Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Alle Beiträge zum Thema “Soziales”

Gleichberechtigung in Niedersachsen nur Frauensache?

Hooksiel (21. 10. 2025) – Sollten in Niedersachsen nicht auch Männer Gleichstellungsberauftragte werden können? Über dieser Thema hat sich „Hooksiel-Life“ mit dem Hooksieler Jan Gerjets (Foto) unterhalten.

Er ist seit über 30 Jahren als Lehrer für Holztechnik, Mathematik und Spanisch an den Berufsbildenden Schulen in Wilhelmshaven tätig. Die BBS beschäftigt für rund 170 Lehrkräfte und etwa 20 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zum Peronal gehören zwei Gleichstellungsbeauftragte. 

Hooksiel-Life: Herr Gerjets, im nächsten Jahr werden Sie 67 Jahre alt und könnten in Ruhestand gehen. Aber das wollen Sie nicht. Warum?
Jan Gerjets: Ja, ich möchte gerne noch etwas länger arbeiten, der Beruf macht mir einfach Spaß, das Unterrichten macht einfach Spaß. 

Hooksiel-Life: Jetzt wollten Sie neben ihrer Lehrtätigkeit noch eine zusätzliche Aufgabe übernehmen. Sie haben sich um einen Posten als Gleichstellungsbeauftragter der Schule beworben. Sind sie genommen worden?
Gerjets: Leider nicht. Ich hätte die Aufgabe gern übernommen … Aber wie mir von der Landesschulbehörde mitgeteilt wurde, ist das aus rechtlichen Gründen nicht möglich. In Niedersachsen dürfen nur Frauen Gleichstellungsbeauftragte werden.

Hooksiel-Life: Gleichstellung meint doch die Gleichstellung von Frau und Mann. Warum solle sich nicht auch ein Mann um dieses wichtig Thema kümmern können?
Gerjets: Das versteht ich auch nicht. Vermutlich rührt das daher, dass irgendwann einmal aus der Frauenbeauftragten die Gleichstellungsbeauftragte geworden ist …

Hooksiel-Life: Halten Sie das für angemessen?
Gerjets: Meines Erachtens ist das nicht mehr zeitgemäß. Natürlich stimmt es, dass in vielen Bereichen immer noch Frauen stärker unter ungleichen Bedingungen leiden als Männer. Zum Beispiel verdienen Frauen bei gleicher Qualifikation im Durchschnitt immer noch weniger. Und auch von sexueller Gewalt oder Stalking am Arbeitsplatz sind Frauen mit Sicherheit stärker betroffen als Männer …

Hooksiel-Life: Also ist es doch ganz gut, dass der Job der Gleichstellungsbeauftragten Frauen vorbehalten ist?
Gerjets: Nein, das sehe ich nicht so. Ich glaube, ich kann mich als aufgeklärter Mann ebenso gut für die Belange meiner Kolleginnen einsetzen. Besonders am Herzen liegt mir die Förderung einer offenen und respektvollen Schulkultur, in der alle Mitglieder der Schulgemeinschaft unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder anderen Merkmalen gleichwertig behandelt werden. Ich bin überzeugt, dass eine vielfältige und inklusive Umgebung nicht nur das Lernen fördert, sondern auch die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen unterstützt.

Hooksiel-Life: Was muss sich Ihrer Ansicht nach ändern?
Gerjets: Meiner Meinung nach hängt es nicht vom Geschlecht ab, ob jemand erfolgreich gegen Ungerechtigkeiten vorgehen kann, sondern vom Engagement und der Qualifikation des Bewerbers. Ich halte es für an der Zeit, dass der Gesetzgeber den entsprechenden Passus im Gesetz zeitnah ändert. Es hat schon einen Hauch von Diskriminierung, wenn Männern pauschal unterstellt wird, sie würden sich nicht für die Belange ihrer weiblichen Kollegen einsetzen können. Und was passiert, wenn es einmal um die Belange eines Mannes geht? Wie sieht denn da der Umkehrschluss aus?

Gute Tat in zehn Minuten: Der Bedarf an Blutspenden steigt

Hooksiel (16. 10. 2025) – Eine Tasse Kaffee trinken, dazu ein Stück Kuchen oder ein mit Ei oder Lachs belegtes Brötchen. Das allein ist vielleicht noch kein Grund, ins Walter-Spitta-Haus zu kommen. Vielleicht aber doch, wenn sich dazu das Gefühl gesellt, eine kleine gute Tat getan zu haben – für die Allgemeinheit und für sich selbst.

