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Alle Beiträge zum Thema “Wattenmeer”

Fischer und Kommunen bitten Olaf Lies um Hilfe

Friesland/Wangerland (11. 8. 2026) – Frieslands Fischer hoffen auf die Unterstützung von Ministerpräsident Olaf Lies. In einem offenen Brief haben die Jadefischer an den SPD-Politiker aus Sande appelliert, sich für den Erhalt von Produktionsflächen und Fanggründen für die niedersächsischen Fischer einzusetzen – insbesondere im Jadebusen und im Wattenmeer vor der Gemeinde Wangerlrand.

Krabbenkutter vor der Küste des Wangerlandws gehören noch zum täglichen Bild. Künftig sollen weite Teile des Wattenmeeres für den Fischfang gesperrt werden. Für die Fischer aus Hooksiel und Horumersiel könnte das das Aus bedeuten. Archiv-Foto: Klaus Schreiber

Die aktuell vom Umweltministerium und vom Landwirtschaftsministerium, beide unter Führung von Bündnis 90/Die Grünen, vorliegenden Entwürfe für Fischerei-Ausschlussgebiete würden die Existenz der Fischereibetriebe im Landkreis Friesland gefährden und das Ende des traditionellen Krabbenfangs vor Ort bedeuten.

Gespräch mit Ministerpräsidenten

Auf den Einfluss des Ministerpräsidenten hoffen auch die Kommunen. Wie die Gemeinde Wangerland mitteilt, habe auf Initiative von Bürgermeister Mario Szlezak eine gemeinsame Videokonferenz mit Ministerpräsident Lies, Landrat Sven Ambrosy, Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner sowie weiteren Vertreterinnen und Vertretern des Landkreises und der Staatskanzlei stattgefunden. Ausgangspunkt dabei seien die Sorgen der Fischereibetriebe aus Hooksiel und Horumersiel gewesen, deren traditionelle Fanggründe unmittelbar vor Hooksiel, Horumersiel und im Bereich Minsener Oog betroffen sind.

„Für mich war klar, dass wir diese Sorgen nicht einfach weiterreichen können. Wenn unsere Fischer deutlich machen, welche Folgen die geplanten Flächen für ihre Betriebe haben können, müssen wir dafür sorgen, dass ihre Situation auf Landesebene gehört und sorgfältig geprüft wird“, so Szlezak. Lies habe sich die Zeit genommen, die Anliegen aufzunehmen. Wangerland, Varel und der Landkreis hätten die besondere Situation der friesischen Küstenfischerei und die möglichen Auswirkungen der vorgesehenen Fischerei-Ausschlussgebiete ausführlich dargestellt. Der Ministerpräsident habe Unterstützung zugesagt, dass die friesischen Anliegen zumindest noch einmal geprüft werden. 

Fischerei auch touristisch von Bedeutung

Es gehe nicht darum, Naturschutz und Fischerei gegeneinander auszuspielen. „Wir wollen ein geschütztes und intaktes Wattenmeer“, so Szlezak. „Gleichzeitig müssen unsere Fischer auch künftig eine wirtschaftliche Perspektive haben.“ Ähnlich Wagner: „Die Küstenfischerei ist für unsere Region wirtschaftlich, touristisch und kulturell von großer Bedeutung. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Interessen der Fischer aus Varel und dem Wangerland gemeinsam vertreten. Bei der weiteren Flächenplanung muss genau geprüft werden, welche Auswirkungen sie auf die Betriebe vor Ort hat.“ 

Rolf Neuhaus, Planungsdezernent beim Landkreis, machte darauf aufmerksam, dass die geplanten Fischerei-Ausschlussgebiete nicht isoliert betrachtet werden dürften. Die Küstenfischerei werde bereits durch bestehende und künftig hinzukommende Nutzungen wie Schutzgebiete, Leitungstrassen, Offshore-Nutzungen und weitere Flächenansprüche im Küstenraum eingeschränkt. Neuhaus: „Entscheidend ist die Summe aller bestehenden und geplanten Nutzungen im Küstenmeer. Erst diese Gesamtbetrachtung zeigt, welche Räume der Fischerei tatsächlich noch zur Verfügung stehen.“ 

Wangerland und Varel nicht gehört

Wangerland, Varel und der Landkreis sehen die Einbindung der unmittelbar betroffenen friesischen Kommunen in den „Fischereidialog“ kritisch. Zwar waren mit  mit Greetsiel, Neuharlingersiel und Wurster Nordseeküste drei Kommunen zum Dialog geladen. Die Bemühungen von Szlezak, ebenfalls dazukommen zu dürfen, waren jedoch mir dem Argument abgelehnt worden, man wolle eine arbeitsfähige Größe der Gesprächsrunde wahren.

Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören könnte: Krabbenkutter im Alten hafen von Hooksiel. Archiv-Foto: hol

Aus Sicht der Friesen wurden auch deshalb die Belange der konkret betroffenen friesischen Küstenkommunen nicht ausreichend abgebildet. Aus ihrer Sicht muss die bisherige Gebietskulisse im weiteren Verfahren noch einmal sorgfältig betrachtet werden. „Wir erwarten, dass diese Flächen noch einmal gemeinsam mit allen unmittelbar Betroffenen überprüft und diskutiert werden.“

Aus Sicht der Kommunen muss der weitere Dialog ergebnisoffen geführt werden. „Wenn sich aus den Gesprächen, den Erfahrungen der Fischer und der fachlichen Bewertung ergibt, dass bestimmte Flächen für die heimische Fischerei von besonderer Bedeutung sind oder alternative Gebietszuschnitte einen vergleichbaren naturschutzfachlichen Nutzen ermöglichen, muss es auch möglich sein, die bisher vorgesehenen Flächen zu verändern.“

Offener Brief der Fischer

Die Fischer würden über jahrzehntelange praktische Erfahrung mit ihren Fanggebieten, den Strömungsverhältnissen, den Beständen und den Veränderungen im Küstenmeer verfügen. Dieses Wissen müsse ebenso in die Abwägung einfließen wie die naturschutzfachlichen Erkenntnisse.

Ihre Sicht der Dinge haben Frieslands Fischer bereits in einem offenen Brief an Ministerpräsident Lies dargelegt. Auch sie fordern: „Die jetzigen Gebietsvorschläge müssen überarbeitet werden.“

Der Suchraum für die geplanten fischereifreien Zonen vor der Küste des Wangerlandes Ende 2025 (links, „Blaue Balje“) im Vergleich zum aktuellen Vorschlag aus dem Juni dieses Jahres. Da reicht das Gebiet bis zum Hooksieler Außenhafen.

Die Fischerei habe sich intensiv und produktiv an dem Dialog beteiligt und auch die Ausweisung von zehn Prozent des Wattenmeers als Fischerei-Ausschlussgebiete akzeptiert – obwohl bereits zahlreiche Gebiete durch andere Nutzungen weggefallen seien. Man habe auch einem Sperrgebiet im Jadebusen zugestimmt, für das freiwillig eine Muschelkultur aufgegeben werden muss. Ebenso der Sperrung der „Blauen Balje“, obwohl dort vier Saatbänke der Muschelfischer und wichtige Fanggebiete der ortsansässigen Fischer betroffen wären.

Auf Wunsch der Umweltverbände sei dann aber das Sperrgebiet entlang der gesamten Küste vor der Gemeinde Wangerland bis zum Hooksieler Außenhafen erweitert worden. Sollte dieser Vorschlag umgesetzt werden, bedeute das, dass „die Krabbenkutter von Horumersiel und Hooksiel aufgeben und abwandern müssen“, heißt es in dem Brief an Lies.

Aus ökologischer Sicht sinnlos?

Besonders beklagen die Fischer, dass es aus ihrer Sicht für die Erweiterung des Sperrgebietes „keinerlei ökologisch sinnvolle Begründung“ gibt. Die Hoffnung, dass sich in dem Sperrgebiet wieder Borstenwürmer („Sabellaria“ ) ansiedeln könnten, sei illusorisch. „Das hat schon im bisherigen Sperrgebiet vor dem Außenhafen Hooksiel nicht geklappt und wird auch nicht durch eine flächenmäßige Erweiterung erfolgen.“ Gründe dafür seien unter anderem Hafenbaggerungen und die Fahrbahnvertiefung.

Das Argument, das zusätzliche fischereifreie Gebiete letztlich auch der Fischerei selbst zugute kämen, weil sich dort der Bestand an Krabben und Muschel besser erholen könne, ist nach Überzeugung der Fischer „ökologischer Unsinn“. Belege dafür seien das letzte Rekordjahr der Krabbenfischerei und der diesjährige Massenbrutfall der Miesmuscheln. „In dem extremen Lebensraum Wattenmeer verfügen die ansässigen Arten über eine Massenreproduktion, um auch nach Eiswintern oder extremen Witterungsverhältnissen die Fortpflanzung zu sichern.“ 

Krabbenfang vor dem Aus

In ihrem Brief an den Ministerpräsidenten bitten die Jadefischer Olaf Lies darum, ihnen zumindest die nötige Zeit zu verschaffen, den Fischerei-Dialog gerecht und fachlich fundiert zu Ende zu führen. Andernfalls drohe ihm, dass sein Wahlkreis zukünftig fischereifrei sei und die dortigen Häfen keine Kutter mehr beherbergen.

Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Die endgültige Festlegung möglicher Fischerei-Ausschlussgebiete soll im Rahmen einer Novellierung des Gesetzes über den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer erfolgen. Dafür sind weitere formale Beteiligungsschritte vorgesehen.

Wangerland bekundet Solidarität mit heimischen Fischern

Wangerland (21. 7. 2026) – Die Gemeinde Wangerland bekundet „uneingeschränkte Solidarität mit den heimischen Fischereibetrieben aus Hooksiel und Horumersiel“. Der Verwaltungsausschuss hat sich gestern der Resolution des Landkreises Friesland für den Erhalt der heimischen Küstenfischerei angeschlossen. Die geplanten weiteren fischereifreien Schutzgebiete dürfen nicht dazu führen, dass traditionsreiche Familienbetriebe ihre wirtschaftliche Existenz verlieren.

