Friesland/Wilhelmshaven (20. 2. 2026) – Der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade e.V. (AWV) drängt auf eine möglichst schnelle Entscheidung über den Standort des geplanten Zentralklinikums für die Region. Der Beschluss des Kreistags des Landkreises Friesland und des Rates der Stadt Wilhelmshaven, gemeinsam die nächsten Schritte bei der Suche gehen zu wollen, sei zu begrüßen.
Nun gelte es, das Verfahren voranzubringen, um zeitnah eine zukunftsfeste Gesundheitsversorgung für die Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen. Das sei um so wichtiger, da man von einem Realisierungszeitraum von rund zehn Jahren ausgehen müsse.
Hinsichtlich der Standort-Kriterien sei, so der AWV, die Zukunftsfähigkeit der Jade Wirtschaftsregion entscheidend. Deshalb sollte ein Standort mit Entwicklungsperspektiven gewählt werden. „Wir brauchen ein leistungsfähiges Krankenhaus, das langfristig die Menschen der Region versorgen kann und Entwicklungsspielräume für kommende Generationen berücksichtigt“, heißt es in einer Erklärung.
Sollte es den Krankenhausträgern in Wilhelmshaven und Friesland nicht gelingen, eine Einigung herbeizuführen, erwarte der Verband, dass das Land Niedersachsen moderierend eingreife und Verantwortung übernehme, um eine zeitnahe Entscheidung sicherzustellen.
Sande/Wangerland (19. 2. 2026) – Die „Friesland Kliniken“ am Standort Sanderbusch sind erneut von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) als regionales Traumazentrum (RTZ) zertifiziert worden. Damit nehmen sie in dem seit 2008 bestehenden Traumanetzwerk der Region Oldenburg-Ostfriesland als eines von vier RTZ weiter eine herausgehobene Stellung bei der Versorgung Schwerverletzter ein.
Freut sich über die Anerkennung seiner Arbeit: Der Leitende Arzt des Regionalen Traumazentrums Egbert Stepanek. Foto: Friesland-Kliniken
Geschäftsführerin Petra Hohmann dankte dem Team der Unfallchirurgie und Orthopädie um Chefarzt Dr. Peter Bichmann und dem Leitenden Arzt Egbert Stepanek als Leiter des RTZ sowie den weiteren beteiligten Abteilungen. „Bei unseren fachlichen, technischen und strukturellen Voraussetzungen befinden wir uns in der Traumaversorgung auf einem sehr hohen Niveau und sind erstklassig auf die Behandlung von schweren und komplexen Verletzungen eingestellt“, betont Stepanek. Jährlich werden nach Klinikangaben im RTZ rund 70 schwerverletzte Patienten behandelt.
Kooperation mit Wilhelmshaven
Die Re-Zertifizierung war mit hohem Arbeitsaufwand verbunden. Dabei wurde unter anderem auch eine Kooperation im Bereich der Gefäßchirurgie mit dem „Klinikum Wilhelmshaven“ sowie der Aufbau einer radiologisch gestützten endovaskulären Gefäßversorgung umgesetzt, die vor allem bei Schlaganfällen eine wichtige Rolle spielt.
Die externen Gutachter bescheinigen den „Friesland-Kliniken“ eine hohe Kompetenz und Qualität bei der Versorgung von Traumapatienten, die mit durch äußere Gewalt verursachten schweren Verletzungen eingeliefert werden. Zu komplexen Verletzungen zählen beispielsweise schwere Schädel-Hirn-Traumata, komplizierte Frakturen an Becken, Wirbelsäule, Armen oder Beinen, die operiert werden müssen, sowie Gefäßverletzungen oder schwere Verletzungen des Brustkorbs (Thorax). Auch Patientinnen und Patienten mit Polytrauma, also mit mehreren Verletzungen gleichzeitig, werden im Traumazentrum versorgt.
Rund um die Uhr im Einsatz
Ein RTZ muss eine 24/7-Notfallversorgung von Schwerverletzten gewährleisten, einen Hubschrauberlandeplatz, bestimmte Fallzahlen sowie Spezialabteilungen inklusive entsprechender bildgebender Technik, hochwertig ausgestattete OP-Säle und Eingriffsräume sowie einen Schockraum mit umfassender und modernster Technik vorweisen können. Zudem spielt die personelle Ausstattung und Qualifikation und damit die kontinuierliche Fortbildung der Mediziner und Pflegekräfte eine wichtige Rolle.
