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Alle Beiträge zum Thema “LNG”

Klimaschutz statt Konzernprofite: Schulterschluss gegen LNG-Importe

Hooksiel (8. 3. 2026) – Ein rotes Band zieht sich auf der Südseite des Hooksieler Außenhafens. Gehalten wird es von einer Menschenkette, die sich vom Radweg Richtung Wilhelmshöhe bis zum Hafenbecken aufgebaut hat. Die rund 100 Aktivisten verschiedener Umwelt- und Naturschutzverbände halten Plakate und Schilder in die Höhe. „Stop Gas“ ist darauf zu lesen. 

Rund 100 Umweltschutzaktivisten aus der Region warnten zusammen mit ausländischen Gästen vor den weltweiten ökologischen, wirtschaftlichen und machtpolitischen Folgen von LNG-Importen. Foto: hol

Dazu erklingen Gesänge und Parolen, teils auf Englisch, teils auf Deutsch. Die Aktivisten eint die Sorge um das Klima, die Umwelt, aber auch um die Menschen, die im Umfeld von Im- und Exporteinrichtungen für fossile Energieträger wohnen. 

Großes Sicherheitsaufgebot

„LNG ist Kacke. Attacke!“ lautet eine der Kampfansagen. Wobei sich der Kampf an diesem Samstagvormittag auf Reden und Appelle beschränkt. Die Wilhelmshavener LNG-Terminals mit den Import-Fabrikschiffen „Höegh Esperanza“ und „Excelsior“ sind nicht in Gefahr. Aufgrund des dichten Nebels auf der Jade sind sie ohnehin kaum zu sehen. 

Gut erkennbar ist nur ein Wachboot der Wasserschutzpolizei, was zwischen Außenhafen und LNG-Terminal patrouilliert. Und auch an Land haben sich eine Reihe von Polizisten eingefunden, die die „kritische Infrastruktur“ schützen sollen. Immerhin gelten die LNG-Terminals als Garanten dafür, dass die Versorgung Deutschlands mit Energie gewährleistet bleibt.

Friedliche Demonstration

Oder geht es gar nicht in erster Linie um eine sichere Energieversorgung? Geht es vielmehr um die Profite von weltweit agierenden Großkonzernen, die nicht auf ihre Geschäfte mit Öl und Gas verzichten wollen? Trotz aller Warnungen vor einem Klimakollaps. Trotz der Folgen für künftige Generationen. Trotz der Beeinträchtigungen von Natur und Mensch schon heute – weltweit.

Anlass für die auch nach Wahrnehmung der Sicherheitskräfte friedliche Demonstration am Hooksieler Außenhafen unter dem Motto „Stoppt den LNG-Wahn und die fossile Ausbeutung“ waren die Pläne eines Energiekonsortiums, in Wilhelmshaven ein drittes Importterminal für flüssige Gase wie LNG zu bauen. Dafür soll das als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesene Naturschutzgebiet auf dem Voslapper Groden-Nord geopfert werden. Dagegen – aber auch gegen die Industrialisierung des Wattenmeeres insgesamt etwa durch Ölbohrungen – laufen unter anderen die Initiative „Fridays for Future“, der Naturschutzbund (Nabu) und das Netzwerk Energiedrehscheibe, einem Bündnis aus 28 Verbänden und 180 Einzelpersonen, seit Wochen Sturm. 

Demonstrieren am Hooksieler Außenhafen den ökologischen Schulterschluss von Küste zu Küste: Stefanie Eilers, des Netzwerkes Energiedrehscheibe, und der US-Umweltaktivist James Hiatt aus Louisiana. Foto: hol

Unterstützt werden sie von internationalen Aktivisten, die ihrerseits vor den globalen Folgen des „Gasrausches“, so Martin Lüdders von Fridays for Future, warnten. Nach Ansicht von Milena Pressentin (Deutsche Umwelthilfe) sei der geplante Energiepark im Voslapper Groden-Nord ein Teil des Problems – und entgegen aller Versprechung kein Wegweiser hin zur Nutzung von „grünem Wasserstoff“. 