Blut kann Leben retten: Wilfried de Buhr (re. ) freut sich über die gute Beteiligung beim DRK-Blutspendetermin im Walter-Spitta-Haus. Foto: hol

Dreimal im Jahr, immer in den Ferienzeiten, ist der DRK-Blutspendedienst NSTOB (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Oldenburg, Bremen) zu Gast in dem Gemeindehaus der ev.-luth. Kirchengemeinde Wangerland in Hooksiel. Seit Jahrzehnten. Und voraussichtlich auch in Zukunft. Denn, so bestätigt Wilfried de Buhr vom Blutspendedienst, Blutspenden sind für die medizinische Versorgung wichtiger als je zuvor. Mehr noch. „Der Bedarf wird voraussichtlich weiter steigen“, so de Buhr. Ein Grund: Die Menschen werden älter. Ältere Menschen sind häufiger krank. Folglich fallen in den Krankenhäusern mehr Operationen an. Im laufenden Jahr etwa sei der Bedarf an Blutkonserven im Vergleich zu 2024 um 48.000 gestiegen.

Hoher Blutbedarf für Krebstherapien

Bei Blutspende denkt man zunächst an Unfall-Opfer mit hohem Blutverlust, denen schnell geholfen werden muss. Der größte Teil der aus dem Blut gewonnenen Präparate werde aber für Krebstherapien benötigt, sagte de Buhr im Gespräch mit „Hooksiel-life“. Dieser Anteil mache rund 19 bis 20 Prozent aus. Im Bereich der Unfall- und Patientenversorgung sei die Nachfrage in den Kliniken im Jahresverlauf schwankend. „Planbare Operationen werden nur selten in der Vorweihnachtszeit angesetzt. Dafür haben wir dann im Januar und Februar einen erhöhten Bedarf.“

Die an die 50 Blutspenderinnen und Blutspender, die in dieser Woche in Hooksiel zur Ader gelassen wurden, tragen mit dazu bei, diesen Bedarf zu decken. Ihr Blut wird tiefgekühlt zunächst nach Rastede und von dort weiter zur Verarbeitung ins Institut nach Springe bei Hannover gebracht. Am Ende entstehen daraus unter anderem Konzentrate aus roten Blutkörperchen, Blutplättchen oder Plasma, die allesamt in der Medizin dringend benötigt werden, aber auch eine verschiedene Haltbarkeit haben.

Ohne ehrenamtliche Helferrinnen vor Ort sind die Blutsendetermine kaum darstellbar. Foto: hol

Um den Lebenssaft zu gewinnen, schickt der Blutspendedienst des DRK von Rastede aus elf professionelle Blutspende-Teams durch halb Niedersachsen, die vor Ort von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unterstützt werden. In Hooksiel von Frauen aus der Kirchengemeinde, andernorts etwa durch DRK Ortsvereine, Feuerwehrleute oder die Landjugend.

Sicherheit oberstes Gebot

Der Spender wird registriert (Personalausweis nicht vergessen!) und muss einen umfangreichen Fragebogen zu Gesundheitszustand, Vorerkrankungen, Medikamenten-Gebrauch und auch dem sexuellen Background ausfüllen. „Wir wollen weder den Spender durch die Blutspende gefährden, noch die Menschen, die auf eine Blutspende angewiesen sind“, sagt de Buhr. „Deshalb ist Sicherheit oberstes Gebot.“ 

Am Laborplatz wird dann noch der so genannte HB-Wert gemessen. Abschließend führt der Spender das Gespräch mit dem Teamarzt. Dieser misst Temperatur und Blutdruck und entscheidet final über die Spendezulassung. Danach geht es in den Spenderaum. Einverständnis-Erklärung unterschreiben, auf einen freien Stuhl setzen, und los geht es. Ein Mitarbeiter des Blutspendedienstes legt eine Kanüle in die Armvene – und schon läuft das Blut. In maximal zehn Minuten ist alles vorbei. Fast alles. Ist der Spender wohlauf, kann er sich in den Verpflegungsraum begeben, sich ausruhen und stärken.

