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Alle Beiträge zum Thema “Nachruf”

Nachruf: Meinolf Cohn – Aufstieg mit Mut und Geschick

Von Gerd Abeldt

Hooksiel (2. 5. 2026) – Wenn Meinolf Cohn sich einmal entschieden hatte, blieb er seinem Weg treu. Erst vor wenigen Tagen wurde der 89-Jährige für seine 70-jährige Zugehörigkeit zur Freiwilligen Feuerwehr Hooksiel geehrt. Etliche Jahrzehnte war er auch Mitglied in der SPD im Wangerland. Mit seiner Frau Helma feiere er vor zwei Jahren eiserne Hochzeit.

Am vergangenen Sonntag ist der gebürtige Hooksieler nach kurzer Krankheit so gestorben, wie er es sich selbst vermutlich gewünscht hätte – allerdings erst in 10 oder auch 20 Jahren. In seinem Haus am Langengrodener Weg in den Armen seiner Frau Helma. 

Meinolf Cohn (Foto) gehörte zu den markantesten Persönlichkeiten im Ort. Mutter Wilma brachte ihren Sohn 1937 in der Obernstraße zur Welt. Vater Emil, Inhabern eines Schlachtbetriebes und Bauernhofes wurde von den damals herrschten Nationalsozialisten als „Jude“ eingestuft und zweimal in Konzentrationslager gesteckt. Die Ehe mit einer Christin und das gemeinsame Kind rettete ihm das Leben.

Der kleine Meinolf hatte trotz der dramatischen äußeren Umstände eine behütete Kindheit, mit einer Schulzeit, aus der er nur wenig mitgenommen hat. Wichtiger seien ihm damals Armdrücken, Wettlaufen und Fingerhakeln gewesen, sagte er später.

Sein Lehrmeister war das Leben

Lehrmeister waren für ihn sein Vater und das Leben selbst. Emil Cohn 1945 kam aus dem KZ nach Hause zurück und verzieh seinen Nachbarn, die zum Teil zu jenen Nazis gehört hatten, die Haus und Hof der Cohns geplündert hatten. Eine Großherzigkeit, die Meinolf Cohn bis ins eigene Alter nur schwer nachvollziehen konnte.

Meinolf Cohn wuchs auf dem kleinen Hof an der Obernstraße auf, besuchte die Landwirtschaftsschule und heiratete 1959. Bereits 1960 musste er nach dem Tod des Vaters die Verantwortung für den Betrieb selbst übernehmen. Keine leichte Aufgabe für den jungen Familienvater. Längst war klar: Milchviehbetriebe mit gerade einmal 16 Kühen haben keine Zukunft.

Mit Mut, Kreativität, Tatkraft und Verhandlungsgeschick gingen Helma und Meinolf Cohn neue, am Ende sehr erfolgreiche Wege. Am Ortsrand bauten sie den Meyer-Hof, auf den der Betrieb – mit dann bis zu 60 Kühen – umgesiedelt wurde. Eine weitere Einnahmequelle der auf sechs Personen aufwachsenden Familie: Urlaub auf dem Bauernhof. 

Vom Bauern zum Lohnunternehmer

Wichtiger noch aber dürfte die Weiterentwicklung des Bauernhofes zum landwirtschaftlichen Lohnunternehmen gewesen sein. Cohn übernahm die Klärschlamm-Entsorgung aus den Kläranlagen für die Stadt Jever und später auch für die Gemeinde Wangerland. Die nährstoffreiche Fracht war seinerzeit begehrt als Dünger für die neue aufgespülten Grodenflächen vor Wilhelmshaven und Hooksiel.

1989 übertrug Meinolf Cohn Hof und Lohnunternehmen auf seine Kinder, denen er aber auch danach mit Rat und Tat zur Seite stand. Etwa bei den Verhandlungen über die von der Gemeinde benötigten Flächen für den Bau der Ortsumgehung – die unmittelbar am Meyer-Hof vorbei führt. 