Fracking macht Menschen krank

Für einen Schulterschluss für eine globale Energiewende warb der US-Amerikaner James Hiatt, der in Louisiana am Golf von Texas mit der Umweltschutzgruppe „For A Better Bayou“ gegen die LNG-Industrie kämpft, die durch das so genannte Fracking und den Bau von Gasexport-Infrastruktur paradiesische Natur zerstöre sowie Gesundheit und Wohlstand von Menschen gefährde. Das allermeiste über Wilhelmshaven importierte Flüssigerdgas kommt aus den USA. Hiatt berichtete von giftigen Chemikalien, von Methan-Austritten und verdreckter Luft – und das bei steigenden Preisen für Lebensmittel und Energie. Es gehe nicht um Wohlstand, sondern nur um Profite. Dagegen müssten sich die Menschen wehren – von Küste zu Küste. 

Die ukrainische Klimaaktivistin Dr. Svitlana Romanko, Gründerin der Umweltkampagne „Razom We Stand“, wies auf die machtpolitischen Folgen hin. Das Festhaltens an fossilen Energieträgern nütze Exportländern wie Russland. Sie würden dadurch Milliarden über Milliarden verdienen. Geld, mit dem Russland unter anderem den Angriffskrieg auf die Ukraine finanziere. Die Rednerin forderte vor diesem Hintergrund ein lückenloses und dauerhaftes Embargo für fossile Brennstoffe aus Russland.

Im Anschluss an die Demonstration kamen die Aktivisten in Wilhelmshaven zu einer Buchlesung zusammen. Autorin Kathrin Hartmann, die auch in Hooksiel dabei war, stellte ihr Buch „Öl ins Feuer“ vor. Darin geht es um die verfehlte Klimapolitik und deren globalen Folgen. 

Protest gegen LNG-Import in Hooksiel mit internationalen Aktivisten

Wangerland (3. 3. 2026) – Rund 50 Aktivisten verschiedener Umwelt- und Naturschutz-Gruppierungen haben am Wochenende auf dem Voslapper Groden-Nord gegen den geplanten Bau eines Energieterminals protestiert, für den ein vorhandenes Naturschutzgebiet aufgegeben werden soll. 

Die Demonstranten auf dem Voslapper Groden sehen im geplanten Import von LNG und anderen flüssigen Gasen eine Verstetigung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Foto: Rohde

Im Anschluss an eine gemeinsame Mahnwache verblieb eine kleinere Gruppe bis zum Sonnenuntergang vor Ort. Sie trieb die Sorge um, dass eventuell bereits Rodungsarbeiten auf dem Gelände stattfinden könnten, für die aber noch keine Genehmigung vorliegt.

Am Eingangstor Müll gesammelt

Die Umwelt- und Naturschützer nutzten die Protestaktion zum gegenseitigen Kennenlernen. Wie Teilnehmer berichteten, habe man sich unter anderem über die Besonderheiten des „Natura 2000“-Gebietes mit seiner schützenwerten Flora und Fauna ausgetauscht. Zudem habe man gemeinsam rund ums Tor von der Straße Zum tiefen Fahrwasser zum Voslapper Groden und an den Gräben Müll gesammelt.

Die Aktivisten hoffen darauf, dass die bereits im Voslapper Groden installierten Amphibienzäune und die Entwässerung in dieser Woche zurückgebaut werden Wie angekündigt wurde, sollen dabei auch für die Vergrämung von Vögeln angebrachte Flatterbänder wieder entfernt werden.

Stadt: Arbeiten wurden überwacht

Die Wilhelmshavener Stadtverwaltung ist heute dem Eindruck entgegen getreten, dass die Investoren auf dem Areal vielleicht bereits ohne vorliegende Genehmigung Fakten schaffen wollen. Die Arbeiten seien zwar von der Deutschen Grüngas und Energieversorgung GmbH (DGGEV) durchgeführt worden. Sie seien aber von einem landschaftspflegerischen Fachbüro begleitet und regelmäßig vor Ort von der Unteren Naturschutzbehörde überwacht worden, heißt es in einer Erklärung gegenüber „Hooksiel-Life“.

Gewerbeaufsicht zuständig

Um mit dem Bau der Anlagen beginnen zu können, bedürfe es entweder der erforderlichen immissionsschutzrechtlichen Genehmigung oder der Zulassung des vorzeitigen Beginns nach dem Bundesimmissonsschutz-Gesetz. Alle diese Entscheidungen lägen in der Zuständigkeit des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Oldenburg, betont die Stadt.