Der Verkauf von fangfrischen Krabben in den Häfen im Wangerland gehört seit Jahrzehnten zur regionalen Kultur. Archiv-Foto: Klaus Schreiber

„Die Küstenfischerei ist weit mehr als ein Wirtschaftszweig. Sie ist Teil unserer Geschichte, unserer Identität und prägt seit Generationen unsere Häfen, unsere Küstenorte und das Gesicht des Wangerlandes. Unsere Fischer leisten seit Generationen einen unverzichtbaren Beitrag für das Wangerland. Sie sichern Arbeitsplätze, schaffen regionale Wertschöpfung und sind ein wichtiger Bestandteil unseres Tourismus“, stellt Bürgermeister Mario Szlezak fest. „Wer den Fischern ihre traditionellen Fanggründe nimmt, nimmt vielen Familien ihre wirtschaftliche Grundlage und gefährdet ein Stück norddeutscher Kultur.“

Keine Gegner des Naturschutzes

Die Gemeinde Wangerland bekenne sich ausdrücklich zum Schutz des Wattenmeeres und zur Verantwortung für den Natur und Meeresschutz. Gleichzeitig macht der Ausschuss aber deutlich, dass Naturschutz und nachhaltige Küstenfischerei keine Gegensätze sein dürften. „Unsere Fischer sind keine Gegner des Naturschutzes. Im Gegenteil. Sie leben seit Generationen mit und von der Natur und haben ein eigenes Interesse an einem gesunden Wattenmeer.“ 

„Für das Wangerland ist die Sache eindeutig: Wir stehen an der Seite unserer heimischen Fischer. Sie dürfen nicht die Leidtragenden einer Politik werden, die die Realität an unserer Küste aus dem Blick verliert“, so Szlezak.

Land bekräftigt Vorschlag

Grundlage der heiligen Gesprächsrunde im Fischereidialog war eine Karte mit den ausgewählten Gebietsvorschlägen für künftige fischereifreie Zonen in der Nordsee, die das niedersächsische Umwelt- und Landwirtschaftsministerium heute mit Vertretern der teilnehmenden Verbände und Organisationen erörtert hat. Hintergrund sind Vorgaben der EU-Biodiversitätsstrategie 2030, die umzusetzen sind.

Wie die Ministerien nach dem Gespräch ankündigten, werde man erneut „geringfügige Anpassungen“ vornehmen, um die Belange sowohl der Fischerei als auch des Meeresnaturschutzes noch besser zu berücksichtigen. Beispielsweise sollen Vorschläge im Bereich der Vogelinsel Mellum geprüft werden, die von Krabbenfischern und Umweltverbänden gemeinsam vorgeschlagen worden seien.

Umwelthilfe droht mit Klage

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte im Vorfeld des heutigen Fischereidialogs zwischen Landesbehörden, Fischernsowie Umweltverbände  gefordert, die Krabbenfischerei mit Grundschleppnetzen im Wattenmeer grundsätzlich zu untersagen. Die Vorschläge, diese Form der Fischerei nur in zehn Prozent des Nationalparks auszuschließen, würden nicht weit genug gegen.

Zu den vorgeschlagenen Gebieten gehören auch Fischgründe unmittelbar vor der Küste des Wangerlandes. Da die Wangerländer Fischer mit ihren kleinen Booten keine anderen Fanggebiete erreichen können, gefährdet der Vorschlag ihre Existenz. Für den Fall, dass die negativen Folgen der Krabbenfischerei nicht ausgeschlossen würden, kündigt die DUH an, den Klageweg beschreiten zu wollen.

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Zahl der Kegelrobben im Wattenmeer deutlich angestiegen

Wilhelmshaven/Wangerland (3. 7. 2026) – Der Bestand der Kegelrobben im Wattenmeer und auf Helgoland nimmt weiter zu. Während der Erhebungen 2025-2026 zählten Forschende 12.497 Kegelrobben und 3.385 Jungtiere, was ein weiteres Populationswachstum bestätigt. Das teilt das Trilaterale Wattenmeer-Sekretariat mit Sitz in Wilhelmshaven mit. 

Fühlen sich offenkundig wohl: Zwei Kegelrobben auf einer Sandbank. Foto: Jessica Schop 

Die Zahl der gesichteten Jungtiere sei im Vergleich zum Vorjahr um elfProzent gestiegen. In den vergangenen fünf Jahren habe sich die Zahl der Jungtiere jährlich um durchschnittlich zwölf Prozent erhöht. Wie in den Vorjahren wurden die meisten Jungtiere im niederländischen Teil des Wattenmeers (1.731) gefunden, gefolgt von Helgoland (1.077) und Niedersachsen (575), wo ein deutlicher Anstieg beobachtet wurde. 

Viele Gründe für Schwankungen

Während des Fellwechsels 2026 wurden mit 3,6 Prozent mehr Kegelrobben gezählt als im Jahr zuvor. Von den insgesamt 12.497 Tieren wurden in Niedersachsen (1.222) gesichtet, was hier einen Rückgang bedeutet. „Jährliche Schwankungen können durch Wetter, Störungen und andere Faktoren hervorgerufen werden, weshalb die langfristigen Trends im Wattenmeer der zuverlässigere Indikator sind“, so die Forschenden.

