Wilhelmshaven/Hooksiel (11. 3. 2026) – Die Energiewende findet unmittelbar vor den Toren Hooksiels statt. Die zum „Energy Hub“ zusammen geschlossenen Unternehmen treiben dort die Transformation der Region voran – mit Risiken und Herausforderungen, aber auch mit Chancen.
Messe zur Berufsorientierung
Bei der Berufsorientierungsmesse „Energy Up 2026“ am Mittwoch, 19. März, stehen die Chancen gerade für heutige und künftige Arbeitnehmer im Mittelpunkt. Im Zuge der Veranstaltung, die von 10 bis 18 Uhr in der Nordseepassage in Wilhelmshaven stattfindet, stehen die beruflichen Perspektiven im Fokus.
Die Messe bietet Unternehmen aus den Bereichen Energie, Industrie, Handwerk und Zukunftstechnologien eine Plattform, um mit Interessierten sowie potenziellen künftigen Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig erhalten Schülerinnen und Schüler, Studierende, Fachkräfte und Quereinsteigende Einblicke in Berufsbilder, Karrierewege und aktuelle Stellenangebote.
Perspektiven für die Region
„Mit der Energy Up 2026 verbinden wir regionale Wirtschaftsentwicklung, Fachkräftesicherung und Zukunftsthemen wie die Energiewende vor Ort auf erlebbare Weise“, sagt Susann Schäfer-Biscan, Netzwerkmanagerin des Energy Hub. „Die Messe soll Orientierung geben, Netzwerke stärken und Perspektiven für die Zukunft in unserer Region aufzeigen “, ergänzt Ingo Theilen vom gemeinsamen Arbeitgeber-Service Wilhelmshaven.
Organisiert wird die Veranstaltung vom Energy Hub in Kooperation mit dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven und des Jobcenters Wilhelmshaven sowie der Wirtschaftsförderung Wilhelmshaven GmbH.
Hooksiel (8. 3. 2026) – Ein rotes Band zieht sich auf der Südseite des Hooksieler Außenhafens. Gehalten wird es von einer Menschenkette, die sich vom Radweg Richtung Wilhelmshöhe bis zum Hafenbecken aufgebaut hat. Die rund 100 Aktivisten verschiedener Umwelt- und Naturschutzverbände halten Plakate und Schilder in die Höhe. „Stop Gas“ ist darauf zu lesen.
Rund 100 Umweltschutzaktivisten aus der Region warnten zusammen mit ausländischen Gästen vor den weltweiten ökologischen, wirtschaftlichen und machtpolitischen Folgen von LNG-Importen. Foto: hol
Dazu erklingen Gesänge und Parolen, teils auf Englisch, teils auf Deutsch. Die Aktivisten eint die Sorge um das Klima, die Umwelt, aber auch um die Menschen, die im Umfeld von Im- und Exporteinrichtungen für fossile Energieträger wohnen.
Großes Sicherheitsaufgebot
„LNG ist Kacke. Attacke!“ lautet eine der Kampfansagen. Wobei sich der Kampf an diesem Samstagvormittag auf Reden und Appelle beschränkt. Die Wilhelmshavener LNG-Terminals mit den Import-Fabrikschiffen „Höegh Esperanza“ und „Excelsior“ sind nicht in Gefahr. Aufgrund des dichten Nebels auf der Jade sind sie ohnehin kaum zu sehen.
Gut erkennbar ist nur ein Wachboot der Wasserschutzpolizei, was zwischen Außenhafen und LNG-Terminal patrouilliert. Und auch an Land haben sich eine Reihe von Polizisten eingefunden, die die „kritische Infrastruktur“ schützen sollen. Immerhin gelten die LNG-Terminals als Garanten dafür, dass die Versorgung Deutschlands mit Energie gewährleistet bleibt.
Friedliche Demonstration
Oder geht es gar nicht in erster Linie um eine sichere Energieversorgung? Geht es vielmehr um die Profite von weltweit agierenden Großkonzernen, die nicht auf ihre Geschäfte mit Öl und Gas verzichten wollen? Trotz aller Warnungen vor einem Klimakollaps. Trotz der Folgen für künftige Generationen. Trotz der Beeinträchtigungen von Natur und Mensch schon heute – weltweit.
