Kann sich die Gemeinde ein weiteres Feuerwehrgerätehaus leisten?

Wangerland/Hooksiel (22. 2. 2024) – Die Gemeinde Wangerland bereitet den Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses in Hohenkirchen vor. Ob und wann das Projekt realisiert werden kann, steht aber noch in den Sternen. Das im Investitionsplan mit 5,2 Millionen Euro veranschlagte Projekt dürfe auch Thema bei der Haushaltsklausur-Tagung sein, zu der sich die Mitglieder des Gemeinderates an diesem Wochenende mit der Verwaltung treffen.

Feuerwehrgerätehaus Hohenkirchen
Das Feuerwehrgerätehaus in Hohenkirchen soll durch einen Neubau ersetzt werden. Foto: hol

Im Ausschuss für Gemeindeentwicklung ging es jetzt zunächst um das Baurecht auf dem Grundstück im Gewerbegebiet Ecke Jeversche Straße/Im Gewerbegebiet, auf dem das neue Gerätehaus einst stehen soll. Nach den Plänen der Gemeinde soll darin auch Platz für die Polizeistation Wangerland geschaffen werden. Ob sich dafür im Gegenzug das Land Niedersachsen an den Baukosten beteiligt oder zumindest eine Miete für die genutzten Räume zahlt, ist aber noch ungeklärt. 

Klar hingegen scheint zu sein, dass es seitens des Landes keinen Förderzuschuss für den Neubau gibt. „Dafür sind wir nicht arm genug“, sagte Bürgermeister Mario Szlezak (SPD). Die Gemeinde Wangerland gelte im landesweiten Vergleich nicht als Bedarfsgemeinde. Anders noch als vor wenigen Jahren. Der kurz vor der Fertigstellung stehende Neubau des Feuerwehrhauses in Hooksiel wurde aus Hannover noch mit einer Million Euro gefördert.

Dass tatsächlich Handlungsbedarf für die größte der sieben freiwilligen Feuerwehren im Wangerland besteht, galt bislang als weitgehend unstrittig. Nach Einschätzung der Berufsgenossenschaft sei die Nutzung des derzeitigen, nach aktuellen Maßstäben zu kleinen Gerätehauses im Ortskern nicht mehr zulässig, sagte Szlezak. Die Nutzung werde lediglich noch geduldet.

Ratsherr Immo Müller (ZUW) forderte eine Überprüfung dieser Einschätzung von unabhängiger Seite. Angesichts der aktuellen Entwicklung der Baupreise befürchte er, dass die Kosten für den Neubau auf sieben Millionen Euro klettern könnten. Vielleicht gebe es auch die Möglichkeit, das alte Gebäude umzubauen. Auch die Sprecherin der Gruppe GfW, Alice Brandenburg-Bienek, meldete Zweifel an, ob die Gemeinde Wangerland sich das Millionenprojekt leisten könne, „wenn andererseits das Geld für ordentliche Toiletten in unseren Kindertagesstätten und Schulen fehlt“.

Bauamtsleiter Torsten Meuer, warb dafür, zunächst den Bebauungsplan für die Feuerwehrzentrale auf den Weg zu bringen. Größe und Standard des zweigeschossig geplanten Gebäudes könne man noch einmal überprüfen, bevor man den Neubau auf den Weg bringe. Er bezweifle aber, dass der Umbau des Altbaus tatsächlich günstiger werden würde. Die Ausschussmitglieder folgten der Empfehlung und brachten den Bebauungsplan auf den Weg.

Landwirte protestieren – Polizei erwartet massive Beeinträchtigungen

Friesland/Wangerland (6.1. 2024) – Die Polizei erwartet für den kommenden Montag, 8. Januar, im gesamten Nordwesten Verkehrsbeeinträchtigungen. Der Grund: Protestaktionen, zu denen der Deutsche Bauernverband (DBV), das das niedersächsische Landvolk und die „Vereinigung Land schafft Verbindung“ aufgerufen haben. Hinterrund sind die von der Bundesregierung angekündigten Kürzungen beziehungsweise Streichungen von Agrarsubventionen. 