Altersgrenze aufgehoben

Altersbegrenzungen gibt es für Spender seit November 2023 übrigens nicht mehr. Entscheidend sind allein die gesundheitliche Verfassung sowie das Erfüllen der Zulassungskriterien. Gerade zur Früherkennung gesundheitlicher Probleme kann die Blutspende beitragen. „Sollten sich bei der späteren Untersuchung des Blutes irgendwelche Hinweise auf gesundheitliche Erkrankungen oder Auffälligkeiten ergeben, bekommt der Spender sofort eine Rückmeldung“, versichert de Buhr.

Gesunde Männer dürfen bis zu sechs Mal in einem Zeitfenster von zwölf Monaten Blut spenden. Frauen maximal viermal. Gerade Vielspender sind für das DRK wichtig, sie werden umworben, und erhalten immer wieder mal kleine Präsente im Rahmen eines Ehrungskonzeptes.

DRK umwirbt Blutspender

44 Prozent der deutschen Bevölkerung würden die Zulassungsvoraussetzungen grundsätzlich erfüllen. „Wenn nur 5 Prozent aller Bürger zur Blutspende gehen würden, hätten wir in Deutschland kein Versorgungsproblem“, schildert de Buhr. Faktisch würden aber nur 3,6 Prozent der Bürger zu den Terminen kommen.

Marketingaktivitäten sollen das ändern. Zu dem Gesamtpaket gehört auch eine Blutspende-App, über die das DRK Kontakt zu den Spenden hält, man sich für Aktionen registrieren kann, und für die nächsten Blutspendetermine in der Region wirbt. Damit die Vorfreunde auf die nächste Tasse Kaffee mit leckeren Schnittchen wächst.

Training für den Umgang mit dem Rollator

Friesland/Wangerland (22. 9. 2025) – Für Montag, 6. Oktober, von 14 bis 16 Uhr, lädt der Landkreis Friesland zu einem Rollatortraining beim Senioren- und Pflegestützpunkt Friesland in Jever, Am Kirchplatz 19, ein. Ziel der Veranstaltung ist es, die sichere Nutzung des Rollators im Alltag und insbesondere im Straßenverkehr zu fördern.

Das Training wird gemeinsam von der Polizeiinspektion Wilhelmshaven-Friesland und dem Senioren- und Pflegestützpunkt Friesland angeboten. Unter der Leitung von Anja Kienetz, Präventionsbeauftragte des Polizeikommissariats Jever, erhalten die Teilnehmer wertvolle Hinweise zur richtigen Einstellung des Rollators, zum sicheren Überwinden von Hindernissen sowie zu Verhaltensregeln im Straßenverkehr. Nach einer theoretischen Einführung werden die Inhalte in der Praxis erprobt. 

Interessierte werden gebeten, sich bis Mittwoch, 1. Oktober, anzumelden. Ansprechpartnerin ist Marina Kyaw vom Senioren- und Pflegestützpunkt Friesland, Tel. 04461 919 6042, E-Mail: pflegestuetzpunkt@friesland.de. Alternativ bei Anja Kienetz, E-Mail: anja.kienetz@polizei.niedersachsen.de.

Bezahlkarten statt Überweisungen für 111 Asylbewerber

Friesland/Wangerland (10. 9. 2025) – Im Landkreis Friesland werden seit wenigen Wochen an Asylbewerber Bezahlkarten ausgegeben. Bis Anfang Oktober soll nach Darstellung der Kreisverwaltung die Umstellung vollständig erfolgt sein. In den acht Städten und Gemeinden im Kreisgebiet leben aktuell insgesamt 111 Leistungsempfänger, die von der Neuregelung betroffen sind. 

Die Bezahlkarten ersetzen künftig die Überweisung von Geld auf die Girokonten der Leistungsempfänger. „Die Karten tragen dazu bei, den Bargeldtransfer ins Ausland zu verhindern und Missbrauch vorzubeugen“, so der Landkreis. Betroffen sind in Niedersachsen Geflüchtete im so genannten Grundleistungsbezug, die sich seit bis zu 30 Monaten ohne wesentliche Unterbrechung im Bundesgebiet aufhalten. Eine landesrechtliche Ausnahme gilt für Leistungsberechtigte, die ihren Lebensunterhalt überwiegend (mehr als 50 Prozent) und regelmäßig (nach drei Monaten) aus Erwerbseinkommen bestreiten. Ihnen werden aufstockende Leistungen weiter aufs Girokonto überwiesen.

