das kann Vertrauen schaffen. Berechtigte Fragen aber, auf die Antworten verweigert werden, sind der Nährboden für Misstrauen und Unmut.

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Kehrtwende bei der Gemeinde: Gutachten zum Thalasso-Debakel wird nicht veröffentlicht

Wangerland (7. 5. 2026) – Die Hoffnung auf eine möglichst schnelle Klärung der Ursachen und Verantwortlichkeiten für die Kostenexplosion beim Bau des Thalasso Meeres Spa (TMS) sind zerplatzt. Wie Bürgermeister Mario Szlezak heute mitteilte, wird es die für „nach Ostern“ angekündigte öffentliche Präsentation eines Gutachtens zum Sachverhalt nicht geben. 

Die Ursachen für die Kostenexplosion beim Bau des Thalasso-Zentrums in Horumersiels liegen weiter Im Dunkeln. Die Gemeinde Wangerland will ein aktuelles Gutachten dazu entgegen ursprünglichen Zusagen nicht öffentlich machen. Archiv-Foto: hol

Der Kostenanstieg von geplanten 8,8 auf zuletzt genannten 23 Millionen Euro gilt als maßgeblicher Baustein für die Insolvenz der gemeindeeigenen Wangerland Touristik GmbH (WTG) und damit für die erheblichen Umbrüche im touristischen Angebote der Gemeinde seither. Unter anderem wurden der Campingplatz Hooksiel privatisiert und die öffentlichen Schwimmbäder geschlossen. Eine Reihe weiterer Immobilien stehen zum Verkauf.

Verantwortlichkeiten ungeklärt

Bürgermeister und Gemeinderat hatten mehrfach größtmögliche Transparenz und eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit versprochen und angekündigt. Unter anderem sollte dabei die Frage geklärt werden, wer wann welche Entscheidungen getroffen oder nicht getroffen hat, um vergleichbare Pannen für die Zukunft ausschließen zu können. Dabei sollte auch geklärt werden, inwieweit es die Gemeinde selbst versäumt hat, Fehlentwicklungen bei ihrem Tochterunternehmen frühzeitig entgegen zu wirken.

Ein Fachbüro prüft seit deutlich über einem Jahr die Vorgänge rund um den Bau des TMS. Beschlüsse, Aufträge, Rechnungen, Überweisungen, die Plausibilität von Preissteigerungen, Versäumnisse und, und, und. Aber auch bei einem jetzt der Gemeinde vorliegenden Gutachten handle es sich lediglich um einen „vorläufigen Abschlussbericht“, heißt es in der Mitteilung. „Dieser Status ergibt sich daraus, dass das zugrunde liegende Zahlenwerk noch nicht abschließend belastbar ist, da einzelne Rechnungen weiterhin geprüft werden.“ 

Es fehlen immer noch Rechnungen

Es lägen noch nicht alle prüfbaren Abschlussrechnungen vor. Eine abschließende Bewertung der abgerechneten Leistungen sei daher derzeit noch nicht in allen Fällen möglich. Aber, so wörtlich: „Das Gutachten ermöglicht bereits eine erste Einordnung der Kostenentwicklung. Teilaspekte lassen sich im Kontext allgemeiner Entwicklungen im Bauwesen nachvollziehen. Gleichzeitig enthält das Gutachten Hinweise und Bewertungen, aus denen sich weiterer rechtlicher Prüfbedarf ergibt.“

Angaben zum aktuellen Kostenstand oder zu möglicherweise strafbaren Handlungen einzelner Akteure machte die Gemeinde heute nicht. Man stehe dazu „im engen und konstruktiven Austausch mit den zuständigen Ermittlungsbehörden“, denen man bereis sämtliche relevanten Unterlagen, Dokumente und Protokolle vollständig zur Verfügung gestellt habe, heißt es. 

Rechtliche Prüfung läuft

Die Inhalte des Gutachtens seien bei der Gemeinde in den vergangenen Wochen intensiv ausgewertet und eingeordnet worden, so Szlezak. „Nach sorgfältiger rechtlicher Prüfung sowie in enger Abstimmung mit den beratenden Juristen ist die Gemeinde Wangerland zu der Auffassung gelangt, dass eine Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt nicht angezeigt ist. Hintergrund hierfür ist, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt.“

Parallel zu den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft lasse die Gemeinde die Sachverhalte rechtlich im Hinblick auf mögliche zivilrechtliche Ansprüche prüfen. „Ziel ist es, etwaige Forderungen zu sichern und sofern erforderlich geltend zu machen.“ Eine abschließende rechtliche Bewertung möglicher Verantwortlichkeiten sei aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich. 