In der vergangenen Woche sei die passive Entwässerung einer etwa sechs Hektar großen Teilfläche innerhalb des Voslapper Groden-Nord erfolgt. Das sei eine Maßnahme der Gewässerunterhaltung gewesen. Dafür habe es ebenso wenig wie für das Aufstellen von Amphibien-Leiteinrichtungen einer Genehmigung der Stadt Wilhelmshaven bedurft.

Bäume dürfen gefällt werden

„Soweit weitere Maßnahmen wie die Beseitigung von Gehölzen erfolgen, handelt es sich um ohnehin geplante Maßnahmen, die unabhängig von dem Vorhaben der DGGEV entsprechend den Zielen des Europäischen Vogelschutzgebiets und Naturschutzgebiets vorzunehmen sind“, heißt es in der Mitteilung. Sie würden also je nach Ausgang der weiteren Entscheidungen des Gewerbeaufsichtsamtes faktisch entweder dem beantragten Vorhaben oder dem Gebietsschutz dienen. „Dafür wurde eine Genehmigung zum Fällen von Bäumen nach der Baumschutzsatzung der Stadt Wilhelmshaven erteilt.“

Widerstand in den USA

Am kommenden Wochenende erwartet das „Netzwerk Energiedrehscheibe“ internationale Gäste. Zusammen mit der Gruppe „Fridays vor Future“ will man gegen den Import von verflüssigtem Erdgas (LNG) und den damit drohenden fossilen „Lock In“ demonstrieren. Eine Kundgebung ist für Samstag, 7. März, um 10.30 Uhr am Hooksieler Außenhafen geplant. 

Erwartet werden dazu unter anderem die Ukrainerin Svitlana Romanko und der Amerikaner James Hiatt, der von den ökologischen Folgen der LNG-Gewinnung in den USA und dem Widerstand in Texas und Louisiana berichten wird. Der allergrößte Teil des über Wilhelmshaven importierten LNG kommt aus den USA. Svitlana Romanko ist Gründerin und Direktorin der Gruppe „Razom We Stand“, die die globale Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen, dem Nährboden der russischen Kriegsmaschinerie, beenden möchte. 

Anmerkung: Dieser Artikel wurde im Laufe des Tages um die Stellungnahme der Stadt Wilhlemshaven ergänzt

Zweites LNG-Regasifizierungs-Schiff: „Excelsior“ kommt am Montag

Wilhelmshaven/Hooksiel/Kiel (25. 4. 2025) – Am kommenden Montag wird mit der „Excelsior“ das zweite Industrieschiff zur Regasifizierung von Flüssigerdgas (LNG) in der Jade festmachen. Das hat heute die Deutsche Energy Terminal GmbH (DET) mitgeteilt. Die 277 Meter lange „Floating Storage and Regasification Unit“ (FSRU) soll in der Mittagszeit am eigens im Auftrag der DET errichteten Jetty zwischen dem bereits seit Ende 2022 vorhandenen LNG-Terminal und dem Raffinerie-Anleger festmachen. 

Start für mehrwöchigen Testbetrieb

„Im Anschluss beginnt unter hohen Sicherheitsauflagen der mehrwöchige Testbetrieb“, so die bundeseigene DET. Nach Inbetriebnahme werde die „Excelsior“ in diesem Jahr noch bis zu 1,9 Milliarden Kubikmeter Erdgas ins Deutsche Gasnetz einspeisen können, was rechnerisch dem Energieverbrauch zum Heizen von rund 1,5 Millionen Vier-Personen-Haushalten in Mehrfamilienhäusern entspreche. „In beiden Folgejahren kann die FSRU ihre Kapazität auf bis zu je 4,6 Milliarden Kubikmeter erhöhen.“ 

An Bord der „Excelsior“ werden Ultraschallwellen dafür eingesetzt, das Zuwachsen von Seewasserleitungen zu verhindern. Die Firma Hasytec will ihr System jetzt so anpassen, dass die Schallwellen keine Schweinswale in der Jade irritieren können. Foto: Hasytec

Damit stehen in Wilhelmshaven künftig mit der „Höegh Esperanza“ und der „Excelsior“ zwei FSRU für den Import von Flüssigerdgas zur Verfügung. Das LNG wird in tiefgekühltem Zustand und damit flüssig in Frachtern angeliefert. In der FSRU wird das LNG zum Teil mit Seewasser erwärmt und dadurch wieder gasförmig, so dass es ins Gasnetz eingespeist werden kann. 

