Von Gerd Abeldt
Wangerland (27. 9. 2026) – Das Wangerland bekommt einen neuen Bürgermeister. Thies Fischer (CDU) hat sich heute in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Mario Szlezak (SPD) durchgesetzt. Die Botschaft ist eindeutig: Die Bürgerinnen und Bürger wollen einen Neuanfang im Rathaus.
Ergebnis überraschend deutlich
Obwohl Fischer bereits im ersten Wahlgang vor zwei Wochen vorn lag, ist das Ergebnis in seiner Deutlichkeit überraschend. Mario Szlezak (52) hat einen engagierten Wahlkampf gezeigt. Und seine Bilanz nach fünf Jahren an der Spitze der Gemeindeverwaltung ist so schlecht nicht. In schwierigen Zeiten konnten ein Reihe von Projekten umgesetzt werden. Unter anderem der Bau von zwei neuen Feuerwehrgerätehäusern, eines Kindergartens und der Verkauf der Rundinsel in Hohenkirchen, durch den der Ort mittelfristig weiter touristisch aufgewertet werden dürfte, gehören zu den Pluspunkten.
Aber für die Wähler waren offenbar die Dinge wichtiger, die nicht geklappt haben. Ausschlaggebend dürfte das Desaster bei der Kostenentwicklung beim Bau des Thalasso Meeres Spa in Horumersiel gewesen sein. Bauherr war dabei noch nicht einmal die Gemeinde selbst, sondern mit der Wangerland Touristik GmbH (WTG) ein gemeindliches Tochterunternehmen mit einem eigenen Geschäftsführer.
Opfer des Thalaso-Desasters
Dennoch: Ein Bürgermeister trägt aus Sicht der Wähler eine Gesamtverantwortung für die Geschicke in der Gemeinde. Dabei geht es nicht um Schuld oder Nicht-Schuld. Die Beteuerung des Bürgermeisters, dass er aus den Fehlern von Rat und Verwaltung beim Thalasso-Bau gelernt habe und sich an die Spitze der Aufklärung der Vorfälle stellen werden, haben ganz offensichtlich nicht verfangen. Der Schmerz, den die Insolvenz der WTG und die Schließung der Bäder in Horumersiel und Hooksiel ausgelöst haben, wog deutlich schwerer.
Da hatte es Fischer leichter. Er hat selbst nicht mit im Gemeinderat gesessen, als die (Fehl-)Entscheidung über den Gesundheitstempel gefällt wurden. Die Wähler habe offenkundig einen Unterschied gemacht zwischen dem CDU-Kandidaten Fischer und der CDU-Ratsfraktion, die lange den Thalasso-Kurs der WTG aktiv mitgetragen hat.
Vertrauen zurückgewinnen
Nun mach der Umstand, bei einer Fehlentscheidung nicht dabei gewesen zu sein, noch keinen guten Bürgermeister aus. Dem jungen Mann aus Middoge ist es in den vergangenen Wochen gelungen, den Eindruck zu erwecken, dass er als Finanzbeamter Verwaltung kann. Jetzt muss er liefern. Ob es ihm wirklich gelingt, die Gemeinde auf einen wirtschaftlich und finanziell gesunden Kurs zu steuern, wird die Zukunft zeigen.
Entscheidend dabei dürfe werden, wie gut der künftige Bürgermeister mit dem neuen Rat zusammenarbeitet, in dem die CDU keinesfalls eine Mehrheit hat. Es wird also immer wieder um (gute) Kompromisse gehen. Eine weitere Messlatte wird die lückenlose Aufklärung des Thalasso-Desasters. Für einen Neuanfang muss zunächst verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden. Das schafft man nur durch ein Höchstmaß an Transparenz.






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