Neue Tradition zu Silvester: Leuchten statt Knaller und Raketen

Deichleuchten
Leuchten statt Knaller und Raketen: Ruhig und besinnlich sollen Wangerländer und ihre Gäste am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ins neue Jahr gleiten. Foto: WTG

Wangerland/Hooksiel (1.12.2022) – Silvesterböller und Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer – passt das zusammen? Die Wangerland Touristik ist davon überzeugt, dass für immer mehr Einheimische und Gäste der Lärm und die Verschmutzung des Nationalparks und der darin lebenden Tiere mit Überresten von Raketen und Knallern nicht mehr akzeptabel sind. „Der Wunsch nach einer umweltverträglichen Alternative wird immer größer“, so Tourismusexperten der WTG. 

Viele Gäste würden über die Jahreswende gerade ins Wangerland reisen, um den großen Silvesterfeierlichkeiten in den Ballungszentren zu entgehen. Um genau diesem Wunsch entsprechen, ist eine neue Silvesterfeier geplant, die zu einer Tradition im Wangerland werden könnte. Ab diesem Jahr ruft künftig die WTG an Silvester zum „Wangerländer Deichleuchten“ auf. „Das neue Jahr soll auf besinnliche, entschleunigte und zugleich pure und verzaubernde Weise eingeläutet werden“, verrät der Veranstaltungs-Manager der WTG, Florian Wirth. Gäste und Einheimische sind aufgerufen, sich kurz vor 24 Uhr auf den Deichen des Wangerlandes zu versammeln und um Punkt 0 Uhr die unterschiedlichsten Leuchtmittel zu entflammen. „Egal ob Öllampe, Wachsfackel oder batteriebetriebene Lichterkette, im Fokus steht das gemeinschaftliche Genießen des Momentes direkt an der Nordsee“, so Wirth. 

Einheimische „Deichpaten“ fungieren als Ansprechpartner vor Ort und verkaufen Heißgetränke. „Das Wangerländer Deichleuchten trifft genau in den Nerv der Zeit“, ist Wirth überzeugt. „Wir sind stolz in Sinne des Umweltschutzes Verantwortung übernehmen und Vorreiter sein zu können “ 

Weitere Informationen finden Interessierte unter  www.wangerland.de.

Kommentar: Schaden für Tourismus in Hooksiel muss ausgeglichen werden

Von Gerd Abeldt

Die Sorge ist groß bei den Vermietern im Wangerland. Das wurde auf dem Leistungsträger-Stammtisch der Wangerland Touristik GmbH deutlich. Das schlechte Öko-Image des LNG-Terminals in Wilhelmshaven könnte Urlauber davon abhalten, in Hooksiel Urlaub zu machen. 

„Kann mein Kind nächsten Sommer in der Jade baden, ohne Schaden zu nehmen?“ fragt ein potenzieller Urlauber am Telefon. Eine definitive Antwort vermag noch niemand zu geben. Ja, der Import von Flüssigerdgas ist angesichts der Energiekrise für Deutschland unverzichtbar. Ja, die im Rahmen des offiziellen Genehmigungsverfahrens mit dem Projekt befassten Gutachter sehen in den Chlor-Einleitungen aus der Regasifizierungsschiff keine Gefahr für Flora und Fauna im Nationalpark Wattenmeer – und schon gar nicht für Schwimmer vor Hooksiel. Und ja, die Landesregierung hat regelmäßige Messungen versprochen, mit denen die Unbedenklichkeit bestätigten sollen.

Aber eine gewisse Unsicherheit bleibt. Und wer ein Unbehagen bei der Buchung seines Urlaubs spürt, der klickt sein Quartier eine Seite weiter – in Neuharlingersiel, Cuxhaven oder gleich in Büsum. Möglichst weit weg vom nächsten LNG-Terminal.

Da liegt die Frage auf der Hand, wie der durch die nationale Notwendigkeit zum LNG-Import ausgelöste lokale Schaden für Hooksiel kompensiert werden kann. Die Antworten dazu sind von offiziellen Seiten im Wangerland noch dünn. Es gebe gute Gespräche, möglicherweise werde die Feuerwehr vor Ort besser ausgerüstet

Reicht das? Nein. 

Direkte Schäden für die Tourismuswirtschaft sollten auch im Tourismus ausgeglichen werden. Ideen für entsprechende Förderprojekte müssen jetzt entwickelt, deren Umsetzung mit Nachdruck eingefordert werden. 