Inkompetente Projektleitung

Klar war schon bisher: Nur ein Teil der immensen Kostensteigerungen lassen sich durch die allgemeine Preisentwicklung im Bausektor während der Corona-Pandemie erklären. Schon in einem ersten Gutachten waren eine Fülle von Fragen von Fehlern und Versäumnissen von Seiten der WTG aus Auftraggeberin und dem beauftragten Architektenbüro aufgeworfen worden. So habe es offenbar keine kompetente Projektleitung geben, Rechnungen und Nachforderungen von Unternehmen seien nicht oder nicht hinreichend geprüft worden. Letztlich soll auch das Honorar für die Architekten selbst strittig sein. 

Umfrage von Studenten: Welches Potenzial hat das Hooksmeer?

Hooksiel (5. 5. 2025) – Segeln, surfen, Wasserski- und Tretboot fahren – das Hooksmeer gehört schon jetzt zur touristischen Marke Hooksiel. Eine Gruppe vom Studenten im Masterstudiengang der Jade Hochschule will jetzt erkunden, wie groß das Entwicklungspotenzial des vor an die 50 Jahren künstlich angelegten Gewässers ist. 

Student Jonas zu Jeddeloh hofft, dass sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger an der wissenschaftlichen Umfrage zum Hooksmeer beteiligten. Unter anderem geht es darum, wie sich das touristische Potenzial weiter entwickeln lässt. Foto: hol

Kern der Untersuchung ist eine Umfrage, an der alle Frauen und Männer ab 18 Jahren teilnehmen dürfen. Der Link zur wissenschaftlichen Erhebung:  https://ww2.unipark.de/uc/Hooksmeer_Jade_Hochschule/ . Teilnehmen können Hooksieler ebenso wie Urlauber, Menschen aus der hiesigen Region ebenso wie potenzielle Nordseeurlauber, die bislang von dem „Hooksmeer in Hooksiel“ noch nie etwas gehört haben.

Ideen der Nutzer sind gefragt

Bekanntlich wurde das Hooksmeer im Zuge der Industrialisierung in den 1970er Jahren angelegt. Es verbindet den historischen Sielhafen Hooksiel über eine Außenschleuse mit der Jade. Das umliegende Freizeitgelände ist schon heute ein beliebtes Naherholungsgebiet. 

Abgefragt werden im Rahmen der Untersuchung unter anderem die Kenntnisse über das Gewässer und das umliegende Freizeitgelände, das nach Überzeugung von Touristikern ebenfalls jede Menge Entwicklungspotenzial hat. Wie wird der bisherige Zustand des Areals bewertet? Gibt es Mängel? Verbesserungsvorschläge? Wünsche an künftige Entwicklungen? 

„Ziel der Befragung ist es, mehr darüber zu erfahren, wie bekannt das Hooksmeer ist, wie es genutzt und wahrgenommen wird und welche Wünsche oder Verbesserungsvorschläge Besucher und auch Noch-Nicht-Besucher haben“, erläutert Studentin Julia Liedke. „Die Ergebnisse der Umfrage sollen dazu beitragen, Ansätze zur Weiterentwicklung des Hooksmeeres als Freizeit- und Erholungsstandort abzuleiten.“

Umfrage läuft bis zum 10. Mai

Die Studierenden sollen im Rahmen des Projektes vor allem das wissenschaftliche Arbeiten, das Erstellen von Umfragen und Methoden zu deren Auswertung erlernen, sagt Jonas zu Jeddeloh. Aber natürlich gehe es nicht nur um die Form, sondern auch um die Inhalte. So werde man zum Thema Hooksmeer auch mehrere Experten-Gespräche führen, so etwa mit einem Vertreter der Grundeigentümerin, der landeseigenen Hafengesellschaft NPorts, die sich ganz aktuell auf die Fahne geschrieben hat, das Freizeitgelände am Hooksmeer weiter zu entwickeln.

An dem studentischen Projekt sind neben Julia Liedke und Jonas zu Jeddeloh, Mariam Mohseni und Rabiya Sungur beteiligt. Der Fragebogen steht noch bis Sonntag, 10. Mai, online. Die Beantwortung dauert rund acht bis zehn Minuten. Und, so versichern die Studierenden: „Alle Angaben werden anonym erhoben und ausschließlich im Rahmen dieses Projekts verwendet.“

Überland-Gruppe stellt sich der Kritik von Hooksieler Campern

Hooksiel (29. 4. 2026) – Wie erwartet war der Saal im Hooksieler Gästehaus am Dienstagabend rappelvoll. 120 Interessierte, davon gefühlt zwei Drittel Camper, wollen sich den ersten öffentlichen Auftritt eines Geschäftsführers der Überland-Gruppe vor Ort nicht entgehen lassen.