Damit das Röhrensystem für das Seewasser der FSRU nicht durch Pocken, Algen und Muscheln verstopft wird, muss es regelmäßig gereinigt werden. An Bord der „Höegh Esperanza“ wird aus dem Meerwasser gewonnenes Chlor eingesetzt, das in Form von Chlorverbindungen danach wieder in die Jade abgegeben wird. Obwohl bislang noch keine Schäden festgestellt wurden, befürchten Naturschützer Beeinträchtigungen des Ökosystems in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

„Excelsior“ arbeitet mit Ultraschall

An Bord der „Excelsior“ wird kein Chlor für die Reinigung der Röhren verwendete. Hier setzt man auf auf eine von der Kieler Firma Hasytec entwickelte Ultraschall-Antifouling-Technologie. Um Einträge von rund 32 Tonnen Chlor ins Wattenmeer zu vermeiden, wurde das Schiff eigens auf Kosten des Bundes umgerüstet. 

Allerdings gab es auch zu dieser Technologie mit Blick auf die Schweinswale kritische Stimmen. Die von Hasytec bislang für den Bewuchsschutz eingesetzten Schallwellen liegen teilweise im Kommunikationsbereich der Tiere. „Hasytec hat sich mit diesen Bedenken intensiv auseinandergesetzt und die letzten sechs Monate genutzt, um den operativen Frequenzbereich anzupassen“, teilt das Unternehmen jetzt mit. 

Neue Technologie zum Schutz der Schweinswale

Ziel der Testphase sei es, eine eventuelle Beeinträchtigung der Schweinswale im Jadebusen durch die Ultraschall-Technologie dadurch auszuschließen, dass sich die Hasytec-Frequenzen außerhalb des Kommunikationsbereiches der Schweinswale befinden. „Die bisherigen Ergebnisse der Testphase sind vielversprechend. Die abschließende Prüfung steht aber noch aus“, räumt das Unternehmen ein. 

Hasytec-Technologievorstand Andreas Hoffmann zeigt sich aber optimistisch: „Wir sind davon überzeugt, dass dies genau der richtige Weg ist, um Innovation und Umweltschutz nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten.“

Es gibt doch Nachfrage nach LNG

Wilhelmshaven/Hooksiel (8. 2. 2025) – Die Befürchtung, dass das Fabrikschiff „Höegh Esperanza“ am LNG-Terminal vor der Hooksieler Hafeneinfahrt liegt, aber gar kein Bedarf mehr für importiertes Flüssigerdgas besteht, bestätigt sich offenbar nicht. Wie die staatliche Betreibergesellschaft Deutsche Energy Terminal GmbH (DET) mitteilt, wurden in zwei Vermarktungsrunden sämtliche für die Terminals Brunsbüttel und Wilhelmshaven angebotenen Regasifizierungs-Slots vergeben.

Höegh Esperanza
Soll die Energieversorgung in Deutschland absichern: die FSRU „Höegh Esperanza“ vor Hooskiel.

Die DET ist verantwortlich für die Vermarktung und den Betrieb der vier schwimmenden LNG-Terminals (FSRU) in Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven. Die Regasifizierungs-Kapazitäten für 2025 waren über die digitale Vermarktungsplattform Prisma angeboten worden, am 23. Dezember und zuletzt vom 4. bis 6. Februar. 

An den vier Vermarktungstagen hätten insgesamt 17 Marktteilnehmer bei Auktionen sämtliche 50 angebotenen Zeit-Fenster für die Regasifizierung des verflüssigten Erdgases erworben. „Wir sind sehr zufrieden, dass wir unter hohem Zeitdruck die aktuelle Vermarktungsrunde realisieren und erfolgreich abschließen konnten“, wird Dr. Peter Röttgen, Geschäftsführer der DET, in einer Pressemitteilung zitiert. Die DET leiste damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit für Deutschland und Europa. 

Umweltverbände hatten vor unnötigen Investitionen in LNG-Infrastruktur gewarnt. Als Beleg dafür, dass es auch ohne Flüssigerdgas genügend Energieträger in Deutschland gäbe, hatten sie auf nicht ausgelastete Regasifizierungs-Kapazitäten verwiesen.