Ein Vorschlag: Das Land übernimmt die Komplettsanierung des Meerwasser-Hallenwellenbades in Hooksiel. Immerhin ist das Bad vor 40 Jahren schon als Kompensation für die Industrialisierung des Voslapper Grodens gebaut worden.

Die Sanierung des Bades hilft angesichts der immensen Energiekosten niemandem weiter? Die Wangerland Touristik kann sich den Betrieb ohnehin nicht mehr leisten? Okay. Dann sollten die an der Energiedrehscheibe Wilhelmshaven engagierten Unternehmen zusätzlich die Energiekosten übernehmen. Vielleicht lässt sich mittelfristig sogar ein „grünes“ Schwimmbad realisieren, mit Fernwärme geheizt und mit Wasserstoff angetrieben? 

Zu hoch gegriffen? Vielleicht. Wenn es bessere Ideen gibt, gern. Doch nur abzuwarten und zu hoffen, dass vielleicht ein Informationszentrum zur Energiewende das Image der LNG-Importe verbessern wird, ist zu wenig. 

Sie haben auch eine Meinung zu dem Thema? Schreiben Sie uns gern eine Email an die Adresse infos@hooksiel-life.de mit dem Betreff Leser-Meinung.

Gästekarte wird attraktiver und digitaler

Hooksiel/Wangerland (22.11.2022) – Die NordseeCard löst im nächsten Jahr die Nordsee-Service-Card als Gästekarte ab. Darauf haben sich neun Städte und Gemeinden an der niedersächsischen Nordseeküste verständigt. Das kündigte die Wangerland Touristik GmbH (WTG) am „Leistungsträger-Stammtisch“ in Hooksiel an. Details zur Anwendung des neuen Systems sollen noch in diesem Monat an alle Vermieter verschickt werden. 

Im Ergebnis wird das Meldesystem und die Ausgabe der Gästekarte (früher Kurkarte) digitaler werden. Urlauber brauchen nicht mehr persönlich zur WTG kommen, um ihre Gästekarte abzuholen. Der Datenaustausch erfolgt künftig elektronisch zwischen WTG und Vermieter bzw. direkt mit dem Gast. Die digitale Gästekarte kann entweder auf dem Smartphone abgespeichert oder vom Gast selbst ausgedruckt werden. Die gesetzlich erforderlichen Meldedaten werden nach der Prüfung durch den Vermieter digital an die WTG übermittelt.

Zu den neun Destinationen mit der neuen NordseeCard gehören neben dem Wangerland Urlaubsorte von Krummhörn/Greetsiel in Ostfriesland bis Otterndorf bei Cuxhaven. Auch die Städte Wilhelmshaven und Bremerhaven werden die neue Servicekarte einführen. Damit könnten Küstenurlauber unter anderem kostenlos Badestrände besuchen, aber auch in den Genuss von Vergünstigungen kommen, wenn sie etwa Museen in Wilhelmshaven oder das Klimahaus in Bremerhaven besuchen, zu Veranstaltungen gehen oder Ausflüge buchen wollen. 

Wie WTG-Geschäftsführer Armin Kanning sagte, wisse man aus Erhebungen, dass die Gäste im Wangerland bereit seien, während ihres Urlaubs attraktive Ziel in einer Entfernung von bis zu 80 Kilometern anzusteuern. Die Umstellung des Systems werde hier und dort etwas Aufwand bedeuten, räumten die WTG-Vertreter gegenüber Kritikern am Stammtische ein. Auf Sicht aber, so beteuerte Kanning, würden die rund 3000 Vermieter im Wangerland, und damit auch die WTG, entlastet. 

Jeder zweite Wangerländer lebt vom Tourismus

Strandkörbe in Hooksiel
Der Hooksieler Strand ist bei den Urlaubern sehr beliebt. Damit die Strandkörbe auch in Zukunft gut belegt werden, will die Wangerland Touristik GmbH neue Angebote schaffen. Foto: Bildwerfer-Fotografie

Hooksiel/Wangerland (23.11.2022) – Der Tourismus im Wangerland ist immer noch im Krisenmodus. Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Energiekrise beeinflussen die Urlaubspläne vieler Bürger. Für das Jahr 2022 zeichne sich mit einer Gästezahl von 291 000 und 1,8 Millionen Übernachtungen zwar ein Plus gegenüber 2021 um zehn Prozent ab. Hinter dem Vor-Corona-Jahr 2019 liege man aber sechs Prozent zurück, sagte der Geschäftsführer der Wangerland Touristik GmbH (WTG), Armin Kanning, beim „Leistungsträger-Stammtisch“ im Gästehaus Hooksiel. 