Nach Angaben der trilateralen Expertengruppe für Meeressäuger mit Mitgliedern aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden bestätigen die Zahlen die fortlaufende Ausbreitung der Kegelrobben im Wattenmeer in Richtung Osten. Gleichzeitig komme der Nachwuchs oft in benachbarten Ländern zur Welt. Der spätere Zeitpunkt der Geburten im östlichen Wattenmeer deute darauf hin, dass sich die dortigen Kolonien noch in der Entwicklung befinden.

Gesamte Wattenregion im Blick

„Kegelrobben der Nordsee bewegen sich frei und ausgiebig, daher erfassen unsere Zählungen nicht nur lokale Kegelrobben, sondern auch Besucher aus anderen Regionen“, sagt Jessica Schop von Wageningen Marine Research, Hauptautorin des Forschungsberichts. „Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, die Populationsdynamik in einem größeren Maßstab zu betrachten und Beobachtungen aus benachbarten Kolonien in die jährliche Bewertung der Populationstrends einzubeziehen.“ 

Kegelrobben sind die größten Raubtiere an der Wattenmeerküste und eine der symbolträchtigsten Arten der Region. Ihr Bestand wird jährlich im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit zwischen Dänemark, Deutschland und den Niederlanden gezählt.

Wangerland Touristik Thalassa
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Segeltour gegen die Industrialisierung des Wattenmeeres

Hooksiel/Wilhelmshaven (17. 6. 2026) – Ein besonderes Segelboot hat am Dienstagnachmittag Hooksiel in Richtung Wilhelmshaven passiert – die „Malizia Explorer“. Mit der Tour „Segel setzen für den Meeresschutz“ will die Deutsche Umwelthilfe (DUH) auf die industrielle Übernutzung der deutschen Nordsee aufmerksam machen. Mit an Bord: Bekannte Umwelt- und Klimaschutzaktivisten wie Luisa Neubauer und Nathan Goldblat sowie Meeresschutz- und Energieexperten.

Die „Malizia Explorer“, ein Segelschiff mit Forschern und Umweltschutzaktivisten an Bord, passierte auf ihre Protestfahrt gegen die Industrialisierung der Nordsee nach Wilhelmshaven den Außenhafen von Hooksiel, in dessen Sichtweite sich die LNG-Terminals befinden.

Ihre Botschaft: „Die Nordsee darf nicht weiter zur Industriezone für fossile Projekte und zerstörerische Nutzung gemacht werden. Klima- und Meeresschutz müssen Vorrang haben – besonders in Schutzgebieten.“

Von Borkum bis Brunsbüttel

Die Umweltschützer warnen vor neuen Gasbohrungen vor Borkum in unmittelbarer Nähe zum Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer. Ein Dorn im Auge sind ihnen auch die zunehmende Zahl an LNG-Terminals. Obwohl der Gasverbrauch sinke und bestehende Terminals nur gering ausgelastet sind, würden weitere LNG-Kapazitäten geplant – etwa in Stade. „Damit drohen fossile Überkapazitäten, neue Abhängigkeiten und zusätzliche Belastungen für Küstenökosysteme.“

Belastung durch Lärm, Licht und Biozide

Die Segeltour mit dem 26 Meter langen Expeditionsschiff führt die Aktivisten von Borkum über die LNG-Anleger in der Jade weiter zur Ölförder-Plattform Mittelplate vor Friedrichskoog bis zum LNG-Terminal in Brunsbüttel. Vor der Hafeneinfahrt nach Wilhelmshaven wurden sie von Aktivisten des Bündnisses von Klima- und Umweltschutzverbänden „Netzwerk Energiedrehscheibe“ begrüßt. Wilhelmshaven mit seinen zwei Flüssigerdgas-Regasifizierungsschiffen stehe exemplarisch für den massiven Ausbau von LNG-Infrastruktur an der deutschen Küste. Zudem ist ein weiteres landseitiges Terminal in Planung.

Belastungen für das sensible Küstenökosystemen und den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sehen die Naturschützer unter anderem durch Schiffsverkehr, Lärm, Licht, Schadstoffe, Biozide sowie neue Hafen- und Pipelineinfrastruktur. Aus Sicht der DUH zeigt Wilhelmshaven, wie fossile Überkapazitäten geschaffen und langfristige Gasabhängigkeiten zementiert werden.

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Naturschutz im Watt bringt Existenzen von Fischern in Gefahr

Wangerland (24. 2. 2026) – Die Landtagsabgeordnete Katharina Jensen (Wangerland), fischereipolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Landtag, wirkt für einen echten Dialog zwischen Landesregierung, Naturschützern und Fischern. Die aktuellen Pläne zum Schutz des Wattenmeeres könnten andernfalls die Existenz vieler Betriebe bedeuten. 

