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Hilferuf der Wangerländer Fischer: Vorschlag kommt Berufsverbot gleich

Wangerland/Hannover (1. 7. 2026) – Das niedersächsische Umwelt- sowie das Landwirtschaftsministerium haben heute ihren Vorschlag für fischereifreie Zonen im küstennahen Gebiet vorgelegt. Die Karte mit den Gebietsvorschlägen soll mit Verbänden und Organisationen des „Fischereidialogs“ am 21. Juli erörtert werden und die Grundlage für den Abschluss des „Niedersächsischen Fischereidialog“ bilden, heißt es in einer Mitteilung aus Hannover.

Der Vorschlag für den „Fischereidialog“: In den dunkelgelb unterlegten Flächen etwa vor dem Wangerland und im Jadebusen soll künftig die Küstenfischerei verboten werden.

Die Wangerländer Fischer reagierten auf den Vorschlag mit einem „Hilferuf“. In einem heute veröffentlichen „Offenen Brief“ stellen Nils Schröder („Trotz“/Hooksiel), Klaas Peters („Aggi“/Hooksiel) und Sven Kaiser („Odin“ und „Achat“/Hooksiel und Horumersiel) fest, dass der Vorschlag ihre wirtschaftliche Existenz und das maritime Erbe der Region unmittelbar bedrohe.

Karte als finalen Vorschlag vorgelegt

In einer von den Ministerien vorgelegten Karte werden Gebiete ausgewiesen, in denen in nach den Vorgaben der EU-Biodiversitätsstrategie in Zukunft die Krabbenfischerin verboten werden soll. Insgesamt sollen danach zehn Prozent des niedersächsischen Küstemeeres nicht mehr befischt werden.

Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) sieht in dem vorliegenden Flächenkonzept „einen ausgewogener Vorschlag, der auch die Interessen der Küstenfischerei und Küstenkommunen maßgeblich berücksichtigt“. Kutter gehörten zu Niedersachsen und das solle auch so bleiben. Dazu sollen Strukturanpassungen beitragen, zu denen auch Fördermöglichkeiten für Betreibe gehören, die ihre Fangtätigkeit einstellen. 

Ausgewogener Vorschlag?

 „Wir wollen einen Ausgleich zwischen Meeresnaturschutz und eine dauerhaft nachhaltige Perspektive der Krabben- und Muschelfischerei im Nationalpark Wattenmeer und dem Naturschutzgebiet Borkum Riff“, so Umweltminister Christian Meyer (Grüne). Die Gebietsauswahl sei so getroffen worden, dass eine Umsetzung der fischereifreien strengen Schutzgebiete weder die Existenz einzelner Betriebe noch der Hafenstandorte in Frage stelle.

Hooksieler Fischer
Für die Wangerländer Fischereibetriebe könnte die Ausweisung von fischereifreien Zonen direkt vor den Häfen Hooksiel und Horumersiel zum wirschaftlichen Aus führen. Auf dem Archiv-Bild (von links): Jörg Peters, Sven Kaiser, Nils Schröder und Sebastian Dreyer. Foto: hol

Das sehen die Wangerländer Fischer ganz anders. Während in einer ersten Präsentationen des Fischereidialogs Suchgebiete für fischereifreie Zonen vorgestellt worden seien, die für die hiesigen Betriebe zwar Einschnitte bedeutet hätten, aber unter Schmerzen tragbar erschienen, ziehe die nun vorliegende finale Fassung ihnen „sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg“.

Sperrgebiet direkt vor dem Wangerland

Das geplante Sperrgebiet umfasse in der finalen Fassung das komplette Fanggebiet direkt vor den hiesigen Häfen Hooksiel und Horumersiel bis hin zur Insel Minsener Oog. Schröder, Peters und Kaiser empfinden die Auswahl als ungerecht. „Auffällig ist, dass an keiner anderen Stelle der niedersächsischen Küste Häfen und die direkt vorgelagerten, küstennahen Fanggebiete derart radikal gesperrt werden. Es trifft im gesamten Untersuchungsraum exklusiv und gezielt die Fanggebiete der Wangerländer Kutter. Während andere Regionen ihre küstennahen Korridore behalten, wird uns jegliche Lebensgrundlage entzogen.“

Sollte der Vorschlag umgesetzt werden, käme das einem „Berufsverbot“ gleich. „Unsere kleinen, traditionsreichen Kutter sind nicht für die Hochseefischerei gebaut; wir sind auf die küstennahenFanggründe angewiesen. Fällt dieses Gebiet weg, sind unsere Betriebe am Ende.“

Fischer keine Naturzerstörer

Die radikalen Sperrungen seien weder verhältnismäßig noch ergäben sie einen ökologischen Sinn. „Alle unsere Betriebe arbeiten streng nachhaltig und richten sich nach den anspruchsvollen Statuten des MSC-Siegels (Marine Stewardship Council). Wir fischen ausschließlich mit leichten Netzen, wie sie für die traditionelle Krabben- und Küstenfischerei in unserer Region typisch sind. Der Meeresboden wird hierdurch nachweislich geschont“, betonen die Wangerländer Fischer.

Durch den konsequenten Einsatz moderner Selektivnetze werde schon jetzt unerwünschter Beifang auf ein Minimum reduziert und effektiv vermieden. „Wir Fischer sind keine Naturzerstörer – wir leben mit und von der Natur und haben das größte Eigeninteresse an gesunden Beständen und einem intakten Ökosystem. Dass man uns nun ausgerechnet die letzten verbliebenen Gebiete nimmt, die wir seit Generationen nachhaltig bewirtschaften, ist für uns nicht nachvollziehbar und entbehrt jeder fachlichen Grundlage.“

Hilfe von Politik erhofft

Mit der Vernichtung der Betriebe würde nicht nur ein Berufsstand sterben. Es gehe auch ein Stück Identität und Kultur des Wangerlandes und des Landkreises Friesland verloren, das Touristen anziehe und die Häfen von Hooksiel und Horumersiel lebendig mache. Die Fischer fordern die politischen Vertreter des Wangerlandes und des Landkreises auf, sich für die Existenz der hiesigen Fischerbetriebe einzusetzen. 

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