Meyer beteuert nach Urteil: Auch Höegh Esperanza soll umgerüstet werden

Wilhelmshaven/Hooksiel (20. 12. 2024) – Niedersachsen Umwelt- und Energieminister Christian Meyer (Grüne) sieht im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) zu den Chloreinleitungen der „Höegh Esperanza“ in die Jade eine Bestätigung der wasserrechtlichen Erlaubnis für den Betrieb des Regasifizierungsschiffes vor Hooksiel. Das Gericht habe bestätigt, so Meyer, dass die Elektrochlorierung vor gut zwei Jahren dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprach und die Alternative des Ultraschallverfahrens erst noch erprobt werden müsse.

Auch wenn die vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) regelmäßig veröffentlichten Messwerte jetzt schon deutlich unter den Grenzwerten lägen, so der Minister, soll die sogenannte Stoßchlorierung die Biozideinleitung in die Nordsee weiter minimieren.

Die „Excelsior“ als zweite „Flaoting Storage an Regasification Unit“ (FSRU) soll 2025 in Wilhelmshaven den Betrieb aufnehmen. Bei ihr werden die für die Erwärmung des minus 162 Grad kalten Flüssigerdgases (LNG) erforderlichen Seewasserrohre ohne Chlor und Biozide per Ultraschalltechnik gereinigt. Dieses Verfahren sei 2024 als neuer Stand von Wissenschaft und Technik genehmigt worden. Meyer: „Unser Ziel und das des Bundes bleibt weiterhin auch die ,Höegh Esperanza‘ auf chlorfreie Regasifizierung umzurüsten.“ 

Der Haushaltsausschuss des Bundestages habe bereits 2023 das Geld für die Umrüstung der ersten FSRU bewilligt. „Sobald sich die Ultraschalltechnik auf der zweiten FSRU bewährt hat, sollte auch die erste Anlage wie vom Bundestag beschlossen entsprechend umgerüstet werden!“ verspricht Meyer. Leider habe sich die Inbetriebnahme der „Excelsior“ erheblich verzögert, so der Minister. „Klar ist, dass die erste FSRU erst umgerüstet werden kann, wenn die zweite FSRU läuft und sich das Ultraschall-Verfahren bewährt hat.“ 

Zur Umrüstung müsse das Schiff in eine Werft, so dass dann keine Regasifizierung in Wilhelmshaven stattfinden kann. Die Prüfungen zur Umrüstung mit dem Unternehmen Hasytec seien bereits erfolgt.

Gericht: Chloreinträge ins Wattenmeer von der „Höegh Esperanza“ rechtmäßig

LNG-Luftaufnahme
Die Verwendung von Chlor an Bord der FSRU „Höegh Esperanza“ ist rechtmäßig. Das Schiff (rechts) regasifiziert seit fast zwei Jahren am Wilhelmshavener LNG-Terminal Erdgas, das von Tankschiffen angeliefert wird. Archiv-Foto Scheer

Wilhelmshaven/Leipzig/Hooksiel (19. 12. 2024) – Der Einsatz von Chlor an Bord der vor Hooksiel liegenden „Höegh Esperanza“ ist rechtmäßig. Das hat das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig heute entschieden (Aktenzeichen BVerwG 7 A 14.23). Das Gericht hat damit die Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) abgewiesen, die in den Biozid-Einträgen der „Floating Storage and Regasification Unit“ (FSRU) eine Gefahr für Flora und Fauna im Weltnaturerbe Wattenmeer sieht. Das Verfahren der Elektrochlorierung entspreche dem vom Gesetz geforderten Stand der Technik, so die Richter. 

Klage der Deutschen Umwelthilfe abgewiesen

Die Rohrsysteme an Bord der FSRU werden in wärmeren Monaten mit Seewasser durchspült. Das Wasser erwärmt das minus 162 Grad kalte Flüssigerdgas (LNG), das dadurch regasifziert wird und ins Pipelinesystem eingespeist werden kann. Das im Seewasser enthaltene Salz (Natriumchlorid) wird im Verfahren der Elektrochlorierung mittels Elektrolyse gespalten, um so Chlor zu gewinnen. Die Elektrochlorierung sorgt dafür, dass sich in den Rohren keine Muscheln, Algen oder Seepocken festsetzen können. Mit dem Seewasser gelangen dann Chlorverbindungen in die Jade. 