Mindestens zehn Prozent der Meeresfläche vor Niedersachsens Küste sollen streng geschützt werden. Fischerei wäre dann in weiten Teilen des Nationalparks Wattenmeer nicht mehr möglich. Archiv-Foto: hol

„Naturschutz im Wattenmeer ist wichtig und richtig“, so Jensen. Aber der Zeitpunkt und die Grundlage der aktuellen Planungen seien hochproblematisch. Künftig sollen zehn Prozent des Wattenmeers streng geschützt werden. Das bedeute noch weniger Fläche für die Küstenfischer. „Da die Flächenkonkurrenz vor unserer Küste bereits heute sehr groß ist, ist das inzwischen eine Existenzfrage“, so die CDU-Politikerin.

Verbände beziehen Position

Das Umwelt- und das Agrarministerium in Hannover würden mir ihrer Planung Vorgaben aus der EU-Biodiversitätsstrategie umsetzen. Danach müssen bis 2030 mindestens 30 Prozent der Meeresflächen geschützt und davon mindestens zehn Prozent streng geschützt werden. Derzeit läuft die Verbandsbeteiligung, das Konzept soll schon im März vorgelegt werden. 

Die Umweltschutz-Organisation WWF fordert mit Blick auf den ökologischen Zustand der Küstengewässer sogar einen Fischereistopp für rund die Hälfte der derzeit noch befischten Gebiete im Bereich des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Damit würden die Fanggründe der Krabbenfischer nach Ansicht des WWF lediglich um 35 Prozent verkleinert. Gerade die Krabbenfischer würden aufgrund ihrer hohen Beifangrate die Natur erheblich schädigen. Der WWF verweist auf ein staatlich gefördertes Abwrackprogramm, mit dem die Flotte der Krabbenfischer um 30 Prozent verkleinert werden soll.

Auch der Verband der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei im Landes-Fischereiverband Weser-Ems verweist auf den laufenden Prozess der Kapazitäts-Anpassung in der Fischereiflotte. Dieser Prozess und seine Auswirkung auf die Fangmengen sollten zunächst abgewartet werden. Kritik übt der Verband unter anderem an den Vorschlägen zum Zuschnitt der Schutzgebiete. Die Sperrung von Prielsystemen und Buchten könnte dazu führen, dass ganze Häfen ihre Fanggebiet verlieren – mit entsprechenden Folgen für die lokale Hafenwirtschaft und den Tourismus. Besonders problematisch seien die Pläne unter anderem für die Jade. 

Muschelfischer Hooksiel Foto: Bökhaus
Die Boote der Krabben- und Muschelfischer gehören noch zum Bild in den Häfen in Niedersachsen. Wird die Flotte verkleinert, könnte das auch Auswirkungen auf den Tourismus haben. Foto: Bökhaus

Wie Katharina Jensen ausführt, definierte ein vorliegendes Fachkonzept zunächst einen Suchraum innerhalb bestehender Schutzgebiete. In einem zweiten Schritt sollen daraus konkrete Teilflächen festgelegt werden. „Insgesamt sollen rund 54.710 Hektar als fischereifrei ausgewiesen werden“, so die Abgeordnete. „Für diese Flächen wird ein vollständiger, ganzjähriger Ausschluss der Fischerei zugrunde gelegt.“

Auch der Jadebusen wäre betroffen

Die betroffenen Gebiete würden der gewerblichen Nutzung damit dauerhaft nicht mehr zur Verfügung. Nach den vorliegenden Karten betreffen die vorgesehenen Teilflächen unter anderem Bereiche im Jadebusen sowie vor Wangerooge. Betroffen wären mithin auch die Fischer, die in Hooksiel, Dangast und Horumersiel beheimatet sind. 

An der niedersächsischen Nordseeküste sind insgesamt 114 Fischereifahrzeuge registriert. Diese werden von 317 Beschäftigten bewirtschaftet. Darunter befinden sich 88 Krabbenkutter sowie fünf Fahrzeuge der Muschelfischerei in insgesamt 17 Fischereihäfen. 

Jensen kritisiert Verfahren

Jensen bezweifelt ebenso wie der Verband der Küstenfischer, ob die Datengrundlage für die sozioökonomische Bewertung von 18 analysierten Teilflächen ausreichend ist. Dafür wurden unter anderem Logbücher, Anlandungen und Schiffsregisterdaten aus den Jahren 2021 bis 2023 verwendet. 

„Für jede Teilfläche wurden Erlöse, Schiffe und sogenannte ,Stresslevel‘ berechnet. Anpassungen oder Ausweichverhalten der Betriebe wurden dabei nicht berücksichtigt. Schiffe unter zwölf Metern Länge wurden in die Analyse überhaupt nicht einbezogen“, kritisiert Jensen. „Gerade diese kleineren Schiffe sind jedoch ein relevanter Bestandteil der niedersächsischen Küstenfischerei.“

Die CDU-Politikerin spricht sich für eine differenzierte Betrachtung aller Flottensegmente aus. Schon in den vergangenen Jahren seien durch den Ausbau der Offshore-Windkraft, durch Infrastrukturmaßnahmen sowie durch Kabeltrassen und deren Schutzkorridore Einschränkungen für die Fischerei entstanden. „Viele Betriebe stehen vor strukturellen Entscheidungen.“ 

