Hooksiel (30. 6. 2026) – Man sieht ihn zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch auf einem Motorroller. Mit dabei immer ein Paket Flyer mit Informationen. Bernd Abrahams, Bürgermeisterkandidat der Wählergruppe Pro Wangerland, ist im Wahlkampfmodus. Seine Paradedisziplin: der Nahkampf.

Seit einigen Tagen zieht der 57-Jährige im gesamten Wangerland Haustür zu Haustür. „Ich möchte möglichst viele Menschen persönlich kennen lernen“, sagt Abrahams, der vermutet, dass seine Mitbewerber ihm auf großen Bühnen oder in öffentlichen Redeschlachten überlegen sein könnten. Auch deshalb hofft er, dass er bei den Haustür-Besuchen die Wähler von sich überzeugen kann.
Abrahams besucht Bürger
Seine ersten Eindrücke seien positiv, sagte Abrahams im Gespräch mit „Hooksiel-Life“. Viele Bürgerinnen und Bürger würden ihn noch aus seinem ersten Anlauf aufs Bürgermeisteramt vor fünf Jahren kennen. 2021 hatte er als unabhängiger Kandidat mehr oder weniger aus dem Stand den Sprung in die Stichwahl geschafft, in der er dann dem heutigen Bürgermeister Mario Szlezak (SPD) knapp unterlag.
Allerdings: Die Vorkenntnisse der Bürger seien extrem unterschiedlich. „Die einen winken einem schon zu, wenn man kommt, und freuen sich auf ein Gespräch mit einem Kandidaten. Andere hingegen haben von der Kommunalwahl im September noch gar nichts gehört und kennen nicht mal den Namen des Bürgermeisters.“
Hauptthema: Das Thalasso-Desaster
Bei vielen von denen, die kommunalpolitisch interessiert sind, gebe es ein Hauptthema: Die Insolvenz der Wangerland Touristik GmbH (WTG). „Viele Menschen sind sauer und enttäuscht“, so der Eindruck von Abrahams, der einräumt, dass er sich ohne eigenen Zugang zu den vertraulichen Details der Affäre noch kein abschließendes Bild über Schuld und Verantwortung für den Ausverkauf bei der Tochtergesellschaft der Gemeinde habe machen können. „Ich bin nur froh, dass Pro Wangerland erst seit 2021 im Rat ist …“. Die Entscheidung für das finanziell völlig aus dem Ruder gelaufene Bauprojekt „Thalasso Meeres Spa“ war da bereits gefallen.
Für Abrahams seht fest: Schon die Strategie, die hinter dem Bau des Thalasso-Zentrums stand, nämlich das Werben um neue, wohlhabendere Zielgruppen, war ein Fehler. „Wir sollten uns bei unserer Tourismusförderung in ersten Linie auf die Menschen konzentrieren, die schon bislang zu unserem Stammpublikum gehören.“ Dafür wäre es ratsam, wenn die Gemeinde und eine auf Marketing und Veranstaltungs-Management reduzierte WTG („Mit Immobilienverwaltung sollte die lieber nichts mehr zu tun haben“) den engen Schulterschluss mit den touristischen Leistungsträgern wie Hoteliers, Vermietern und Gastronomen suchen. Ein gutes Beispiel für eine gelungene private Initiative war aus seiner Sicht die Strandparty „Wave & Sand“ am vergangenen Wochenende in Hooksiel.
Expertise im Bauingenieurwesen
Abrahams, gebürtiger Wangerländer, lebt seit der Rückkehr in die Gemeinde seit drei Jahren in Hooksiel. Der Vater von zwei erwachsenen Töchtern (24 und 26 Jahre alt) hat nach Schule, abgeschlossener landwirtschaftlicher Lehre und Bundeswehrzeit bei der Luftwaffe Bauingenieurwesen studiert. Seit 1996 habe er für verschiedene Ingenieurbüros, Baufirmen und Kommunen gearbeitet und habe dabei ausgewiesene Kenntnisse unter anderem im Bauvertrags- und Vergaberecht erworben. Heute ist er bei der niedersächsischen Hafengesellschaft NPorts beschäftigt.
