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Beiträge veröffentlicht in “Entwicklungsplanung”

AWV: Stadt Wilhelmshaven soll Weg für Energiepark ebnen

Wilhelmshaven/Hooksiel (15. 1. 2025) – Der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade (AWV) fordert die Stadt Wilhelmshaven auf, die Bauleitplanung für die Entwicklung eines Energieparks auf dem Voslapper Groden zügig voranzutreiben. Derzeit beschäftigen sich die kommunalen Gremien des Rates der Stadt mit den notwenigen Änderungen des Flächennutzungs- und Bebauungsplanes sowie der Naturschutzregelungen. 

So könnte einer der wichtigen Bausteine des TES-Energieparks auf dem Voslapper Groden-Nord aussehen: Ein Terminal für den Import von LNG und anderen verflüssigten Gasen gepaart mit einem Anleger für den Export von CO2. Grafik: TES

Der einst für industrielle Zwecke aufgespülte Voslapper Groden-Nord in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hooksiel ist als EU-Vogelschutzgebiet eingestuft. Ein Konsortium um das Unternehmen Tree Energy Solutions (TES) will hier am tiefen Fahrwasser der Jade unter anderem Anlage schaffen, die den Import und die Weiterverarbeitung von so genannten „grünen Gasen“ ermöglichen, die als wesentlicher Baustein für die Energiewende gelten.

Milliarden-Investition

Die Investoren wollen nach eigenen Angaben mehrere Milliarden Euro investieren. Zu den geplanten Komponenten gehört neben dem Import von verflüssigten Gasen die Produktion von Wasserstoff und der Export von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) zum Beispiel in Richtung von Lagerstätten unter der Nord- und Ostsee. Der Energiepark soll 2030 mit seinen Betrieb starten und nach und nach weiter ausgebaut werden. 

Der AWV unterstützt das Projekt. Es sei ein Beitrag zur langfristigen Sicherung von Beschäftigung, Wertschöpfung und Investitionsfähigkeit in der Region. Als Energie- und Logistikdrehscheibe, als sicherheitsrelevanter Standort und als industrieller Anker im Nordwesten nehme Wilhelmshaven eine herausgehobene Stellung ein. „Die Stadt ist bereits heute Teil der kritischen Infrastruktur dieses Landes“, so AWV-Präsident Tom Nietiedt. „Energie kommt hier an, Sicherheit wird hier gewährleistet und Versorgung wird hier organisiert. Investitionsentscheidungen sind dabei auf verlässliche Rahmenbedingungen, Flächenverfügbarkeit und Planungssicherheit angewiesen. Verzögerungen oder Verlagerungen schwächen den Standort nachhaltig.“

Perspektive für die Stadt

Die Entwicklung der Grodenflächen sei eine Voraussetzung für die langfristige wirtschaftliche Perspektive der Stadt. Sie diene nicht einzelnen Unternehmen, sondern schaffe die planerische Grundlage für Ansiedlungen, Wertschöpfung, Beschäftigung und industrielle Entwicklung. „Ohne verfügbare und zusammenhängende Flächen sind diese Perspektiven für zukünftige Generationen nicht realisierbar“, ist der AWV überzeugt. 

Der Verband mit mehr als 420 Mitgliedsunternehmen pocht auf zügige Beschlüsse der städtischen Gremien. Man erkenne an, dass die Entwicklung in bestehende Natur- und Landschaftsräume eingreife. Daher erfordere das Projekt eine rechtlich geprüfte Abwägung, umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen sowie langfristige ökologische Begleitung. Ziel müsse es sein, wirtschaftliche Entwicklung und Naturschutz miteinander zu verbinden, so der AWV.

Ein Verschieben von Entscheidungen sei keine Lösung, zumal damit nach Ansicht von AWV-Vizepräsident Thomas Bruns das Risiko einher gehe, dass die notwendigen Entwicklungen andernorts realisiert werden.

Kritik von Naturschützern

Die finale Entscheidung des Rates der Stadt über die Bauleitplanung ist für den 21. Januar vorgesehen. Umwelt- und Naturschutzverbände sehen die Pläne mit Blick auf die Folgen für das Naturschutzgebiet und den dort lebenden seltenen Vogelarten kritisch. Die Ratsgruppe „Gemeinsam Bunt“ erwägt rechtliche Schritte, fordert aber zumindest eine Verschiebung der Entscheidung. 