Die Betriebserlaubnis samt Einleitungsgenehmigung für das LNG-Terminal Wilhelmshaven wurde Ende 2022 vor dem Hintergrund der Gasversorgungskrise in Folge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine erteilt. Ohne ein effektives Antifouling-Verfahren sei der Betrieb einer FSRU nicht möglich, stellte das Gericht fest. Dem Anlagenbetreiber seien Grenzwerte unter anderem für den Chlorgehalt des in die Jade zurückzuführenden Abwassers vorgegeben worden.

Ultraschall muss sich erst noch bewähren

Die DUH hatte in ihrer Klage die Ansicht vertreten, dass die Elektrochlorierung nicht dem Stand der Technik entspreche. Stand der Technik sei vielmehr das biozidfreie Ultraschallverfahren, wie sie in der „Excelsior“ eingesetzt werden soll, einer FSRU, die ab dem ersten Quartal 2025 ebenfalls in Wilhelmshaven LNG regasifizieren soll.

Das BVerwG teilt die Ansicht nicht. Das Verfahren der Elektrochlorierung entspreche, anders als das Ultraschalverfahren, dem vom Gesetz geforderten Stand der Technik. „Für die Annahme des Stands der Technik ist es erforderlich, dass die Eignung einer Maßnahme durch eine Bewährung in der Praxis oder auf andere Weise praktisch gesichert ist“, stellt das Gericht fest. Das sei beim Ultraschallverfahren (noch) nicht der Fall. 

Der bisherige Einsatz dieser Technik auf Seeschiffen genüge für die Annahme der praktischen Bewährung nicht, denn das Seewassersystem einer FSRU übersteige dasjenige eines herkömmlichen Schiffes in Komplexität und Volumen erheblich. Erkenntnisse über eine mögliche Bewährung der Technik könnten sich aus dem Einsatz an Bord der „Excelsior“ ergeben. 

Kläger sehen jetzt das Land in der Pflicht

Die Deutsche Umwelthilfe sieht nach dem Urteil die niedersächsische Landesregierung in der Pflicht. Sie solle mit Blick auf die Risiken für die Artenvielfalt und die Meeresumwelt den Biozideinsatz unverzüglich stoppen. 

DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraemer wirft der bundeseigenen Deutschen Energy Terminal GmbH (DET) als Betreiber des LNG-Terminals vor, das Wattenmeer als Müllhalde zu missbrauchen. Die behördlichen Messmethoden seien nur Augenwischerei. Mit ihnen ließen sich schädliche Auswirkungen auf das Meer nicht ausschließen. Die Landesregierung müsse jetzt die politische Verantwortung übernehmen und das Terminalschiff auf schonendere Alternativ-Techniken umrüsten lassen. 

Einleitungen unauffällig: Transparenz hinter verschlossenen Türen

Ein Frachtschiff entlädt flüssiges Erdgas in Richtung FSRU. An Borde der „Höegh Esperanza“ wird das Gas regasifiziert und an Land gepumpt. Foto: hol

Hooksiel/Friesland (1. 10. 2024) – Der Betrieb des LNG-Regasifizierungsschiffes „Höegh Esperanza“ hat offenbar bislang zu keiner nachweisbaren Beeinträchtigung der Umwelt und des Ökosystems Wattenmeer geführt. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Präsentation der Daten des gewässerökologischen Monitorings, das Vertreter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vor wenigen Tagen dem Umweltausschuss des Kreistages des Landkreises Friesland vorgestellt haben.

Im Rahmen der bisher 21 Monaten andauernden Überwachung hätten keine negativen Auswirkungen auf das Gewässer nachgewiesen werden können, heißt es in einer Pressemitteilung des NLWKN. Vereinzelt habe es geringfügige Chlor-Grenzwertüberschreitungen gegeben. In diesen Fällen habe die Behörde den Betreiber der Floating Storage and Regasification Unit (FSRU) zur Aufklärung des Sachverhalts und zur Beseitigung der Störung aufgefordert. Dem sei dieser jeweils unverzüglich nachgekommen.

„Die bisherigen unauffälligen Messergebnisse bestätigen unsere fachlichen Einschätzungen und umfangreiche Expertisen im Rahmen des Erlaubnisverfahrens und ebenso die Prognosen der vorgelegten Fachgutachten“, erklärt Ute Schlautmann, Leiterin der für die Überwachung zuständigen NLWKN-Betriebsstelle Brake-Oldenburg. 