Missbrauch soll erschwert werden

„Der Landkreis steht zur Bezahlkarte“, macht Landrat Sven Ambrosy deutlich. „Sie ist ein Werkzeug zum Schutz vor Missbrauch von Leistungen. Damit setzen wir ein transparentes und faires Verfahren von Leistungsauszahlung um.“

Die Karte funktioniert wie eine guthabenbasierte Debitkarte. Es kann nur das Geld ausgegeben werden, was vorab auf die Karte geladen wurde. Ein Überziehen ist nicht möglich. Verwendet werden kann die Karte an allen VISA-Akzeptanzstellen, also in allen Läden, Restaurants, bei Automaten, Tankstellen usw., die Zahlungen mit VISA-Karten annehmen. Dies gilt auch für Onlineshops. Auch Überweisungen aus dem Kartenguthaben sind grundsätzlich möglich.

Nur 50 Euro Bargeld pro Person

Eine Überweisung des Guthabens von der Bezahlkarte auf das bisher genutzte Bankkonto hingegen sei nicht möglich, so der Landkreis. Auch die Höhe an Bargeld, die eine Person pro Monat abheben kann, sei geregelt: In Niedersachsen maximal 50 Euro. Eine Nutzung der Karte im Ausland ist ausgeschlossen. 

Die Entscheidung zur Einführung der Bezahlkarten wurden 2024 auf Bundes- und Landesebene entschieden, auch in Friesland hat sich die Politik für die Einführung der Bezahlkarte ausgesprochen. 

Landkreis Friesland sucht Pflegefamilien

Friesland/Wangerland (28. 8. 2025) – 158 Kinder und Jugendliche im Landkreis Friesland leben aktuell in einer Pflegefamilie. Die Gründe, warum sie nicht bei ihren Eltern leben können, sind unterschiedlich. Pflegefamilien bieten den jungen Menschen dann einen sicheren Lebensort und stabile Strukturen.

Das Team des Pflegekinderdienstes des Landkreises Friesland bietet Hilfestellung, Betreuung und Begleitung rund um die Themen Pflegekinder und Pflegefamilien an. Foto: Landkreis Friesland

Ankommen, Geborgenheit, Sicherheit, Zeit mit Menschen verbringen: Gerade für Kinder und Jugendliche und ihre Entwicklung ist ein verlässliches Zuhause sehr wichtig. Nicht alle erfahren dies (dauerhaft) in ihrem Elternhaus. Vor diesem Hintergrund sucht der Pflegekinderdienst des Landkreises kontinuierlich Menschen in Friesland, die bereit sind, ein Kind oder einen Jugendlichen vorübergehend oder längerfristig bei sich aufzunehmen.

Gespräche und Vorbereitungskursus

Wie das abläuft und wer geeignet ist, darüber informiert das Team im persönlichen Gespräch. Einen ersten Einblick gibt es online unter www.friesland.de/pflegekinderdienst. Zum Schutz der Kinder und Jugendlichen müssen Interessierte bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu zählt die Vorlage polizeilicher Führungszeugnisse und ärztlicher Atteste sowie Einkommensnachweise.

Mit den Fachkräften des Pflegekinderdienstes werden zudem persönliche Gespräche geführt und im Rahmen von Hausbesuchen die Lebenssituation besprochen. Auch an dem Vorbereitungskursus für Pflegefamilien, den der Landkreis regelmäßig anbietet, muss teilgenommen werden. Während des Pflegeverhältnisses werden die Familien weiterhin und kontinuierlich durch den Pflegekinderdienst begleitet, beraten und unterstützt. 

Umzug aus dem Dorf zum „Meyer-Hof“ erwies sich als Glücksfall

Hooksiel (6. 8. 2025) – Man soll die Feste feiern wie sie fallen. Zumal dann, wann man schon etwas älter ist. Genau so wollten Helma (87) und Meinolf Cohn (88) es halten. Am 7. August 1965, morgen vor genau 60 Jahren, bezog das damals junge Ehepaar mit zwei kleinen Kindern den Meyer-Hof, den von ihnen gebauten landwirtschaftlichen Betrieb in der Verlängerung des Langengrodener Weges, der heute unmittelbar an der Ortsumgehung liegt. 