Schule fällt am Montag aus

Friesland (11. 1.2026)- Aufgrund der Wetterlage fällt der Präsenzunterricht an allen Schulen in Friesland (auf dem Festland) am Montag, 12. Januar, aus. Das hat der Landkreis am Nachmittag angekündigt.
Die Regelung gilt für alle allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen. Auch die Stadt Wilhelmshaven hat den Schulbetrieb für Montag abgesagt. Die Behörden rechnen mit Tauwetter. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Eisregen.

Nebelhörner trotz Radar wichtiger Sicherheitsfaktor

Hooksiel (11. 1. 2026) – Die einen nervt es. Für die anderen gehört das Tuten der Nebelhörner zum Leben an der Küste einfach dazu. Nebelhörner sollen bei schlechter Sicht das Befahren der Jade sicherer machen.

Die Betreiber der Verladebrücken in der Jade sind verpflichtet, bei schlechter Sicht Nebelhörner in Betrieb zu nehmen. Archiv-Foto: hol

Erst immer wieder dichter Nebel. Dann das Schneetreiben. „Tut, tut, tut“ – und das über Stunden. Die tieftönigen Warnsignale von der Wasserseite sind auch im Ortskern von Hooksiel gut zu vernehmen. Die Frage einer Neu-Bürgerin: „Was soll das? Die Schiffe haben doch alle Radaranlagen?“

Nicht alle. Stephan Hellwig, Fachbereichsleiter Schifffahrt beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Weser-Jade-Nordsee, weist im Gespräch mit „Hooksiel-life“ darauf hin, dass auf der Jade selbst bei schlechter Sicht auch kleinere Boote und Sportschiffer unterwegs sind, die nicht unbedingt über Radaranlagen verfügen. Und auch für größere Schiffe seien die akustischen Signale ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor.

Das WSA ist als Aufsichtsbehörde für die Nebelhörner verantwortlich, die auf den Verladebrücken in der Jade installiert sind – etwas an den LNG-Terminals, bei der HES-Brücke oder auch beim NWO-Anleger. Diese Alarmanlagen seien Teil der Genehmigungsbescheide für den Betrieb der Anlagen und müssten insofern von den Betreibern der Brücken vorgehalten werden. Ausgelöst werden sie meist über automatische Sichtweitenmess-Sensoren. Anhand ihrer Tonfolge seien dann einzelne potenzielle Hindernisse in Fahrwassernähe identifizierbar.

Etwas anderes sei es, so Hellwig, wenn – wie zum Beispiel am Silvesterabend – Kapitäne von in der Jade liegenden Schiffen Signale abgeben. „Das hat weniger mit dem Thema Sicherheit zu tun. Aber zum Jahreswechsel ist das international Tradition.“ 

Unterstützung für Rettung des Vynova-Chemiewerks

Wilhelmshaven/Wangerland (8. 1. 2026) – Die Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller hat politische Unterstützung für das in finanzielle Schieflage geratene Vynovo-Chemiewerk vor den Toren Hooksiels angekündigt. Die SPD-Politikerin besuchte die Vynova Wilhelmshaven GmbH, die im Dezember einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Dabei tauschte sie sich im Gespräch mit Dr. Benno Krüger (Standortleiter), Petra Tjardes (Personal- und Communication Managerin) und Volker Neumann (Betriebsratsvorsitzender) über die aktuelle Lage aus. 

Sehen trotz der aktuell schwierigen Lage Entwicklungspotenziale für die insolvente Vynova Wilhelmshaven GmbH: (von links) Betriebsratsvorsitzender Volker Neumann, die SPD-Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller, Personalchefin Petra Tjardes und Standortleiter Dr. Benno Krüger. Foto: Lena Gronewold

„Vynova steht exemplarisch für viele chemische Unternehmen, die derzeit unter massiven Kosten- und Marktdruck geraten. Insbesondere in unserer Region müssen wir aber alles daransetzen, Unternehmen wie dieses zu unterstützen und Industriearbeitsplätze zu sichern“, sagte Möller. Die Menschen hier würden seit Jahren engagierte Arbeit unter schwierigen Marktbedingungen leisten. „Um so wichtiger ist es, dass die Politik an ihrer Seite steht.“

„Wir müssen jetzt die Weichen stellen“

Möller betonte, dass sie im aktuellen Verfahren auch Chancen für die Region, das Unternehmen und die Belegschaft sehe. Standortleiter Krüger: „Wir müssen jetzt die Weichen stellen für eine starke norddeutsche Chemieindustrie und den Erhalt wichtiger Wertschöpfungsketten. Unser Standort hier in Wilhelmshaven bietet zahlreiche Vorteile und Entwicklungspotenziale für weitere Ansiedlungen der Chemischen Industrie wie auch der Energiegewinnung.“ Gemeinsam müsse man jetzt alles daransetzen, diese Potenziale zu heben.