Vor diesem Hintergrund müssten die wirtschaftlichen Auswirkungen des Schutzprogrammes vollständig und realistisch bewertet werden. Aus Sicht der Fischer gehört dazu auch eine Härtefallregelung für existenziell betroffene Betriebe. Jensen: „Wer tragfähige Lösungen will, braucht vollständige Datengrundlagen und einen transparenten Dialog.“ 

Schweinswale im Jadebusen: Naturschauspiel vor der Haustür

Kleine Wale, großes Staunen. Schweinswale sind auf ihrem Frühlingsbesuch kurz zu Gast im Jadebusen vor
Wilhelmshaven und Hooksiel. Foto: Sven Koschinski 

Wilhelmshaven/Wangerland (4. 4. 2025) – Sie gehören zu den faszinierendsten Geschöpfen, die in der Nordsee zu Hause sind: die Schweinswale. Und sie tummeln sich in bestimmten Jahreszeiten unmittelbar vor unserer Haustür, im Jadebusen. Das Wattenmeer Besucherzentrum in Wilhelmshaven will dieses Naturschauspiel erlebbar machen. Im Rahmen der „9. Wilhelmshavener Schweinswal-Tage“ bietet die Naturtschutzeinrichung elf Tage lang von 17. bis 27. April Naturerlebnis-Veranstaltungen und Aktionen für Groß und Klein.

Die kleinen Wale kommen jedes Jahr im Frühjahr auf der Suche nach Nahrung in die Nähe der Küste und in den Jadebusen. Dieses Naturschauspiel ist deutschlandweit einzigartig. Das Wattenmeer Besucherzentrum und seine Kooperationspartner möchten mit den Schweinswal-Tagen über das Leben und den Schutz von Deutschland einziger heimischer Walart informieren.

Tägliche Whale-watching Exkursionen vom Schiff und von Land aus, begleitet durch Walexperten, gehören ebenso zum Programm wie Führungen durch die Walausstellung des Wattenmeer Besucherzentrums. Exklusive Erlebnisse sind auf den Segelschiffen „Gloriana of Faversham“ und „Nordwind“ bei der Beobachtung der Schweinswale im Jade-Revier vor Wilhelmshaven und Hooksiel zu erwarten.

Am Ostersonntag werden Walrufer die Südstrandbesucher auf die kleinen Meeressäuger aufmerksam machen. Vorträge und Naturfilme runden das Programm ab. Auf der Südstrandpromenade informieren Walexperten über die Schweinswale und geben Tipps zur Beobachtung. Im Wattenmeer Besucherzentrum wird die interaktive Walausstellung durch tägliche Kinder-Mitmachaktionen sowie Sonderausstellungen über Wale und Unterwasserlärm vom BUND, Soundforum Jever und der Universität Oldenburg ergänzt.

Weitere Informationen zum Programm unter www.schweinswaltage.de. 




Keine Hinweise auf eine erneute Seehund-Seuche im Wattenmeer

Oldenburg/Hooksiel (4. 9. 2023) – 8912 Seehunde wurden in diesem Sommer bei Flügen im Wattengebiet zwischen Ems und Elbe gezählt. Damit hat sich der Bestand im Niedersächsischen Wattenmeer auf hohem Niveau stabilisiert, bilanziert das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Die Zahl der Seehunde lag knapp 200 über der im Vorjahr (8723). Die Zahl der Jungtiere ist mit 2195 Tieren konstant (2022: 2176). 

„Bei den Untersuchungen hat sich gezeigt, dass es keine Hinweise auf mögliche Viruserkrankungen, wie beispielsweise Seehundstaupe oder Vogelgrippe (Influenza H5N1), gibt“, erläutert Prof. Dr. Eberhard Haunhorst, Präsident des LAVES. Seehunde, die tot an der Küste angespült werden, sichtbar erkrankt sind und eingeschläfert werden müssen, werden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut (LVI) Oldenburg des LAVES untersucht. „Meeressäuger sind Spitzenprädatoren und damit ein wichtiger Bioindikator für den einzigartigen Lebensraum Wattenmeer“, so Veterinär Haunhorst. Anzahl und Gesundheitszustand lassen Rückschlüsse auf Wasserqualität und Fischbestand zu. Und damit auch auf das empfindliche Lebensmittel Fisch.

Seehunde
Am besten lässt sich die Zahl der Seehunde im Sommeraus der Luft erfassen. Dann liegen die Tiere häufig auf den Sandbänken m Wattenmeer. Foto: LAVES

Meeressäuger tragen ein hohes Infektionspotential in sich und werden auch deshalb intensiv beobachtet. Im LVI Oldenburg wurden im Zeitraum von 2022 bis heute 82 Tiere (Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale) untersucht. Die Pathologen haben bei den Tieren einen massiven Parasitenbefall festgestellt. „Dies ist bei Wildtieren zunächst nichts Ungewöhnliches, doch der Befall ist höher als erwartet und muss weiter beobachtet werden. Eine mögliche Ursache könnte die Beeinträchtigung der Immunsysteme der Tiere durch Umwelteinflüsse sein“, so Haunhorst. 