Wangerland (18. 2. 2026) – Bei nur einer Gegenstimme und drei Enthaltungen haben am heutigen Mittwoch der Kreistag des Landkreises Friesland und der Rat der Stadt Wilhelmshaven den Startschuss für die Suche nach einem Grundstück für ein Zentralklinikum gegeben. Auf einer gemeinsamen Sitzung beider Gremien im Kursaal in Horumersiel unterstrichen Redner beider Kommunen die Bedeutung des Beschlusses und die Notwendigkeit des Vorgehens.
„180.000 Menschen in Wilhelmshaven und Friesland wollen ein Krankenhaus mit maximaler Qualität – und das möglichst schnell“, sagte Oberbürgermeister Carsten Feist. „Und das geht nur gemeinsam.“ Dafür sein ein Interessenausgleich der Beteiligen extrem wichtig, sagte Frieslands Landrat Sven Ambrosy.
Zentral und wirtschaftlich
Dem stimmten zahlreiche Redner im Grundsatz zu, wobei es auch einige kritische Anmerkungen gab. Wilhelmshavens SPD-Fraktionschef Volker Block räumte ein, dass die SPD dem Beschlussvorschlag nur schweren Herzens zustimme. Man hätte sich bei der Abwägung von Zentralität und Wirtschaftlichkeit in der Entscheidungs-Matrix eine größere Gewichtung für die Wirtschaftlichkeit gewünscht.
Nach den gesundheitspolitischen Vorgaben von Land und Bund soll die Krankenhauslandschaft zentralisiert und damit die Qualität der Versorgung gesteigert werden. Für die „Friesland Kliniken“ und das „Klinikum Wilhelmshaven“ bedeutet das, dass sie in vielen medizinischen Bereichen den künftigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden, wenn sie ihre Leistungen nicht bündeln.
Auf ein Zentralklinikum hatten sich Stadt und Landkreis bereits im Sommer 2025 geeinigt. Dafür soll ein Neubau entstehen. Offen ist aber unter anderem noch die Frage, wo das künftige Zentralklinikum stehen soll. An einem der beiden bisherigen Krankenhaus-Standorte in Wilhelmshaven und Sanderbusch oder auf einem unbebauten, möglichst zentral gelegenen Grundstück auf der grünen Wiese?
Entscheidungs-Matrix
Rat und Kreistag segneten heute die Vorarbeit der Verwaltungs-Dezernenten Thomas Bruns (Stadt) und Rolf Neuhaus (Landkreis) ab, die trotz aller Interessenunterschiede einen gemeinsamen Beschlussvorschlag für die Standortsuche erarbeitet haben. Die von ihnen entwickelte Entscheidungs-Matrix soll Grundlage für eine wissenschaftlich fundierte Empfehlung sein, über die dann die politischen Gremien abschließend entscheiden müssen.
Neben Fragen der geografischen Zentralität soll gleichgewichtig die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden. Derzeit müssen beide Kommunen ihre Krankenhäuser in ein- oder auch zweistelliger Millionenhöhe im Jahr bezuschussen. Das sei Beleg dafür, dass die Krankenhäuser finanziell nicht auskömmlich ausgestattet sind, stellte der CDU-Ratsherr Martin Ehlers fest. „Und ich befürchte, auch das Zentralklinikum wird Zuschüsse brauchen.“
Schlüsselrolle beim Land
Im Beisein von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), zugleich Mitglied im Kreistag, wurde die Schlüsselrolle deutlich, die das Land für den geplanten Neubau spielt. Bei der Finanzierung, aber auch bei Fragen wie: Müssen die bestehenden Kliniken im Fall eines Neubaus Fördermittel zurückerstatten? Können die 100 Millionen Euro, die das Land bereits für den ins Stocken geratenen Klinikneubau in Wilhelmshaven gewährt hat, auf das neue Projekt umgelenkt werden? Antworten auf diese Fragen werden aus Hannover Anfang März erwartet.
Auch mit der Standortsuche soll es jetzt zügig voran gehen. Mit der Identifikation sowie der fachlichen und wirtschaftlichen Bewertung möglicher Standorte wolle man „bis zur Sommerpause durch sein“, sagte Wilhelmshavens Kämmerer Bruns. Ob sich dieser Empfehlung dann eine politische Entscheidung über den Standort des Zentralklinikums noch vor der Kommunalwahl im September anschließt, bleibt abzuwarten.
