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Warum im Wangerland einige Stühle im Rat leer bleiben könnten

Wangerland/Hooksiel (10. 9. 2026) – Wer seinen Stimmzettel für die Kommunalwahl per Post in auf den Weg bringen will, der muss sich beeilen. Spätestens am heutigen Donnerstag sollte der Briefwahl-Umschlag in den Postkasten gehen. Da das Bundesunternehmen mit Blick auf den Wahltermin 13. September auch an diesem Samstag Briefe zustellt, sollten die Stimmzettel noch rechtzeitig im Rathaus in Hohenkirchen ankommen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, der kann seinen Briefwahl-Umschlag natürlich auch persönlich beim Rathaus vorbeibringen. „Alle Stimmzettel, die bis Sonntag, 18 Uhr, in unserem Briefkasten liegen, werden gezählt“, versichert Thomas Hayen (Foto), stellvertretender Gemeindewahlleiter im Wangerland. 

Am Sonntag sind 8274 Wangerländer Bürger aufgerufen, ihre Stimmen abzugeben. Zum einen jeweils eine Stimme für die Direktwahl von Bürgermeister und Landrat, zum anderen jeweils bis zu drei Stimmen für die Zusammensetzung des Gemeinderates und des friesländischen Kreistages.

Bereits 2024 Briefwähler

Bis Donnerstag früh hatten bereits 2024 Briefwähler aus dem Wangerland gewählt. Ihre Stimmen werden aber auch erst am Sonntag ab 18 Uhr ausgezählt. Dafür werden im Rathaus zwei Briefwahlbezirke eingerichtet. Hinzu kommen die Ergebnisse aus den sechs Wahllokalen im Gemeindegebiet, – unter anderem in der Grundschule Hooksiel -, in denen die Bürger von 8 bis 18 Uhr ihre Stimmen abgeben können. 

Für den ordnungsgemäßen Ablauf in den Wahllokalen werden insgesamt 64 Wahlhelfer sorgen, so Hayen. Zudem stehen einige Gemeindemitarbeiter in Bereitschaft, falls hier oder dort ein Wahlhelfer ausfallen sollte.

Direktwahlen gehen vor

Sie interessiert am meisten, ob ihr Nachbar in den Gemeinderat einzieht oder nicht? Dann werden sie sich etwas gedulden müssen. Für die Reihenfolge der Auszählung der Stimmzettel gibt es strikte Vorgaben. „Direktwahlen gehen vor“, so Hayen. „Und der Landkreis kommt vor der Gemeinde.“

Konkret heißt das: Zunächst werden die Wahlhelfer die Stimmen für die Landratswahl auszählen und ins Kreishaus nach Jever übermitteln. Danach folgt die Bürgermeisterwahl. Damit dürfe am frühen Abend feststehen, ob sich einer der drei Bewerber im Wangerland – Mario Szlezak (SPD), Thies Fischer (CDU) und Bernd Abrahams (Pro Wangerland) – bereits im erste Wahlgang durchsetzen konnte. Das wäre dann der Fall, wenn er mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen erhält. Andernfalls müssten die beiden Bestplatzierten in zwei Wochen, am Sonntag, 27. September, zu einer Stichwahl antreten.

Anspruchsvolle Auszählung

Nach den Direktwahlen geht ans Auszählen der Verhältniswahlen. Erst werden die Stimmen für den Kreistag und danach die für die Zusammensetzung des nächsten Gemeinderats ermittelt. Und das ist nicht ohne. Bei den Verhältniswahlen hat jede Wählerinnen und jeder Wähler drei Stimmen, die er nach Belieben auf die Listen der Parteien und Wählergruppen oder auf einzelne Kandidaten verteilen kann. „Da muss man sich beim Auswerten schon gehörig konzentrieren“, schildert Hayen.

Danach werden alle einer Partei oder Wählergruppe zuzuordnenden Stimmen nach dem so genannten Hare/Niemeyer-Verfahren ins Verhältnis gesetzt. „Wer zum Beispiel ein Drittel der Stimmen erhält, soll auch ein Drittel der Sitze im künftigen Rat haben“, erläutert Hayen. Da der Wangerländer Rat – neben dem hauptamtlichen Bürgermeister – 24 Sitze hat, wären das für eine 33-Prozent-Partei acht Sitze.

Besetzung der Sitze

Und welche acht Kandidaten der Partei bekommen die Sitze? Hier wird es kompliziert, da es sich bei der Kommunalwahl nicht nur um eine Verhältnis- sondern auch um eine Persönlichkeitswahl handelt. Zunächst werden die Stimmen für die Parteiliste oder für einzelne Kandidaten ins Verhältnis gesetzt. Gehen wir für unsere Beispiel-Rechnung von 50:50 aus, würden die ersten vier Sitze der Partei durch die Kandidaten mit den meisten persönlichen Stimmen besetzt. Die vier weiteren Sitze gehen an weitere Kandidaten in der Reihenfolge ihrer Nominierung in der Parteiliste.

Dieses System ermöglicht durchaus beliebten Kandidatinnen und Kandidaten den Einzug in die Kommunalparlamente, die ganz hinten auf der jeweiligen Parteiliste zu finden sind. Umgekehrt können aber auch Bewerber mit sehr wenig persönlichen Stimmen in Rat und Kreistag einziehen, wenn sie auf einem vorderen Listenplatz stehen.

Zu wenige Bewerber?

Spannend könne es bei der Kommunalwahl im Wangerland aber noch aus einem anderen Grund werden. In Paragraf 36 des Niedersächsisches Kommunalwahlgesetzes heißt es: „Ergibt die Berechnung … mehr Sitze für einen Wahlvorschlag, als er Bewerberinnen und Bewerber aufweist, so bleiben die übrigen Sitze bis zum Ablauf der Wahlperiode unbesetzt.“

Was heißt das das Wangerland? Sollte etwa die FDP – was zugegebenermaßen recht unwahrscheinlich ist – 50 Prozent der Stimmen holen, hätte sie Anspruch auf zwölf Sitze im Rat. Da der Wahlvorschlag der Partei nur zwei Personen nennen, blieben zehn Sitze im Rat unbesetzt. Gleiches würde auch für die AfD gelten – mit dem Unterschied, dass diese Partei nur eine Kandidatin benannt hat. Prognosen gegen davon aus, das die AfD im landesweiten Durchschnitt auf 20 Prozent kommen könnte.

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