Helma und Meinolf Cohn haben vor 60 Jahren den Meyer-Hof gebaut, den ersten landwirtschaftlichen Betrieb mit Laufstall in der Region — und mit schönen Zimmern und Wohnungen für einen „Urlaub auf dem Bauernhof“. Fotomontage: privat

Der Meyer-Hof war damals der erste Laufstall in der Region. Die Kühe wurden im Stall nicht mer angebunden. Und, so erinnert sich Meinolf Cohn, „man musste den Rücken fürs Melken nicht mehr krumm machen“. Der Bauer steht beim Melken in einer kleinen vertieften Gasse und hat die Euter seiner Tiere dann direkt vor sich. 

Erster Laufstall in der Region

Zumindest dann, wenn die Kühe wissen, wo sie stehen sollen. Bei der Premiere konnte das natürlich noch nicht hundertprozentig klappen, was Cohn schon ein bisschen geärgert hat. Schließlich waren zum Einzug der Kühe in den neuen Stall etliche Berufskollegen gekommen, die den neuen Stall in Augenschein nehmen wollten.

Seinen Namen verdankt der Meyer-Hof dem Großvater von Meinolf Cohn, Meyer Cohn, der seinem Enkel den Bauernhof an der Obernstraße vererbt hatte. „Ein Stall für nur 16 Kühe, ein Misthaufen mitten im Dorf und die Weideflächen ein gutes Stück außerhalb – das hätte auf Dauer nicht funktionieren können“, sagt Meinolf Cohn. 

Schwierige Finanzierung

Den Ausweg aus dem Dilemma wies ein Förderprogramm der „Deutschen Bauernsiedling“. Der junge Landwirt begann mit der Planung für einen neuen Bauernhof für zunächst 37, dann 60 bis 64 Kühe vor den Toren Hooksiels. Den Weg dahin ermöglichte ein mit öffentlichen Mitteln bereitgestellter Kredit mit einem Zinssatz von nur 1 Prozent. Die Finanzierung absichern sollten zwei Mietwohnungen im Obergeschoss, mit fließend Wasser in jeder Wohnung. 

Zufriedene Urlaubsgäste haben ihren Blick auf den Meyer-Hof im Gästetagebuch festgehalten. Foto: hol

Aber es kam anders. Ein Berater wies Meinolf Cohn darauf hin, dass ein Anbindestall keine Zukunft mehr habe. Also wurde ein Laufstall gebaut. Dafür benötige der Hof aber einen große Güllebehälter und zudem einen Güllewagen – kurzum: Es entstanden Mehrkosten von rund 100.000 Mark, zu finanzieren zum damals marktüblichen Zins von 14 Prozent. Zu allem Überfluss verlief dann auch noch der geplante Verkauf eines Grundstücks nicht so zügig wie erhofft.

Perfekte Gastgeberin für Urlauber

Die junge Familie Cohn hatte echte Finanzierungsprobleme. Während Meinolf mit der Bank verhandelte, trauerte Helma Cohn ihrem herrlichen Garten in der Obernstraße hinterher. Das Umfeld des Meyer-Hofes sah noch wüst und verwachsen aus. Aus der Not helfen sollte die Vermietung der beiden Wohnungen an Feriengäste. Und nicht nur die. „Wir haben in der Saison zusätzlich unser Schlafzimmer und die Kinderzimmer vermietet, um an Einnahmen zu kommen“, erinnert sie Helma Cohn, die sich in kürzester Zeit – trotz anfänglicher Skepsis – zur perfekten Gastgeberin für den „Urlaub auf dem Bauernhof“ entwickelte, wenn man den Einträgern im Gästetagebuch glauben darf.

Viele Urlauber wurden zu Stammgästen – und teilweise auch zu echten Freunden der Familie. Manchmal kehrten auch prominente Gäste auf dem Meyer-Hof ein. So etwa das komplette Produktionsteam der Fernseh-Rateshow „Dalli-Dalli“. Meinolf Cohn: „Denen hat es hier so gut gefallen, dass sie uns zu einer Show mit Hans Rosenthal eingeladen haben.“