Präsident mit phänomenalem Gedächtnis

Helma und Meinolf Cohn zogen sich in ein schmuckes Häuschen am Langengrodener Weg zurück, nahmen aber weiter am gesellschaftlichen Leben teil. Über die Familie, die Landwirtschaft, die Feuerwehr, die SPD und über den traditionsreichen „Sonntags-Stammtisch“ im „Schwarzen Bären“. Cohn verfolgte die Entwicklung von Hooksiel genau, hielt mit seiner Meinung nie hinter dem Berg und unterstützte Projekte, die ihm am Herzen lagen.

Dem „Sonntags-Stammtisch“ stand Meinolf Cohn als Präsident über Jahrzehnte vor. Hier glänzte er bis zu seinem Tod immer wieder durch sein phänomenales Gedächtnis. Sei es mit Kenntnissen aus der Ortsgeschichte oder aus dem Leben zahlloser Wangerländer Bürgern, von denen er in aller Regel auch das Geburtsdatum präsent hatte. Meinolf Cohn, geboren am 12. Januar 1937, hat es verdient, dass auch sein Lebensweg und sein Wirken nicht so schnell in Vergessenheit geraten. 

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Nachruf: Anita Eden wollte Frauen ein Lächeln ins Gesicht zaubern

Von Gerd Abeldt

Hooksiel/Waddewarden (8. 8. 2025) – Wer schon einmal an einer Tee-Runde der Hooksieler Landfrauen im „Schwarzen Bären“ teilgenommen hat, wird sie gespürt haben: die vertraute Atmosphäre, entspannt und offen. Maßgeblichen Anteil daran hatte Anita Eden, die dem Verein seit 32 Jahren vorstand. 

Anita Eden (Foto) ist am 2. August im Alter von 86 Jahren gestorben. Um sie trauern die Familien ihrer Kinder Jan-Jürgen, Wiebke, Detlef und Wilke sowie zahllose Menschen, die großen Respekt vor Engagement und Herzlichkeit dieser besonderen „Landfrau“ hatten.

Anita Eden ist auf einem Bauernhof in Siebetshaus aufgewachsen. Nach der Heirat mit Jürgen Eden zog auf den Ackerbaubetrieb am Gänseweg in Waddewarden. Hier kamen die Kinder zur Welt. Die Ehe scheiterte. Anita Eden blieb am Gänseweg. Aus dem Bauernhof wurde ein Feriendomizil, in dem die Hausherrin ihre Gäste liebevoll betreute. Schon als junge Frau hatte sie gern im „Chausseehaus“ in Siebetshaus Gäste bewirtetet. Jetzt kehrte diese Leidenschaft zurück. Sie wurde eine Vermieterin mit Herzblut.

Ihre zweite große Leidenschaft war der Landfrauenverein Hooksiel, den es seit Dezember 1952 gibt. Zu den Gründungsmüttern gehörte mit Irma Cornelßen eine Tante von Anita Eden. Als die Waddewarderin den Vorsitz Anfang der 1990er Jahre übernahm, lernte sie schnell, Reden zu halten und Veranstaltungen zu organisieren. Beides hatte sie seither mit großer Leidenschaft getan. 

Die Treffen in der Gemeinschaft, zu denen Referentinnen und Referenten geladen waren, die über aktuelle Themen berichteten, und die regelmäßigen Ausflüge zu Zielen in der Region hatten für Anita Eden vor allem einen Zweck: Sie wollte Frauen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das ist ihr immer wieder gelungen, bis ein Schlaganfall sie mitten aus ihrem Schaffen riss. 

Nachruf: Richard Herfurth hat sich vielfältig für Hooksiel engagiert

Von Gerd Abeldt

Hooksiel (20. 6. 2025) – Richard Herfurth war ein Mann, der Hooksiel über etliche Jahre maßgeblich mitgeprägt hat. Das stellte heute Pastor Stefan Grünefeld auf der Trauerfeier in der Kirche zu Pakens fest. Zu Recht. Am Dienstag dieser Woche ist Herfurth im Alter von 76 Jahren gestorben – einen Tag nachdem er ins Hospiz umgezogen war. Er starb an den Spätfolgen des unvorsichtigen Umgangs mit Asbest.

Richard Herfurth (Foto: Wolfgang Niemann), Jahrgang 1949, stammt aus Suurhusen. Sein Vater, als Kriegsflüchtling nach Ostfriesland gekommen, arbeitete als Werftarbeiter, engagierte sich in der SPD und stieg bis Bürgermeister auf. Sein Sohn durfte immer wieder mal den Amtsstempel unter ein Schriftstück setzen. Eine Erfahrung, die offenbar sein Leben geprägt hat. 