Andere Wirtschaftsbranchen wie etwa Transportgewerbe und Gastronomie haben angekündigt, die Proteste unterstützen zu wollen. Auch die Wangerländer CDU-Landtagsabgeordnete Katharina Jensen will zusammen mit anderen CDU-Politkern am Montag mit friedlichem Protest „Flagge zeigen“. Es sei überhaupt nicht nachzuvollziehen, dass die Politik gerade jenen Wirtschaftssektor mit Subventionskürzungen bestrafen wolle, der alle Klimaziele einhalte. 

Die zunächst geplante völlige Streichung der KFZ-Steuer-Befreiung und der Agrardiesel-Subventionen hätte die Landwirtschaft mir rund einer Milliarden Euro belastet. „Die nun vorgeschlagene Salamitaktik, den Agrardiesel zeitversetzt abschaffen zu wollen, macht es nicht besser“, sagt Jensen. Der Zuschuss sei EU-weit einer der Geringsten. Seine Abschaffung sei weder heute noch in zwei Jahren akzeptabel, betont die Abgeordnete. Jensen ist überzeugt davon ist, dass das Zurückrudern der Bundesregierung schon ein Ergebnis der vereinten Proteste war. 

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) aus Sande sieht in den neuen Vorschlägen der „Ampel“ einen guten Kompromiss. Es gebe viele Argumente gegen die ursprünglich geplanten Kürzungen. Er hoffe aber, dass Deutschland ein Land bleibe, in dem „am Ende das bessere Argument zählt“, sagte Lies auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde Wangerland. Den Kompromiss für den Agrarsektor hätte man auch am Tisch klären können.

Auf Seiten der Polizei hofft man unterdessen, dass die Proteste am Montag friedlich bleiben. In vielen Kommunen seien ordnungsgemäß Veranstaltungen wie Kundgebungen, Schleichfahrten oder kurzfristige Straßensperren angemeldet worden. Die Bürger sollten sich auf Verzögerungen einstellen. 

Für die Region Friesland/Wilhelmshaven ist keine Großveranstaltung geplant. Dennoch wird auch hier die Polizei ihre Präsens verstärken. „Die Polizei wird die Versammlungen als auch jede sonstige bekannt werdende Protesthandlung begleiten und notwendige wie mögliche Maßnahmen treffen, um unzulässige Beeinträchtigungen zu verhindern“, kündigte die Polizeidirektion Oldenburg an.

Ein Befahren von Autobahnen mit Traktoren etwa sei nicht zulässig. Sofern es zu Straßenblockaden kommen sollte, hätten die Beteiligten verpflichtend eine Rettungsgasse freizuhalten.

„Friedlicher Protest ist zweifellos legitim“, unterstreicht Polizeipräsident Johann Kühme. Er mahnt bei der Wahl der Mittel aber zur Vernunft. Gleichzeitig warnt der Polizeipräsident davor, das Protestanliegen nicht von radikalen Kräften vereinnahmen zu lassen: „Schauen Sie genau hin, mit wem Sie da zusammen unterwegs sind und gemeinsam ihre Stimme erheben. Wenn auf Transparenten verfassungsfeindliche Symbolik zu sehen ist, bereitet nicht nur mir das Sorge, auch wenn es nur um Einzelfälle gehen mag.“

Minister hält Messergebnisse an der „Höegh Esperanza“ für seriös

Neujahrsempfang Wangerland
Künstlerin Marion Hinz überreichte ihr Werk an den neuen Eigentümer Heinz Thomßen. Bürgermeister Mario Szlezak (re.) und der Journalist Sebastian Urbanczyk (l.) vom „Jeverschen Wochenblatt“ hatten die Versteigerung initiiert. Wieland Rosenboom (vorn) sorgte als Auktionator für Stimmung. Foto: hol

Wangerland/Hooksiel (5. 1. 2024) – Bürgermeister Mario Szlezak (SPD) hat im Beisein von Landeswirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) die Forderung nach der Umrüstung des LNG-Fabrikschiffs „Höegh Esperanza“ auf ein Ultraschall-Antifouling-Verfahren bekräftigt. Die Chloreinträge in die Jade bei der Regasifizierung von Flüssigerdgas seien gegenüber den nachfolgenden Generationen nicht zu verantworten, sagte Szlezak beim Neujahrsempfang der Gemeinde Wangerland am Donnerstagabend in Horumersiel.