Belegschaft will kämpfen

Betriebsratsvorsitzender Volker Neumann wies eindringlich auf die Bedeutung der Industriearbeitsplätze für die Region hin. Bei Vynovo sind rund 365 Menschen beschäftigt. Zudem sichert das Unternehmen durch Aufträge zahlreiche weitere Arbeitsplätze in der Umgebung. „Die Belegschaft hat in den letzten Jahren viel einstecken müssen“, so Neumann. „Trotz aller Unsicherheiten stehen wir aber zusammen und wollen gemeinsam für unseren Standort kämpfen. Wir blicken optimistisch auf das Entwicklungspotenzial und setzen uns gemeinsam für den Erhalt unserer Arbeitsplätze ein.“

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Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer besteht seit 40 Jahren

Wangerland/Wilhelmshaven (2. 1. 2026) – Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer feiert einen runden Geburtstag. Mit Jahresbeginn 1986 trat die entsprechende Verordnung zur Einrichtung des ersten Nationalparks im Land in Kraft.

Wattwanderung
Seit 40 Jahren Nationalpark und heute Weltnatdurerbe: Das Niedersächsische Wattenmeer. Archiv-Foto: Mira Hohmann

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer: „Das Wattenmeer ist ein Schatz von internationaler Bedeutung, den es zu schützen und zu bewahren gilt. Mit dem Nationalpark schützen wir nicht nur seltene Tier- und Pflanzenarten, sondern erhalten auch eine einzigartige Naturlandschaft für Millionen Zugvögel.“ 

Festveranstaltung in Wilhelmshaven

Das 40-jährige Bestehen des Nationalparks soll unter dem Motto „Nationalpark wirkt“ im Laufe des Jahres vielfach gefeiert werden. Der offizielle Festakt ist für Freitag, 6. Februar in Wilhelmshaven mit Ministerpräsident Olaf Lies und Umweltminister Christian Meyer geplant. Öffentliche Geburtstagsfeiern mit verschiedenen Angeboten sollen am Wochenende 4. und 5. Juli von den 18 Nationalpark-Informationseinrichtungen am Wattenmeer veranstaltet werden. 

Meyer erinnert in einer Erklärung daran, das vor 40 Jahren die Gründung des Nationalparks hoch umstritten war. Aber, so der Minister: „Die Natur vor dem Deich entlang der gesamten niedersächsischen Küste umfassend unter Schutz zu stellen, hat sich zu einer besonderen Erfolgsgeschichte entwickelt. Davon profitieren Tiere, Pflanzen und Menschen gleichermaßen.“ Das heute als Unesco-Weltnaturerbe eingestufte Wattenmeer ziehe jährlich Millionen Besucherinnen und Besucher nach Niedersachsen. 

Große Herausforderungen

Gleichzeitig stehe das Wattenmeer vor großen Herausforderungen. „Die Folgen der Klimawandels, der steigende Meeresspiegel, das Verschwinden von Seegrasflächen, die Biodiversitätskrise, die Umweltverschmutzung etwa mit Plastikmüll, der steigende Schiffsverkehr gerade auch von Öl- und LNG-Gastankern aber auch die geplanten Gasförderungen am Rande des Nationalparks bedrohen eine einzigartige Natur“, so der Minister. „Hinzu kommt ein gestiegener Nutzungsdruck durch Schifffahrt, Infrastruktur, Trassen, Küstenschutz, Landschaftsverlust, Fischerei und Tourismus. Sie alle machen deutlich, wie wichtig ein starker Nationalpark gerade heute ist. Er ist ein Schutzschild für die Natur und ein Frühwarnsystem für ökologische Veränderungen.“

Modellregion für Nachhaltigkeit

Mit einer Fläche von rund 3.450 Quadratkilometern ist der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer der zweitgrößte deutsche Nationalpark. Er bildet die Kernzone des Unesco-Biosphärenreservats Niedersächsisches Wattenmeer – einer Modellregion für nachhaltige Entwicklung – und ist Teil des länderübergreifenden Unesco-Weltnaturerbes Wattenmeer. Mit seinen tidebeeinflussten Wattflächen, Sandbänken, Stränden, Dünen und Salzwiesen ist es eine der hinsichtlich der Biomasse produktivsten Regionen der Erde. Rund 10.000 Pflanzen- und Tierarten leben hier, teilweise in millionenfacher Individuenzahl. Zudem ist es eines der wichtigsten Rastgebiete für Zugvögel weltweit mit jährlich zehn Millionen Zugvögeln, die hier Station machen.