Anlass für die auch nach Wahrnehmung der Sicherheitskräfte friedliche Demonstration am Hooksieler Außenhafen unter dem Motto „Stoppt den LNG-Wahn und die fossile Ausbeutung“ waren die Pläne eines Energiekonsortiums, in Wilhelmshaven ein drittes Importterminal für flüssige Gase wie LNG zu bauen. Dafür soll das als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesene Naturschutzgebiet auf dem Voslapper Groden-Nord geopfert werden. Dagegen – aber auch gegen die Industrialisierung des Wattenmeeres insgesamt etwa durch Ölbohrungen – laufen unter anderen die Initiative „Fridays for Future“, der Naturschutzbund (Nabu) und das Netzwerk Energiedrehscheibe, einem Bündnis aus 28 Verbänden und 180 Einzelpersonen, seit Wochen Sturm.
Demonstrieren am Hooksieler Außenhafen den ökologischen Schulterschluss von Küste zu Küste: Stefanie Eilers, des Netzwerkes Energiedrehscheibe, und der US-Umweltaktivist James Hiatt aus Louisiana. Foto: hol
Unterstützt werden sie von internationalen Aktivisten, die ihrerseits vor den globalen Folgen des „Gasrausches“, so Martin Lüdders von Fridays for Future, warnten. Nach Ansicht von Milena Pressentin (Deutsche Umwelthilfe) sei der geplante Energiepark im Voslapper Groden-Nord ein Teil des Problems – und entgegen aller Versprechung kein Wegweiser hin zur Nutzung von „grünem Wasserstoff“.
Fracking macht Menschen krank
Für einen Schulterschluss für eine globale Energiewende warb der US-Amerikaner James Hiatt, der in Louisiana am Golf von Texas mit der Umweltschutzgruppe „For A Better Bayou“ gegen die LNG-Industrie kämpft, die durch das so genannte Fracking und den Bau von Gasexport-Infrastruktur paradiesische Natur zerstöre sowie Gesundheit und Wohlstand von Menschen gefährde. Das allermeiste über Wilhelmshaven importierte Flüssigerdgas kommt aus den USA. Hiatt berichtete von giftigen Chemikalien, von Methan-Austritten und verdreckter Luft – und das bei steigenden Preisen für Lebensmittel und Energie. Es gehe nicht um Wohlstand, sondern nur um Profite. Dagegen müssten sich die Menschen wehren – von Küste zu Küste.
Die ukrainische Klimaaktivistin Dr. Svitlana Romanko, Gründerin der Umweltkampagne „Razom We Stand“, wies auf die machtpolitischen Folgen hin. Das Festhaltens an fossilen Energieträgern nütze Exportländern wie Russland. Sie würden dadurch Milliarden über Milliarden verdienen. Geld, mit dem Russland unter anderem den Angriffskrieg auf die Ukraine finanziere. Die Rednerin forderte vor diesem Hintergrund ein lückenloses und dauerhaftes Embargo für fossile Brennstoffe aus Russland.
Im Anschluss an die Demonstration kamen die Aktivisten in Wilhelmshaven zu einer Buchlesung zusammen. Autorin Kathrin Hartmann, die auch in Hooksiel dabei war, stellte ihr Buch „Öl ins Feuer“ vor. Darin geht es um die verfehlte Klimapolitik und deren globalen Folgen.
Wangerland (3. 3. 2026) – Rund 50 Aktivisten verschiedener Umwelt- und Naturschutz-Gruppierungen haben am Wochenende auf dem Voslapper Groden-Nord gegen den geplanten Bau eines Energieterminals protestiert, für den ein vorhandenes Naturschutzgebiet aufgegeben werden soll.