Mit Güllewagen zum Lohnunternehmen

Der Bau des Meyer-Hofs, den Helma und Meinolf Cohn noch bis 1996 selbst bewirtschaftet haben, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte. Und das nicht nur dank der steigenden Zahl von Hooksiel-Urlaubern. Der Güllewagen, den sich die Cohns für ihren Laufstall anschaffen mussten, wurde zur Keimzelle für ein Lohnunternehmen, das Meinolf Cohn sehr erfolgreich entwickelte. Er entsorgte nicht nur die eigene Gülle, sondern auch den Klärschlamm von öffentlichen Klärwerken in der Region. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Stallungen des Hofes sind heute verpachtet. In den Ferienwohnungen wohnen Dauermieter. Gern hätten Helma und Meinolf Cohn das 60-jährige Bestehen des Meyer-Hofes in dieser Woche groß gefeiert. Doch das geht nicht. Zumindest eine der Mieterinnen hat einen positiven Corona-Befund. Die Cohns nehmen es gelassen: „Dann feiern wir eben zum 70-Jährigen.“ 

Kostenlose Beratung rund um das Thema Pflege

Wangerland/Friesland (5. 8. 2025) – Der Senioren- und Pflegestützpunkt des Landkreises Friesland bietet Bürgerinnen und Bürgern sowie deren Anhörigen eine umfassende, neutrale und kostenfreie Beratung rund um das Thema Pflege. Das Angebot richtet sich an pflegebedürftige Menschen jeden Alters und deren Umfeld und beinhaltet Informationen zu Leistungen der Pflegeversicherung, Unterstützung bei Anträgen sowie Vorbereitung auf die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Auch das daraufhin erstellte Pflegegutachten wird auf Wunsch verständlich erläutert.

Das Stützpunkt-Team informiert nicht nur über gesetzliche Leistungen, sondern unterstützt auch bei der Klärung individueller Fragen zur pflegerischen Versorgung – sei es im häuslichen Bereich oder bei der Suche nach stationären Versorgungsangeboten. Bei Bedarf wird an weitere Leistungsträger und Beratungsstellen vermittelt, es werden Kontaktdaten professioneller oder ehrenamtlicher Anbieter bereitgestellt und auf Wunsch der Kontakt zu Selbsthilfegruppen hergestellt.

Die persönliche Beratung findet in Jever, Am Kirchplatz 19, montags bis freitags von 8.15 bis 13.15 Uhr statt. Nach Terminvereinbarung sind auch Nachmittagstermine bis 18 Uhr möglich. Hausbesuche sind nach vorheriger Absprache ebenfalls möglich, um Ratsuchende in ihrer häuslichen Umgebung zu unterstützen.

Weitere Informationen sowie Terminvereinbarungen sind unter Telefon 04461/919-6030, -6031 oder -6042 möglich. Alternativ per E-Mail an pflegestuetzpunkt@friesland.de oder online unter www.friesland.de/spn.

Bordstein-Absenkung: Wohnstift-Heimbeirat fordert Nachbesserungen

Hooksiel (9. 7. 2025) – Die Bordstein-Absenkung an der Friesenstraße allein reicht nach Ansicht des Heimbeirates des „Wohnstift Hooksiel“ nicht aus, um das Queren der stark befahrenen Kreuzung mit der Nee Straat gerade für gehbeeinträchtigte Senioren sicher ermöglichen. „Die Absenkung muss zumindest farbig markiert werden, damit sie für alle erkennbar ist“, fordert Wolfgang Vandree, Sprecher der Interessenvertretung der Bewohner der Seniorenwohnanlage. 

Für noch nicht ausreichend hält Wolfgang Vandree, Sprecher des Wohnstift-Heimbeirates, die Bordstein-Absenkung an der Friesenstraße in Hooksiel. Damit Senioren die Straße sicher queren können, müsse nachgebessert werden. Unterstützt wird er von den Beiratsmitgliedern Vera Vandree und Barbara Marschallek (rechts). Foto: hol

Die vor wenigen Wochen vom Bauhof der Gemeinde vorgenommene Bordstein-Absenkung war das Ergebnis einer vom Heimbeirat angeregten Beratung Ende vergangenen Jahres, an der neben dem Ordnungsamt der Gemeinde auch die Polizei in die Verkehrsbehörde des Landkreises beteiligt war. Die Fragestellung: Wie lässt sich die Passage von Wohnstift sowie Ärzte- und Apothekenhaus hin zum Kiosk Dekena rechtskonform sicherer gestalten? Ampel oder Zebrastreifen sind im Bereich einer Tempo-30-Zone nicht zulässig.