Hooksielerin startet mit 40 neue Karriere bei der Bundeswehr

Hooksiel (30. 12. 2025) – Marina Doyen erfüllt sich einen Lebenswunsch. Die Hooksielerin orientiert sich beruflich um. Die medizinische Fachangestellte wechselt aus der Hausarztpraxis im Ort zur Bundeswehr und absolviert ab dem 7. Januar in Feldkirchen bei Straubing eine dreimonatige Grundausbildung. Danach, so der Plan, geht es zum Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst „Ostfriesland“ in Leer.

„Eigentlich dachte ich, ich wäre für den Schritt schon zu alt“, schildert die 40-Jährige (Foto) gegenüber „Hooksiel-Life“. Aber in einem Gespräch habe eine Soldatin ihr Mut gemacht, sich zu bewerben. „Fachkräfte wie du werden mit Kusshand genommen …“. Genau so kam es.

Die Bundeswehr sucht dringend zusätzliches Personal. Um 80.000 Soldatinnen und Soldaten sollen die Streitkräfte in den nächsten Jahren aufwachsen, um in der Lage zu sein, Deutschland und seine Verbündeten verlässlich verteidigen zu können. 

Einstellungstest

Nach einem ersten Einstellungstest wurde die Hooksielerin zu Gesprächen ins Karrierecenter der Bundeswehr in Wilhelmshaven eingeladen. An zwei Tagen werden hier Bewerber auf Herz und Nieren geprüft – im medizinischen Sinne, aber auch hinsichtlich ihrer Motivation, Qualifikation, ihres Wissens und logischen Denkvermögens, ihrer Fitness und so weiter. 

Am Ende steht die Einstufung für einen möglichen Karriereweg. Bei Marina Doyen war es die Feldwebel-Laufbahn. „Für ein Offizierslaufbahn war ich dann doch schon zu alt“, sagt die verheiratete Mutter eines 16-jährigen Sohnes, die stolz auf „ihre beiden Männer“ zu Hause ist, die ihr den Rücken für die ungewöhnliche Weichenstellung gestärkt haben. „Wenn das dein Traum ist, dann musst du es machen.“

Lebenswunsch geht in Erfüllung

Schon mit Anfang 20 habe sie eigentliche zur Bundeswehr gehen wollen, schildert Marina Doyen. Damals habe sie sich umentschieden, weil sie schwanger wurde. Es folgte eine Ausbildung in einer Kinderarztpraxis in Wilhelmshaven und vor einigen Jahren der Wechsel in die Hausarztpraxis in Hooksiel. Obwohl ihr auch diese Arbeit Spaß gemacht habe, sei der Wunsch Bundeswehr geblieben. 

Ein Uniform zu tragen, ist für die angehende Sanitäts-Soldatin kein Problem. Auch den körperlichen Anforderungen in der Grundausbildung samt Exerzier- und Schießübungen sieht sich die sportliche Frau gewachsen. Danach warten auf sie eine Fülle von Lehrgängen, bei denen ihr ihre medizinischen Vorkenntnisse zum Teil angerechnet werden. 

Einsätze im Ausland

Marina Doyen ist klar, dass ein Sanitätseinsatz in einem Krisen- oder Konfliktfall anders aussehen kann, als ein Impfeinsatz in Hooksiel. Auch Auslandsverwendungen sind für Sanitäter keine Ausnahme. „Ich gehe schon davon aus, dass ich meine Dienstzeit nicht ausschließlich in der Kaserne verbringen werde“, sagt die Hooksielerin. „Aber ich habe mal meinen Beruf gewählt, weil ich helfen will, wo Hilfe benötigt wird.“ Hinzu komme, dass diese Hilfe beim Bund besser bezahlt wird als in Arztpraxen.

Für 15 Jahre verpflichtet

Aktuell packt Marine Doyen ihre Sachen für den dreimonatigen Kasernenaufenthalt in Bayern, lernt Dienstgrade und Nato-Alphabet auswendig und schmöckert im „Reiber“, einem Handbuch mit zahllosen Tipps für deutsche Soldaten. Für ihre Feldwebel-Laufbahn hat sie sich als Soldatin auf Zeit für 15 Jahre verpflichtet. „Ich kann sogar noch Berufssoldatin werden“, sagt Marina Doyen, die sich auf die Herausforderungen spürbar freut. Und was, wenn der Dienst beim Bund ihren Erwartungen doch nicht entsprecht? „Auch kein Problem. Ich habe eine halbjährige Probezeit.“ 

Schutzgemeinschaft setzt auf moderne Deiche und Schöpfwerke

Varel/Wangerland (29. 12. 2025) – Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) hält nichts von Überlegungen, mit Blick auf den Anstieg des Meeresspiegels Lebensräume im Binnenland aufzugeben. Der 1973 gegründete Umweltschutz-Dachverband mit Sitz in Varel engagiert sich partei-übergreifend für den Schutz der Nordsee als Lebens-, Wirtschafts- und Naturraum. Er versteht sich als Sprachrohr für rund 200 Kommunen, Landkreise, Naturschutzvereine, Institute, Verbände und Einzelmitglieder. 

