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Moderne Technik allein macht Häuser nicht klimafreundlich

Jever/Wangerland (26. 10. 2026) –  Dr. Martin Dehrendorf, ehemaliger Bau- und Umweltdezernent des Landkreises Friesland, plädierte für ein Umdenken und einen Perspektivwechsel im Klimaschutz. Statt auf Ressourcenknappheit reflexartig mit mehr Bautätigkeit, Investitionen und technischer Nachrüstung zu reagieren, müsse gefragt werden, welche klimaschädlichen Aktivitäten sich bereits durch das Bauen selbst vermeiden lässt, so Dehrendorf beim politischen Stammtisch der Grünen in Jever: „Entscheidend ist nicht allein, welche technischen Lösungen eingesetzt werden, sondern auch, welche tatsächlichen Auswirkungen die Summe aller Maßnahmen auf den CO₂-Ausstoß und den Ressourcenverbrauch haben.“

Almuth Thomßen, Moderatorin des politischen Stammtisches, bedankte sich beim Referenten Dr. Martin Dehrendorf. Foto: Grüne 

Besonders kritisch beleuchtete der Referent den Flächenverbrauch durch Einfamilienhausgebiete mit großen Grundstücken. Diese beanspruchten viel Fläche, verursachten zusätzlichen Mobilitätsbedarf und ließen sich häufig nur unzureichend an den öffentlichen Nahverkehr anbinden. Hinzu kämen die erheblichen Emissionen, die bereits bei der Herstellung von Baustoffen und der Errichtung eines Gebäudes entstünden: „Für ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche sind das rund 100 Tonnen CO₂, die allein beim Bau anfallen.“

Verdichtete Wohnformen sinnvoll

Eine wichtige Rolle komme dabei den Kommunen zu. Verdichtete, attraktive und generationengerechte Wohnformen könnten dazu beitragen, Flächenverbrauch, Erschließungsaufwand und graue Energie zu reduzieren. Historische Stadtstrukturen zeigten, dass kompakte und vielfältige Siedlungen durchaus ressourcenschonend gestaltet werden könnten. Für moderne Wohnquartiere gelte es, unterschiedliche Wohnungsgrößen, flexible Grundrisse und einen geringen Erschließungsaufwand miteinander zu verbinden.

In der Diskussion wurde deutlich, wie anspruchsvoll die Umsetzung dieser Ziele sein kann. Im Mittelpunkt stand ein Planungs-Entwurf in Jever, der zwar die fachlichen Anforderungen erfülle, gestalterisch jedoch als gleichförmig und wenig innovativ wahrgenommen werde. Als mögliche Lösungen wurden kompakte Reihenhäuser sowie zwei- bis dreigeschossige Gebäude genannt.

Mehrgenerationen-Projekte

Mehrgenerationen-Projekte könnten soziale Kontakte fördern und Einsamkeit entgegenwirken, wenn sie unterschiedliche Wohnungsgrößen mit gemeinschaftlich nutzbaren Bereichen verbinden. Zugleich wurde davor gewarnt, solche Modelle zu idealisieren. Sie benötigten langfristige Moderation, klare Regeln und gegebenenfalls professionelle Unterstützung bei Konflikten. Frühere Initiativen seien unter anderem an unterschiedlichen Interessen und zeitlichen Vorstellungen gescheitert.

Einig waren sich die Diskutanten in ihrer Forderung an die kommunale Stadtentwicklung: Neue Baugebiete sollten nicht allein danach beurteilt werden, wie schnell sie realisiert werden können oder welche technischen Standards sie erfüllen. Maßgeblich sind ebenso ihr tatsächlicher Beitrag zum Klimaschutz, ihr Flächenverbrauch, ihre soziale Qualität und ihre langfristige Attraktivität.

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