Sicherheit für Senioren erhöhen

Grundsätzlich sei die Bordstein-Absenkung ein guter Schritt, stellten Wolfgang Vandree und seine Mitstreiterinnen Vera Vandree, Gabriele Stark und Barbara Marschallek bei ihrer jüngsten Zusammenkunft fest. Allein reiche das aber nicht aus. Die Absenkung sei schwer zu erkennen und werde immer wieder von Autos zugeparkt. Das, so hofft der Beirat, könnte zum Beispiel durch eine durchgeixte Fläche vor der Absenkung verhindert werden. Sinnvoll könnte es zudem sein, die sichere Querungs-Route über die Friesenstraßee etwa mit Rollstuhl-Piktogrammen zu kennzeichnen. 

Aktuell würden immer noch viele Menschen mit Rollator den direkten Weg quer über die Kreuzung Richtung Kiosk wählen. Und das an einer der am stärksten befahrenen Ecken in Hooksiel, die zudem von Linienbussen und von Urlaubern und anderen Ortsunkundigen befahren wird. „Auf jeden Fall muss auch ein Hinweisschild aufgestellt werden, dass hier ein Seniorenheim an der Straße liegt“, so Barbara Marschallek. „Dann würden die Autofahrer vielleicht schon etwas aufmerksamer sein.“ 

Der Heimbeirat hat seine Anregungen bei der Verkehrsbehörde eingereicht, die zugesagt hat, sich im nächsten Monate noch einmal mit dem Thema befassen zu wollen. 

Kummerkasten als direkter Draht zum Beirat

Der im September vergangenen Jahres berufene Beirat triff sich einmal im Monat, um Sorgen und Nöte der Bewohner zu beraten. Die Bewohner können die Beiratsmitglieder direkt ansprechen oder ihre Anregungen in einem „Kummerkasten“ hinterlegen. Worum geht es dabei? Vera Vandree: „Das Essen ist immer ein Thema.“

Der Beirat nimmt die Hinweise auf, berät sie und trägt sich der Heimleitung vor. Gemeinsam werde dann nach Lösungen gesucht. „Das sind sehr konstruktive Gespräche“, sagt Wolfgang Vandree. Die neue Heimleitung, aber auch alle anderen Mitarbeiter der Einrichtung, seien sehr um ein gutes Miteinander bemüht. Ein gemeinsamer Erfolg: Das Frühstück und das Abendessen wird inzwischen im Wohnstift als Büffet gereicht, um allen unterschiedlichen Wünschen gerecht werden zu können.

Wohnstift steht vor Übernahme

Das Wohnstift Hooksiel befindet sich gerade im Umbruch – hin zu einer ruhigeren Zukunft. Das 2009 als „Azurit“ gegründete Haus war bekanntlich im Zuge der Insolvenz des späteren Betreibers Convivo in Schwierigkeiten geraten. Mitarbeiter wanderten ab, die Zahl der betreuten Bewohner sankt auf 35. Nach einer Interimsphase hat sich jetzt mit der Etvoila-Gruppe eine neue Betreiberin gefunden. Der im August vergangenen Jahres eingeleitet Übernahmeprozess steht vor dem Abschluss. Inzwischen betreuen wieder 60 Mitarbeitende 72 Sennerinnen und Senioren, darunter auch Bewohner mit Demenzerkrankungen. Maximal könnten in dem Haus 80 Bewohner untergebracht werden.

Sabine Tepaß leitet seit August 2024 das Wohnstift Hooksiel. Sie bereitet die Integration der Einrichtung in die Etvoila-Gruppe vor. Foto: hol

„Einige Plätze haben wir noch frei“, sagt Sabine Tepaß, die das Wohnstift seit Herbst 2024 leitet. Für die gelernte Kinderkrankenschwester aus Wesel (Niederrhein) war die Übernahme der Aufgabe in Hooksiel eine Art Nachhausekommen. Nach jahrelanger Arbeit in der ambulanten Alten- und Krankenpflege und einer entsprechenden Qualifizierung hatte sie 2009 im Azurit die Pflegedienstleitung übernommen. Damals habe sie sich in den Norden verliebt und sei in der Region geblieben. Unter anderem arbeitete Sabine Tepaß für das Kinder- und Jugendhospiz in Wilhelmshaven und das „Haus am Maddick“ in Sande, das ebenfalls von der Convivo-Insolvenz betroffen war. 