Die Demonstranten auf dem Voslapper Groden sehen im geplanten Import von LNG und anderen flüssigen Gasen eine Verstetigung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Foto: Rohde
Im Anschluss an eine gemeinsame Mahnwache verblieb eine kleinere Gruppe bis zum Sonnenuntergang vor Ort. Sie trieb die Sorge um, dass eventuell bereits Rodungsarbeiten auf dem Gelände stattfinden könnten, für die aber noch keine Genehmigung vorliegt.
Am Eingangstor Müll gesammelt
Die Umwelt- und Naturschützer nutzten die Protestaktion zum gegenseitigen Kennenlernen. Wie Teilnehmer berichteten, habe man sich unter anderem über die Besonderheiten des „Natura 2000“-Gebietes mit seiner schützenwerten Flora und Fauna ausgetauscht. Zudem habe man gemeinsam rund ums Tor von der Straße Zum tiefen Fahrwasser zum Voslapper Groden und an den Gräben Müll gesammelt.
Die Aktivisten hoffen darauf, dass die bereits im Voslapper Groden installierten Amphibienzäune und die Entwässerung in dieser Woche zurückgebaut werden Wie angekündigt wurde, sollen dabei auch für die Vergrämung von Vögeln angebrachte Flatterbänder wieder entfernt werden.
Stadt: Arbeiten wurden überwacht
Die Wilhelmshavener Stadtverwaltung ist heute dem Eindruck entgegen getreten, dass die Investoren auf dem Areal vielleicht bereits ohne vorliegende Genehmigung Fakten schaffen wollen. Die Arbeiten seien zwar von der Deutschen Grüngas und Energieversorgung GmbH (DGGEV) durchgeführt worden. Sie seien aber von einem landschaftspflegerischen Fachbüro begleitet und regelmäßig vor Ort von der Unteren Naturschutzbehörde überwacht worden, heißt es in einer Erklärung gegenüber „Hooksiel-Life“.
Gewerbeaufsicht zuständig
Um mit dem Bau der Anlagen beginnen zu können, bedürfe es entweder der erforderlichen immissionsschutzrechtlichen Genehmigung oder der Zulassung des vorzeitigen Beginns nach dem Bundesimmissonsschutz-Gesetz. Alle diese Entscheidungen lägen in der Zuständigkeit des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Oldenburg, betont die Stadt.
In der vergangenen Woche sei die passive Entwässerung einer etwa sechs Hektar großen Teilfläche innerhalb des Voslapper Groden-Nord erfolgt. Das sei eine Maßnahme der Gewässerunterhaltung gewesen. Dafür habe es ebenso wenig wie für das Aufstellen von Amphibien-Leiteinrichtungen einer Genehmigung der Stadt Wilhelmshaven bedurft.
Bäume dürfen gefällt werden
„Soweit weitere Maßnahmen wie die Beseitigung von Gehölzen erfolgen, handelt es sich um ohnehin geplante Maßnahmen, die unabhängig von dem Vorhaben der DGGEV entsprechend den Zielen des Europäischen Vogelschutzgebiets und Naturschutzgebiets vorzunehmen sind“, heißt es in der Mitteilung. Sie würden also je nach Ausgang der weiteren Entscheidungen des Gewerbeaufsichtsamtes faktisch entweder dem beantragten Vorhaben oder dem Gebietsschutz dienen. „Dafür wurde eine Genehmigung zum Fällen von Bäumen nach der Baumschutzsatzung der Stadt Wilhelmshaven erteilt.“
Widerstand in den USA
Am kommenden Wochenende erwartet das „Netzwerk Energiedrehscheibe“ internationale Gäste. Zusammen mit der Gruppe „Fridays vor Future“ will man gegen den Import von verflüssigtem Erdgas (LNG) und den damit drohenden fossilen „Lock In“ demonstrieren. Eine Kundgebung ist für Samstag, 7. März, um 10.30 Uhr am Hooksieler Außenhafen geplant.