Auch Richard Herfurth war stark ehrenamtlich engagiert. Er sicherte der Hooksieler Arbeitsgruppe mit, deren Sprecher er lange war, das Awo-Heim als Domizil, entwickelte als Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Hooksiel die beliebten Herings- und Krabbentage mit und brachte sich als SPD-Mitglied politisch ein. Zehn Jahre lang war er Ratsherr, fünf davon als stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Wangerland. 

Der gelernte Elektriker und Techniker arbeitete seit 1979 im Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven. Seinerzeit zog er mit seiner damaligen Familie nach Hooksiel. Man baute ein Haus, dann kam die Trennung. Richard Herfurth heiratete seine zweite Frau Hannelore. Nach dem Eintritt in den Vorruhestand kümmerte er sich verstärkt um Familie und Ehrenämter. Mit dem Willen zur Führung und dem Mut zu klaren Ansagen – was nicht bei jedem gut ankam.

In seine Bürgermeisterzeit fielen die Überlegungen der Wangerland Touristik und der Gemeinde Wangerland, das Meerwasserhallen-Wellenbad in Hooksiel aufzugeben und das Gästehaus zu verkaufen. Herfurth, ansonsten rühriger Lobbyist für den Sielort, unterstützte die Pläne mit Blick auf die Interessen der Gemeinde. Die Hooksieler waren dagegen, machten mobil und stoppen die Projekte unter anderem durch einen Bürgerentscheid.

Richard Herfurth saß zwischen den Stühlen, zog sich 2020 von seinem Posten als stellvertretender Bürgermeister zugunsten seines damaligen Ratskollegen Mario Szlezak (heute hauptamtlicher Bürgermeister) zurück und trat bei der Kommunalwahl 2021 nicht mehr. 

Auch seine anderen Ämtern gab Herfurth ab. Sein Schwerpunkt lag jetzt endgültig bei der Familie. Bei seiner Frau, den drei Kindern und den Enkelkindern. Hannelore und Richartd Herfurth verkauften ihr Haus, erwarben ein Wohnmobil und bereisten damit bis 2024 etliche Länder in Europa. Eine herrliche Zeit – bis die Erkrankung weite Reisen unmöglich machten. Endpunkt der Reisen war immer Hooksiel. Der letzten Ruhestätte von Richard Herfurth. 

Hooksieler Heimatfreund Hans Ney vor 100 Jahren geboren

Von Gerd Abeldt

Hooksiel (10. 2. 2024) – Er war kein gebürtiger Hooksieler. Dennoch hat er sich wie nur wenige andere um den Sielort gekümmert, seine Historie erkundet, Besonderheiten entdeckt und öffentlich gemacht und damit das Bild von Hooksiel als einer Perle an der niedersächsischen Nordseeküste geprägt.

Hans Ney (Foto) ist im Juni 2016 im Alter von 92 Jahren in Hooksiel gestorben. In diesem Februar wäre er 100 Jahre alt geworden. Ein guter Grund, an das Engagement eines Mannes zu erinnern, dessen Wirken noch heute an jeder zweiten Ecke im Dorf sichtbar ist. 2005 hat der damalige niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Lutz Stratmann sein langjähriges Engagement bei der Erkundung der Geschichte Hooksiels mit dem Verdienstkreuz am Bande des Niedersächsischen Verdienstordens gewürdigt.

Hans Ney

„Hans Neys bürgerschaftliches Engagement für seine Heimat ist vorbildlich“, stellte der Minister damals fest. Wichtiger noch war Ney aber zeitlebens die silberne Spieker-Ehrennadel vom Heimatbund. Eine Auszeichnung von einem Bund, der die plattdeutsche Sprache hochhielt. Und das, obwohl Heimatfreund Ney selbst gar kein Plattdeutsch sprach.