Wangerland (16. 2. 2026) – Der Landkreis Friesland und die Stadt Wilhelmshaven wollen als Träger der „Friesland Kliniken“ und des „Klinikums Wilhelmshaven“ in dieser Woche den nächsten Schritt in Richtung den Bau eines Zentralklinikums gehen. Auf einer gemeinsamen Sitzung von Kreistag und Rat der Stadt soll am Mittwoch, 18. Februar, der Fahrplan für die Suche nach einem geeigneten Standort für das Großkrankenhaus beschlossen werden.
100 Millionen Euro hat das Land Niedersachsen bereits für den Teilneubau des Klinikums Wilhelmshaven bewilligt. Zu sehen ist von dem Projekt bislang nur eine Baugrube. Offen ist, inwieweit die Förderung auf den Bau eine Zentralklinikums übertragen werden kann. Foto: hol
Sitzung in Horumersiel
Im Kern geht es um den Auftrag für Fachgutachten, die die Suche nach einen optimalen Standort und die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit des Projektes wissenschaftlich absichern sollen. Die öffentliche Sitzung beginnt um 15 Uhr im Kursaal in Horumersiel.
Neben den beiden vorhandenen Klinik-Standorten sollen die Gutachter zumindest ein weiteres, mindestens neun Hektar großes, möglichst gut erschließbares Grundstück identifizieren, das von den Patientinnen und Patienten in Wilhelmshaven und Friesland in maximal 30 Minuten zu erreichen wäre. Die Zentralität ist das wichtigste Kriterium bei der Standortsuche, aber nicht das einzige. Hinzu kommen eine Fülle von Fragen zur Wirtschaftlichkeit und zur Förderfähigkeit des Großprojektes.
Offene Fragen zu Fördergeldern
Beide Krankenhaus-Gesellschaften belasten die Haushalte ihrer Trägerkommunen aktuell jährlich mit Zuschussbedarfen in Höhe von mehreren Millionen Euro. Dennoch dürfte es auch von den Rahmenbedingungen von Seiten des Bundes und des Land abhängen, ob sich Friesland und Wilhelmshaven einen mehrere Hundert Millionen Euro teuren Neubau leisten können.
Eine Frage, die dabei zu klären sein wird: Inwieweit können die 100 Millionen Euro, die das Land Niedersachsen bereits für den Teilneubau des Klinikums Wilhelmshaven bewilligt hat, auf ein neues Projekt übertragen werden? Eine andere: Müssen Fördergelder, die bereits für Projekte in den bestehenden Kliniken ausgezahlt wurden, wieder zurückgezahlt werden, wenn der jeweilige Standort zugunsten eines Zentralklinikums aufgeben wird?
Sind Gutachten verbindlich?
Unabhängig von den fachlichen Fragen gibt es im Oberzentrum Wilhelmshaven und im bevölkerungsstärkenen Friesland politische Kräfte, die das Zentralklinikum jeweils für ihre Kommune reklamieren. Unklar ist vor diesem Hintergrund, welche Verbindlichkeit der Standortsuche zukommt. Die Sorge zum Beispiel von Oberbürgermeister-Kandidatin Dr. Eva-Maria Haarmann: „Was passiert, wenn einem der beiden Auftraggeber das Ergebnis der Gutachter nicht gefallen sollte? Beginnen wir dann von vorne?“
Wilhelmshaven/Friesland (31. 1. 2026) – Das „Klinikum Wilhelmshaven“ und die „Friesland Kliniken“ rücken medizinisch zusammen. Während die politischen Gremien von Stadt und Landkreis vor einer zentralen Weichenstellung für den Bau eines gemeinsamen Zentralklinikums stehen, haben die Geschäftsführungen beider Krankenhäuser verkündet, dass sie im Bereich der Behandlung von Brustkrebs ab sofort enger zusammenarbeiten.
