Wangerland/Hannover (14. 10. 2026) – Das Niedersächsische Umweltministerium hat mit dem Landwirtschaftsministerium die endgültige Flächenauswahl für fischereifreie Gebiete im niedersächsischen Küstenmeer festgelegt. Damit gilt nach rund anderthalb Jahren der so genannte „Fischereidialog“ als abgeschlossen. Die künftigen Fangverbots-Gebiete umfassen zehn Prozent des Küstenmeeres, darunter weite Teile des Jadebusens. Begründet wird die Ausweisung der Schutzgebiet mit der EU-Biodiversitätsstrategie.

Untersagt werden soll der Fischfang unter anderm im Bereich der Blauen Ballje zwischen Horumersiel und Wangerooge. Im Gegensatz zu zwischenzeitlichen Planungen können die Fischer aber einen Teil der Küste vor der Gemeinde Wangerland zwischen Horumersiel und Hooksiel weiter für ihre Fangfahrten nutzen.
Jensen: Der Druck hat sich ausgezahlt
„Der Protest, die vielen Gespräche und vor allem der öffentliche Druck haben sich ausgezahlt“, sagt die Wangerländer Landtagsabgeordnete Katharina Fischer (CDU) gegenüber „Hooksiel-life“. Die ursprünglich geplanten Einschränkungen hätten deutlich abgemildert werden können. „Gar keine Einschränkungen wären mir natürlich lieber gewesen, aber das war ja illusorisch. Die Ministerien sind auf viele Anregungen aus der Fischerei eingegangen.“
Die Betroffenen im Jadegebiet hatten beklagt, dass die ursprünglichen Pläne gerade für Fischer mit kleinen Booten einem Berufsverbot gleichkommen würde. Der Landkreis Friesland und die Gemeinde Wangerland verfassten Resolutionen , in denen auch darauf hingewiesen wurde, dass die Krabbenfischerei für die Küste nicht nur ein Wirtschaftszweig sondern ein Stück Kulturgut mit hohem touristischen Wert sei.
Während Umweltverbände die jetzt ausgewiesenen Fischerei-Verbotszonen als nicht ausreichend kritisieren, hofft Katharina Jensen auf weitere Nachbesserungen im Rahmen es Gesetzgebungsverfahrens. „Wir brauchen meines Erachtens ausdrücklich ausgewiesene Gebiete, in denen unsere Küstenfischerei weiter bestehen kann.“


Im Rahmen des „Fischereidialogs“ hatten das niedersächsische Umweltministerium und das Landwirtschaftsministerium drei Dialogveranstaltungen mit Fischerei- und Umweltverbänden sowie Vertretern einiger Küstengemeinden ausgerichtet. Zudem gab es zwei Regionalkonferenzen mit Fischereibetrieben und den Hafenkommunen.
Ministerien sehen guten Kompromiss
„Gerade die Hinweise auf regionale Betroffenheiten für kleinere Fischereifahrzeuge, die im Laufe des Dialogs eingebracht wurden, haben wir ernst genommen, um betriebliche Härten zu vermeiden“, so Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne). Das Flächenkonzept sei jetzt eine gute Grundlage für eine mit den Schutzzielen des Nationalparks niedersächsisches Wattenmeer konforme fischereiliche Nutzung. „Damit entsteht zugleich Planungssicherheit für die Krabben- und Muschelfischerei.“
Auch Umweltminister Christian Meyer (Grüne) sieht ein „tragfähiges Flächenkonzept“, das sowohl fischereifreie Gebiete in dem angestrebten Flächenumfang als auch weiterhin befischbare Gebiete umfasse. Das Konzept sei geeignet, Naturschutz und Küstenfischerei gemeinsam in die Zukunft führen. „Mit den fischereifreien, strengen Schutzgebieten innerhalb des Nationalparks werden Rückzugsräume für marine Lebensräume und Arten geschaffen und wichtige europarechtliche Anforderungen umgesetzt.“
Landtag entscheidet
Die rechtliche Umsetzung der fischereifreien Gebiete soll durch eine Änderung des Gesetzes über den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer erfolgen. Den Gesetzentwurf hierfür wird das Umweltministerium vorlegen. Über die konkrete Ausgestaltung entscheidet anschließend der Landtag.
In Hooksiel gab es zu Beginn des Fischereidialogs noch drei Fischereibetriebe. Inzwischen hat ein Betrieb seine Tätigkeit eingestellt. Der Kutter „Trotz“ wurde stillgelegt. Ein weiterer Betreib hat in diese Woche seinen Fang vorübergehend eingestellt. „Es gibt zurzeit kein Krabben.“ Der Grund, Fischerei-Verbotszonen hin oder her: Wittlinge haben die Krabbenbestände weitgehend weggefressen.
















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