Ney, am 10. Februar 1924 in Nauen (Brandenburg) geboren, wurde 1975, nach etlichen Umzügen quer durch Deutschland, in Hooksiel sesshaft. Der Fregattenkapitän a. D., der von 1961 bis 1982 bei der Bundesmarine seinen Dienst versah, setzte sich unter anderem für den Ausbau des historischen Hafens ein, trieb die Restaurierung des historischen Mudderboots von 1837 als „Kulturdenkmal“ voran, initiierte die Einrichtung einer Mühlengedenkstätte am Pakenser Altendeich und versah etliche Gebäude im Ort mit Hinweisschildern auf ihre Geschichte.

Hans Ney war kein Historiker im wissenschaftlichen Sinne. Er war ein Sammler, der sich in Archiven umtat und auch private Sammlungen durchstöberte. Was er fand, setzte er in spannende Zeit-Geschichte(n) um. Hans Ney hat mehrere Bücher („Geschichten am Hookstief“, „450 Jahre Hooksiel“, „Verwitterte Zeitzeugen“) sowie unzählige Beiträge in Tageszeitungen und Magazinen veröffentlicht und jede Menge anschauliche Vorträge gehalten. 1986 übernahm er die Organisation der 440-Jahr-Feier seines Herzensortes, der längst seine Heimat geworden war. 

Hans Ney hat erkannt, wie spannend das Leben in Hooksiel war und ist. Mit seinen historischen Arbeiten, so sagte er einmal, habe er das Wir-Gefühl der Hooksieler stärken wollen. Eine Aufgabe, die heute so wichtig wie in den zurück liegenden Jahrzehnten ist. 

Nachruf: Günther Hinrichs war ein Glücksfall für Hooksiel

Von Gerd Abeldt

Das Gästehaus in Hooksiel, der Bau der Ortsumgehung, die Sanierung des Ortskerns sowie die Weiterentwicklung von Schule, Kindergarten und Künstlerhaus – all diese Projekte sind eng mit dem Namen Günter Hinrichs verbunden. Der letzte „reine“ Verwaltungschef an der Spitze der Verwaltung der Gemeinde Wangerland ist – wie jetzt bekannt wurde – einen Tag vor Heiligabend im Alter von 85 Jahren gestorben.

Günther Hinrichs war Wangerländer durch und durch. Seine Verwaltungslaufbahn begann 1955 bei der damals noch selbstständigen Gemeinde Tettens. 43 Jahre später, Ende 1998, wurde Hinrichs mit allen Ehren aus dem Amt des Gemeindedirektors (1980 bis 1998) der Gemeinde Wangerland in den Ruhestand verabschiedet. Ebenso wie der ehrenamtliche Bürgermeister Klaus-Peter Koch (CDU). Damit endete eine Ära im Wangerland: Nachfolger von Hinrichs und Koch wurde der direkt gewählte „Eingleiser“ Joachim Gramberger.

Als Gramberger im Büro von Hinrichs nach Aktenordnern suchte, musste dieser ihn enttäuschen. Akten horte er schon lange nicht mehr. Er verstehe sich als Manager an der Spitze der Verwaltung, der durch Gespräche mit der Politik, mit dem Kreis und dem Land sowie mit Investoren nach guten Lösungen suche – und häufig nach tragfähigen Kompromissen. 

Ein Beispiel: Der Bau der Ortsumgehung Hooksiel im Zuge der Landesstraße 810 drohte finanziell aus dem Ruder zu laufen. Kurzerhand versicherte der versierte Taktiker Hinrichs der damaligen Bezirksregierung, weitgehend auf eigene Kappe, dass das Problem gelöst wird. Das Bauprojekt wurde abgespeckt (weswegen bis heute in einem Teilstück ein Radweg fehlt) – und dadurch erst ermöglicht. 

Im Ruhestand widmete Hinrichs sich seiner Familie und seinen Hobbys, der Musik und der Kunst. Er wirkte in der Kirchengemeinde und bei der Tafel mit. Öffentlich trat er nur noch selten in Erscheinung. Als „Glücksfall für die Gemeinde“ hat Dietrich Gabbey (SPD), selbst zehn Jahre ehrenamtlicher Bürgermeister an der Seite des letzten Gemeindedirektors, Hinrichs gewürdigt. Der Tod wird die Verdienste von Günther Hinrichs nicht schmälern.

Die Trauerfeier findet am Freitag, 6. Januar, um 13 Uhr in der Gaukirche in Hohenkirchen statt.