Erwartet werden dazu unter anderem die Ukrainerin Svitlana Romanko und der Amerikaner James Hiatt, der von den ökologischen Folgen der LNG-Gewinnung in den USA und dem Widerstand in Texas und Louisiana berichten wird. Der allergrößte Teil des über Wilhelmshaven importierten LNG kommt aus den USA. Svitlana Romanko ist Gründerin und Direktorin der Gruppe „Razom We Stand“, die die globale Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen, dem Nährboden der russischen Kriegsmaschinerie, beenden möchte.
Anmerkung:Dieser Artikel wurde im Laufe des Tages um die Stellungnahme der Stadt Wilhlemshaven ergänzt
Wilhelmshaven/Hooksiel (27. 2. 2026) – Naturschützer wollen mit einer Mahnwache für den Erhalt des Naturschutzgebietes auf dem Voslapper Groden-Nord demonstrieren. Dafür treffen sich die Aktivisten am Samstag, 28. Februar, um 11 Uhr an der Straße Am Tiefen Fahrwasser zwischen Hooksiel und Wilhelmshaven im Bereich zwischen den Anlegern von Vynova und HES.
Vorzeitiger Baubeginn?
Der Rat der Stadt Wilhelmshaven im Januar die Naturschutzverordnung für ein Areal aufgehoben, auf dem ein Konsortium um die Firma Tree Energy Solutions (TES) einen Terminal für den Export von CO2 und den Import von flüssigen Gasen sowie einen Wasserstoffpark bauen will. Befürworter sehen darin einen „zentralen Beitrag zur Energiesouveränität und Klimaneutralität“ vor allem der Industrie. Naturschützer hingegen betonen den Verlust des EU-Vogelschutzgebietes, das durch die Milliarden-Investition zerstört wird.
Der Nabu Landesverband Niedersachsen beklagt zudem, dass bereits seit Beginn dieser Woche im Voslapper Groden Nord umfangreiche Arbeiten durchgeführt würden. Unter anderem würden Flächen gefräst, Entwässerungs-Maßnahmen vorgenommen, Amphibienzäune gesetzt und Flächen markiert.
„Beobachtet werden täglich mehrere Fahrzeuge und bis zu zehn Personen im Gebiet“, so der Nabu. „Nach unserer Einschätzung handelt es sich dabei um vorbereitende Maßnahmen im Zusammenhang mit dem beantragten vorzeitigen Baubeginn für ein Industrieprojekt. Die dafür erforderliche Genehmigung des zuständigen Gewerbeaufsichtsamtes liegt nach unserem Kenntnisstand bislang nicht vor.“
Genehmigung nötig?
Die Stadt Wilhelmshaven habe die Eingriffe gegenüber den Naturschützern als Gewässerunterhaltung eingestuft, die nicht genehmigungsbedürftig sei. Dabei sei aber auch eingeräumt worden, dass die Maßnahmen je nach Ausgang der behördlichen Entscheidung entweder dem beantragten Vorhaben oder dem Gebietsschutz dienen könnten. „Diese widersprüchliche Darstellung werten wir als hochgradig unseriös.“
Da der Managementplan für das Naturschutzgebiet ausdrücklich eine Vernässung der Fläche vorsehe, werde das erklärte Schutzziel durch die aktuellen Entwässerungsmaßnahmen faktisch unterlaufen. Der Nabu: „Wir fordern einen sofortigen Stopp aller Arbeiten, solange keine rechtskräftige Genehmigung vorliegt und die naturschutzrechtlichen Fragen nicht abschließend geklärt sind.“
Friesland/Wilhelmshaven (20. 2. 2026) – Der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade e.V. (AWV) drängt auf eine möglichst schnelle Entscheidung über den Standort des geplanten Zentralklinikums für die Region. Der Beschluss des Kreistags des Landkreises Friesland und des Rates der Stadt Wilhelmshaven, gemeinsam die nächsten Schritte bei der Suche gehen zu wollen, sei zu begrüßen.
Nun gelte es, das Verfahren voranzubringen, um zeitnah eine zukunftsfeste Gesundheitsversorgung für die Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen. Das sei um so wichtiger, da man von einem Realisierungszeitraum von rund zehn Jahren ausgehen müsse.