Vor gut 50 Vermietern von Ferienwohnungen, Gastronomen und sonstigen Dienstleistern vertrat Kanning die These, dass der Corona-bedingte Trend zum Deutschland-Urlaub kein Selbstläufer sei. Die Zahl der Tagesgäste, die aus Oldenburg an die Küste kommen, um hier einen Tasse Kaffee zu trinken und frische Luft zu schnappen, werde angesichts hoher Kraftstoffpreise zurückgehen. Kanning: „Wir müssen hart um jeden Gast kämpfen und uns immer wieder neu erfinden.“

Mit Marketingleiterin Larissa Strangmann stellte der WTG-Chef Projekte vor, die in 2023 ausprobiert werden sollen. Man setze auf Digitalisierung, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit. Geplant sind unter anderem Wangerländer Filmnächte, ein digitaler Reiseführer und die Digitalisierung der Ausleihe in den Büchereien samt Ergänzung des Medienbestandes etwa um Tonie-Figuren, die Kindern Geschichten vorlesen. Am Strand von Schillig testet die WTG eine barrierefreie Schaukel und einen Saunastrandkorb. Sollten die Neuerungen erfolgreich sein, werde man sie auch in Hooksiel anbieten, versicherte Larissa Strangmann. 

Eine Neuerung im Veranstaltungskalender gibt es zu Silvester-Fest. Für das „Wangerländer Deichleuchten“ werden um 24 Uhr alle Wangerländer und Urlaubsgäste auf den 30 Kilometer langen Deich zwischen Hooksiel über Schillig bis Harlesiel gebeten, um dort statt zu Böllern eine Fackel oder ein Licht zu entzünden. Stolz ist man bei der WTG darauf, seit diesem Jahr „Nationalpark-Partner“ zu sein. Dazu passend werde man Initiativen gegen die Vermüllung der Meere anstoßen und konsequent auf Mehrwegsysteme setzen – aus ökologischen, aber auch aus finanziellen Gründen. Wie Kanning sagte, koste allein die Müllentsorgung auf den beiden Campingplätzen rund 100 000 Euro im Jahr.

Energiekosten von rund 40 000 Euro im Monat je Bad spare man durch die aktuelle Schließung der Hallenbäder in Hooksiel und Horumersiel. Angesichts der Engpässe bei der Energieversorgung habe die Schließung der energieintensiven Betriebe aber auch eine „moralische Komponente“. Kanning geht davon aus, dass die Bäder zum Saisonbeginn 2023 wieder geöffnet werden. 

Nicht jeder Hooksieler zeigte für diesen Schritt Verständnis. Das Hallenwellenbad sei geschlossen und die Strände in Horumersiel und Schillig sauberer und besser ausgestattet als der in Hooksiel, klagte eine Vermieterin. Hier sei die WTG gefordert. Zudem gebe es bei Gästen eine spürbare Verunsicherung durch den Betrieb des Flüssigerdgas-Terminals in Wilhelmshaven in Sichtweite des Strandes. 

Im Mai 2023, soll das neue Thalasso-Zentrum in Horumersiel fertig sein. Dann sollen bis zur offiziellen Eröffnung die Abläufe im Haus im Detail abgestimmt werden. Das Zentrum sei etwas „Einmaliges in Deutschland“, so Kanning, und werde Gäste aus dem Umkreis von rund 100 Kilometern ins Wangerland ziehen. Angebotspakete und Preise würden derzeit noch einmal überarbeitet. Obwohl die Anwendungen von den Nutzern privat bezahlt werden müssen, sei er auch wirtschaftlich von der Einrichtung zuversichtlich, so Kanning: „Der zweite Gesundheitsmarkt boomt.“

Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus fürs Wangerland sei immens, sagte der WTG-Geschäftsführer. Das Deutsche Institut für Tourismusforschung (München) hat für 2019 fürs Wangerland einen touristischen Brutto-Umsatz von rund 180 Millionen Euro errechnet. Daraus ergibt sch ein touristisches Primäreinkommen von über 90 Millionen Euro. Statistisch heißt das: Jeder zweite Wangerländer bezieht sein Primäreinkommen aus dem Tourismus.