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Bürgermeister: Ein Bad erhalten und das Thalasso weiter betreiben

Wangerland/Hooksiel (3. 1. 2026) – Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde Wangerland dazu aufgerufen, verstärkt den Dialog zu suchen und auch bei Meinungsverschiedenheiten miteinander zu sprechen. Angesichts gesunkener Zustimmungswerte für die Demokratie in Deutschland sei es notwendig, den Zusammenhalt zu stärken. „Und Zusammenhalt entstehen durch Zusammenkommen.“ 

Ministerpräsident Olaf Lies warb für den Dialog mit Andersdenkenden und eine klare Haltung gegen Hass und Hetze. Foto: hol

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien sehr schwierig. Und es werde es trotz bereits angeschobener Reformen eine Zeit lang dauern, bis die Maßnahmen greifen. Dennoch sei Deutschland das Land mit den besten Voraussetzungen, die Krise zu meistern – auch aufgrund der großen Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement im Land. Um Hass und Hetze entgegen zu wirken, brauche es Klarheit in der Sprache, Verlässlichkeit im Handeln und die Nähe für einen Dialog, so Lies. 

„Region ist krisenerprobt“

Lies, der erstmals als Ministerpräsident den Empfang der Gemeinde im Kursaal in Horumersiel besuchte, sprach sein Grußwort zusammen mit Frieslands Landrat Sven Ambrosy, für den es der letzte Besuch als Landrat gewesen sein dürfte. Ambrosy tritt bekanntlich bei der Kommunalwahl am 13. September nicht wieder an. 

Auch Ambrosy zeigte sich zuversichtlich. „Unsere Region ist krisenerprobt.“ Neben der Insolvenz der gemeindeeigenen Wangerland Touristik GmbH (WTG) habe es im Wangerland 2025 auch viele positive Dinge gegeben. So etwa die Eröffnung des „Wangerland Resort“ oder die noch laufende Sanierung der Sporthalle in Hohenkirchen. Ambrosy deutete zudem an, dass das Land Niedersachsen den geplanten Bau einer „Bunten Wache“ für Feuerwehr und Polizei in Hohenkirchen durch eine Bedarfszuweisung unterstützen könnte.

In weiteren Grußworten dankten die Wangerländer Landtagsabgeordneten Katharina Jensen und die Bundestagsabgeordnete Anne Janssen (beide CDU) den ehrenamtlich Engagierten im Gemeindegebiet. Als Beispiel nannte Jensen die Mitglieder der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG), die es trotz der Schließung des Meerwasser-Hallenwellenbades in Hooksiel geschafft hätten, den Schwimmunterricht für Kinder aufrecht zu erhalten. Die Politikerinnen riefen dazu auf, sich auch politisch zu engagieren, etwa als Kandidatin oder Kandidaten bei der Kommunalwahl 2026. Meinungen zu haben, sei das eine, Mitmachen das andere. 

Bürgermeister warnt vor Aktionismus

Bürgermeister Mario Szelzak hatte eingangs vor zahlreichen Besuchern das Jahr 2025 Revue passieren lassen. Ein Schwerpunkt dabei: die Insolvenz der WTG, für die die Kostenexplosion beim Bau des Thalasso Meeres Spa (TMS) in Horumersiel als Hauptursache gilt. Der Bürgermeister warb um Verständnis dafür, dass die Antwort auf die Frage „Wie konnte es so weit kommen?“ immer noch aussteht. Es müssten Rechnungen und Entscheidungen der vergangenen zehn Jahre gesichtet und bewertete werden. Dabei helfe kein Aktionismus.

Ebenso wichtig sei aus seiner Sicht, wie es weiter gehen soll mit dem so wichtigen Wirtschaftsfaktor Tourismus. „Wir brauchen ein Bad im Wangerland“, forderte Szlezak. „Als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge, für Kinder und Vereine, für den Sport, für die Gäste und für unsere Bürger.“ Im Zuge der Insolvenz waren die Hallenbäder in Horumersiel und Hooksiel geschlossen worden.