Hinsichtlich der Standort-Kriterien sei, so der AWV, die Zukunftsfähigkeit der Jade Wirtschaftsregion entscheidend. Deshalb sollte ein Standort mit Entwicklungsperspektiven gewählt werden. „Wir brauchen ein leistungsfähiges Krankenhaus, das langfristig die Menschen der Region versorgen kann und Entwicklungsspielräume für kommende Generationen berücksichtigt“, heißt es in einer Erklärung.
Sollte es den Krankenhausträgern in Wilhelmshaven und Friesland nicht gelingen, eine Einigung herbeizuführen, erwarte der Verband, dass das Land Niedersachsen moderierend eingreife und Verantwortung übernehme, um eine zeitnahe Entscheidung sicherzustellen.
Sande/Wangerland (19. 2. 2026) – Die „Friesland Kliniken“ am Standort Sanderbusch sind erneut von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) als regionales Traumazentrum (RTZ) zertifiziert worden. Damit nehmen sie in dem seit 2008 bestehenden Traumanetzwerk der Region Oldenburg-Ostfriesland als eines von vier RTZ weiter eine herausgehobene Stellung bei der Versorgung Schwerverletzter ein.
Freut sich über die Anerkennung seiner Arbeit: Der Leitende Arzt des Regionalen Traumazentrums Egbert Stepanek. Foto: Friesland-Kliniken
Geschäftsführerin Petra Hohmann dankte dem Team der Unfallchirurgie und Orthopädie um Chefarzt Dr. Peter Bichmann und dem Leitenden Arzt Egbert Stepanek als Leiter des RTZ sowie den weiteren beteiligten Abteilungen. „Bei unseren fachlichen, technischen und strukturellen Voraussetzungen befinden wir uns in der Traumaversorgung auf einem sehr hohen Niveau und sind erstklassig auf die Behandlung von schweren und komplexen Verletzungen eingestellt“, betont Stepanek. Jährlich werden nach Klinikangaben im RTZ rund 70 schwerverletzte Patienten behandelt.
Kooperation mit Wilhelmshaven
Die Re-Zertifizierung war mit hohem Arbeitsaufwand verbunden. Dabei wurde unter anderem auch eine Kooperation im Bereich der Gefäßchirurgie mit dem „Klinikum Wilhelmshaven“ sowie der Aufbau einer radiologisch gestützten endovaskulären Gefäßversorgung umgesetzt, die vor allem bei Schlaganfällen eine wichtige Rolle spielt.
Die externen Gutachter bescheinigen den „Friesland-Kliniken“ eine hohe Kompetenz und Qualität bei der Versorgung von Traumapatienten, die mit durch äußere Gewalt verursachten schweren Verletzungen eingeliefert werden. Zu komplexen Verletzungen zählen beispielsweise schwere Schädel-Hirn-Traumata, komplizierte Frakturen an Becken, Wirbelsäule, Armen oder Beinen, die operiert werden müssen, sowie Gefäßverletzungen oder schwere Verletzungen des Brustkorbs (Thorax). Auch Patientinnen und Patienten mit Polytrauma, also mit mehreren Verletzungen gleichzeitig, werden im Traumazentrum versorgt.
Rund um die Uhr im Einsatz
Ein RTZ muss eine 24/7-Notfallversorgung von Schwerverletzten gewährleisten, einen Hubschrauberlandeplatz, bestimmte Fallzahlen sowie Spezialabteilungen inklusive entsprechender bildgebender Technik, hochwertig ausgestattete OP-Säle und Eingriffsräume sowie einen Schockraum mit umfassender und modernster Technik vorweisen können. Zudem spielt die personelle Ausstattung und Qualifikation und damit die kontinuierliche Fortbildung der Mediziner und Pflegekräfte eine wichtige Rolle.
Wangerland (18. 2. 2026) – Bei nur einer Gegenstimme und drei Enthaltungen haben am heutigen Mittwoch der Kreistag des Landkreises Friesland und der Rat der Stadt Wilhelmshaven den Startschuss für die Suche nach einem Grundstück für ein Zentralklinikum gegeben. Auf einer gemeinsamen Sitzung beider Gremien im Kursaal in Horumersiel unterstrichen Redner beider Kommunen die Bedeutung des Beschlusses und die Notwendigkeit des Vorgehens.
