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Wunschkonzert ohne Grenzen – und ohne Preisschilder

Von Gerd Abeldt

Hooksiel (29. 1. 2026) – Stellen wir uns vor, es ist Weihnachten. Der Weihnachtsmann kommt und fragt die Kinder: „Was wünscht Ihr euch? Ihr habt freie Auswahl. Macht euch keine Gedanken darüber, was das Geschenk kosten könnte. Wer weiß, vielleicht finden eure Eltern ja jemanden mit viel Geld …“. Wie groß ist da wohl die Wahrscheinlichkeit, dass die Wünsche dem Geldbeutel der Eltern entsprechen? 

Thomas Leimkühler vom Seebadeverein moderierte die Iden-Suche für das ehemalige Feuerwehrgelände am Alten Hafen. Foto: hol

An einen solchen Festakt erinnerte die Erhebung eines Stimmungsbildes zur Zukunft des Areals des ehemaligen Feuerwehrhauses am Alten Hafen beim Hooksieler Seebadeverein. Thomas Leimkühler als Moderator des sechsten „Gäste- und Bürgersnak“ forderte die rund 80 Anwesenden auf, Ideen zu entwickeln, wie der Dorfkern an dieser Stelle attraktiver werden könnte. Schließlich habe Bürgermeister Mario Szlezak, der als Zuhörer im Gästehaus saß, auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde dazu aufgefordert, das Thema ganz neu zu denken. 

Hotelprojekt gescheitert

Bekanntlich war im alten Jahr das Planungsbüro, für das Filetgrundstück ein Hotel entworfen hatte, mit dem Versuch gescheitert, dafür einen Investor zu finden. Also: Alles zurück auf Null. Zurück zur Frage, die gerade im aufziehenden Kommunalwahlkampf an Bedeutung gewinnt: „Was wollen die Hooksieler eigentlich?“

Leimkühler nannte den Vereinsmitgliedern einige Rahmenbedingungen: Das Ensemble mit den benachbarten Packhäusern steht unter Denkmalschutz. Die Hafenmauer schützt vor Hochwasser. Der Hafenplatz sollte als Fest- und Dorfplatz erhalten bleiben. Das öffentliche WZ ist wichtig, auch für Segler. 

Markthalle oder Geschäftspassage

Die Forderung des Grundeigentümers, der Gemeinde Wangerland, die für das Grundstück 420.000 Euro haben möchte, kam nicht zur Sprache. Geld spiele erstmal keine Rolle. Vielleicht gibt es ja Fördertöpfe, von denen bislang noch niemand etwas weiß …

Also Feuer frei für das Ideen-Feuerwerk. In kleinen Gruppen entwickelten die Besucher des „Gäste- und Bürgersnaks“ Vorschläge, für die im Nachgang Stimmen abgegeben werden konnten. Die Favoriten: Eine Markthalle oder Passage mit kleinen Geschäften und einem Café. Und das „Projekt-Rothert“.

Bauplan für Alten Hafen
So sahen die Pläne aus, die Bauunternehmer Bodo Rothert 2022 für den Alten Hafen erarbeitet hatte. Archiv-Foto: hol

Bodo Rothert, Bauunternehmer mit familiären Wurzeln in Hooksiel, hatte 2022 die Idee entwickelt, zwischen Lange Straße und Hafen ein zum Hafen geöffnetes Restaurant mit einigen Hotel-Zimmern in die vorhandene Bebauung am Hafen einzubetten. Nachdem bis 2024 die Gemeinde daran kein Interesse gezeigt hatte, verabschiedete Rothert sich von dem Projekt, nahm nicht mehr an dem offiziellen Interessen-Bekundungsverfahren teil und baute stattdessen unter anderem an der Nee Straat ein Mehrfamilienhaus.

Gegen Ferienwohnungen und Appartements

Einzelne Bürger wünschten sich ein Kulturzentrum oder eine kleine Tourist-Info. Für einen klassischen Hotelbau können sich offenbar nur wenige begeistern. Gar keine Befürworter gab es im Kreise der Seebadevereins-Mitglieder für Ferienwohnungen oder eine Health-Care-Appartementanlage.

Entsprechende Pläne hatte die Bremer Specht-Gruppe im Interessen-Bekundungsverfahren präsentiert. Die Hooksieler halten davon – zumindest für das Hafengrundstück – offenbar wenig. Bleibt abzuwarten, wieviel dem Gemeinderat das Stimmungsbild im Ort tatsächlich wert ist. Die Specht-Gruppe jedenfalls war bereit, den geforderten Preis für das Grundstück zu zahlen.

Die Hoffnung: Es sollte nicht bis zum nächsten Weihnachtsfest dauern, bis die Hooksieler wissen, über welches Geschenk sie sich freuen dürfen. Wer es bezahlt und wer es wie betreiben möchte. Andernfalls könnte es schon vorher die Bescherung geben. Bei der Kommunalwahl.

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