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Nach Kandidatur für AfD fristlose Kündigung durch Mission

Wangerland/Jever (19. 8. 2026) – Martina Müller, Kandidatin der AfD für ein Mandat im Gemeinderat der Gemeinde Wangerland und im friesländischen Kreistag, hat durch ihr Bekenntnis zu der in Niedersachsen als „gesichertrechtsextrem“ eingestuften Partei ihren Job verloren. Wie die Partei mitteilt, wurde wurde die angehende Kommunalpolitiker am 17. August von ihrem Arbeitgeber, der mission:lebenshaus gGmbH, fristlos gekündigt.

Martina Müller: „Ich bin schwer enttäuscht“

Zuvor habe der Arbeitgeber Martina Müller noch aufgefordert, bis zum 7. August ihre Kandidaturen zurückzuziehen. Andernfalls würde man arbeitsrechtliche Schritte bis hin zur Kündigung einleiten. Die Wangerländerin arbeitet seit Mitte 2011 bei der mission:lebenshaus gGmbH und ist zudem 1. Vorsitzende der Mitarbeitervertretung.

„Meine langjährige Tätigkeit habe ich mit Überzeugung und Verantwortung gelebt und mich stets für die Belange und Interessen der Beschäftigten eingesetzt“, so Martina Müller. „Ich bin schwer enttäuscht davon, dass mein Arbeitgeber nach so langer vertrauensvoller Zusammenarbeit versucht, mich zu nötigen und meine berufliche Existenz bedroht, nur weil ich mich auch für die Mitmenschen in meiner Gemeinde und meinem Landkreis künftig einsetzen möchte.“

Mission ist Teil der Diakonie

Die mission:lebenshaus gGmbH ist eine 100-prozentige Tochter des Vereins für Innere Mission in Bremen und unterhält sechs stationäre Hospize in Norddeutschland, unter anderem in Jever, Varel und Wilhelmshaven. In einer heute verbreiteten Stellungnahme bestätigt der Verein die Darstellung.

Der Verein für Innere Mission sei Teil der evangelischen Kirche sowie auch Teil der Diakonie und erfülle seit 177 Jahren seinen Auftrag auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes. „Die unantastbare Würde jedes Menschen, Nächstenliebe, Respekt, Teilhabe, Solidarität sowie die besondere Verantwortung für Menschen in vulnerablen Lebenslagen sind zentrale Grundlagen unseres Handelns.“

Grundsätzlich arbeite man nicht nicht mit Personen, Organisationen oder Netzwerken zusammen, deren Handeln oder vertretene Positionen im Widerspruch zu den grundlegenden Werten von Kirche und Diakonie stehen. Dabei gehe es nicht um die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Partei oder Organisation als solche. Entscheidend sei die Frage, ob Haltungen, Positionen und öffentliches Handeln mit dem kirchlich-diakonischen Auftrag und den daraus folgenden Loyalitätsanforderungen vereinbar seien.

Kein Platz für Ausgrenzung von Menschen

„Die mission:lebenshaus gGmbH verhält sich parteipolitisch neutral – aber wir ergreifen Partei, wenn es um genau die Menschen geht, die bei uns entscheidende Unterstützungsleistungen suchen“, wird in der Erklärung betont. „Wenn also Menschen und Gruppen von wiederum anderen Menschen, Gruppen und auch Parteien abgewertet und ausgegrenzt und zu Bürgerinnen und Bürgern zweiter Klasse degradiert werden, dann müssen wir uns dem mit aller Entschiedenheit entgegenstellen.“

Man habe die Kandidatur der Mitarbeiterin für die „Alternative für Deutschland“ bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen sorgfältig geprüft. Das Ergebnis: „Nach unserer Auffassung steht die aktive Kandidatur für eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Organisation in einem schwerwiegenden Spannungsverhältnis zu den Grundwerten und dem Auftrag von Kirche und Diakonie.“ Und weiter: „In unseren Einrichtungen können Menschen in vulnerablen Lebenslagen darauf vertrauen, dass wir ihnen mit Achtung und Empathie begegnen und unabhängig von Herkunft, Nationalität, Religion, Weltanschauung, sozialem Status oder persönlicher Lebenssituation für ihre Würde und ihre Rechte eintreten.“

Man sehe sich mit der Kündigung auf Grundlage des Grundgesetzes und der geltenden kirchlichen und arbeitsrechtlichen Regelungen.

Sichert: Unfassbarer Vorgang

Martin Sichert, Kreisvorsitzender der AfD Friesland-Wittmund, stuft die Kündigung hingegen als „unfassbar“ ein. Arbeitgeber hätten die Pflicht, Mitarbeiter für Arbeit im Gemeinderat und Kreistag freizustellen und ihnen diese Arbeit zu ermöglichen. „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es Arbeitgeber gibt, die so demokratiefeindlich sind, dass sie Mitarbeiter abmahnen und sogar kündigen, nur weil diese für die aktuell in Umfragen stärkste politische Partei kandidieren.“

Gerade Unternehmen im Umfeld der Diakonie, die massiv von staatlichen Geldern finanziert würden, hätten eine eine besondere Neutralitätspflicht. „Ich fordere den diakonischen Träger auf, die Kündigung und die Abmahnung mit sofortiger Wirkung zurückzuziehen.“ 

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