Einen schweren Stand hatte Überland-Geschäftsführer Jan Wittlinger (mit Mikrophon) in der Diskussion mit zahlreichen Dauercampern im Hooksieler Gästehaus. Der Manager sagte zu, über die eine oder andere Anregung nachdenken zu wollen. Foto: hol

Jan Wittlinger, extra aus Hamburg angereist, musste sich dann eine gute Stunde lange massive Kritik an den Plänen der neuen Eigentümer des Nordsee Campingplatzes anhören. Deutlich wurden mehrere Betroffene vor allem in punkto Kommunikation zwischen Betreiber und Kunden. „Das ist unmöglich.“

Gewerbe lobt Investitionen

Aber es gab auch lobte Worte. Der Hooksieler Tobias Geisen, Vorsitzender des Vereines für Handel, Handwerg und Gewerbe und einer der Macher in der örtlichen Dorfgemeinschaft, versuchte eine Lanze für die „Jungs von Überland“ zu brechen. „Wir sind froh, dass Sie so viel Geld in Hooksiel investieren.“ Erfreulich sei auch, dass die Überland-Gruppe sich über den Campingplatz hinaus in Hooksiel engagieren wolle. So trete das Unternehmen, das den Campingplatz zum 1. Januar von der insolventen Wangerland Touristik GmbH übernommen hat, als Sponsor für die bevorstehenden Herings- und Krabbentage auf.

Wittlinger war Gast der Veranstaltungsreihe „Gäste- und Bürgersnak“ des Hooksieler Seebadevereins. Nach der Begrüßung durch Moderator Thomas Leimkühler stellte er die erst 2024 gegründete Überland-Gruppe und deren Pläne für den Hooksieler Campingplatz vor. Überland betreibt aktuell sieben Campingplätze mit rund 5000 Stellplätzen in besten Lagen in ganz Deutschland. „Wir stehen für das traditionelle Campen mit Wohnwagen, Wohnmobil oder Zelt.“ 

Oberstes Ziel: Familienfreundlichkeit

Ein angestrebtes Markenzeichen: Familienfreundlichkeit. Dafür investiere man unter anderem in Spielplätze und Minigolfanlagen. Und jedes dritte Kind campe umsonst. Auf dem Hooksieler Platz gebe es zudem einen hohen Sanierungsstau. Sanitärgebäude müssten saniert, die Netze für Strom-, Wasser- und Abwasser komplett erneuert werden. Ziel sei es, „Hooksiel zu einem Vorzeigeplatz für Familien und Naturliebhaber“ zu entwickeln.

Das Sanitärgebäude B sei bereits fertig, sagte Wittlinger. Die Aufwertung der „Kajüte“ als Restaurant vor Ort werde Anfang Mai, der Bau von Abenteuerspielplatz, 1-Loch-Minigolf-Anlage und eines „Pumptracks“ (ein Rundkurs zum Beispiel für Mountainbikes und Skater), Ende Mai abgeschlossen sein. Im Juni soll die Einrichtung eines Hunde-Agility-Parcours folgen.

Kritik an strategischen Entscheidungen

Eine Reihe von Fragen lösten die strategischen Pläne der Überland-Gruppe aus, die den FKK-Campingbereich ab 2027 aus wirtschaftlichen Gründen aufzugeben und die Stellplätze für Saisoncamper und touristische Camper neu zu ordnen – unter anderem um mehr Ruhe auf dem Platz zu schaffen. 

Spielende Kinder schützen wolle man auch durch die Änderung der Schließzeiten der Schranke am Eingangsbereich. Sie bleibt ab 20 Uhr für Autofahrer gesperrt, was viele Camper als massive Beeinträchtigung ihrer Bewegungsfreiheit empfinden. Gerade ältere Menschen und Camper mit Beeinträchtigungen seien darauf abgewiesen, dass sie mit dem Auto zu ihren Stellplätzen fahren könnten – auch wenn sie abends von einer Veranstaltung oder einem Restaurantbesuch im Ort zurückkehren. Das Argument Kinderschutz sei vorgeschoben. „Seit Jahrzehnten hat sich niemand über die Auto beschwert. Hier werden doch keine Rennen gefahren“, stellte eine Camperin fest.

Unklarheiten bei Preisgestaltung

Ein Eindruck, den offenbar nicht alle teilen. Wie eine Rezeptions-Mitarbeiterin schilderte, gebe es immer wieder Beschwerden, dass sich einige Camper nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h auf dem Platz halten würden. Und es sei auch schon mal ein Kind angefahren worden …

Ein weiterer Knackpunkt: die Preisgestaltung, die für viele Camper nach eigenem Bekunden nicht transparent ist. Künftig, so Wittlinger, werde es auf dem Platz mit seinen 1500 Stellplätzen zwei Preiskategorien geben. Gehobene Preis müssten für Stellplätze direkt am Wattenmeer und am Natursaum gezahlt werden. 