„180.000 Menschen in Wilhelmshaven und Friesland wollen ein Krankenhaus mit maximaler Qualität – und das möglichst schnell“, sagte Oberbürgermeister Carsten Feist. „Und das geht nur gemeinsam.“ Dafür sein ein Interessenausgleich der Beteiligen extrem wichtig, sagte Frieslands Landrat Sven Ambrosy.
Zentral und wirtschaftlich
Dem stimmten zahlreiche Redner im Grundsatz zu, wobei es auch einige kritische Anmerkungen gab. Wilhelmshavens SPD-Fraktionschef Volker Block räumte ein, dass die SPD dem Beschlussvorschlag nur schweren Herzens zustimme. Man hätte sich bei der Abwägung von Zentralität und Wirtschaftlichkeit in der Entscheidungs-Matrix eine größere Gewichtung für die Wirtschaftlichkeit gewünscht.
Nach den gesundheitspolitischen Vorgaben von Land und Bund soll die Krankenhauslandschaft zentralisiert und damit die Qualität der Versorgung gesteigert werden. Für die „Friesland Kliniken“ und das „Klinikum Wilhelmshaven“ bedeutet das, dass sie in vielen medizinischen Bereichen den künftigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden, wenn sie ihre Leistungen nicht bündeln.
Auf ein Zentralklinikum hatten sich Stadt und Landkreis bereits im Sommer 2025 geeinigt. Dafür soll ein Neubau entstehen. Offen ist aber unter anderem noch die Frage, wo das künftige Zentralklinikum stehen soll. An einem der beiden bisherigen Krankenhaus-Standorte in Wilhelmshaven und Sanderbusch oder auf einem unbebauten, möglichst zentral gelegenen Grundstück auf der grünen Wiese?
Entscheidungs-Matrix
Rat und Kreistag segneten heute die Vorarbeit der Verwaltungs-Dezernenten Thomas Bruns (Stadt) und Rolf Neuhaus (Landkreis) ab, die trotz aller Interessenunterschiede einen gemeinsamen Beschlussvorschlag für die Standortsuche erarbeitet haben. Die von ihnen entwickelte Entscheidungs-Matrix soll Grundlage für eine wissenschaftlich fundierte Empfehlung sein, über die dann die politischen Gremien abschließend entscheiden müssen.
Neben Fragen der geografischen Zentralität soll gleichgewichtig die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden. Derzeit müssen beide Kommunen ihre Krankenhäuser in ein- oder auch zweistelliger Millionenhöhe im Jahr bezuschussen. Das sei Beleg dafür, dass die Krankenhäuser finanziell nicht auskömmlich ausgestattet sind, stellte der CDU-Ratsherr Martin Ehlers fest. „Und ich befürchte, auch das Zentralklinikum wird Zuschüsse brauchen.“
Schlüsselrolle beim Land
Im Beisein von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), zugleich Mitglied im Kreistag, wurde die Schlüsselrolle deutlich, die das Land für den geplanten Neubau spielt. Bei der Finanzierung, aber auch bei Fragen wie: Müssen die bestehenden Kliniken im Fall eines Neubaus Fördermittel zurückerstatten? Können die 100 Millionen Euro, die das Land bereits für den ins Stocken geratenen Klinikneubau in Wilhelmshaven gewährt hat, auf das neue Projekt umgelenkt werden? Antworten auf diese Fragen werden aus Hannover Anfang März erwartet.
Auch mit der Standortsuche soll es jetzt zügig voran gehen. Mit der Identifikation sowie der fachlichen und wirtschaftlichen Bewertung möglicher Standorte wolle man „bis zur Sommerpause durch sein“, sagte Wilhelmshavens Kämmerer Bruns. Ob sich dieser Empfehlung dann eine politische Entscheidung über den Standort des Zentralklinikums noch vor der Kommunalwahl im September anschließt, bleibt abzuwarten.
