Wangerland (18. 2. 2026) – Bei nur einer Gegenstimme und drei Enthaltungen haben am heutigen Mittwoch der Kreistag des Landkreises Friesland und der Rat der Stadt Wilhelmshaven den Startschuss für die Suche nach einem Grundstück für ein Zentralklinikum gegeben. Auf einer gemeinsamen Sitzung beider Gremien im Kursaal in Horumersiel unterstrichen Redner beider Kommunen die Bedeutung des Beschlusses und die Notwendigkeit des Vorgehens.
„180.000 Menschen in Wilhelmshaven und Friesland wollen ein Krankenhaus mit maximaler Qualität – und das möglichst schnell“, sagte Oberbürgermeister Carsten Feist. „Und das geht nur gemeinsam.“ Dafür sein ein Interessenausgleich der Beteiligen extrem wichtig, sagte Frieslands Landrat Sven Ambrosy.
Zentral und wirtschaftlich
Dem stimmten zahlreiche Redner im Grundsatz zu, wobei es auch einige kritische Anmerkungen gab. Wilhelmshavens SPD-Fraktionschef Volker Block räumte ein, dass die SPD dem Beschlussvorschlag nur schweren Herzens zustimme. Man hätte sich bei er Abwägung von Zentralität und Wirtschaftlichkeit in der Entscheidungs-Matrix eine größere Gewichtung für die Wirtschaftlichkeit gewünscht.
Nach den gesundheitspolitischen Vorgaben von Land und Bund soll die Krankenhauslandschaft zentralisiert und damit die Qualität der Versorgung gesteigert werden. Für die „Friesland Kliniken“ und das „Klinikum Wilhelmshaven“ bedeutet das, dass sie in vielen medizinischen Bereichen den künftigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden, wenn sie ihre Leistungen nicht bündeln.
Auf ein Zentralklinikum hatten sich Stadt und Landkreis bereits im Sommer 2025 geeinigt. Dafür soll ein Neubau entstehen. Offen ist aber unter anderem noch die Frage, wo das künftige Zentralklinikum stehen soll. An einem der beiden bisherigen Krankenhaus-Standorte in Wilhelmshaven und Sanderbusch oder auf einem unbebauten, möglichst zentral gelegenen Grundstück auf der grünen Wiese?
Entscheidungs-Matrix
Rat und Kreistag segneten heute die Vorarbeit der Verwaltungs-Dezernenten Thomas Bruns (Stadt) und Rolf Neuhaus (Landkreis) ab, die trotz aller Interessenunterschiede einen gemeinsamen Beschlussvorschlag für die Standortsuche erarbeitet haben. Die von ihnen entwickelte Entscheidungs-Matrix soll Grundlage für eine wissenschaftlich fundierte Empfehlung sein, über die dann die politischen Gremien abschließend entscheiden müssen.
Neben Fragen der geografischen Zentralität soll gleichgewichtig die Wirtschaftlichkeit entscheidend sein. Derzeit müssen beide Kommunen ihre Krankenhäuser in ein- oder auch zweistelliger Millionenhöhe im Jahr bezuschussen. Das sei Beleg dafür, dass die Krankenhäuser finanziell nicht auskömmlich ausgestattet sind, stellte der CDU-Ratsherr Martin Ehlers fest. „Und ich befürchte, auch das Zentralklinikum wird Zuschüsse brauchen.“
Schlüsselrolle beim Land
Im Beisein von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), zugleich Mitglied im Kreistag, wurde die Schlüsselrolle deutlich, die das Land für den geplanten Neubau spielt. Bei der Finanzierung, aber auch bei Fragen wie: Müssen die bestehenden Kliniken im Fall eines Neubaus Fördermittel zurückerstatten? Können die 100 Millionen Euro, die das Land bereits für den ins Stocken geratenen Klinikneubau in Wilhelmshaven gewährt hat, auf das neue Projekt umgelenkt werden? Antworten auf diese Schlüsselfragen werden aus Hannover Anfang März erwartet.
Auch mit der Standortsuche soll es jetzt zügig voran gehen. Mit der Identifikation sowie der fachlichen und wirtschaftlichen Bewertung möglicher Standorte wolle man „bis zur Sommerpause durch sein“, sagte Wilhelmshavens Kämmerer Bruns. Ob sich dieser Empfehlung dann eine politische Entscheidung über den Standort des Zentralklinikums noch vor der Kommunalwahl im September anschließt, bleibt abzuwarten.








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