Bromoform an den Auslässen gefunden

Beim Monitoring werde an allen Auslässen und im Nahbereich des Schiffes auch nach Stoffen gesucht, die durch den schnellen Abbau von Chlor (so genannte Desinfektions-Nebenprodukte) im Meerwasser entstehen können. Auch hier habe es keine negativen Auffälligkeiten gegeben, so das NLWKN. Mit einer Ausnahme: Bromoform, dessen Entstehung aus der Chlorierung schon im Vorfeld erwartet worden war, sei mehrfach an den Auslässen der FSRU gemessen worden. „Jedoch vor der Einleitung und somit vor der Verdünnung durch das umliegende Meerwasser“, betont die Aufsichtsbehörde. Im Meerwasser selbst seien die untersuchten Desinfektions-Nebenprodukte, abgesehen von einer „einzigen toxikologisch unbedenklichen Ausnahme unter Extrembedingungen“, nicht nachweisbar gewesen.

Über die „Höegh Esperanza“, die LNG-Terminal in Sichtweite des Hooksieler Außenhafens liegt, liefern Frachtschiffe seit Anfang 2023 verflüssigtes Erdgas nach Wilhelmshaven. Im Inneren der FSRU wird das minus 162 Grad kalte LNG mit Hilfe von Meerwasser erwärmt und dadurch wieder gasförmig. Damit Seepocken, Algen und Muscheln die Leitungen nicht verstopfen, wird das Rohrsystem gechlort.

Nabu: Verdünnung keine Lösung

Naturschützer und Fischer hatten befürchtet, dass die Chlorierung unter anderem die nahe gelegene Muschelzucht gefährden könnte. Während man die Bedenken beim Landkreis Friesland durch die Vorstellung der Messwerte, so die Einschätzung des NLWKN, ausräumen konnte, bleibt der Naturschutzbund Nabu kritisch. Die Wilhelmshavener Nabu-Vorsitzende Stefanie Eilers: „Auch wenn die Schadstoffe aufgrund der geringen Konzentration nicht nachgewiesen werden können: Verdünnung ist keine Lösung.“ Die Nordsee sei schon jetzt durch die fortschreitende Industrialisierung enorm belastet. 

„Der Schutz des sensiblen Lebensraums Wattenmeer hat für uns höchste Priorität“, beteuert auch Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne). Dazu gehöre auch größtmögliche Transparenz mit Blick auf die Ergebnisse der regelmäßig stattfindenden Untersuchungen. Die Vorstellung und Interpretation der Messwerte beim Landkreis fand übrigens in nicht-öffentlicher Sitzung statt. Ohne Naturschützer und andere interessierte Bürger.

Die Messwerte aus dem Monitoring sind im Internet einsehbar unter: www.nlwkn.niedersachsen.de/ueberwachungesperanza

Umwelthilfe fordert Verbot von Importen von Fracking-Gas nach Deutschland

Wilhelmshaven/Berlin (24. 7. 2024) – Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert ein Importverbot von „Fracking-Gas“. Die vornehmlich in den USA praktizierte Methode zur Gewinnung von Erdgas sei extrem schädlich für Umwelt, Klima und Gesundheit. Betroffen von einem Verbot wäre auch das LNG Terminal Wilhelmshaven in Sichtweite des Hooksieler Außenhafens.

2023 waren 70 Prozent des nach Deutschland importierten LNG Fracking-Gases aus den USA“, so die DUH. Wie ein neuer Bericht der DUH und der NGOs „Food and Water Action Europe“ und „Gas no es solución“ zeige, handle es sich bei rund 88 Prozent des aus den USA importierten 7,1 Milliarden Kubikmetern LNG um Fracking-Gas. „Insgesamt haben sich die LNG-Importe aus den USA in die EU im Vergleich zu 2021 von 22 auf 64 Milliarden Kubikmeter fast verdreifacht“, so die DUH. In dieser Zeit seien die Fracking-Gebiete in den USA massiv ausgeweitet und eine Verdopplung der LNG-Exportkapazitäten genehmigt worden. Mit der Förderung von LNG-Importen wollten Deutschland und die EU vornehmlich die Abhängigkeit von Erdgas aus Russland verringern.

