Hooksiel (29. 4. 2026) – Wie erwartet war der Saal im Hooksieler Gästehaus am Dienstagabend rappelvoll. 120 Interessierte, davon gefühlt zwei Drittel Camper, wollen sich den ersten öffentlichen Auftritt eines Geschäftsführers der Überland-Gruppe vor Ort nicht entgehen lassen.

Jan Wittlinger, extra aus Hamburg angereist, musste sich dann eine gute Stunde lange massive Kritik an den Plänen der neuen Eigentümer des Nordsee Campingplatzes anhören. Deutlich wurden mehrere Betroffene vor allem in punkto Kommunikation zwischen Betreiber und Kunden. „Das ist unmöglich.“
Gewerbe lobt Investitionen
Aber es gab auch lobte Worte. Der Hooksieler Tobias Geisen, Vorsitzender des Vereines für Handel, Handwerg und Gewerbe und einer der Macher in der örtlichen Dorfgemeinschaft, versuchte eine Lanze für die „Jungs von Überland“ zu brechen. „Wir sind froh, dass Sie so viel Geld in Hooksiel investieren.“ Erfreulich sei auch, dass die Überland-Gruppe sich über den Campingplatz hinaus in Hooksiel engagieren wolle. So trete das Unternehmen, das den Campingplatz zum 1. Januar von der insolventen Wangerland Touristik GmbH übernommen hat, als Sponsor für die bevorstehenden Herings- und Krabbentage auf.
Wittlinger war Gast der Veranstaltungsreihe „Gäste- und Bürgersnak“ des Hooksieler Seebadevereins. Nach der Begrüßung durch Moderator Thomas Leimkühler stellte er die erst 2024 gegründete Überland-Gruppe und deren Pläne für den Hooksieler Campingplatz vor. Überland betreibt aktuell sieben Campingplätze mit rund 5000 Stellplätzen in besten Lagen in ganz Deutschland. „Wir stehen für das traditionelle Campen mit Wohnwagen, Wohnmobil oder Zelt.“
Oberstes Ziel: Familienfreundlichkeit
Ein angestrebtes Markenzeichen: Familienfreundlichkeit. Dafür investiere man unter anderem in Spielplätze und Minigolfanlagen. Und jedes dritte Kind campe umsonst. Auf dem Hooksieler Platz gebe es zudem einen hohen Sanierungsstau. Sanitärgebäude müssten saniert, die Netze für Strom-, Wasser- und Abwasser komplett erneuert werden. Ziel sei es, „Hooksiel zu einem Vorzeigeplatz für Familien und Naturliebhaber“ zu entwickeln.


Das Sanitärgebäude B sei bereits fertig, sagte Wittlinger. Die Aufwertung der „Kajüte“ als Restaurant vor Ort werde Anfang Mai, der Bau von Abenteuerspielplatz, 1-Loch-Minigolf-Anlage und eines „Pumptracks“ (ein Rundkurs zum Beispiel für Mountainbikes und Skater), Ende Mai abgeschlossen sein. Im Juni soll die Einrichtung eines Hunde-Agility-Parcours folgen.
Kritik an strategischen Entscheidungen
Eine Reihe von Fragen lösten die strategischen Pläne der Überland-Gruppe aus, die den FKK-Campingbereich ab 2027 aus wirtschaftlichen Gründen aufzugeben und die Stellplätze für Saisoncamper und touristische Camper neu zu ordnen – unter anderem um mehr Ruhe auf dem Platz zu schaffen.
Spielende Kinder schützen wolle man auch durch die Änderung der Schließzeiten der Schranke am Eingangsbereich. Sie bleibt ab 20 Uhr für Autofahrer gesperrt, was viele Camper als massive Beeinträchtigung ihrer Bewegungsfreiheit empfinden. Gerade ältere Menschen und Camper mit Beeinträchtigungen seien darauf abgewiesen, dass sie mit dem Auto zu ihren Stellplätzen fahren könnten – auch wenn sie abends von einer Veranstaltung oder einem Restaurantbesuch im Ort zurückkehren. Das Argument Kinderschutz sei vorgeschoben. „Seit Jahrzehnten hat sich niemand über die Auto beschwert. Hier werden doch keine Rennen gefahren“, stellte eine Camperin fest.
Unklarheiten bei Preisgestaltung
Ein Eindruck, den offenbar nicht alle teilen. Wie eine Rezeptions-Mitarbeiterin schilderte, gebe es immer wieder Beschwerden, dass sich einige Camper nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h auf dem Platz halten würden. Und es sei auch schon mal ein Kind angefahren worden …
Ein weiterer Knackpunkt: die Preisgestaltung, die für viele Camper nach eigenem Bekunden nicht transparent ist. Künftig, so Wittlinger, werde es auf dem Platz mit seinen 1500 Stellplätzen zwei Preiskategorien geben. Gehobene Preis müssten für Stellplätze direkt am Wattenmeer und am Natursaum gezahlt werden.
Eine Camperin, die bislang 700 Euro für ihren Saisonplatz zahlt, muss sich für 2027 auf eine Erhöhung um 250 Euro einstellen, wie der Überland-Manager bestätigte. Weitere 250 Euro kämen hinzu, sobald ihr Stellplatz zu einem Komfortplatz mit eigener Strom- und Wasserversorgung ausgebaut sei. Allerdings, so Wittlinger, würden im Gegenzug die Personengebühren je Camper deutlich sinken.
Als unangemessen empfinde sie es, dass die Camper zudem noch einen Gästebeitrag pro Person zahlen müssen, klagte eine Betroffene. Der liegt aktuell bei 3,20 Euro je Tag. „Der Gästebeitrag wird von der Gemeinde Wangerland erhoben“, erläuterte Wittlinger. „Den müssen wir kassieren und weiterleiten.“
Fehler in der Kommunikation
Wittlinger räume in der Debatte Fehler in der bisherigen Kommunikation ein. Es sei unter anderem falsch gewesen, in den Sozialen Medien mit Fotos von Leuchttürmen aus Schleswig-Holstein für den Campingplatz in Hooksiel zu werbe. Damit hatte sich Überland viel Spott eingehandelt. „Das werden wir so nicht wieder machen.“ Auch Unklarheiten bei Preisen und Nutzungsregeln wolle man schnellstmöglich durch maximale Transparenz beseitigen. Und, so eine weitere Zusage des Geschäftsführers, über die eine oder andere Neuerung werde man noch einmal nachdenken.
FKK-Bereich halbieren?
Dazu dürften die Schranken-Schließzeiten gehören. Vielleicht ja auch die Entscheidung über die Schließung des FKK-Bereichs, der ein Alleinstellungsmerkmal des Platzes an der Nordseeküste sei und seit Jahrzehnten zu Hooksiel gehöre. Der örtliche Nudistenverein übergab Wittlinger eine Resolution mit weit über Tausend Unterschriften mit der Forderung, den FKK-Bereich als Kulturgut aufrecht zu erhalten. Der Kompromissvorschlag: Vielleicht lasse sich die FKK-Fläche halbieren, damit sie wirtschaftlicher betrieben werden kann.
Nach Ansicht von Sonja Janßen, Tourismus-Managerin aus Hooksiel, wären die Betreiber gut beraten, die „gewachsenen Familienstrukturen“ auf dem Campingplatz möglichst zu erhalten. Und noch wichtiger: Statt einer Kommunikation per Email sollten sie unbedingt das direkte Gespräch mit den Campern suchen. „Sonst bekommen Sie die Missstimmung hier nie weg.“











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