Die „Friesland Kliniken“ und das „Klinikum Wilhelmshaven“ arbeiten bei der Brustkrebs-Behandlung zusammen. Operationen finden nur noch in Wilhelmshaven statt. Foto: Archiv-hol
Grünes Licht für die Kooperation beider Häuser haben die Aufsichtsräte der beiden kommunalen Kliniken bereits Ende vergangenen Jahres gegeben. „Damit sichern wir die regionale Versorgung bei Brustkrebsoperationen und damit der Behandlung der häufigsten Krebserkrankung von Frauen“, sagt die Geschäftsführerin der „Friesland Kliniken“, Petra Hohmann. Ihr Pendant im „Klinikum Wilhelmshaven“, Norman Schaaf: „Die Kooperation optimiert die Versorgung unserer Patientinnen und stärkt beide Standorte. Zudem ist es ein weiteres starkes Signal des Zusammenwachsens auf dem Weg zum geplanten Zentralklinikum.“
Kompetenzen gebündelt
Die Häuser bündeln ihre Kompetenzen im medizinischen Fachbereich der Senologie und damit der Behandlung von Brustkrebs (Mammakarzinome). Mit dieser Kooperation werde die zu beantragende Leistungsgruppe gesichert, heißt es. Gemeinsam würden beide Häuser die dafür geforderte Auflage von mindestens 100 Brustkrebsoperationen jährlich erfüllen. Damit werde die medizinische Versorgung in der Region in diesem Fachbereich erhalten.
Der Kern der Kooperation: Die chirurgischen Eingriffe werden in Wilhelmshaven konzentriert. Die Brustkrebspatienten der „Friesland Kliniken“ werden aber weiterhin durch Operateure der Geburtshilfe und Frauenheilkunde des St.-Johannes-Hospitals in Varel betreut, die des „Klinikums Wilhelmshaven“ durch deren Operateure. Sprechstunden, Behandlungen, Diagnostik und Therapie im Bereich der Senologie sollen wie gewohnt sowohl in Wilhelmshaven als auch in Varel stattfinden.
Leitende Ärzte zufrieden
Maßgeblich mit ausgehandelt hatten Vereinbarung die Leitenden Oberärzte Dr. Christoph Messner („Friesland Kliniken“) und Bert Hendrik Holmer („Klinikum Wilhelmshaven“). „Aus unserer Sicht ist das eine sehr gute Lösung, die sowohl die Gynäkologie im Klinikum Wilhelmshaven als auch in den Friesland Kliniken stärkt.“
Zum Hintergrund: Nach dem Krankenhausstrukturgesetz müssen sich Krankenhäuser für so genannte Leistungsgruppen bewerben. Davon gibt es 65. Die Leistungsgruppe 41 beinhaltet die Senologie. Durch die Bündelung der Kräfte und Kapazitäten des „Klinikums Wilhelmshaven“ und der „Friesland Kliniken“ am Standort St. Johannes-Hospital Varel werden die geforderten Mindestfallzahlen von 100 Brustkrebsoperationen erfüllt. Für diese Leistungsgruppe habe das Klinikum Wilhelmshaven einen entsprechenden Antrag gestellt. Diesen Antrag habe der Landesverband der Krankenkassen jetzt genehmigt.
Wichtige Weichenstellung
Für Mittwoch, 18. Februar, wird eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft beider Kliniken erwartet. Der Rat der Stadt Wilhelmshaven und der Kreistag des Landkreises Friesland wollen in einer gemeinsamen Sitzung die Modalitäten für die Suche nach einem Standort für ein neu zu bauendes Zentralklinikum verabschieden.
Der Allgemeine Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade (AWV) hat in dies Tagen darauf gepocht, den Beschluss nicht auf die lange Bank zu schieben. „Die Entscheidung ist überfällig und alternativlos-„
Wangerland/Wilhelmshaven (3. 7. 2025) – Es war ein historischer Beschluss. Am Mittwochnachmittag haben der Rat der Stadt Wilhelmshaven und der in Horumersiel tagende Kreistag des Landkreis Friesland nahezu zeitgleich beschlossen, ein gemeinsames Zentralklinikum zu bauen. Die Gebietskörperschaften wollen zeitnah eine Untersuchung in Auftrag geben, in der nach objektiven, fachlichen, raumordnerischen und wirtschaftlichen Kriterien nach dem besten Standort für den Neubau gesucht werden soll.
Sinnbild für eine gescheiterte Krankenhaus-Politik in Wilhelmshaven: Die Baugrube vor dem Klinikum, in der eigentlich schon längst ein Neubau hätte aufwachsen sollen. Ob das Projekt mit der Entscheidung für eine Zentralklinikum für die gesamte Region vollends abgeschrieben werden muss, ist noch unklar. Foto: hol
In dem neuen Zentralklinikum, das voraussichtlich um 2035 fertig sein könnte, sollen das Klinikum Wilhelmshaven sowie die „Friesland-Kliniken“ mit ihren Standorten in Sanderbusch (Nordwest-Krankenhaus) und Varel (St.-Johannes-Hospital) zusammengelegt werden. Nach dem erklärten Willen von Rat und Kreistag sollen die bisherigen Krankenhaus-Gesellschaften fusionieren. Ein Gutachten soll klären, was die ideale Rechtsform für diesen kündigen gemeinsamen Träger des Zentralklinikums ist.
