Millionen Kubikmeter Sand aus der Jade für den Hooksieler Strand?

Sandabbruch am Strand
Durch Auffüllungen sollen die Sandabbrüche am Strand von Hooksiel (hier am Strandhaus 1) ausgeglichen und im besten Fall dauerhaft gestoppt werden. Archiv-Foto: hol

Hooksiel (22. 11. 2023) – In der Jade wird gebaggert. Viel gebaggert. Die Fahrrinne muss auf Tiefe gehalten werden. Und auch an den Liegeplätzen für die Schiffe lagert sich immer wieder Sediment ab, das ausgebaggert werden muss und dann irgendwo hinter Wangerooge in der Nordsee verklappt wird. 

Kann man diesen Sand nicht bessert nutzen? Etwa am immer schmaler werdenden Strand von Hooksiel? Hier nagen seit Jahren Strömung und Sturmfluten am Deichvorland, tragen den Badestrand ab und gefährden damit auf Dauer auch die Standfestigkeit des Deiches.

In seinem Rechenschaftsbericht unternahmen Schäfermeier und Kassenwartin Geraldine Vogdt einen Streifzug durch die Themen, die im Rat verhandelt wurden. Die 107 Mitglieder starke Wählergemeinschaft hat fünf Sitze im 24 köpfigen Rat. Zu ihren Kernthemen gehörte bei der Kommunalwahl: Der Erhalt des Meerwasser-Hallenwellenbades Hooksiel und die Verhinderung von Massentourismus.

Die Idee, an der seit Monaten ein mit Vertretern etlicher Behörden und Verbänden besetzter Runder Tisch arbeitet: Statt den Jadesand zu verklappen, könnte man ihn an den Strand von Hooksiel pumpen. Projektleiter ist Ratsherr Dieter Schäfermeier, zugleich Vorsitzender der 2017 als Pro Hooksiel gegründeten Wählergemeinschaft Pro Wangerland. 

Runder Tisch mit allen Behörden

Schäfermeier berichtete am Dienstagabend auf der Mitgliederversammlung der Gemeinschaft im Hooksieler Gästehaus über das Großprojekt, das bei Gesprächen im Rathaus mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) geboren worden war. Erstmals habe der Runde Tisch im August getagt. Mit dabei waren unter anderem Vertreter des Deichbandes, der Hafengesellschaft NPorts, des Domänenamtes, der der Strand gehört, des Niedersächsischen Landesamtes für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der Wasserstraßen-Verwaltung des Bundes, des Landkreises Friesland sowie als zweite Vertreterin aus dem Wangerländer Rat die CDU-Landtagsabgeordnete Katharina Jensen (CDU).

„Alle haben Zustimmung signalisiert“, sagte Schäfermeier. Inzwischen seien eine Reihe von offenen Fragen abgearbeitet. Gemeinde und Wangerland Touristik GmbH (WTG) hätten ihre Wünsche formuliert, ein Planungsbüro ist eingeschaltet, Bedenken der Nationalparkverwaltung wurden erörtert. Klar sei, dass das Baggergut, das am zweiten LNG-Terminal in Wilhelmshaven anfällt, für das Projekt nicht in Frage kommt. „Aber bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung fallen jedes Jahr zwölf Millionen Kubikmeter Sand an“, sagte Schäfermeier. „Rund 50 Prozent davon sei für den Strand geeignet.“

Strand nahe des Campingplatzes geplant

Aufgespült werden soll der Strand vom Außenhafen bis auf Höhe Hooksieler Campingplatz. Dafür werden nach ersten Berechnungen drei bis vier Millionen Kubikmeter Sand benötigt. Der Spülvorgang könnte zwei bis drei Jahre dauern. Denn, darin sei man sich einig, so Schäfermeier, der Sand müsse jeweils abschnittweise gesichert werden, damit er nicht bei der nächsten Flut wieder verschwunden ist. Ein Ziel der Aufspülung sei auch die Gestaltung eines neuen, deutlich ortsnäheren Strandes in der Nähe des Campingplatzes.

Schäfermeier sieht in der Strandaufspülung eine Art Kompensation für die Belastungen, die durch die Energieprojekte auf dem Voslapper Groden samt Flüssigerdgasimport nahe des Hooksieler Hafens für den Tourismus im Wangerland entstehen. Hilfreich für die Finanzierung wäre, dass durch die Aufspülungen an anderen Stelle Kosten gespart werden können, ergänzte Pro-Wangerland-Ratsherr Hedde Hobbie

Kanning im Hallenwellenbad Hooksiel
Pro Wangerland ist zuversichtlich, dass die Wangerland Touristik die Mängel im Hallenwellenbad Hooksiel nach und nach selbst abstellen kann. Archiv-Foto: hol

Als Erfolg wertete Schäfermeier, dass die Umwidmung von Dauerwohnungen in Ferienwohnungen gestoppt worden sei. Schwieriger sei der Umgang mit Ferienwohnungen, die zum Teil über Jahrzehnte in Wohngebieten illegal betrieben wurden. „Da müssen wir andere Wege finden.“ Zuversichtlich zeigte sich der Ratsherr sich zur Zukunft Hallenwellenbades. „Es besteht keine Gefahr, dass das Bad geschlossen wird.“ Es gebe Sanierungsbedarf. Den werde aber die WTG nach und nach selbst abarbeiten. Die von Gutachtern dafür ermittelten Kosten von rund 15 Millionen Euro halte er für überzogen.

Temperatur in den Bädern wird erhöht

Die gute Botschaft des Abends für Badegäste: Die Gemeinde hat beschlossen, die Wassertemperaturen in den WTG-Bädern in Hooksiel und Horumersiel wieder um zwei Graf auf 29 bzw. 31 Grad anzuheben, da die Energiepreise wieder gesunken seien. 

Es sei gut, dass in der Betreiberfrage für das Restaurant im Bad ein Schlussstrich gezogen wurde und die WTG den Vertrag mit Pächter Hippenstiel gekündigt habe. Aus Sicht von Schäfermeister seien weder der Pächter noch der Vertrag akzeptabel gewesen. Zur Frage der Rechtmäßigkeit der Kündigung gibt es bekanntlich einen Rechtsstreit.

Sorgen machen sich die Anhänger von Pro Wangerland um das „Thalasso Meeres Spa“. Die Einweihung des neuen Gesundheitstempels der WTG in Horumersiel war mehrfach verschoben worden und soll voraussichtlich im Frühjahr 2024 erfolgen. Ob das Thalasso-Zentrum danach wirtschaftlich betrieben werden kann, sei eine offene Frage. Schäfermeier: „Ich bin da skeptisch.“

Wichtig wäre auch der Verkauf der Rundinsel im Wangermeer. Nachdem ein erster Interessent abgesprungen war, verhandelt die Gemeinde aktuell mit Investoren aus Esens. Schäfermeier: „Wir brauchen das Geld aus dem Verkauf dringend in der Gemeindekasse.“

Thalasso
Das Thalasso Meeres Spa soll 2024 eröffnet werden. Ob das Konzept des Gesundheitstempels in Horumersiel dauerhaft aufgehen wird, ist noch ungewiss. Foto: WTG

Ein Gedanke zu „Millionen Kubikmeter Sand aus der Jade für den Hooksieler Strand?

  1. Pingback: Ist Hooksiel Hauptstrand noch zu halten? | Hooksiel-life: Vom Leben an der Küste

Kommentare sind geschlossen.