9 Millionen Euro Fördermittel

Gleichzeitig werde das Thalasso Meeres Spa geöffnet bleiben, kündigte der Bürgermeister an. In den rund 23 Millionen Euro teuren Gesundheits-Tempel seien rund neun Millionen Euro Fördermittel geflossen. „Würden wir diese Einrichtung schließen, müssten diese Mittel in erheblichem Umfang zurückgezahlt werden“, so Szlezak. „Das wäre finanziell nicht verantwortbar und würde unserer Gemeinde noch weiter schaden.“

Der Shanty-Chor Likedeeler umrahmte den Neujahrsempfang der Gemeinde Wangerland musikalisch. Foto: hol

Die Folgen der Insolvenz in Eigenregie de WTG müsse man differenziert betrachten, so der Bürgermeister. In der Privatisierung des Campingplatzes Hooksiel sehe er eine große Chance. Sie ermögliche die notwendigen Investitionen auf dem Platz und verbessere damit Qualität und Attraktivität. Aber: „Mögliche Preisanpassungen gehören in einem solchen Prozess zur Wahrheit dazu.“

Rat hat Planungshoheit

Mit Blick auf das seit Oktober geschlossene und aktuell zum Verkauf stehende Hallenbad Hooksiel, mahnte Szlezak zur Weitsicht. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass ein Käufer das hoch defizitäre Bad so weiter betreiben werde. Es müssten neue Konzepte gedacht werden, in die im besten Fall auch en Schwimmangebot integriert ist. Der Bürgermeister wies auf die Verantwortung des Gemeinderates hin, bei dem die Planungshoheit für das Areal liegt. „Wenn wir darauf bestehen, dass alles so bleibt, wie es ist, werden wir wahrscheinlich keinen Investor finden.“

Der Bürgermeister schilderte die schwierige finanzielle Lage der Gemeinde. Die Kommunen insgesamt seien unterfinanziert und hätten große Schwierigkeiten, selbst ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen. Dazu zählt Szlezak im Wangerland den Bau der „Bunten Wache“ und einer neuen Grundschule in Hohenkirchen. Im vorhandenen Gebäude würden die Räume für einen Ganztagsunterricht fehlen. 

Betreuungszeiten erweitern

Im Zuge der Ganztagsbeschulung, die ab dem nächsten Schuljahr zunächst in Hooksiel und in Tettens angeboten werde, sollten nach Ansicht des Bürgermeisters auch die Betreuungszeiten in den Kindertagesstätten in der Gemeinde angepasst werden. „Nur so können Ganztagsangebote sinnvoll genutzt werden – insbesondere für Familien und für Alleinerziehende, die auf verlässliche Betreuungszeiten angewiesen sind.“

Mit Blick auf das neue Jahr zeigte sich der Bürgermeister zuversichtlich, dass noch im Januar die Verkaufsverhandlungen über die Rundinsel im Wangermeer mit den Betreibern des „Wangerland Resorts“ abgeschlossen werden können. Ein weiteres wichtiges Thema für denTourismus sei die Strandsicherung in Hooksiel. 

Schritt zurück am Alten Hafen

Richtig sei es, so Szlezak, beim geplanten Verkauf des ehemaligen Feuerwehrareals am Alten Hafen in Hooksiel „einen Schritt zurück“ zu gehen. Nachdem der favorisierte Hotelplaner es nicht geschafft habe, Investor und Betreiber zu finden, müsse nun neu überlegt werden, was für den Standort das Richtige ist. An den Überlegungen sollen auch die Hooksieler Bürger beteiligt werden. Aber, so Szlezak: „Am Ende muss klar sein: Die Entscheidung darüber, was an diesem Standort entwickelt wird, liegt bei der Politik.“

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