Millionen-Zuschüsse auf Dauer nicht tragbar
Sowohl Wilhelmshaven als auch Friesland müssen ihre defizitären Krankenhäuser jährlich mit etlichen Millionen Euros stützen. Hinzu kommen Veränderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen auf Landes- und Bundesebene. Unter anderem soll durch die Konzentration von stationären medizinischen Angeboten deren Wirtschaftlichkeit erhöht und die Qualität der Behandlungen verbessert werden.
Die Diskussionen über die gesundheitspolitische Weichenstellung für die Region waren mit Spannung erwartet worden. In Varel regt sich erhebliche Widerstand gegen die Schließung des St- Johannes-Hospital. Vor allem durch den Verlust der Frauen- und Geburtenklinik würde eine Versorgungslücke im Bereich des südlichen Landkreises Friesland und für die benachbarte Wesermarsch entstehen.
In Wilhelmshaven stellt sich die Frage, inwieweit die bereits getätigten Vorleistungen für den dort bislang geplanten Neubau bei der Standortsuche für das Zentralklinikum berücksichtigt werden. Sichtbares Zeichen für das Krankenhaus-Fiasko in Wilhelmshaven: Die riesige Baugrube direkt vor dem Klinikum.
Zweidrittel-Mehrheit im Kreistag
Im Kreistag stimmten fünf Abgeordnete, darunter der ehemalige Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke („Zukunft Varel“) gegen den Bau des Zentralklinikums. Bei 31 Ja-Stimmen war dennoch die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit erreicht. Auch im Wilhelmshavener Rat gab es nach zweieinhalbstündiger Debatte eine deutliche Mehrheit.
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Kontrovers diskutiert wurde im Kreistag, wie die medizinische Versorgung im Südkreis für die Übergangszeit bis zur Fertigstellung des Zentralklinikums sicher gestellt werden kann. Angesichts jährlicher Millionen-Defizite gerade am Standort Varel hatten Gutachter – unabhängig vom Beschluss über ein Zentralklinikum – zu einer zügigen Schließung geraten.
Zwischenlösung für Varel gesucht
Der Kreistag folgte mehrheitlich einem von Jannes Wiesner (SPD) eingebrachten Antrag der SPD/Grünen/FDP-Mehrheitsgruppe, wonach jetzt zunächst ein Gesundheitskonzept für Varel und Umgebung erstellt werden soll. Einfließen könnten darin die Ergebnisse von Gesprächen, die Landrat Sven Ambrosy demnächst mit der Stadt Varel sowie mit Kommunen aus der Wesermarsch führen will, die möglicherweise bereit wären, sich an den Kosten zu beteiligen.
CDU-Fraktionschef Dirk Zillmer und sein Stellvertreter Axel Homfeldt forderten, die Suche nach einer Zwischenlösung für Varel mit einem konkreten Datum zu versehen. Der Kreis solle bis Ende 2025 nach einem Träger für ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) Ausschau halten. Sollte sich der nicht finden, müsse das Krankenhaus zum 31. April 2026 geschlossen werden. Damit hätten Geschäftsführung und Mitarbeiter Klarheit für ihre Planung. „Ich habe die Sorge, dass wir sonst schließen müssen, weil das Personal uns wegläuft“, sagte Homfeldt. „Das wäre dann ein politisches Versagen.“
Lob von Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband
In einer Stellungnahme von heute begrüßt der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade e.V.(AWV) die Beschlüsse zum Bau eines Zentralklinikums. Das sei ein richtiger Schritt., um die Gesundheitsversorgung der Region zu sichern. Ein Zentralklinikum stelle eine historische Chance dar, in der Jade Wirtschaftsregion ein Krankenhaus mit hoher fachlicher Expertise, moderner Infrastruktur und umfassender Versorgung dauerhaft zu sichern.
„Die Zukunft liegt in leistungsfähigen, wirtschaftlich tragfähigen Strukturen.“ Eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung stärke zudem die Attraktivität der Region als Arbeits- und Lebensraum. Unternehmen würden direkt von stabilen Gesundheitsstrukturen profitieren – sei es in der Bindung von Mitarbeitenden oder im Wettbewerb um Fachkräfte. Die wirtschaftlich nachhaltige Struktur eines Zentralklinikums hilft nach Ansicht des AWV auch dabei, kommunale Haushalte langfristig zu entlasten. Vor diesem Hintergrund spricht der Verband von einer „weitsichtigen Entscheidung“ von Kreistag und Rat.