Eine Camperin, die bislang 700 Euro für ihren Saisonplatz zahlt, muss sich für 2027 auf eine Erhöhung um 250 Euro einstellen, wie der Überland-Manager bestätigte. Weitere 250 Euro kämen hinzu, sobald ihr Stellplatz zu einem Komfortplatz mit eigener Strom- und Wasserversorgung ausgebaut sei. Allerdings, so Wittlinger, würden im Gegenzug die Personengebühren je Camper deutlich sinken. 

Als unangemessen empfinde sie es, dass die Camper zudem noch einen Gästebeitrag pro Person zahlen müssen, klagte eine Betroffene. Der liegt aktuell bei 3,20 Euro je Tag. „Der Gästebeitrag wird von der Gemeinde Wangerland erhoben“, erläuterte Wittlinger. „Den müssen wir kassieren und weiterleiten.“

Fehler in der Kommunikation

Wittlinger räume in der Debatte Fehler in der bisherigen Kommunikation ein. Es sei unter anderem falsch gewesen, in den Sozialen Medien mit Fotos von Leuchttürmen aus Schleswig-Holstein für den Campingplatz in Hooksiel zu werbe. Damit hatte sich Überland viel Spott eingehandelt. „Das werden wir so nicht wieder machen.“ Auch Unklarheiten bei Preisen und Nutzungsregeln wolle man schnellstmöglich durch maximale Transparenz beseitigen. Und, so eine weitere Zusage des Geschäftsführers, über die eine oder andere Neuerung werde man noch einmal nachdenken. 

FKK-Bereich halbieren?

Dazu dürften die Schranken-Schließzeiten gehören. Vielleicht ja auch die Entscheidung über die Schließung des FKK-Bereichs, der ein Alleinstellungsmerkmal des Platzes an der Nordseeküste sei und seit Jahrzehnten zu Hooksiel gehöre. Der örtliche Nudistenverein übergab Wittlinger eine Resolution mit weit über Tausend Unterschriften mit der Forderung, den FKK-Bereich als Kulturgut aufrecht zu erhalten. Der Kompromissvorschlag: Vielleicht lasse sich die FKK-Fläche halbieren, damit sie wirtschaftlicher betrieben werden kann.

Nach Ansicht von Sonja Janßen, Tourismus-Managerin aus Hooksiel, wären die Betreiber gut beraten, die „gewachsenen Familienstrukturen“ auf dem Campingplatz möglichst zu erhalten. Und noch wichtiger: Statt einer Kommunikation per Email sollten sie unbedingt das direkte Gespräch mit den Campern suchen. „Sonst bekommen Sie die Missstimmung hier nie weg.“

Überland-Gruppe stellt sich der Kritik am Campingplatz-Konzept

Hooksiel (24. 4. 2026) – Der nächste „Gäste- und Bürgersnak“ des Seebadevereins Hooksiel könnte spannend werden. Als Gast wird am kommenden Dienstag, 28. April, einer der Geschäftsführer der Überland-Gruppe erwartet. Damit stellt sich erstmals ein Vertreter der neuen Eigentümer des „Nordsee-Campingplatzes Hooksiel“ öffentlich vor. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Gästehaus. Der Seebadeverein weist darauf hin, dass maximal 120 Plätze zur Verfügung stehen.

Der Nordsee-Campingplatz in Hooksiel ist das zentrael Thema beim nächsten „Gäste- und Bürgersnak“ des Seebaadevereins. Foto: hol

Die Überland-Gruppe hatte den Campingplatz mit seinen rund 1500 Stellplätzen zum 1. Januar von der insolventen Wangerland Touristik GmbH übernommen. Seit Ende März, dem Ende der Sturmflut-Saison, ist der Platz wieder belegt. Seitdem mussten die neuen Eigentümer viel Kritik aushalten, die über die Sozialen Medien und die Tagespresse verbreitet wurde. 

Nudisten sind enttäuscht

Ein Knackpunkt: Überland hatte angekündigt, ab 2027 aus wirtschaftlichen Gründen den FKK-Bereich auf dem Campingplatz aufgeben zu wollen. Damit würde der letzte Nudisten-Campingplatz an der Nordseeküste verschwinden. Ein herber Schlag für die Betroffenen, die zum Teil seit Jahrzehnten Dauercamper in Hooksiel sind.

Unmut ausgelöst haben bei einem Teil der Camper auch weitere Änderungen. Einige Dauercamper müssen ihre angestammten Stellplätze räumen. Die Struktur der Mieten ändert sich. Es kommt ab 2027 zu Preiserhöhungen vor allem dann, wenn Überland, wie angekündigt, die bislang als marode beklagte Infrastruktur der Wasser- und Stromversorgung modernisiert hat.

Kritik an neuen Schließzeiten

Kritik gibt es auch an den vorgezogenen Schließzeiten der Eingangsschranke (20 statt 22 Uhr) für Pkw. Was aus Sicht der Betreiber für mehr Ruhe auf dem Platz sorgen soll, wird von einigen Campern als Einschränkung der eigenen Bewegungsfreiheit beklagt. 

