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Wo Badende sich auflösen bevor sie erscheinen können

Hooksiel (11. 5. 2026) – Berlin, Paris, New York, Athen. Israel, Neuseeland, Burkina Faso. Jean-Nöel Schramm ist schon viel herumgekommen in der Welt. Mehr oder weniger zufällig. Durch Kontakte und Bekannte. 

Renate Janßen-Niemann begrüßt den neuen Stipendidaten Jean-Nöel Schramm im Hooksieler Künstlerhaus. Foto: hol

Und jetzt Hooksiel. Der in Bayern geborene deutsch-französische Maler und Fotograf wird in den nächsten Wochen im Künstlerhaus wohnen und arbeiten. Am vergangenen Sonntag eröffnete der 66-Jährige zusammen mit der Künstlerhaus-Leiterin Renate Janßen-Niemann und dem Allgemeinen Vertreter des Bürgermeisters, Peter Podein, seine Ausstellung „Flüchtige Ewigkeit – Menschen am Strand“.

Neue Ausstellung im Künstlerhaus

Zu sehen ist eine Serie von kleinformatigen Aquarellen von Menschen an Stränden. Junge und ältere Personen, unterschiedlich gekleidet, mit oder ohne Gebrechen. Fotografiert, dann gemalt. Aber so, dass die Protagonisten sich durchaus wiedererkennen würden, ist Schramm überzeugt. Aber darauf kommt es eigentlich gar nicht an, was die Besucher der Vernissage, soweit sie es noch nicht erahnt hatten, einem von Hörbuchsprecherin Anna Carlsson vorgetragenen Erklärtext entnehmen konnten. 

„Die Badenden entziehen sich, lösen sich auf, bevor sie überhaupt erscheinen können. Doch genau in diesem Entzug entsteht ein neuer Bildraum: einer der weniger auf Sichtbarkeit als auf Erfahrung basiert.“ Die Spannung der Bilder entsteht in dem Dazwischen – zwischen Wasser und Land, zwischen Intention und Abweichung, zwischen Figur und Struktur. 

Segeltörn als Inspiration

Dass der Ort des Entstehens der Kunst dabei nicht nebensächlich ist, kann der Betrachter an einem großformatigen Gitterbild nachvollziehen. Entstanden auf einem Segeltörn in Neuseeland. Geprägt von Welle zu Welle, von Woge zu Woge, alle ähnlich, aber nie gleich. Ein Bild, geprägt von Rhythmus und der Spannung in der Monotonie. 

Und auch diese Bild ist ebenso wie die schier endlose Galerie der Badenden nicht vollendet. Es ist ein Projekt. Der Beginn der Auseinandersetzung mit einem Thema, das weiter entwickelt, entfaltet und letztlich vielleicht sogar zerstört werden will. Weitere Badende will Schramm während seines Aufenthalts in Hooksiel ins Visier nehmen. Am Strand. Ungestellt. Überraschend. Authentisch.

Für Beleidigung im Käfig

Aber keine Angst. Der Mann mit der Kamera will nur Kunst. Ihm geht es weniger um die „Darstellung der Körper, sondern die Erfahrung eines Zustandes: das Eintauchen, das Getragenwerden, das zeitweise Ausgesetztsein“ Aber nicht jeder versteht das. So wäre Schramm in Griechenland fast im Gefängnis gelandet, weil er ein ins Wasser gehendes Paar fotografiert hat, was als „Beleidigung“ gewertet wurde und in einem Käfig auf einer Polizeistation endete.

Die Ausstellung ist bis zum 5. Juli jeweils dienstags bis sonntags sowie am Pfingstmontag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Auch wenn der Künstler wegen eines Trauerfalls in der Familie in den nächsten Tagen nicht in Hooksiel sein kann, hat er zugesagt, auch vor Ort arbeiten und mit Interessierten ins Gespräch kommen zu wollen.

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