Rückblick aufs Massensterben im Watt

Rückblick: 1988 und 2002 zog die Seuche „Seehundstaupe“ durch die Population. 1988: Der geringe Seehundbestand an der Niedersächsischen Küste von knapp 2500 Tieren reduzierte sich auf 1400.

2002: 3851 Seehunde wurden tot aufgefunden – der Bestand von rund 6.500 Tieren reduzierte sich um weit mehr als die Hälfte. Im jeweiligen Folgejahr wurden lediglich 229 (1989) beziehungsweise 799 Jungtiere (2003) gezählt.

Die beste Zeit für die Zählung ist bei Niedrigwasser von Juni bis August. Die Tiere ruhen auf Sandbänken und können so vom Flugzeug aus gezählt werden. Das jährliche Seehundmonitoring wird vom LAVES seit 2005 für Niedersachsen organisiert und koordiniert. Schon seit 1958 wird der Seehundbestand in Niedersachsen systematisch erfasst.

Die Trilaterale Seehundexpertengruppe führt im Herbst alle Ergebnisse aus den Ländern zusammen und bewertet die Daten für den gesamten Seehundbestand im UnescoWeltnaturerbe Wattenmeer zwischen Den Helder, Hooksiel, Husum und Esbjerg. 

Für Rettungsaktionen im Watt ist in der Regel das Land zuständig

Wangerland/Hannover (9. 3. 2023) – Alarm im Watt. Menschen in Not. Immer wieder werden Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Wangerland an die Strände von Hooksiel oder Schillig gerufen. Häufig befreien sie im Verbund mit anderen Rettungsorganisationen Menschen aus dem Schlick und sorgen dafür, dass diese wieder sicher an Land kommen.

Watt vor hooksil
Immer wieder retten Feuerwehrleute der Gemeinde in Not geratene Menschen aus dem Watt. Formal zuständig ist allerdings das Land Niedersachsen. Foto: Bildwerfer Fotografie

Dabei sind längst nicht in jedem Fall die gemeindlichen Feuerwehren für den Rettungseinsatz zuständig. Das geht der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Wangerländer Landtagsabgeordneten Katharina Jensen (CDU) hervor.

„Oft ist unklar, wo die Zuständigkeiten für die Freiwilligen Feuerwehrleute enden, wie es mit dem Versicherungsschutz aussieht und wer Kostenträger für Ausrüstung und Einsätze ist“, sagt Jensen. 

Die Antwort der Landesregierung schafft jetzt ein wenige Klarheit. Laut Innenministerium grenzt das Gemeindegebiet vom Festland aus an die Mittlere Tide-Hochwasserlinie. Bei dem Wattbereich seewärts dieser Linie handele es sich dagegen regelmäßig um so genanntes „ursprüngliches gemeindefreies Gebiet“, da dieser Bereich in der Regel nie durch Hoheitsakt samt Grenzbestimmung einer Gemeinde zugewiesen wurde. 

„Das bedeutet für die Gemeinde- und Kreisfeuerwehren in Friesland, dass sie im Bereich der Nordsee seewärts im Wattbereich für das Gebiet zwischen der mittleren Tide-Hochwasserlinie und der 12-Meilen-Zone nicht zuständig sind, es sei denn, dass das Gebiet wurde einer bestimmten Gemeinde zugewiesen“, sagt Jensen. Für den seewärtigen Bereich sei nach dem Niedersächsischen Brandschutzgesetz daher das Land für den abwehrenden Brandschutz und Hilfeleistungen zuständig. Die Feuerwehren vor Ort werden sicher auch künftig ausrücken, wenn es darum geht, Menschen zu retten. Aber, so Jensen: „Das betrifft ganz praktisch Kosten- und Versicherungsfragen bei Einsätzen in diesem Gebiet.“ 

Auch bessere Wasserqualität verändert Lebensbedingungen im Watt

Hooksiel/Wilhelmshaven (9. 3. 2023) – Ein Team von Forschenden, unter ihnen die Senckenberg-Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Ingrid Kröncke und Dr. Anja Singer aus Wilhelmshaven, hat eine signifikante Abnahme in der Häufigkeit, der Biomasse und der räumlichen Verbreitung von charakteristischen Wattenmeer-Arten im ost-friesischen Wattenmeer festgestellt. Betroffen sind unter anderem Schnecken, Muscheln, Krebsen und Würmer. 

Das Team verglich einen umfangreichen Datensatz aus dem Jahr 2018 von etwa 500 Messstationen mit einem historischen Datensatz aus den 1980er Jahren. Den Artenwandel im Wattenmeer führen die Wissenschaftler in ihrer im Fachjournal „Frontiers in Marine Science“ erschienenen Studie auf eine verringerte Nährstoffbelastung und Auswirkungen des Meeresspiegel-Anstiegs auf die Lebensgemeinschaften im Wattboden zurück.