Campingplatz Hooksiel unter Wasser
Landunter bei Sturmfluten. Dennoch gibt es nach Überzeugung der Umweltschutzorganisation SDN trotz eines weiter ansteigenden Meeresspiegels keinen Grund, tiefer gelegene Gebiete in Küstennähe aufzugeben. Archiv-Foto: hol

Die SDN reagiert mit ihrer Erklärung auf eine Forderung beiden Berliner Institutionen DMG (Deutsche Meteorologische Gesellschaft) und DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft), die angeregt hatten, darüber nachzudenken, angesichts der „eskalierenden Klimakrise“ tiefer liegende Küstenregionen an Nord- und Ostsee aufzugeben. 

Moderne Deiche sind wehrhaft

Angesichts der modernen Deiche, die auch bei schweren Sturmfluten wehrhaft seien, gebe es keinen Grund dafür, dass der Mensch sich aus „tiefer liegenden Küstenregionen“ vollständig zurückziehen muss, stellt der 2. Vorsitzende der SDN, Ulrich Birstein, fest. „Die Gefahr kommt heute eher durch Binnenhochwässer und die mangelnde Bereitschaft, in Schöpfwerke an den Auslaufbauwerken in der Deichlinie zu investieren“, ergänzt Bauingenieur und SDN-Vorstandsmitglied Marcus Rudolph.

Nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren sei der Meeresspiegel weltweit innerhalb von 2000 Jahren um etwa 65 Meter angestiegen. Damals sei langsam das heutige Nordseebecken entstanden. Vor rund 1000 Jahren habe der Mensch damit begonnen, die Küsten der Nordsee dauerhaft zu besiedeln, indem er mit dem systematischen Deichbau begann. Dieses Bemühen seien jedoch immer wieder von verheerenden Sturmfluten gestört worden.

Immer wieder Flutkatastrophen

Als „beispielhaft“ verweisen die SDN-Fachleute auf „Weihnachtsflut“ in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 1717, bei der über 11.000 Menschen und abertausende Tiere ertranken sowie über 4000 Häusern zerstört wurden. Aber, so Rudolph: „Die Menschen haben dazugelernt. Die modernen Deichlinien des ,Goldenen Ringes‘ sind wehrhaft auch gegenüber schweren Sturmfluten.“

Selbst bei den schweren Sturmfluten 1976 und 2013, bei denen das Wasser deutlich höher aufgelaufen sei als bei der Julianenflut 1962, habe es an den Deichlinien nur vergleichsweise geringe Schäden gegeben. Das sei ein Verdienst der Arbeit der Ehrenamtlichen und der staatlichen Stellen in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig Holstein, die sich um die Deichsicherung kümmern. „Heute ist das Leben hinter den Deichen so sicher wie nie in der Vergangenheit“, so Rudolph.

Über zweite Deichlinie nachdenken

Dennoch müsse der Meeresspiegel-Anstieg, der laut Forschungsstelle Küste im NLWKN, durchschnittlich 2,5 Millimeter pro Jahr betrage, im Blick behalten werden. Nach Ansicht des SDN sollte zügig damit begonnen werden, die Deichlinien weiter zu verstärken, Kleilagerstätten für zukünftige Deichbaumaßnahmen vorzuhalten und an besonders gefährdeten Deichabschnitten über eine zweiter Deichlinie nachzudenken. 

Ärztlicher Bereitschaftsdienst am Klinikum auch fürs Wangerland

Wilhelmshaven/Friesland (27. 12. 2025) – Das Fieber steigt! Die Halsschmerzen nehmen! Der Blutdruck schwankt bedenklich! Und das ausgerechnet am Wochenende. Ein Blick in die Zeitung: Welche Praxis hat Notdienst? Rein ins Auto, hin zur Arztpraxis. Und, mit ein bisschen Glück, ist das ungute Gefühl nach einem kurzen Gespräch beseitigt.