Friesland/Wangerland (18. 2. 2026) – Am 23. April ist bundesweit Girls’Day – der Tag, an dem Frauen Berufe kennenlernen können, in denen sie bisher unterrepräsentiert sind. Die SPD-Bundestagsfraktion lädt politisch interessierte junge Frauen zwischen 16 und 18 Jahren nach Berlin ein, um ihnen Einblicke in den Arbeitsalltag von Politikerinnen zu geben. Sie lernen auch kennen, welche Jobs es im Umfeld der Abgeordneten gibt.
„Der Girls‘ Day leistet einen wichtigen Beitrag für mehr Chancengerechtigkeit von Mädchen und Frauen in der Ausbildung und im Erwerbsleben. Auch in der Politik sind Frauen noch immer unterrepräsentiert,“ so die hiesige SPD-Bundestagsabgeordnete Siemje Möller.
Die jungen Frauen können bei einer Sitzung des Bundestags dabei sein und das Reichstagsgebäude kennenlernen. Im Rahmen eines Planspiels erleben sie, wie ein Gesetzentwurf eingebracht und wie ein Gesetz verabschiedet wird und in Kraft tritt. Von Abgeordneten erfahren sie, wie diese ihren Weg gefunden haben und was man für ein Engagement in der Politik mitbringen sollte.
Interessierte aus Friesland, Wilhelmshaven und Wittmund können sich bis zum 15. März per Mail mit einem kurzen Motivationsschreiben an siemtje.moeller.wk@bundestag.de bewerben.
Hooksiel (17. 2. 2026) – Großer Bahnhof im Künstlerhaus Hooksiel. Rund 50 Kunstinteressierte verfolgen die Eröffnung der Winterausstellung. Bis Sonntag, 15. März, stellen mit Uta Grams (Wangerland), Gaby Skudelny-Furth (Wilhelmshaven) und Birgit Luiken (Grafschaft) drei Künstlerinnen aus der Region ihre Arbeiten aus. Die Ausstellung ist jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Renate Janßen-Niemann (2. von links) eröffnete die „Winterausstellung“ im Künsterlhaus Hooksiel, in der Werke und Arbeiten von (von links) Gaby Skudelny-Furth, Uta Garms und Birgit Luiken zu sehen sind. Foto: hol
Uta Grams, die bereits 2017 einmal im Künstlerhaus ausgestellt hat, präsentiert beeindruckte Skulpturen, die sie aus verschiedensten Rohsteinen herausarbeitet. Als Grundmaterial verwendet sie unter anderem Serpentin aus Spanien, Springstone aus Simbabwe oder Alabasta aus Italien. „Jeder Stein hat ein Wesen“, verriet Uta Grams. Ihr Ziel als Künstlerin sei es, dieses Wesen zu erkennen und in der Form der Skulptur zum Leben zu erwecken. Im Ergebnis entstehen formschöne und ausdrucksstarke Körper in unterschiedlichen Färbungen.
Emotionale Kunst
Für Gaby Skudelny-Furth ist Kunst Ausdruck ihres Inneren. „Was ich male, kann ich vorher gar nicht sagen“, verriet die Wilhelmshavenerin. Zu sehen sind an den Wänden des Künstlerhauses farb- und ausdrucksstarke Bilder von Landschaften, der Küste, dem Meer – und von wunderschönen Blumen. „Ich mag meine Bilder“, sagte Gaby Skudelny-Furth. Und viele im Raum konnten das nachvollziehen.
Erste Ausstellung
Ihre erste Ausstellung überhaupt präsentiert in Hooksiel Birgit Luiken. Als Straßen-Fotografin ist sie mit ihrer Kamera unter anderem in Oldenburg unterwegs, um Szenen einzufangen, deren tiefere Bedeutung der Betrachter oft erst auf dem zweiten Blick wahrnimmt. Die Fotos werden am Computer nachbearbeitet und um Schriftzüge ergänzt. „Dafür nehme ich meist Überschriften aus dem ,Sonntagsblatt’“, verriet Birgit Luiken. Im Ergebnis entstehen kleine, oft zeitkritische Collagen, die den Betrachter zum Nachdenken anregen.