Anmerkung:Der Artikel wurde im Laufe des Tages aktualisiert.
Horumersiel/Hooksiel (30. 6. 2025) – Wie geht es weiter mit der Krankenhaus-Planung ihn der Region Friesland-Wilhelmshaven? Für diese Frage soll der Kreistag des Landkreise Friesland in seiner Sitzung am Mittwoch, 2. Juli, eine entscheidende Weichenstellung vornehmen. Das Gremium, so der Plan, fass einen Grundsatzbeschluss darüber, ob mittelfristig die bestehenden Kliniken in Wilhelmshaven, Sanderbusch und Varel durch den Neubau eines Zentralklinikums ersetzt werden sollen. Die öffentliche Beratung beginnt um 14.30 Uhr im Haus des Gastes in Horumersiel.
Die mit Spannung erwartete Krankenhaus-Debatte steht ziemlich am Ende einer langen Tagesordnung. Unter anderem sollen die Kreistagsabgeordneten den Juristen Bernd Niebuhr zum allgemeinen Vertreter von Landrat Sven Ambrosy bestimmen.
Die Neubesetzung wurde durch die Abberufung der Ersten Kreisrätin Silke Vogelbusch (Foto: Landkreis) erforderlich, die der Kreistag im Einvernehmen mit der Betroffenen in einer Sondersitzung in der vergangenen Woche beschlossen hat. Die Hooksielerin (59) hatte sich aus persönlichen Gründen dazu entschlossen, ihre eigentlich bis Ende 2027 laufende Amtszeit vorzeitig zu beenden.
Ein im Auftrag der Stadt Wilhelmshaven und des Landkreise erstelltes Gutachten hält den Bau eines Zentralklinikums für beide Gebietskörperschaft für die wirtschaftlich beste Lösung. Alle Kliniken in der Region schreiben jährlich Millionendefizite. Hinzu kommen veränderte geänderte Rahmenbedingungen auf Bundes- und Landesebene. Ein Standort für den Neubau steht noch nicht fest. Mit einem Grundsatzbeschluss sollen aber der Kreistag und der Rat der Stadt die weitere gemeinsame Planung vorantreiben.
In der Debatte steckt Brisanz – auch weil die „Friesland-Kliniken“ unabhängig vom Zusammenschluss mit Wilhelmshaven die Zentralisierung ihrer stationären Krankenversorgung anstreben. Danach würde der Krankenhausstandort Varel komplett aufgegeben werden. Dagegen regt sich im Südkreis erheblicher Widerstand.
Friesland (17. 6. 2025) – Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi rät dem Landkreis Friesland in der Krankenhaus-Debatte dazu, „den Standort Varel zumindest so lange zu erhalten, bis Geburtshilfe und Frauenheilkunde in eine möglicherweise zu errichtende Zentralklinik aufgenommen werden“. Die Geburten, die aktuell in Varel betreut werden, könnten nicht ohne Weiteres auf andere niedersächsische Krankenhaus-Standorte verteilt werden, stellt der Minister fest.
Philippi hat sich auf Anfrage des Landkreises Friesland schriftlich zur Versorgungsrelevanz eines Krankenhaus-Standortes Varel für die Geburtshilfe und Frauenheilkunde geäußert. Im Kern habe er die Bewertungen des veröffentlichten WMC-Gutachtens bestätigt, teilte der Landkreis heute mit. Eine Bezuschussung der laufenden Betriebskosten durch das Land habe er ausgeschlossen.
Geburten künftig in Zentralkrankenhaus?
Für eine Entscheidung zum Standort Varel verweist der Minister auf die kommunalen Gremien des Trägers vor Ort, also des Kreistages des Landkreises Friesland. Der Standort Varel als Teil der „Friesland Kliniken“ weist Defizite in Millionen-Höhe aus. Überlegungen, das Hospital zu schließen und in einem weiteren Schritt möglicherweise zusammen mit der Stadt Wilhelmshaven ein modernes Zentralkrankenhaus zu bauen, haben in Varel erhebliche Proteste ausgelöst.