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hatte kürzlich Messergebnisse veröffentlicht, wonach im vergangenen Jahr keine bzw. kaum Chloride oder Biozide im Gewässer festgestellt worden waren. Aus Sicht des Landes sowie des Betreibers Uniper gebe es deshalb keinen Grund zur Umrüstung des Schiffes, auch wenn die Übernahme der Kosten dafür vom Bund bereits bewilligt worden sind. 

Bürgermeister pocht auf Umrüstung von LNG-Frachter

Szlezak verteidigte hingegen unterstützt von der Wangerländer CDU-Landtagsabgeordneten Katharina Jensen die von der Gemeinde aufgestellten Forderungen. Die vor der Hafeneinfahrt von Hooksiel am LNG-Terminal Wilhelmshaven liegende „Höegh Esperanza“ sollte mit Blick auf die nötigen Gasimporte spätestens dann in einer Werft umgebaut werden, wenn das zweite LNG-Fabrikschiff in der Jade festgemacht hat. Die „Excelsior“ wird im zweiten Quartal erwartet.

Lies zeigte Verständnis für die „richtige Forderung“ der Wangerländer, warnte jedoch davor, die ökologische Situation unnötig zu dramatisieren. Man könnte nichts messen, was es nicht gibt. Es gebe keine Veranlassungen, die Messergebnisse des NLWKN in Zweifel zu ziehen. „Noch sind wir in Deutschland nicht so weit, dass man Messungen offizieller Behörden nicht glauben kann.“

Neujahresempfang Wangerland
Gut besucht war der Neujahrsempfang der Gemeinde Wangerland am Donnerstag. Foto: hol

Rund 300 Gäste verfolgten den Neujahrsempfang im Kursaal, an dem neben Bürgerinnen und Bürgern aus dem Wangerland auch die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen der anderen friesischen Gemeinden, Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen, Frieslands Landrat Sven Ambrosy, Wilhelmshavens Oberbürgermeister Carsten Feist sowie aus dem Landtag – neben Jensen und Lies – die Abgeordnete Sina Beckmann (Grüne) aus Jever teilnahmen. Für musikalische Verschnaufpausen zwischen den zahlreichen Reden und Grußworten sorgte „Weltstar – Frank Sinatra“ – vertreten durch sein Oldenburger Double Jens Sörensen.

Wimmelbild für 1000 Euro versteigert

Abgerundet wurde der Abend durch die Versteigerung eines Bildes, das die Waddewarder Künstlerin Marion Hinz gemalt hat: Ein Wimmelbild mit Karikaturen der kommunalen Spitzen aus ganz Friesland. Neuer Eigentümer wurde Heinz Thomßen aus Grafschaft, der 1000 Euro für das Werk bot. Der Erlös soll zur Finanzierung des für 2025 geplanten nächsten Ehrenamtstages im Wangerland beitragen. Kurios: Thomßen übertrumpfte zuletzt ein Gemeinschaftsgebot von Landrat Ambrosy und acht Bürgermeistern, die zusammen 900 Euro gesetzt hatten. Sein Motiv: „Ich finde, man soll das Ehrenamt unterstützen.“ 

Bürgermeister und Landrat blickten auf dem Empfang auf das Jahr 2023 zurück und gaben einen kommunalpolitischen Ausblick auf 2024. Feierlich wurde es bei verschiedenen Auszeichnungen. Oberstleutnant Andre Knappe, Kommandeur des 1. Bataillons des Objektschutzregiments der Luftwaffe, überreiche Szlezak und dessen Stellvertreter im Amt, Peter Podein, Ehrennadeln des Bataillons, das seit 2006 über eine Partnerschaft mit der Gemeinde verbunden ist. Ursprünglich waren die Objektschützer in der Wangerland-Kaserne in Hohenkirchen stationiert.