Ein weiteres Reizthema: Hunde. Als Neuerung erlaubt Überland den Campern auf allen Stellplätzen, ihre Hunde mitzubringen. Die Tiere müssen allerdings durchweg angeleint werden. Während die einen das mit Blick auf den Bewegungsdrang der Vierbeiner bedauern, befürchten andere, dass eine zunehmende Zahl von Hunden zur Bedrohung für die Brutvögel im nahe gelegenen Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer werden könnte.

Eine Reihe von Investitionen geplant

Neben den Änderungen in der Nutzung des Platzes, die im wesentlichen in den 25-seitigen Mietverträgen der Camper fixiert sind, und der Modernisierung der Sanitäranlagen hat Überland eine Reihe von Investitionen angekündigt, die den Platz familienfreundlicher machen sollen. Dazu gehören der Bau eines Abenteuerspielplatzes, einer Minigolfanlage und einer Mountainbike-Bahn, eines Indoor-Spielplatzes und eines Hunde-Agility-Parcour. 

Auch diese mit Blick auf die Attraktivität des Campingplatzes allgemein begrüßten Neuerungen dürften Thema beim „Gäste- und Bürgersnak“ werden.

WTG sucht Investor für Kur- und Thermenhotel in Horumersiel

Horumersiel/Hooksiel (10. 4. 2026) – Die Wangerland Touristik GmbH sucht Investoren für Neubau eines Thermen-Hotels und den Betrieb des Thalassso Meere Spa (TMS) in Horumersiel. Durch die erhofften Einnahmen will sich das gemeindeeigene Unternehmen aus der finanziellen Schieflage befreien, die zur aktuellen Insolvenz in Eigenverwaltung geführt hat.

Die WTG sucht nach Investoren für Horumersiel. Im Fokus sehen dabei die Gebäude des bisherigen Kurzentrums mit Tourist-Info und Kursaal (lila), das Thalasso-Meeres-Spa (blau) und die Friesland-Therme (gelb). Repro: WTG

Der jetzt in eine europaweitem Vergabeverfahren angebotene Gebäudekomplex am Standort „Zum Hafen 3“ in Horumersiel umfasst den Kernbereich der bisherigen Kurverwaltung – den Sitz des Unternehmens selbst mit Büroräume, Tourist-Information, Bücherei und Kursaal. 

Hotelneubau bis Ende 2028?

Auf diesem Grundstück könnte ein Käufer nach den Vorstellungen von Gläubigern, Insolvenzverwaltung und WTG „ein neues Kur- und Thermenhotel mit gesundheits- und tourismusorientierter Nutzung errichten“. Der Neubau soll möglichst schon Ende 2028 stehen. 

Das Grundstück liegt in unmittelbarer Nähe zum TMS und dem Schwimmbad „Friesland-Therme“. In dem erwünschten Kur- und Thermenhotel könnten – je nach Planung des Investors – auch wieder Einrichtungen wie zum Beispiel Büroräume für die WTG, eine Tourist-Info, Veranstaltungsräume, Shops oder auch Mitarbeiter-Wohnungen untergebracht werden.

Betreiber fürs TMS gesucht

In einem zweiten Los des Vergabeverfahrens geht es um den Betrieb des Thalasso Meeres Spa. Die Kostenexplosion beim Bau des Gesundheitstempels von veranschlagten 8,8 auf zuletzt angenommene 23 Millionen Euro gilt als Hauptursache für die Schwierigkeiten der WTG. 

Der Sanierungsplan sieht ausdrücklich nicht den Verkauf des TMS vor. Potenzielle Betreiber sollen vielmehr „ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept“ für den Betrieb der Einrichtung von 2027 bis Ende 2041 vorlegen, das Synergien mit dem geplanten Thermen-Hotel herstellt. Das TMS selbst bliebe bei dieser Konstruktion weiter im Besitz der WTG, die sich dann um den Abtrag der Investitionskosten kümmern müsste.

Friesland-Therme
Die „Friesland-Therme“ ist schon seit Monaten geschlossen. Mit einem entsprechenden Konzept eines benachbarten Kur- und Thermenhotels könnte das Bad auf vielleicht wieder eine Zukunft haben. Archiv-Foto: hol

Inwieweit Interessenten sich in der Lage sehen, einen kostendeckenden Betrieb des Thalasso Meeres Spa zu gestalten, dürfte sich erst im Vergabeverfahren selbst zeigen. Bei der WTG geht man aber offenkundig davon aus, dass man den künftigen Betreiber durch „ein Entgelt“ unterstützen muss. Umso wichtiger der Hinweis, dass man sich Synergien mit dem Neubau des Kurzentrums wünsche und einen Hotel- sowie Thalasso-Betrieb „aus einer Hand“ bevorzuge. 