„Die in den 1980er Jahren noch dominante Gemeine Wattschnecke, der Bäumchenröhrenwurm oder die Sandklaffmuschel haben in ihrer Häufigkeit um mehr als 80 Prozent abgenommen“, erklärt Erstautorin Dr. Anja Singer von Senckenberg am Meer und der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. In der breit angelegten Langzeitstudie wurde die Artenzusammensetzung und deren Veränderung im Watt untersucht – und dabei eindeutlicher Wandel in der Häufigkeit, der Biomasse und der räumlichen Verbreitung zahlreicher Charakterarten festgestellt.

Biomasse hat sich deutlich verringert


Die Zahl der insgesamt gefundenen Arten sei seit den 1980er Jahren im Untersuchungsgebiet zwar fast konstant geblieben – die zahlenmäßige und räumliche Verbreitung sowie der Anteil der Biomasse zahlreicher Arten habe sich aber deutlich geändert. In den 1980er Jahren wurden 90 Arten, 2018 noch 81 Arten identifiziert. „Viel signifikanter ist die Abnahme der Gesamt-Individuenzahl der Arten pro Quadratmeter: Hier gab es einen gemittelten Rückgang um circa 31 Prozent. Die Gesamtbiomasse verringerte sich sogar um circa 45 Prozent im Vergleich zu den 1980er Jahren“, erläutert Prof. Ingrid Kröncke von Senckenberg am Meer und der Universität Oldenburg“, so die Forscher. Die Biomasse der in den 1980er Jahren vorherrschenden Arten (Gemeine Wattschnecke, Bäumchenröhrenwurm, Schlickkrebs) seien hingegen um über 80 Prozent zurückgegangen.

Insbesondere die Zahl der Wattschnecke sowie verschiedener Muschelarten, die sich von an der Sedimentoberfläche wachsenden kleinen Algen ernähren, sei sehr stakt zurückgegangen. Das zeige sich dann auch in der Gesamtbiomasse und Häufigkeit dieser Arten. 

Grund für die Abnahme ist Überzeugung des Forscher-Teams ein vermindertes Nahrungsangebot. „Seit den 1980er Jahren gelten strengere Anforderungen für die Landwirtschaft und für kommunale Kläranlagen, wodurch weniger Nährstoffe in die Flüsse, wie die Elbe, die Weser oder den Rhein gelangen – und damit auch in unser Untersuchungsgebiet.“ 

Weniger Algenblüten auch geringere Nährstoffbelastung

Die verringerte Nährstoffbelastung habe zu einem deutlichen Rückgang von Algenblüten geführt – der Nahrungsquelle der genannten Tiere, erklärt Ingrid Kröncke: „Was für die Wattschnecke vielleicht von Nachteil ist, ist für andere Organismen aber ein deutlicher Gewinn: Die bessere Wasserqualität wirkt sich beispielsweise positiv auf Seegraswiesen und Austernriffe aus. Die Ergebnisse unserer Studie bestätigen, dass sich Seegrasbestände im deutschen Wattenmeer bis 2018 erholt haben und zeigen eine Ausdehnung der gemischten Muschel- und Austernbänke!“

Auch die Biomasse des Wattwurms stieg um etwa 75 Prozent an. „Wir erklären diese Zunahme mit einer durch den Meeresspiegelanstieg bedingten höheren Sandanreicherung auf den Watten, besonders im westlichen Bereich des ostfriesischen Wattenmeeres. Darüber hinaus führen durch den Meeresspiegelanstieg bedingte höhere Strömungsgeschwindigkeiten zugleich zu einer Abnahme des Schlickgehalts in den Sedimenten“, so Anja Singer: „Eine Synergie dieser beiden Prozesse, Sandanreicherung und Abnahme des Schlickgehalts, bietet bessere Lebensbedingungen für den Wattwurm und andere Arten.“

Räuberische Felsenkrabbe erobert das Wattenmeer

Die Gesamtzahl der invasiven Arten erhöhte sich laut der neuen Studie von zwei auf sechs Arten. Ein Grund: Der klimabedingte Anstieg der Meeresoberflächen-Temperaturen um circa zwei Grad Celsius seit den 1980er Jahren. Zu den „Gewinnern“ zählt die Amerikanische Schwertmuschel, die man nun etwa 80 Prozent häufiger vorfinde. 2018 neu erfasste invasiven Arten sind die Amerikanische Pantoffelschnecke, die Pazifische Auster, die Zwergbrandungsmusche und die räuberisch lebende Felsenkrabbe – sie gelten als tolerant gegenüber höheren Temperaturen.

„Unsere Ergebnisse zeigen deutliche Veränderungen in den Lebensgemeinschaften im Wattsediment, die erhebliche Auswirkungen auf das gesamte Nahrungsnetz im Wattenmeer haben werden: Die im Wattboden lebenden Arten stellen eine wichtige Nahrungsquelle für junge Plattfische und brütende und rastende Vogelarten dar“, fast fasst Anja Singer zusammen. „Durch den fortschreitenden Anstieg des Meeresspiegels und der Temperatur wird das Ökosystem des Wattenmeeres mit gravierenden ökologischen und biologischen Veränderungen in der Zukunft konfrontiert sein.“