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Debatte über die Zukunft von Hooksiel: Viel Arbeit für die Politik

Hooksiel (26. 8. 2026) – Der Ort Hooksiel wird weiter wachsen. Davon jedenfalls sind die Kommunalpolitiker überzeugt, die sich am Dienstagabend auf Einladung des Hooksieler Seebadevereins zum „Parteien-Talk“ eingefunden hatten. Vor rund 80 Interessierten diskutierten sie zwei Stunden lang über Infrastrukturprojekte, in der nächsten Wahlperiode unbedingt angegangen werden müssen – oder halt auch nicht.

Auf dem Podium im Gästehaus die Kommunalpolitiker (von rechts) Fabian Ulbrich, Andy Strümpel, Gaby Szlezak, Holger Ulfers und Dieter Schäfermeier sowie der Moderator Gerd Abeldt von „Hooksiel-life“. Foto: hol

Thomas Leimkühler aus dem Seebadevereins-Vorstand begrüßte mit Dieter Schäfermeier (Pro Wangerland), Andy Strümpel (CDU), Gaby Szlezak (Bündnis 90/Die Grünen), Holger Ulfers (SPD) und Fabian Ulbrich (Freie Wähler) Kandidatinnen und Kandidaten von Wählergruppen und Parteien, die sich bei der Kommunalwahl am 13. September um Mandate im Gemeinderat bemühen. Die Kandidatin der AfD war zeitlich verhindert. Und auch die FDP fehlte.

Großbaustelle Alter Hafen

Einigkeit besteht zum Thema Strandsicherung. In dem geplanten Bau eines Deckwerkes, das den von Strömung und Sturmfluten bedrohten Badestrand sichern sollt, sehen alle eine Chance für Hooksiel. Sehr wichtig ist nach der Einschätzung der Politiker auch die Entwicklung am Alten Hafen, insbesondere die zukünftige Nutzung des ehemalige Feuerwehrareals. Die Gemeinde sucht hierfür seit 2022 einen Investor. Bislang erfolglos. Aktuell wartet man auf die Präsentation von Plänen für den Bau einer Markthalle.

Hier überwog auf dem Podium die Skepsis. „Die schöne Markthalle in Aurich wurde schnell wieder geschlossen“, sagte Ulbrich. Eine Halle kombiniert mit Hotelzimmern im Obergeschoss? „Wer will schon über einem Markt wohnen, in dem immer Betrieb ist“, fragte Dieter Schäfermeier. Strümpel hofft weiterhin auf ein Hotel für dieses Filetgrundstück. Holger Ulfers und Gaby Szlezak rieten dazu, die Entscheidung nicht über Knie zu brechen. Ulfers: „Wir dürfen hier vor allem nichts falsch machen.“

Auch jenseits des Feuerwehrareals sehen die Politiker am Alten Hafen großen Handlungsbedarf. Der Hafenplatz sollte barrierefrei sein, das Kopfsteinpflaster ersetzt, die Sanitäranlage erneuert werden. Wie stabil ist die Kaimauern noch? Wie lässt sich auf Dauer die Wasserqualität sichern? Fragen über Fragen. Schäfermeiers Vorschlag „Wir sollten eine Arbeitsgruppe mit allen zuständigen Behörden und Institutionen bilden, um die Probleme anzugehen“ blieb unwidesprochen.

Knackpunkt Trabrennbahn

Klar Position bezogen die Politiker zur geplanten touristischen Entwicklung des Freizeitgeländes durch die landeseigene Hafengesellschaft NPorts. Zumindest zu einem Detail. Aus Sicht von SPD und Pro Wangerland soll die Trabrennbahn an der Bäderstraße auf jeden Fall dauerhaft erhalten bleiben. Andy Strümpel hielt für die CDU dagegen. Wenn sich ein Investor zum Beispiel für einen attraktiven Hotelbau an dieser Stelle finde, müsse die nur an drei Tagen im Jahr genutzte Pferdesportarena weichen. Zumal ohnehin niemand sagen könne, ob Trabrennsport eine Zukunft habe. Hotel hin oder her – die Grünen sehen den Tiersport ansich schon kritisch. Gaby Szlezak: „Wenn Pferde bei 35 Grad Rennen laufen müssen, ist das für mich fragwürdig.“

Weiteres Thema: Die Zukunft des ehemaligen Meerwasser-Hallenwellenbades und der umliegenden Flächen. Das Areal gehört der insolventen Wangerland Touristik GmbH (WTG) und steht zum Verkauf. Der Einfluss der Politik auf die Auswahl des Investors sei nur gering, so Schäfermeier. Und die WTG brauche das Geld, um wieder auf die Beine zu kommen.