Von der Gemeinde ausgezeichnet wurde die Wangerländerin Ines Bauer. Die junge Frau, die aktuell auf dem Weg zur Industriemeisterin Chemie ist, hat ihre Ausbildung zur Chemikantin beim PVC-Hersteller Vynova in Wilhelmshaven als deutschlandweit beste Auszubildende ihres Jahrgangs abgeschlossen. Ihr Motiv für den nicht gerade frauentypischen Berufsweg: „Ich wollte etwas Spannendes machen, was nicht jede macht.“

Bauer

Die Wangerländerin Ines Bauer (2. von links) wurde von der Deutschen Industrie- und Handelskammer als beste Auszubildende im Beruf der Chemikanten geehrt. Neben ihr bei der Ehrung Petra Tjardes von ihrem Arbeitgeber Vynova. Foto: DIHK

Neues Feuerwehrgerätehaus soll bis Anfang April fertig sein

Feuerwehrgerätehaus
Das neue Feuerwehrgerätehaus am Hohe Weg in Hooksiel soll Ende März/Anfang April fertig werden. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Foto: hol

Hooksiel (3. 1. 2024) – Wann die Freiwillige Feuerwehr Hooksiel von ihrem bisherigen Domizil zwischen dem Alten Hafen und der Lange Straße in den Neubau am Hohe Weg umziehen kann, steht noch nicht fest. Sven Bünting, von der Gemeinde Wangerland beauftragter Architekt vom 3ing Architektur- und Ingenieurbüro (Aurich): „Bei der derzeitigen Witterungslage wäre es nicht seriös, einen Termin für die Fertigstellung zu nennen.“

Die Feuerwehrangehörigen hatten lange auf eine Einweihungstermin noch im Jahr 2023 gehofft, dem Jahr des 100-jährigen Bestehens der Wehr. Dass daraus nichts werden würde, zeichnete sich aber bereits Mitte vergangenen Jahres ab. Aktuell wird die Einweihungsfeier für den Mai geplant. Ob das klappt, hängt auch vom Wetter ab.

„Im Januar sollen die Arbeiten im Bereich der Außenanlage beginnen“, sagt Bünting. Für den Fall, dass es „akzeptables Wetter“ gebe, seien dafür etwa zehn Wochen eingeplant. Unter anderem gehört zu den Außenarbeiten der Bau der direkten Zufahrt für die Einsatzfahrzeuge vom Hohe Weg zum Feuerwehrgerätehaus. Unter anderem muss dafür ein Stück des Straßengrabens verrohrt und ein Pflanzbeet beseitigt werden. Geplant ist zudem ein Waschplatz für Feuerwehrfahrzeuge.

„Wir peilen eine Fertigstellung zu Ende März/Anfang April an. Die Arbeiten im Innenbereich sind bis dahin längst abgeschlossen“, so Bünting. Dass es Lieferschwierigkeiten bei den großen Toren zur Feuerwehrhalle geben soll, weist der Architekt als Gerücht zurück. „Nein, es gibt keine Lieferschwierigkeiten mit den Sektionaltoren“, so Bünting. „Wir bauen empfindliche Bauteile immer so spät als möglich ein, damit diese nicht durch eine unsachgemäße Nutzung beschädigt werden.“

Polizei sucht Zeugen für Unfall

Hooksiel (2. 1. 2024) – Die Polizei sucht nach Zeugen für einen Unfall in Hooksiel. Dabei ist am Freesenpad ein geparkter, grauer Pkw der Marke Ford „Puma“, im vorderen linken Bereich beschädigt worden. Der Verursacher habe sich von der Unfallstelle entfernt, ohne sich um seine Pflichten als Fahrzeugführer zu kümmern, teilt die Polizei mit. Der Unfallzeitpunkt liegt zwischen Samstag, 30.Dezember, 19 Uhr, und Sonntag, 31. Dezember, 12.15 Uhr. 