Unter anderem durch seine Tätigkeit bei der Volkswagen AG habe er gelernt, Projekte sicher und im Rahmen des geplanten Budgets umzusetzen, so der Kandidat. „Das kann der Gemeinde zugute kommen. Immerhin habe wir ja noch den Bau einer Grundschule und von drei Feuerwehren vor der Brust.“
„Ein Bürgermeister muss zuhören können“
Verwaltungserfahrung habe er durch seine siebenjährige Tätigkeit bei der Samtgemeinde Gellersen als Bauhofleiter und Hausmeister. Sein Eindruck mit Blick auf das Rathaus in Hohenkirchen: „Die Abläufe müssen effizienter werden.“ Möglicherweise könnten Entscheidungswege verkürzt, Organisationsformern verändert und die Software des interne Kommunikationssystems optimiert werden.
Ein Erfolgsrezept, das er von VW-Sanierer Jose Lopez gelernt habe: „Jeder Mitarbeiter sollte möglichst das machen, was er am liebsten macht – und dafür dann die nötigen Mittel bekommen.“ Wichtig für einen Verwaltungschef im Umgang mit den Mitarbeitern sei dabei eine Tugend, die Abrahams für sich selbst reklamiert: „Man muss zuhören können.“
Lebensqualität erhöhen
Inhaltlich ist das mit Pro Wangerland abgestimmte Wahlprogramm überschaubar. Den Tourismus maßvoll weiterentwickeln, vorhandene Fördermittel stärker nutzen, durch kleine Projekte wie etwa die Absenkung von Bordsteinen, die Sanierung von Gehwegen sowie mehr Mülltonnen und zusätzliche Sitzgelegenheiten die Lebensqualität erhöhen. Neue Windparks jenseits dem Ersatz von Altanlage durch moderne Konverter (Repowering) lehnt man ab. Und: Vor der Ausweisung neuer Gewerbegebiete, sollte zunächst einmal der tatsächlich Bedarf geprüft werden.
Das gelte auch für Hooksiel. Abrahams und Pro Wangerland wollen die derzeit noch landwirtschaftlichen Flächen zwischen Bäderstraße und Altendeich bedarfsgerecht entwickeln – für Wohnzwecke, aber teilweise vielleicht auch für „stilles“ Gewerbe, sagte Pro-Wangerland-Vorsitzender Dieter Schäfermeier. Skeptisch sei man, ob sich die Markthallen-Pläne auf dem Areal des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses am Alten Hafen wirtschaftlich umsetzen lassen. Der ursprünglich geplante Hotelbau sei aber wohl ebenso schwierig.
Suche nach Maßnahmen gegen Schießlärm
Persönlich kümmert sich Abrahams seit Wochen um das Thema „Schießlärm“, der von der Wurftaubenschießanlage aus Wilhelmshaven ins Wangerland schallt und viele Bürger nervt. Einfache Lösungen werde es aber auch hier nicht geben, räumt der Bürgermeister-Kandidat ein. Rechtlich sei die Anlage aus seiner Sicht nicht anfechtbar. Einschränkungen im Schießbetrieb wolle und könne der Betreiberverein nicht hinnehmen.
Leisere Munition gebe es zwar, die sei aber auch langsamer und für Sportschützen deshalb nicht akzeptabel. Ein Erdwall? „Der schützt den Bereich unmittelbar dahinter, aber nicht Hooksiel“, ist Abrahams überzeugt. Seine letzte Hoffnung: Schalldämmende Maßnahmen. Dazu müsste aus seiner Sicht ein Schlallschutzexperte gehört werden.
Was dabei herauskommt, dürften die Bürgerinnen und Bürger für den Fall, dass Abrahams im September zum neuen Bürgermeister gewählt wird, auf jeden Fall schnell erfahren. Sein Versprechen: Die Ratsarbeit wird transparent sein. „Alles was rechtlich möglich ist, soll auch öffentlich beraten werden.“










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