Hausleiterin ist „alte Bekannte“

Im Wohnstift seien inzwischen die technischen Anlagen überholt worden, schildert Sabine Tepaß. Unter anderem sei eine komplett neue Telefonanlage installiert worden. Jetzt habe das „Wohnstift“ durchgängig Wlan und sei auch wieder in den „Sozialen Medien“ präsent. Ausdrücklich lobt sie das Engagement des Heimbeirates.

Unter ihrer Leitung, so die Heimleiterin, solle das Haus weiter eng mit dem Dorfleben verbunden bleiben. Sie setze darauf, dass nach den finalen Gespräche mit der Heimaufsicht der Integration des Wohnstiftes in die Etvoila-Gruppe nichts mehr im Wege steht. 

„Etvoila care“ (Aachen) wurde im Jahr 2023 von de heutigen Geschäftsführerin Barbara Flöder gegründet. Die Wurzeln des Unternehmen, das aktuell sechs Pflegeeinrichtungen betreut, liegen in einer Unternehmensberatung für die Pflegebranche. Sabine Tepaß: „Viel wird sich für uns aber nicht mehr ändern. Wir heißen dann eben ,Etvoila Wohnstift Hooksiel‘.“ 

Flohmarkt war gut besucht

Hooksiel (31. 5. 2025) – Zufrieden waren die Organisatoren des Bücher- und Spieleflohmarkts im ehemaligen Awo-Heim am Hooksieler Gästehaus. Ingrid und Bernd Tscherney, Bernd Howanietz, Doris Grätschus und Michael Brosig boten am Himmelfahrtstag eine Fülle von gebrauchten, aber gut erhaltenen Büchern, Spielen, CDs und weiteren Medien zum Verkauf an. 

Verkauften gebrauchte Bücher und Spiele für einen guten Zweck: (von links) Michael Borsig, Doris Grätschus, Ingrid und Bernd Tscherney und Bernd Howanietz. Foto: hol

Und das alles für die gute Sache. Der Erlös kommt  dem Kinder- und Jugendhospiz „Joshuas Engelreich“ in Wilhelmshaven zugute. Bei Kaffee und Kuchen entwickelten sich zudem viele nette Gesprächsrunden. Bernd Tscherney ist überzeugt, dass der Flohmarkt stark vom benachbarten Tag der offenen Tür im Hooksieler Feuerwehrgerätehaus profitiert hat. „Viele Menschen haben auf dem Hin- oder Rückweg kurz bei uns hereingeschaut. Das hat sich sehr gut ergänzt.“

Neuauflage des Seniorenwegweisers

Hooksiel/Friesland (27. 5. 2025) – Der Landkreis Friesland hat eine überarbeitete Neuauflage seines beliebten Seniorenwegweisers veröffentlicht. Die Broschüre bietet älteren Menschen im Kreisgebiet einen umfassenden Überblick über Beratungs- und Unterstützungsangebote – von Engagement-Möglichkeiten bis hin zu Themen wie Pflege und Wohnen im Alter.

Präsentieren den neuen Seniorenwegweiser (von links nach rechts): Gerrit Duin, Inge Christians, Heidi Uklan, und Marina Kyaw vom Fachbereich Soziales und Senioren beim Landkreis Friesland. Foto: Landkreis Friesland

Die Kreisverwaltung hat die Neuauflage gemeinsam mit dem BVB Fachverlag für kommunale Informationen erarbeitet. Ziel ist es, Seniorinnen und Senioren den Zugang zu wichtigen Informationen und Anlaufstellen im Alltag zu erleichtern.

Die Kreisverwaltung hofft, dass der Seniorenwegweiser eine hilfreiche Orientierungshilfe für ältere Menschen im Landkreis ist. Er biete eine übersichtliche Zusammenstellung zentraler Themen und unterstützt dabei, sich im umfangreichen Angebot vor Ort besser zurechtzufinden. Ein besonderer Fokus liegt auf der Darstellung der verschiedenen Beratungsangebote im Bereich Soziales und Pflege.

Der neue Seniorenwegweiser ist ab sofort in gedruckter Form bei allen kreisangehörigen Kommunen sowie beim Senioren- und Pflegestützpunkt Friesland (Am Kirchplatz 19, 26441 Jever) erhältlich. Zusätzlich steht die Broschüre auch online zur Verfügung.