Jeverländer, die an Wochenende oder nach Feierabend der ärztlichen Praxen medizinischen Rat benötigen, müssen sich künftig an die zentrale Bereitschaftsdienst-Praxis am Klinikum Wilhelmshaven wenden. Archiv-Foto: hol

Was über Jahrzehnte gängige Praxis in weiten Teilen Frieslands war, ändert sich jetzt. Ab Januar gibt es keine niedergelassenen Bereitschaftsdiensts-Praxen im Landkreis mehr. Wie die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) mitteilt, müssen Patientinnen und Patienten aus ganz Friesland künftig – wie bislang schon die Wilhelmshavener und Sander – außerhalb der Praxen-Öffnungszeiten die zentrale Bereitsschaftsdienst-Praxis am Klinikum Wilhelmshaven aufsuchen. 

Versorgung auf hohem Niveau

„Für auftretende Beschwerden in den Abendstunden sowie an Wochenenden und an Feiertagen ist die Bereitschaftsdienst-Praxis am Klinikum Wilhelmshaven als fester Anlaufpunkt für die Patienten etabliert und bietet eine zuverlässige Versorgung auf hohem Niveau“, sagt Matthias Abelmann, Bezirksausschuss-Vorsitzender der KVN-Bezirksstelle Wilhelmshaven. „Damit entfällt die Suche nach der geöffneten Arztpraxis am Wochenende.“

Die Suche nach Ärzten, die Bereitschaftsdienste anbieten, wurde ohnehin zunehmend problematischer. Wie Klaus-Peter Schaps, niedergelassener Facharzt in Wilhelmshaven und Vorsitzender des Ärzteverein Wilhelmshaven-Friesland der Ärztekammer Niedersachsen gegenüber „Hooksiel-life“ schildert, werde es immer schwieriger, Mediziner für die Bereitschaftsdienste zu begeistern. 

Ärzteschaft ganz glücklich

„Insgesamt ist die Ärzteschaft ganz glücklich mit der Änderung der Bereitschaftsdienst-Ordnung“, ist Schaps überzeugt. „Es war ohnehin nur noch einem Hand voll Kollegen, die diese Dienste gemacht haben. Die Ärzte fühlen sich entlastet. Und das ist wichtig. Der Fachkräftemangel schlägt inzwischen auch bei den Hausärzten durch. Nachfolger für eine Praxis findet man aufgrund der Arbeitsdichte und der hohen Bürokratielast so gut wir gar nicht mehr.“ 

Finanzielle Einbußen müssten die Mediziner durch die Reform nicht fürchten. Wer gern als niedergelassener Arzt weiter Nebendienste machen möchte, könnte sich bei den Johannitern einstellen lassen. Die Johanniter organisieren für die KVN den zentralen Bereitschaftsdienst. „Auch die Patienten haben die Regelung inzwischen weitgehend akzeptiert“, so Schaps. „Wir hatten mit deutlich mehr Gegenwehr gerechnet.“

Lies: „Nicht hinnehmbar“

Gegenwehr kommt aber aus der Politik. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), zugleich direkt gewählter Landtagsabgeordneter im Landkreis Friesland, kritisiert die KVN-Reform der Bereitschaftsdienstes als „nicht hinnehmbar“. Die Entscheidung sei „über die Köpfe der Menschen hinweg“ gefallen

Lies wirft der KVN vor, die Reform ohne ausreichende Einbindung der politischen Entscheidungsträger und betroffenen Kommunen vorangetrieben zu haben: „Eine so grundlegende Veränderung der regionalen medizinischen Versorgung darf nicht im Alleingang beschlossen werden.“ Mit der Schließung der bisherigen Bereitschaftsdienst-Praxen im Bereich Varel-Jade-Friesische Wehde sowie dem Wegfall der dezentralen Dienste in Jever, Schortens und dem Wangerland werden nach Ansicht von Lies viele Menschen künftig deutlich längere Wege in Kauf nehmen müssen. 

Wirtschaftsminister Olaf Lies

Lies (Foto) bemängelt zudem, dass die Entscheidung ohne Abstimmung mit den regionalen Krankenhäusern gefallen sei. Die KVN müsse zurück an den Tisch. „Wir brauchen Transparenz, Mitbestimmung und Lösungen, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.“

Unterstützt wird Lies von Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD). „Die KVN hat vor der Verkündung der Reform keinen Kontakt zum Landkreis Friesland gesucht. Bei einem so wichtigen Aspekt der gesundheitlichen Versorgung in der Region sollte es im Vorfeld gemeinsame Gespräche geben, bevor einseitige Entscheidungen verkündet werden.“ 

Krankschreibung vom Telearzt

Die Bereitschaftsdiensts-Praxis am Klinikum Wilhelmshaven ist künftig Anlaufpunkt für die Einwohner der Städte Wilhelmshaven, Varel, Schortens und Jever und den Gemeinden Sande, Wangerland, Zetel, Bockhorn und Jade. Die Praxis wird montags bis freitags von 20 bis 21 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 12 sowie von 20 bis 22 Uhr geöffnet haben. 