Zeugen, die Hinweise auf den Unfall-Verursacher oder auf das Auto geben können, mit dem die Schäden verursacht wurden, werden gebeten, sich mit der Polizei in Jever oder Hohenkirchen (Telefon 04463/808910) in Verbindung zu setzen.

Komische Nacht im Gästehaus

Hooksiel/Horumersiel (6. 6. 2023) – Der Comedy-Marathon „Komische Nacht“ gastiert erstmals im Wangerland. Am Freitag, 14. Juli, treten verschiedene Comedians am Strand in Schillig, am Gästehaus in Hooksiel und im Kurgarten in Horumersiel auf. Die Show beginnt an allen drei Spielorten um 19.30 Uhr.

Die „Komische Nacht“ ist eines der erfolgreichsten Live-Comedy-Formate in Deutschland. Die Show mit unterschiedlichsten Comedians, Kabarettisten und Komikern findet bereits seit über zehn Jahren in mittlerweile über 50 deutschen Städten statt.

Bei der komischen Sommernacht im Wangerland treten Alicja Heldt, Benni Stark, Dittmar Bachmann jeweils für etwa 30 Minuten an den drei genannten in Spielorten auf. Sollte das Wetter Auftritte unter freiem Himmel nicht zulassen, wird die Veranstaltung jeweils nach drinnen verlegt – also in Hooksiel in den Saal des Gästehauses. Zwischen den Auftritten ist jeweils etwa 20 Minuten Pause – zeit für die Künstler, den Auftrittsort zu wechseln, Zeit für die Zuschauer zu einer kleinen Stärkung. 

Zu den Künstlern: Alicja Heldt ist laut, chaotisch und lustig. Die „freche Deern“ mit polnischen Wurzeln spricht hamburgisch, möwisch und ghettoisch. Sie ist ein Kumpel, eine Lady und ein Witzbold. Irgendwie alles in einem. Benni Stark tritt als Herrenausstatter auf. Aber: Benni ist kein normaler Herrenausstatter, er ist Herrenausstatter aus Leidenschaft … Dittmar Bachmann, der Popstar der Comedy, stellt sich seinem tatsächlichen Alter und den damit verbundenen Vorurteilen, wobei ihn das gefühlte Alter genau das machen lässt, was die Zuschauer von ihm erwarten.

Veranstalter ist die Mitunskannman.Reden GmbH in Kooperation mit der Wangerland Touristik GmbH. Karten für das Comedy-Highlight sind im Internet unter www.komische-nacht.de erhältlich.

Landwirte: Klimaschutz durch Moor-Vernässung bedroht den Wohlstand

Wangerland/Friesland (18.1.2023) – Die Wangerländer Landtagsabgeordnete Katharina Jensen (CDU) warnt vor einem erheblichen Wohlstandsverlust für die Region, wenn es zu der vom Gesetzgeber und Wissenschaftlern geforderten Transformation der einst trocken gelegen Moorlandschaften kommen sollte. Von der Vernässung der zumeist landwirtschaftlich genutzen Flächen wäre vor allem die niedersächsische Küstenregion betroffen.

Im November 2022 hat das Bundeskabinett mit Blick auf den Klimaschutz die nationale Moorschutzstrategie auf den Weg gebracht, die durch eine Bund-Länder-Zielvereinbarung untermauert wird. Ziel ist es, Moore als CO2-Speicher zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium stammen derzeit 6,7 Prozent der Treibhausgase in Deutschland aus Zersetzungsprozessen in Moorlandschaften durch Entwässerungsmaßnahmen und Torfabbau.