Aus dem WMC-Gutachten geht unter anderem hervor, dass unter dem Aspekt der Erreichbarkeit bzw. der Fahrzeit das St. Johannes-Hospital nicht versorgungsrelevant sei. Diese Einschätzung könne laut Antwortschreiben des Ministers „fachlich nachvollzogen werden“. In der Betrachtung von WMC würden allerdings Kliniken im Land Bremen mit einberechnet. Es werde also davon ausgegangen, dass einige Patientinnen gegebenenfalls in Bremen und nicht in Niedersachsen versorgt werden können.
Betriebskosten-Zuschuss ausgeschlossen
Nicht für möglich hält das Ministerium eine Förderung vom Land, durch die der Standort Varel als Geburtsklinik unterstützt würde. Eine Förderung wie beispielsweise für das ambulante OP-Zentrum sei generell nur im investiven Bereich möglich. Eine finanzielle Unterstützung in Bezug auf Betriebskosten durch das Land sei gesetzlich ausgeschlossen.
Landrat Sven Ambrosy dankte dem Minister für seine Antworten. Es sei jetzt an den Mitgliedern des Kreistages, auf Grundlage der Gutachten und der Einschätzung des Ministers eine gute Lösung für die Gesundheitsversorgung im Landkreis zu beraten. Ambrosy: „Ich appelliere weiter an Bund und Land dringend die besondere Lage der bundesweit unterfinanzierten Geburtshilfe in den Blick zu nehmen und zeitnah für eine auskömmliche Finanzierung zu sorgen.“
Wangerland/Friesland (7. 6. 2025) – Landkreis Friesland lädt zu zwei Informations-Veranstaltungen zur künftiger Krankenhaus-Versorgung in der Region ein. Am Dienstag, 10. Juni, findet die erste Veranstaltung in der Weberei Varel (Oldenburger Straße 21) statt, die zweite am Donnerstag, 12. Juni, im Theater am Dannhalm in Jever (Schulstraße 5a). Beginn ist jeweils um 18 Uhr.
Das Beratungsunternehmen WMC, das im Auftrag des Landkreises Friesland und der Stadt Wilhelmshaven ein Gutachten mit Varianten zur Zukunft der Krankenhäuser in Friesland und Wilhelmshaven entwickelt hat, wird in die Thematik einführen. Danach sollen die Vorsitzenden der im Kreistag vertretenen Fraktionen ihre Haltung darlegen. Im Anschluss ist eine Diskussions- bzw. Fragerunde vorgesehen, bei der auch Interessierte Gelegenheit haben, Fragen zu stellen.
Die künftige Krankenhaus-Versorgung ist aktuell Thema politischer Beratungen. Die Entscheidung über die Zukunft der Standorte Sanderbusch und Varel der „Friesland Kliniken“ trifft der Kreistag des Landkreises als Träger der Friesland Kliniken gGmbH. Es obliegt der politischen Bewertung des Kreistags, die Empfehlungen zu prüfen und zu beschließen. Vor allem in der Stadt Varel gibt es massive Widerstände gegen die geplante Schließung des dortigen Krankenhauses.
Der Kreistag ist grundsätzlich frei darin, gegebenenfalls von dem mit erwarteten Millionen-Einsparungen untermauerten Vorschlag der Gutachter abzuweichen. Die Gutachter raten zudem dazu, mittelfristig für Friesland und Wilhelmshaven ein neues, gemeinsames Zentralkrankenhaus zu bauen, das dann die vorhandenen Kliniken ersetzten könnte..
Erst nach dem Beschluss der politischen Gremien könne ein Zeitplan mit allen inhaltlichen und organisatorischen Änderungen erstellt werden, heißt es von Seiten des Landkreises. Die nächste Sitzung des Kreistags findet am Mittwoch, 2. Juli, statt. Die öffentliche Vorlage zum WMC-Gutachten ist online einsehbar.
Friesland/Sande (9. 4. 2025) – Das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) rät dem Landkreis Friesland und der kreiseigenen Friesland Kliniken gGmbH den Krankenhaus-Standort Varel aufzugeben und ein optimiertes Leistungsangebot in Sanderbusch zu konzentrieren. Das ist das Ergebnis eines Sanierungskonzeptes, das heute in einer Mitarbeiterversammlung vorgestellt wurde. Gestern war das Papier in einer nichtöffentlichen Sitzung den Mitgliedern des Aufsichtsrates und der Gesellschafterversammlung der Friesland Kliniken präsentiert worden.