Hotel statt Hallenbad?

Dass an dem Standort ein Schwimmbad erhalten bleibt, gilt als ausgeschlossen. Wahrscheinlicher sei ein Hotelbau, der aber maximal vier Geschosse hoch sein dürfte, so Ulfers. Den Vorschlag von Ulbrich, die Fläche für Wohnbebauung zu nutzen, hält Schäfermeister für abwegig. Bei dem hohen Preis für Grundstück und Abrisskosten gebe es keine Alternative zu einer intensiven Nutzung,

Von großer Bedeutung für Hooksiel ist nach Überzeugung von Holger Ulfers der Einstieg in die Bauleitplanung für die Freifläche zwischen der Bäderstraße und dem Altendeich. Hier könnten Grundstücke für Dauerwohner entstehen, möglicherweise sei auch Platz für den Neubau eines Kindergartens, den auch Gaby Szlezak und Andy Strümpel für in absehbarer Zeit erforderlich halten. Für den CDU-Politiker könnte ein Kindergarten eine sinnvolle Nachnutzung für das Gästehaus sein, das der WTG gehört. Ulfers sprach sich zudem für einen Discounter-Standort in der Nähe des neuen Feuerwehrgerätehauses aus, mitten im Ort. Strümpel und Szlezak würden sich auch über einen Netto-Markt im Gewerbegebiet freuen.

Wohnungen statt Walter-Spitta-Haus

Einigkeit in der Runde bestand darüber, dass vor allem auch bezahlbarer Wohnraum etwa für junge Leute oder für Senioren geschaffen werden müsse. Schäfermeier verwies darauf, dass die Gemeinde mit der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Friesland über die Nutzung der Freiflächen am Walter-Spitta-Haus im Gespräch sei. Die Kirche will das Gemeindehaus aufgeben. Denkbar wäre die Erweiterung der benachbarten Altenwohnanlage. Diskutiert wurde darüber hinaus über den Bau von Mehrfamilienhäusern und die Verdichtung der Bebauung im Ort, etwa durch die Nutzung großer Gärten oder – wie Strümpel anregte – den Abriss von maroden Altbauten.

In der Debatte wurden eine Reihe weiterer Positionen deutlich. Unter anderem forderte Andy Strümpel weitere Gewerbeflächen für Hooksiel, Holger Ulfers hält die Sanierung der maroden Georg-Adden-Straße sowie die Planung der Grundschul-Erweiterung für dringend erforderlich. Fabian Ulbrich unterstrich die Dringlichkeit des Baus eines Radweges entlang der Landesstraße von Hooksiel nach Waddewarden. Gaby Szlezak wies auf die große Bedeutung von Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen vor Ort hin.

Gemeinde hofft auf Geld von der WTG

Viele Projekte erfordern viel Geld. Wo soll das herkommen, zumal die Gemeinde schon jetzt einen hohen Schuldenstand hat? Dieter Schäfermeier zeigte sich optimistisch. Wenn das Insolvenzverfahren für die WTG gut laufe, werde die Gemeinde ihr Geld zurückbekommen, das sie der Tourismustochter einst geliehen hat. „Dann wird unser Handlungsrahmen deutlich besser.“

Im Anschluss hatte das Publikum Gelegenheit, weitere Fragen an die Politiker zu stellen: Inwieweit hat die Gemeinde Fördertöpfe im Blick? Gibt es eine Gesamtstrategie für die Entwicklung des Wangerlandes? Wer kümmert sich eigentlich um die Schafe am Deich, die unter der Hitze leiden? Fragen über Fragen, die deutlich machen, dass es noch viel Redebedarf gibt.

Nächste Podiumsdebatte

Die nächste Podiumsdiskussion des Seebadevereins ist für Dienstag, 8. September, ab 19 Uhr im Gästehaus angesetzt. Auf dem Podium werden dann die Bürgermeister-Kandidaten Mario Szlezak (SPD), Thies Fischer (CDU) und Bernd Abrahams (Pro Wangerland) erwartet. 

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