Katharina Jensen beim Landvolk
MdL Katharina Jensen informierte sich im Gründlandzentrum über mögliche Folgen der geplanten Wiedervernässung der Moore für die Region. Manfred Ostendorf (links) und Dr. Arno Krause befürchten erhebliche Verwerfungen. Foto: CDU

Katharina Jensen, Agrarexpertin des CDU Landesverbandes Oldenburg, informierte sich über mögliche Folgender mit Blick auf den Klimaschutz angestrebten Veränderungen beim Grünlandzentrum in Ovelgönne (Wesermarsch). Dort diskutiere die Abgeordnete mit Landvolk-Geschäftsführer Manfred Ostendorf, dem Geschäftsführer des Grünlandzentrums Dr. Arno Krause und Franz Jansen-Minßen die Auswirkungen der geplanten Maßnahmen. 

Ostendorf befürchtet große Verwerfungen: „Die Wiedervernässung der Moorflächen ist für unsere Region in ihren Auswirkungen vergleichbar mit dem Kohleausstieg im Ruhrgebiet. Ein Drittel der Milchkühe der Region steht auf landwirtschaftlich genutztem Moorgrünland, bei der Ammerland-Molkerei sind sogar 50 Prozent der Milchkühe betroffen. Bei den geplanten Maßnahmen zur Wiedervernässung ist eine Weidetierhaltung nicht vorgesehen.“ 

Für die vernässten Flächen werde über die Nutzung so genannte „Paludi-Kulturen“ nachgedacht. Für Krause keine wirkliche Alternative: „Für Sumpfpflanzen wie Elefantengras oder Rohrkolben gibt es bisher nur Nischenmärkte“, so Krause. Teilweise seien deren klimaschädlichen Emissionen sogar höher als bei der Weidehaltung auf Grünland. Er sorge sich auch um den Verlust an Biodiversität bei der Vernässung biologisch hochwertiger Grünlandflächen. „Der Prozess wäre unumkehrbar.“ 

Jansen-Minßen stellte eine Berechnung zu den finanziellen Auswirkungen für die niedersächsischen Küstenregionen dar. Betroffen sein bis zu 208 000 Hektar Fläche. Der direkte Verlust für die regionale Wirtschaft betrage je nach Ausführung der Maßnahmen zwischen 583,1 Millionen und einer Milliarde Euro pro Jahr. Es es droht nach den Worten von Jansen-Minßen der Verlust von 30 115 bis 54 052 Arbeitsplätze. „Der Vermögensverlust durch Abwertung der Flächen beträgt zwischen 2,3 und 2,8 Milliarden Euro“ 

Allein in Friesland gibt es 2500 Hektar ehemaliges Moorland, davon 1800 Hektar Hoch- und 700 Hektar Niedermoor. Aktuell werden im Landkreis auf 28 700 Hektar Dauergrünland rund 36 800 Milchkühe gehalten.

Bis 2045 sollen die gesetzlichen Maßnahmen zur Wiedervernässung der Moore abgeschlossen sein. Bereits bis 2030, so die Planung, werde bei der Vernässung das erste Zwischenziel angestrebt, obwohl, so Katharina Jensen, noch viele Fragen ungeklärt seien. So würde die Wiedervernässung nicht nur landwirtschaftliche Flächen unter Wasser setzen, sondern auch Baugebiete, Gewerbegebiete und ganze Dörfer in tiefen Lagen. „Das Wassermanagement in der Region verändert sich grundlegend.“ 

Für die CDU-Politikerin ist der absehbare Wohlstandsverlust für die Region nicht hinnehmbar: „Wir zerstören die Existenzgrundlage unzähliger Menschen und setzen die Ernährungssicherheit in Deutschland aufs Spiel!“ Für sie kann es eine Transformation der Moorflächen nur mit den betroffenen Menschen der Region geben. Jensen kündigte an, sich im Agrarausschuss des Landtages in Hannover für weitere Forschungen und pragmatische Lösungen einsetzen zu wollen. 

Das Grünlandzentrum hat zu dem Thema eine Fülle von Fakten zusammengetragen, die im Internet abrufbar sind.