„Entscheidungen wurden noch nicht gefasst“, heißt es in einer heute von Landkreis und Klinik-Gesellschaft verbreiteten gemeinsamen Erklärung . „Die Inhalte werden zunächst von den zuständigen Gremien beraten.“
Zwei Szenarien untersucht
PwC habe geprüft, ob und mit welchen Maßnahmen das Unternehmen perspektivisch aus eigener Kraft finanziert werden kann. Hierbei wurden zwei Szenarien betrachtet: Das erste Szenario prüft die Beibehaltung beider Standorte Varel und Sanderbusch. Im zweiten Szenario untersuchte PwC die Auswirkungen die Folgen einer Konzentration der Leistungen an einem Standort. „Für beide Szenarien gilt, dass eine bestmögliche Gesundheitsversorgung der Bevölkerung unter wirtschaftlichen und wettbewerbsrelevanten Gesichtspunkten im Rahmen der Reformgesetzgebung gesichert werden muss“, so Klinik-Geschäftsführerin Petra Hohmann. „Eine Optimierung der aktuellen Strukturen ist vor dem Hintergrund des prognostizierten jährlichen Defizits von 25 Millionen Euro unumgänglich.“
Im Szenario 1 bliebe der Standort Varel mit dem stationären Betrieb von Gynäkologie und Geburtshilfe, dem ambulanten OP-Zentrum (AOZ) sowie den Praxen im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) bestehen. In diesem Szenario würde trotz der zu hebenden Einsparpotenziale das Defizit innerhalb von fünf Jahren aufsummiert rund 45 Millionen Euro betragen. Im Szenario 2 würde der Standort Varel nicht weiter fortgeführt und der Standort Sande würde als Schwerpunktkrankenhaus auf etwa 400 Betten ausgebaut. Gynäkologie und Geburtshilfe würde aufgegeben und die derzeit in Varel betriebenen MVZ-Praxen ebenso wie die ambulanten Operationen nach Sande verlegt. Das Pflegeheim St. Marienstift in Varel würde auf 75 Plätze erweitert und ausgebaut werden.
Krankenhaus in Varel nicht nötig
In dem Szenario 2 könnte es in Kombination mit einer Reihe von begleitenden Maßnahmen gelingen, das Defizit innerhalb von fünf Jahren auf nahezu null zu reduzieren, stellen die Gutachter fest. Die Empfehlung von PwC laute, das medizinische Versorgungsangebot in Varel aufzugeben und alle Leistungen in Sande zu bündeln. Ein Krankenhaus in Varel sei zur Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung nicht nötig. Nach Überzeugung von PwC kann die Versorgung der Menschen durch die umliegenden Krankenhäuser sichergestellt werden.
Weitere Gründe für die Expertenempfehlung liegen unter anderem in landes- und bundespolitischen sowie medizinischen Entwicklungen. So seien Qualitätsanforderungen an Krankenhäuser, Finanzverpflichtungen, eine bedarfsgerechte Personalplanung und vor allem die Wirtschaftlichkeit mit zwei Krankenhäusern nicht zu erbringen. „Mit dem jetzt vorgeschlagenen Szenario 2 und einer Konzentrierung an einem Standort ist es möglich, die notwendige Konsolidierung der regionalen Krankenhauslandschaft zu gestalten“, heißt es in er Mittelung von Landkreis und Klinik.
Ambrosy: Leistungsfähige Versorgung sicherstellen
„Die Menschen in unserer Region können sich darauf verlassen, dass wir eine moderne und leistungsfähige medizinische Versorgung sicherstellen“, sagt Landrat Sven Ambrosy. „Gleichzeitig ist es unsere Verantwortung, finanziell tragfähige Strukturen zu entwickeln. Mit dem Sanierungskonzept wurde eine fachlich fundierte Grundlage entwickelt als Basis für den nun folgenden Beratungsprozess in den zuständigen Gremien.“
Diese gutachterliche Bewertung und die umfangreiche Analyse würden nun von den Gremien in nächster Zeit weiter beraten. Dabei werden auch die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie mit zu berücksichtigen sein, die mit Blick auf die gesamten Region Wilhelmshaven-Friesland den Neubau eines Zentral-Klinikums für beide Gebietskörperschaften nahe gelegt hatte. Ambrosy: „Ich gehe davon aus, dass unsere Gremien hier zeitnah Entscheidungen treffen werden – dennoch gilt auch hier, sorgfältig vorzugehen und nicht übereilt zu handeln.“ Die derzeitigen Versorgungsangebote an den Standorten Sande und Varel bleiben somit bis auf Weiteres bestehen und es gelte die Entscheidung des Landkreises Friesland als Träger abzuwarten.