Unter der zentralen Rufnummer 116 117 ist der Bereitschaftsdienst telefonisch erreichbar, wenn die Arztpraxen geschlossen sind.

Dies gilt montags, dienstags und donnerstags ab 19 Uhr, am Mittwoch und Freitagnachmittag ab 15 Uhr und samstags, sonntags und feiertags ab 8 Uhr bis jeweils 7 Uhr des folgenden Tages. 

„Patientinnen und Patienten, bei denen eine zeitnahe Behandlung notwendig ist und keine Weiterleitung in eine KVN-Bereitschaftsdienst-Praxis möglich erscheint, werden künftig obligatorisch telemedizinisch durch eine Ärztin oder Arzt betreut“, erläutert Abelmann. Dies geschehe telefonisch oder per Videostream innerhalb von 30 Minuten nach dem Anruf bei der 116 117. Die Telemediziner könnten auch ein elektronisches Rezept und eine elektronische Arbeitsunfähigkeit-Bescheinigung ausstellen. „Auch der medizinische Fahrdienst bleibt erhalten, wird aber gezielter und ausschließlich auf ärztliche Anordnung durch die Teleärztin oder den Telearzt ausgelöst“, so der KVN-Bezirksvorsitzende. 

KVN vertritt Ärzteschaft

Die KVN ist die Interessenvertretung der rund 14.700 niedergelassenen Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten in Niedersachsen. Sie sichert die flächendeckende medizinische Versorgung für die rund acht Millionen Einwohner in Niedersachsen rund um die Uhr, kontrolliert die Qualität der medizinischen Leistungen und legt gemeinsam mit den Krankenkassen das Leistungsspektrum und die Honorierung der Vertragsärzte fest.

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„Hooksiel-Life“ wünscht ein Frohes Weihnachtsfest!

Von Gerd Abeldt

Es ist wieder so weit. Weihnachten. Erneut kein Schnee. Aber immerhin ist es kalt. Und am Abend irgendwann soll der Weihnachtsmann kommen. Mit Bescherungen.

Auch das noch. Bescherungen. Hatten wir davon im ablaufenden Jahr nicht schon genug? Die Welt brennt. Krieg, Gewalt, Hunger und Armut überall. Selbst unsere Wohlstandsblase Deutschland scheint bedroht. Auch das Wangerland ist betroffen, sogar Hooksiel.

Unsicherheiten und Ängste

Die schlechte Nachricht des Jahres: Die Wangerland Touristik GmbH ist insolvent. Die Versuche, das gemeindeeigene Unternehmen in Eigenregie zu retten, werden Spuren hinterlassen. Der Campingplatz in Hooksiel ist an private Investoren verkauft. Das Ende des Meerwasser-Hallenwellenbades scheint besiegelt. Und was aus dem Gästehaus wird, steht in den Sternen …

Vieles bei der kommunalen Tourismus-Tochter wird sich verändern. Ob für Gemeinde, Bürger und Gäste zum Besseren oder zum Schlechteren muss sich erweisen. Betroffen sind auf jeden Fall eine ganze Reihe von Beschäftigten der WTG, denen bereits gekündigt wurde. Obwohl sie einen guten Job gemacht haben, zum Teil über Jahrzehnte. Das löst Unsicherheiten aus, auch Ängste. Schöne Bescherung.

Wir wünschen uns allen gegenseitig „Frohe Weihnachten“. Es ist schwer, sich über Weihnachten zu freuen, wenn man nicht weiß, wie der Alltag danach aussieht. 

Wunder sind möglich

Und dennoch: Weihnachten ist das Fest der Hoffnung. Die Christenheit glaubt an das Wunder der jungfräulichen Geburt, an die Versöhnung der Mächtigen an der Krippe von Jesus. Lasst uns die Zuversicht behalten, dass am Ende alles gut werden kann. Auch wenn es dazu ab und zu mal Wunder braucht. 

Zumindest wir in Hooksiel haben Grund dazu. Wir leben in einem schönen Ort, in dem auch viele andere gern leben möchten; zumindest zeitweise. Wir haben eine gute Infrastruktur – Schule, Kindergarten, Arztpraxen, Apotheke, Geschäfte, Tankstelle, Gastronomie, Sport- und Freizeitangebote. Ebenso wichtig: Viele Hooksieler engagieren sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl, bei den Kirchen und sozialen Institutionen, in Vereinen, in Arbeitsgruppen. Es gibt einen guten Zusammenhalt, kaum Gewalttätigkeiten und einen offenen Diskurs über den richtigen Weg in die Zukunft. Gut so! 