Architektur wichtig

Bei der Vergabe des Grundstückes für das Thermen-Hotel soll neben der Höhe des gebotenen Kaufpreises auch die architektonische und städtebauliche Konzeption des Gebäudekomplexes stark gewichtet werden. Schon in der Vergangenheit waren Gewerbetreibende und Bürger in Horumersiel massiv gehen Pläne für überdimensionierte Hotelkomplexe vorgegangen.

Der Zeitplan sieht vor, dass Interessenten bis zum 21. Mai ihre Teilnahme an dem Verfahren beantragen können. Bis Anfang August sollen dann erste Angebote vorliegen, die dann beraten und nachverhandelt werden können. Mit der Vertragsunterzeichnung mit einem Investor rechnet die WTG für Ende September/Anfang Oktober. 

Der geplante Verkauf des Grundstücks „Zum Hafen 3“ ist ein weiterer Schritt zur Sanierung der WTG. Bekanntlich hat das Unternehmen sich bereits vom Campingplatz in Hooksiel getrennt und Grundstücke in Tettens verkauft. Für den Campingplatz Schillig wird aktuell nach einem Käufer gesucht. Die beiden WTG-Schwimmbäder in Horumersiel und in Hooksiel sind seit Monaten geschlossen. Für das Hallenwellenbad-Hooksiel mit den umliegenden Flächen wird ebenfalls nach einem Investor gesucht.

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Putzkolonnen künftig ohne Chemie und Giftstoffe unterwegs

Hooksiel (9. 4. 2026) – Beide Unternehmen sind seit Anfang 2025 zertifizierte Partner des Unesco Weltnaturerbe Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Ab sofort arbeiten die Hooksieler „Agentur am Meer“ und die PUUYU Nature Care GmbH aus Jever auch im praktischen Geschäft eng zusammen. Die gemeinsame Basis: Nachhaltigkeit.

Setzen beim Reinigen von Ferienwohnungen auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz: Alexandra Gölz und Matthias Suckert. Foto: hol

Die „Agentur am Meer“ am Meer betreut rund 120 Wohnungen und Feriendomizile in Hooksiel. Die wollen regelmäßig geputzt und gereinigt werden. „Nach jedem Bettenwechsel schicken wir eine Putzkolonne“, schildert Agenturbetreiber Matthias Suckert. Künftig werden die Putzkräfte nicht nur saubere Zimmer hinterlassen, sondern auch einen ökologisch einwandfreien Fußabdruck.

Nur ökologisch unbedenkliche Produkte

Dafür sollen die Produkte der PUUYU GmbH sorgen, die ausnahmslos mit natürlichen Inhaltsstoffen und Enzymen Verschmutzungen beseitigen, ohne die Umwelt oder die Anwender zu schädigen. Nach den Worten von Unternehmensgründerin Alexandra Gölz hat das Unternehmen eine ganze Reihe von Produkten entwickelt, die ohne Giftcocktail und Gaswolke reinigen. „Auf unserer Produkten findet man nicht einen einzigen Warnhinweis, die für potenziell giftige, ätzende oder wasserschädliche Stoffe vorgeschrieben sind.“

In einer Testphase wurden die Hooksieler Putzkolonnen für den Einsatz der neuen Allzweck-, Luft-, WC- oder Bodenreinigern geschult. „Das Motto ,viel hilft viel‘ gilt bei uns nicht“, sagt Alexandra Gölz. Soll heißen: Der richtige Umgang mit den Öko-Putzmitteln will gelernt sein. Zum Wohle der Umwelt und der Gesundheit von Mensch und Tier, die in die frisch gereinigten Wohnungen einziehen. 

Werte des Nationalparks Wattenmeer

Darauf setzt Suckert. Nach seinem Eindruck würden sich immer mehr Urlauber bewusst für eine Unterkunft entscheiden, die nachweislich im Einklang mit den Werte des Nationalparks Wattenmeer betrieben wird. 32 seiner Wohnungen seien entsprechend zertifiziert. 

Gölz und Suckert, die sich erst bei der Verleihung ihrer Zertifikate durch die Nationalparkverwaltung kennen gelernt haben, wollen auch beim Vertrieb der nachhaltigen Putzmittel zusammenarbeiten. Die Putzmittel können künftig in einem Shop in der Agentur in der Lange Straße erworben werden. 

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Auftakt nach Maß: Gut 600 Oldtimerfans im Automuseum

Hooksiel (5. 4. 2026) – Der erste Schritt ist getan. Hooksiel bekommt eine neue Attraktion. Am heutigen Ostersonntag hat Max Cornelius seine Anhänger zu einer ersten Besichtigung seines „Automuseums“ an der Bäderstraße eingeladen. 600 Oldtimerfreunde aus Nah und Fern folgten dem Ruf, viele von ihnen selbst mit historischen Automobilen unterwegs.