Künstlerhaus-Leiterin Renate Janßen-Niemann unterstrich den ganz eigenen Wert der Winterausstellungen im Künstlerhaus, bei der regionalen Kunst im Fokus steht. Eine weitere Besonderheit: Da die Künstlerinnen ihre Ausstellung während der Öffnungszeiten selbst betreuen, stehen sie den Besuchern dann vor Ort als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Der gute Zulauf gerade dieses Formats sorge dann auch für ein Belebung des Ortskerns von Hooksiel im Winter.
Wangerland (16. 2. 2026) – Der Landkreis Friesland und die Stadt Wilhelmshaven wollen als Träger der „Friesland Kliniken“ und des „Klinikums Wilhelmshaven“ in dieser Woche den nächsten Schritt in Richtung den Bau eines Zentralklinikums gehen. Auf einer gemeinsamen Sitzung von Kreistag und Rat der Stadt soll am Mittwoch, 18. Februar, der Fahrplan für die Suche nach einem geeigneten Standort für das Großkrankenhaus beschlossen werden.
100 Millionen Euro hat das Land Niedersachsen bereits für den Teilneubau des Klinikums Wilhelmshaven bewilligt. Zu sehen ist von dem Projekt bislang nur eine Baugrube. Offen ist, inwieweit die Förderung auf den Bau eine Zentralklinikums übertragen werden kann. Foto: hol
Sitzung in Horumersiel
Im Kern geht es um den Auftrag für Fachgutachten, die die Suche nach einen optimalen Standort und die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit des Projektes wissenschaftlich absichern sollen. Die öffentliche Sitzung beginnt um 15 Uhr im Kursaal in Horumersiel.
Neben den beiden vorhandenen Klinik-Standorten sollen die Gutachter zumindest ein weiteres, mindestens neun Hektar großes, möglichst gut erschließbares Grundstück identifizieren, das von den Patientinnen und Patienten in Wilhelmshaven und Friesland in maximal 30 Minuten zu erreichen wäre. Die Zentralität ist das wichtigste Kriterium bei der Standortsuche, aber nicht das einzige. Hinzu kommen eine Fülle von Fragen zur Wirtschaftlichkeit und zur Förderfähigkeit des Großprojektes.
Offene Fragen zu Fördergeldern
Beide Krankenhaus-Gesellschaften belasten die Haushalte ihrer Trägerkommunen aktuell jährlich mit Zuschussbedarfen in Höhe von mehreren Millionen Euro. Dennoch dürfte es auch von den Rahmenbedingungen von Seiten des Bundes und des Land abhängen, ob sich Friesland und Wilhelmshaven einen mehrere Hundert Millionen Euro teuren Neubau leisten können.
Eine Frage, die dabei zu klären sein wird: Inwieweit können die 100 Millionen Euro, die das Land Niedersachsen bereits für den Teilneubau des Klinikums Wilhelmshaven bewilligt hat, auf ein neues Projekt übertragen werden? Eine andere: Müssen Fördergelder, die bereits für Projekte in den bestehenden Kliniken ausgezahlt wurden, wieder zurückgezahlt werden, wenn der jeweilige Standort zugunsten eines Zentralklinikums aufgeben wird?
Sind Gutachten verbindlich?
Unabhängig von den fachlichen Fragen gibt es im Oberzentrum Wilhelmshaven und im bevölkerungsstärkenen Friesland politische Kräfte, die das Zentralklinikum jeweils für ihre Kommune reklamieren. Unklar ist vor diesem Hintergrund, welche Verbindlichkeit der Standortsuche zukommt. Die Sorge zum Beispiel von Oberbürgermeister-Kandidatin Dr. Eva-Maria Haarmann: „Was passiert, wenn einem der beiden Auftraggeber das Ergebnis der Gutachter nicht gefallen sollte? Beginnen wir dann von vorne?“