Wangerland (7. 5. 2026) – Die Hoffnung auf eine möglichst schnelle Klärung der Ursachen und Verantwortlichkeiten für die Kostenexplosion beim Bau des Thalasso Meeres Spa (TMS) sind zerplatzt. Wie Bürgermeister Mario Szlezak heute mitteilte, wird es die für „nach Ostern“ angekündigte öffentliche Präsentation eines Gutachtens zum Sachverhalt nicht geben.

Der Kostenanstieg von geplanten 8,8 auf zuletzt genannten 23 Millionen Euro gilt als maßgeblicher Baustein für die Insolvenz der gemeindeeigenen Wangerland Touristik GmbH (WTG) und damit für die erheblichen Umbrüche im touristischen Angebote der Gemeinde seither. Unter anderem wurden der Campingplatz Hooksiel privatisiert und die öffentlichen Schwimmbäder geschlossen. Eine Reihe weiterer Immobilien stehen zum Verkauf.
Verantwortlichkeiten ungeklärt
Bürgermeister und Gemeinderat hatten mehrfach größtmögliche Transparenz und eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit versprochen und angekündigt. Unter anderem sollte dabei die Frage geklärt werden, wer wann welche Entscheidungen getroffen oder nicht getroffen hat, um vergleichbare Pannen für die Zukunft ausschließen zu können. Dabei sollte auch geklärt werden, inwieweit es die Gemeinde selbst versäumt hat, Fehlentwicklungen bei ihrem Tochterunternehmen frühzeitig entgegen zu wirken.
Ein Fachbüro prüft sein deutliche über einem Jahr die Vorgänge rund um den Bau des TMS. Beschlüsse, Aufträge, Rechnungen, Überweisungen, die Plausibilität von Preissteigerungen, Versäumnisse und, und, und. Aber auch bei einem jetzt der Gemeinde vorliegenden Gutachten handle es sich lediglich um einen „vorläufigen Abschlussbericht“, heißt es in der Mitteilung. „Dieser Status ergibt sich daraus, dass das zugrunde liegende Zahlenwerk noch nicht abschließend belastbar ist, da einzelne Rechnungen weiterhin geprüft werden.“
Es fehlen immer noch Rechnungen
Es lägen noch nicht alle prüfbaren Abschlussrechnungen vor. Eine abschließende Bewertung der abgerechneten Leistungen sei daher derzeit noch nicht in allen Fällen möglich. Aber, so wörtlich: „Das Gutachten ermöglicht bereits eine erste Einordnung der Kostenentwicklung. Teilaspekte lassen sich im Kontext allgemeiner Entwicklungen im Bauwesen nachvollziehen. Gleichzeitig enthält das Gutachten Hinweise und Bewertungen, aus denen sich weiterer rechtlicher Prüfbedarf ergibt.“
Angaben zum aktuellen Kostenstand oder zu möglicherweise strafbaren Handlungen einzelner Akteure machte die Gemeinde heute nicht. Man stehe dazu „im engen und konstruktiven Austausch mit den zuständigen Ermittlungsbehörden“, denen man bereis sämtliche relevanten Unterlagen, Dokumente und Protokolle vollständig zur Verfügung gestellt habe, heißt es.
Rechtliche Prüfung läuft
Die Inhalte des Gutachtens seien bei der Gemeinde in den vergangenen Wochen intensiv ausgewertet und eingeordnet worden, so Szlezak. „Nach sorgfältiger rechtlicher Prüfung sowie in enger Abstimmung mit den beratenden Juristen ist die Gemeinde Wangerland zu der Auffassung gelangt, dass eine Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt nicht angezeigt ist. Hintergrund hierfür ist, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt.“
Parallel zu den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft lasse die Gemeinde die Sachverhalte rechtlich im Hinblick auf mögliche zivilrechtliche Ansprüche prüfen. „Ziel ist es, etwaige Forderungen zu sichern und sofern erforderlich geltend zu machen.“ Eine abschließende rechtliche Bewertung möglicher Verantwortlichkeiten sei aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.
Inkompetente Projektleitung
Klar war schon bisher: Nur ein Teil der immensen Kostensteigerungen lassen sich durch die allgemeine Preisentwicklung im Bausektor während der Corona-Pandemie erklären. Schon in einem ersten Gutachten waren eine Fülle von Fragen von Fehlern und Versäumnissen von Seiten der WTG aus Auftraggeberin und dem beauftragten Architektenbüro aufgeworfen worden. So habe es offenbar keine kompetente Projektleitung geben, Rechnungen und Nachforderungen von Unternehmen seien nicht oder nicht hinreichend geprüft worden. Letztlich soll auch das Honorar für die Architekten selbst strittig sein.












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