Wangerland (25. 8. 2026) – Die Lage ist schwierig, aber nicht hoffnungslos. Das ist die Botschaft, die man seit Wochen hinter vorgehaltener Hand zum Stand des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung der Wangerland Touristik GmbH (WTG) hört. Während Insolvenzverwaltung, Geschäftsführung und Gläubigerausschuss versuchen, die finanzielle Lage des gemeindeeigenen Tourimusunternehmens durch Personalabbau, Schließung defizitärer Unternehmenssparten und Verkäufe von Immobilien zu verbessern, lecken sich eine Reihe von Vermietern und Gastronomen schon die Wunden.

Insbesondere die Schließung der Schwimmbäder in Hooksiel und Horumersiel habe zu erheblichen Einbrüchen bei den Vermietungszahlen geführt, heißt es. Die WTG hält dem entgegen, dass sich dieser Trend aus der Gästestatistik auf Basis der gezahlten Gästebeiträge so nicht ableiten lasse. Gemeindeweit bewege sich die Zahl der Ankünfte und Übernachtungen auf Vorjahresniveau.
Schwierige Analyse
Rückgänge der Gästezahlen in einzelnen Orten oder in einzelnen Betriebsarten könnten unterschiedliche Ursachen haben. So habe sich möglicherweise die Zahl der wirtschaftlichen Akteure verändert, Quartiere seinen geschlossen worden oder neue hinzugekommen. Auch längere Sanierungsphasen könnten die Zahlen der Übernachtungen beeinflussen. Schon deshalb seien Vergleiche und vor allem die Rückschlüsse auf Ursachen schwierig.
Noch schwieriger wird eine Analyse, weil die WTG sich aktuell weigert, absolute Zahlen für Ankünfte und Übernachtungen aufgeschlüsselt nach einzelnen Ortslagen wie etwa Horumersiel/Schillig, Hooksiel oder Hohenkirchen herauszugeben. „Aufgrund der teilweise geringen Anzahl an Beherbergungsbetrieben könnten aus einer solchen Darstellung Rückschlüsse auf einzelne Betriebe und deren Geschäftsentwicklung gezogen werden“, teilt das Unternehmen auf eine entsprechende Anfrage von „Hooksiel-life“ mit.

Dieses Argument dürfte vor allem für Hohenkirchen gelten. Dort ist das „Wangerland-Resort“ seit dem Frühjahr 2025 in Betrieb. Zuvor hatte es am Standort mindestens drei Jahre lang keine touristischen Übernachtungen gegeben. Auch wenn die große Zahl an Schülerinnen und Schülern, die das Resort im Rahmen von Klassenfahren besuchen, sich nicht in der Gästestatistik der WTG niederschlägt, wäre zu erwarten, dass die sonstigen Gäste in dem gut gebuchten Quartier die Übernachtungszahlen in der Gemeinde steigen lassen.
Mehr Übernachtungen in Hotels
Für diese Annahme spricht, dass nach der WTG-Gästestatistik die Zahl der Übernachtungen in Hotels im Wangerland insgesamt in den ersten sieben Monaten diese Jahres um 9,5 Prozent auf 110.637 zugenommen hat. Rund 20 Prozent der rund 796.000 Übernachtungen bis Ende Juli seien in Hotels gebucht worden. Inwieweit des Verschiebungen zwischen den unterschiedlichen Hotelstandorten gegeben hat, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen.
Hoteliers und Betreiber von Pensionen und Ferienanlage verweisen auf ihre Erkenntnisse aus persönlichen Gesprächen mit Gästen, die bedauern würden, dass es weder in Hooksiel noch in Horumersiel ein Schwimmbad mehr gebe. In der Hauptsaison schlage sich dieser Unmut nur bedingt in den Umsatzzahlen nieder, da die Häuser dann auch ohne Bäder noch nahezu ausgebucht seien.
Massive Einbrüche
Massive Einbrücke habe man aber in der Vorsaison erlebt und erwarte sie auch für die Nachsaison. Trotz der Beteuerungen der Vermieter gegenüber ihren Gästen, dass es im Radius von 20 Kilometern mehrere Hallenbäder gibt. „Viele Gäste planen ihren Urlaub inzwischen mit Hilfe der KI. Wenn wir dann kein Bad mehr vorweisen können, sind wir bei der Suche raus“, schildert eine Vermieterin.
Schlechte oder zumindest zurückgehende Buchungszahlen können aber auch ganz anderer Ursachen habe, sagt Matthias Suckert. Der Inhaber der „Agentur am Meer“ in Hooksiel verweist auf eine Analyse von 1562 Buchungen von Ferienvermietungen. Eine Erkenntnis: „Die Wahrnehmung, dass die Buchungszahlen sinken, betrifft in der Regel Betriebe mit starren Mindestaufenthalten – zum Beispiel wochenweise – und langen Reaktionszeiten.“ Anbieter von Ferienwohnungen, die auch Aufenthalte unter fünf Tage zulassen und über Online-Kanäle schnell buchbar seien, würden eine starke und wachsende Nachfrage bedienen.
Immer mehr Kurzurlauber
Der Anteil der Kurzurlaube von bis zu fünf Tagen nehme deutlich zu und mache bereits 31 Prozent der Buchungen aus. 19,5 Prozent der Gäste würden für fünf bis sechs Nächte buchen. Der Anteil der „klassischen“ Buchungszeiten von einer oder zwei Wochen liege nur noch bei 39,5 Prozent.

„Vermieter, die ihre Konditionen nicht an dieses veränderte Gästeverhalten anpassen, erleben Leerstände, die von flexiblen Anbietern problemlos gefüllt werden“, ist Suckert (auf dem Foto links) überzeugt.
Die WTG hält sich mit einer Prognose für das gesamte Jahr 2026 noch zurück. Bis Ende Juli hätten die Zahlen bei den Ankünften um 4 Prozent, die der Übernachtungen um 2,1 Prozent unter denen von 2025 gelegen. Das könne aber auch mit „Sondereffekten“ zu tun haben, die die Statistik verzerren. Dazu rechnet die WTG beispielsweise die unterschiedlichen Ferienzeiten, aber auch die schwierige Anlaufphase nach dem Verkauf des Campingplatzes in Hooksiel mit einer Reihe von Modernisierungen. „Solche Faktoren beeinflussen die nackten Zahlen erheblich, ohne dass die eigentliche touristische Attraktivität eines Ortes dadurch sinkt“, heißt es in der WTG-Stellungnahme.
Konkrete Entwicklungen und belastbare Daten wolle man zum Jahresende beziehungsweise zum Saisonabschluss präsentieren. „Sobald die Datenlage vollständig vorliegt.“










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