Max Cornelius ist mit seinem Automobilmuseum jetzt von Friedeburg nach Hooksiel umgezogen. Foto: hol

Ihr Weg hat sich gelohnt. Schon auf dem Parkplatz des Tankstellengeländes am Hooksieler Kreisel waren etliche Schmuckstücke auf vier Rädern der verschiedensten Marken zu bewundern. In der ehemaligen Autowerkstatt und Lackiererei dann der private Fundus von Cornelius, der vor wenigen Monaten in Schmidtshörn die ehemalige KFZ-Werkstatt Mewes übernommen hat und dort seither einen Autohandel samt Werkstatt betreibt. 

Jetzt ist Cornelius auch mit seinem bislang in Friedeburg beheimaten „Gurkenmuseum“ nach Hooksiel umgezogen. „Gurken“, das sich die überwiegend mehrere Jahrzehnte alten Autos, die nicht nur ein Stück Zeitgeschichte erzählen, sondern bei vielen Besuchern auch ganz persönliche Erinnerungen wecken. „So einen hatte ich früher auch mal …“. Von Manta über Corsa und Käfer bis zum Trabbi, von Landrover über BMW und Mercedes bis zum Triumph Spitfire. 

Neues Leben in der lange leer stehenden KFZ-Halle an der Bäderstraße. Ostersonntag war die Ausstellung erstmals zu sehen.. Foto: hol

Cornelius ist in der Oldtimer-Szene eine Größe. Bekannt ist er durch seine DMAX-Serie „Max Carshop“ und seine über Youtube verbreiteten Videos („Max Speedshop“), die sich um die 77.000 Menschen mehr oder weniger regelmäßig anschauen. Das Automuseum des gebürtigen Wilhelmshaveners könnte – für die Prognose braucht man kein Tourismus-Fachmann zu sein – zu einem echten Besucher-Magneten für Hooksiel werden. 

Bis es soweit ist, können aber noch ein paar Wochen ins Land gehen. Hier und dort müssen noch behördliche Auflagen erfüllt werden. Bis die abgearbeitet sind, will Cornelius seine Ausstellung nur jeden zweiten Sonntag für Oldtimer-Freunden („Community-Treffen“) öffnen. Später, so der Plan, wird soll das Museum mit täglichen Öffnungszeiten für jedermann zugänglich sein.

„Wir brauchen bei der Suche nach den Gründen für die WTG-Insolvenz größtmögliche Transparenz“

Hooksiel (2. 4. 2026) – Manfred Meppen ist Hooksieler. Bis 2007 arbeitet der Pensionär bei de Gemeinde Wangerland. Seit 1999 war er Erster Gemeinderat und damit Vertreter des Bürgermeisters. Entsprechend liegen ihm die Geschicke der Gemeinde der Gemeindeverwaltung besonders am Herzen.

Hooksiel-Life: Moin, Herr Meppen. Sie haben Anfang Februar unter anderem auf „Hooksiel-life“ einen Leserbrief zur im Herbst anstehenden Kommunal-/Bürgermeisterwahl veröffentlicht. Wie waren die Reaktionen darauf?

Manfred Meppen: Ich von von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern darauf angesprochen worden. In diesen Gesprächen wurden unterschiedliche Aspekte erörtert. 

HoL: Sie hatten unter anderem die Qualifikation der seinerzeit noch vier Bürgermeister-Kandidaten bemängelt. Warum eigentlich? Ist der Job des Bürgermisters in einer vergleichsweise kleinen Gemeinde wirklich so schwer?

Meppen: Die Gemeinde Wangerland ist mit ihrer 100-pozentigen Tochtergesellschaft WTG ein besonderer Akteur. Das wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass hier circa zwei Millionen Übernachtungen zu verzeichnen sind und die WTG zuletzt und 180 Mitarbeiter hatte.

Die Gemeinde wurde seit ihrer Gründung 1972 über nahezu fünf Jahrzehnte – bis zur Wahl von Bürgermeister Mario Szlezak im Jahr 2021 – durchgehend von Bürgermeistern und Allgemeinen Vertretern mit verwaltungsfachlicher Ausbildung geführt. Diese Beamten des gehobenen Dienstes verfügten in der Regel über einen Fachhochschulabschluss als Diplom-Verwaltungswirt (FH) mit ausgeprägten juristischen Ausbildungsanteilen.

Ich möchte meinen Aufruf, sich für das Bürgermeisteramt im Wangerland zu bewerben, ausdrücklich auch auf Juristen und Verwaltungsfachkräfte mit entsprechender Qualifikation – zum Beispiel Verwaltungslehrgang II – ausdehnen.

HoL: Okay, aber vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist das nicht ….