Frische Ideen

Mich würde es nicht wundern, wenn sich Vieles im neuen Jahr zum Besseren wendet. Private Investoren müssen nicht die Vorboten für den Untergang des Wangerlandes sein. Im Gegenteil. Sie bringen möglicherweise frische Ideen, schaffen neue Arbeitsplätze und damit Wohlstand. 

Wir selbst sind aber auch gefordert. Bei der Aufklärung des Desasters rund um den Bau des Thalasso-Zentrums in Horumersiel etwa oder bei der Auswahl unseres künftigen politischen Führungspersonals. Im nächsten Herbst sind Kommunalwahlen. Wir sollten schon jetzt wirklich engagierten Mitbürgern Mut machen, sich als Kandidatinnen oder Kandidaten aufstellen zu lassen – damit wir die Wahl (und nicht die Qual) haben, einen guten Gemeinderat zu nominieren. 

Den Zusammenhalt in den Ort müssen wir uns aber weiterhin selbst bescheren. Dazu gehört eine gute und offene Kommunikation. Als „Hooksiel-Life“ werden wir uns auch 2026 darum bemühen, unseren Teil dazu beizutragen. In diesem Sinne: „Frohe Weihnacht Hooksiel, frohe Weihnacht Wangerland!“ 

Festnahme nach Kellerbrand in der Werftstraße

Wilhelmshaven (23. 12. 2025) – Die Polizei in Wilhelmshaven meldet eine erneute Festnahme im Zusammenhang mit einer Brandstiftung. Am Montag, kurz nach 23 Uhr, kam es in einem Mehrparteienhaus in der Werftstraße zu Bränden in zwei voneinander unabhängigen Kellerräumen.

Die Serie von Brandstiftungen in Wilhelmshaven reißt nicht ab. In diesem Haus in der Marktstraße starb im Juni ein Kind. Archiv-Foto: hol

Zuvor hatte eine Streifenwagenbesatzung der Polizei einen Mann bemerkt, der sich auffällig im Eingangsbereich des Wohnhauses aufhielt und sich anschließend von dort entfernte. Kurz darauf wurde der Brand gemeldet. Das Gebäude wurde umgehend evakuiert, die Feuerwehr alarmiert und eine Fahndung eingeleitet. „Der verdächtige Mann konnte rund 500 Meter vom Brandort entfernt angetroffen und vorläufig festgenommen werden“, so die Polizei. Ein Atemalkoholtest habe einen Wert von 1,68 Promille ergeben.

Ermittlungen dauern an

Die Feuerwehr löschte die Brände im Keller. Die Wohnungen darüber blieben unbeschädigt und grundsätzlich bewohnbar. Alle Bewohnerinnen und Bewohner konnten in ihre Wohnungen zurückkehren, Ersatzunterkünfte waren nicht erforderlich.

Die Ermittlungen wegen schwerer Brandstiftung gegen den Festgenommenen dauern an, teilte die Polizei heute früh mit. Insbesondere geht es um die Frage, ob es Zusammenhänge zu weiteren Bränden in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten Wochen gibt. Das werde derzeit von den spezialisierten Brandermittlern der Polizei Wilhelmshaven geprüft.

Große Zahl von Brandstiftungen

Die Brandermittler in Wilhelmshaven hatten in den zurückliegenden Monaten jede Menge zu tun. Immer wieder kam es zu Brandstiftungen, bei denen Unbekannte etwa Müllbehälter, Fahrzeuge oder an Wohnhäuser anzündeten. Die Suche nach den Tätern oder den Tätergruppen blieb bislang weitgehend erfolglos. 

Zuletzt hatte die Polizei im Zusammenhang mit dem Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Mitscherlichstraße am Mittwoch, 17. Dezember, einen Mann festgenommen. Der Verdacht gegen ihn konnte in der Folge aber noch erhärtet werden. 

Immer noch nicht aufgeklärt ist auch der Brand in der Marktstraße 81 im Juni dieses Jahres, bei dem ein Kind gestorben ist. Unbekannte hatten gegen 2 Uhr nachts im Eingangsbereich eines leer stehenden Spielzeuggeschäftes Sperrmüll angezündet. Der Rauch zog über das Treppenhaus in die darüber liegenden Wohnungen und schnitt den dort lebenden Menschen den Rettungsweg ab. Vier Erwachsene und vier Kinder wurden zum Teil schwer verletzt.