Meppen: Nein, aber der Bürgermeister ist als Hauptverwaltungsbeamter das alleinige Exekutivorgan der Gemeinde und vertritt sie eigenverantwortlich nach außen. Er trägt die rechtliche Verantwortung für das Verwaltungshandeln und die Umsetzung der Beschlüsse der kommunalen Gremien. Der Bürgermeister leitet und beaufsichtigt die Verwaltung eigenverantwortlich. Dabei ist er rechtlich verpflichtet, rechtswidrigen Beschlüssen des Rates oder des Verwaltungsausschusses zu widersprechen und deren Umsetzung zu verhindern.

HoL: Das klingt gewaltig. In der Praxis hat ein Bürgermeister aber doch auch viele andere Aufgaben. Etwa als Repräsentant der Gemeinde oder im Umgang mit Parteien und Bürgern.

Meppen: Ja, natürlich. Aber ein Blick in die Region unterstreicht die Bedeutung fachlicher Qualifikation: Führungsfunktionen in Verwaltung und Kommunen werden nicht selten von Personen mit juristischer Ausbildung wahrgenommen. Etwa beim Landkreis Friesland oder in der Stadt Jever. Und auch die Besoldung spiegelt die Verantwortung wieder: Der Bürgermeister der Gemeinde Wangerland wird nach Besoldungsgruppe B1 vergütet, was in der Wertigkeit der Einstiegsbesoldung eines Richters (R1) entspricht.

HoL: Können sie nachvollziehen, dass Kandidaten, die keine Juristen sind, ihre Bewertung als Totschlag-Argument gegen sich selbst empfinden?

Meppen: Nein. Mir erscheint es durchaus sachgerecht, im Wahlkampf neben politischen Programmen auch das Rollenverständnis und die fachlichen Anforderungen an das Amt des Hauptverwaltungsbeamten offen zu thematisieren. Ich behaupt ja nicht, dass es einen unmittelbar ursächlichen Zusammenhang zwischen Qualifikation und konkreten Entwicklungen in der Gemeinde Wangerland gibt.

HoL: Nehmen wir ein Beispiel: Wäre es zur Insolvenz der gemeindeeigenen Wangerland Touristik GmbH im Sommer 2025 auch mit einem Juristen oder einem Verwaltungsprofi an Spitze der Gemeindeverwaltung gekommen?

Meppen: Das kann man so nicht beantworten. Das Ereignis selbst ist dramatisch. Neben den wirtschaftlichen Folgen für die Gemeinde Wangerland verdienen auch die persönlichen Auswirkungen auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WTG sowie deren Familien besondere Beachtung. Schon deshalb erscheint mir eine umfassende und transparente Aufarbeitung der Ereignisse unerlässlich. 

HoL: Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen ja bereis aufgenommen.

Meppen: Unabhängig vom Ausgang möglicher strafrechtlicher Ermittlungen kann im Einzelfall auch eine zivilrechtliche Verantwortung in Betracht kommen, sofern entsprechende Pflichtverletzungen nachweisbar sind. Dies zu prüfen, wäre gegebenenfalls Aufgabe zukünftiger kommunaler Gremien. Darüber hinaus sollten auch solche organisatorischen und politischen Entscheidungen betrachtet werden, die sich im Nachhinein als problematisch erwiesen haben, ohne notwendigerweise rechtliche Konsequenzen nach sich zu ziehen.

HoL: Haben Sie den Eindruck, dass man bei der Gemeinde mit Nachdruck an der Aufklärung der Umstände und der Entscheidungen arbeitet, die zur Kostenexplosion beim Bau des Thalasso Meeres Spa und damit letztlich zur Insolvenz der WTG geführt haben? 

Meppen: Der Bürgermeister hat angekündigt, dass ein beauftragtes Gutachten „nach Ostern“ zunächst in vorläufiger Form vorgelegt werden soll. Die Ergebnisse sollen anschließend verwaltungsintern ausgewertet und zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich dargestellt werden. Für eine glaubwürdige Aufarbeitung wird es meines Erachtens entscheidend darauf ankommen, größtmögliche Transparenz herzustellen. Dazu gehört auch eine Betrachtung der Rollen der kommunalen Gremien sowie der Kommunalaufsicht.

HoL: Aber was bringt das noch? Das Kind ist ja bereits in den Brunnen gefallen …

Meppen: Ja, aber nur durch eine umfassende, nachvollziehbare Aufarbeitung der WTG-Insolvenz können strukturelle Konsequenzen gezogen und vergleichbare Entwicklungen künftig vermieden werden. Das ist meiner Ansicht nach ein zentraler Prüfstein für Transparenz, Verantwortungsbewusstsein und Führungsqualität in der Gemeinde – auch im Hinblick auf die Kommunalwahl am 13. September 2026.