„Der massive Ausbau von LNG-Terminals in Deutschland und die von deutschen Banken und Unternehmen geschlossenen jahrzehntelangen Lieferverträge führen zu mehr Fracking und Exportterminals in den USA“, stellt die DU fest. Für die Menschen, die in den Regionen mit Fracking und Exportterminals leben müssten, habe das gravierende Folgen wie erhöhte Krebsraten, Atemwegserkrankungen, Fehlgeburten sowie schadstoffbelastete Atemluft und Trinkwasser. Schon mehrfach waren Vertreter von Betroffenen-Initiativen aus den USA in Wilhelmshaven, um auf die Zusammenhänge aufmerksam zu machen. 

Nach Ansicht von DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner ist das mit Schiefergasfracking gewonnene Gas das gesundheits- und umweltschädlichste Erdgas, das es überhaupt gibt. In Deutschland sei das Fracking deshalb verboten. „Im Ausland nimmt die Bundesregierung die damit verbundenen Schäden billigend in Kauf, um den Gashunger Deutschlands zu stillen. Das ist pure Doppelmoral“, so Müller-Kraenner. 

Ein Verzicht auf Fracking-Erdgas sei möglich, da sich die befürchtete Gasmangellage sich nicht eingestellt habe. „Die Gasspeicher sind auch nach der Heizperiode gefüllt und die bestehenden LNG-Terminals sind nicht ausgelastet.“ Für die Versorgungssicherheit sei der Import von Fracking-Gas aus den USA nicht nötig.  Eine entsprechende DUH-Petition sei bereits über 11.000 Mal unterzeichnet worden und solle zum Ende des Jahres dem Petitionsausschuss des Bundestags vorgelegt werden.

Gemeinde bezweifelt Messungen und pocht auf Ultraschall-Verfahren

Wangerland/Wilhelmshaven (20. 12. 2023) – Die Gemeinde Wangerland pocht auf die Umrüstung der „Höegh Esperanza“ auf eine Ultraschall-Reinigung. Wie Bürgermeister Mario Szlezak (SPD) in einer Stellungnahme betonte, lehne man die von Betreiber Uniper ins Auge gefasste Stoß-Chlorierung des Rohleitungssystems an Bord der FSRU ab, da dabei giftige Brom-Verbindungen entstehen, die in die Jade fließen.

Uniper als Betreiber des bundeseigenen LNG-Terminals in Wilhelmshaven hatte zum 31. August ein Minimierungskonzept zum Chloreinsatz an Bord der vor der Hafeneinfahrt von Hooksiel liegenden „Höegh Esperanza“ vorgelegt. Über die „Floating Storage and Regasification Unit“ (FSRU) wird bekanntlich seit einem Jahr verflüssigtes Erdgas importiert und regasifiziert. 

Um das von Meerwasser durchspülte Rohrleitungssystem im Schiff vor dem Befall von Muschel und Alten zu bewahren, wird Chlor eingesetzt. Die Gemeinde weist darauf hin, dass Uniper in seinem Minimuierungskonzept den Einsatz physikalischer Reinigungsverfahren (wie zum Beispiel die Ultraschallreinigung) von vorn herein ausgeschlossen habe. Dafür seien in dem Konzept reihenweise chemische Verfahren untersucht worden wie die derzeit angewandte Chlorierung und die geplante Stoß-Chlorierung. 

Szlezak: Brom ist ein Nervengas

Bei allen untersuchten chemischen Verfahren würden Brom-Verbindungen entstehen, die letztlich in die Jade ausgestoßen werden. „Brom ist ein Nervengift“, so Bürgermeister Szlezak. „Anfang 2023 gab es überhöhte Bromwerte in der Jade, woraufhin Probenahmen erfolgten. Der Ursprung der erhöhten Werte sowie Messergebnisse wurden nie veröffentlicht.“

Das Ultraschallverfahren der Firma Hasytec werde bei der zweiten FSRU, der „Höegh Excelsior“, die von Tree Energy Systems (TES) betrieben werden wird, schon vor deren Einsatz eingebaut. Uniper lehnt dieses Verfahren ab, weil angeblich die Betriebsrisiken zu groß seien. Es werden für die Ultraschall-Reinigung eine Vielzahl von Sensoren eingebaut. Nach Darstellung der Gemeinde befürchte Uniper, dass der Ausfall einzelner Sensoren nicht entdeckt werden könne und sich in dem davon betroffenen Rohr-Abschnitt Biofouling entwickeln könnte. 

Diese Aussage ist aus Sicht der Gemeinde unhaltbar. Das Ultraschall-Reinigungsverfahren von Hasytec sei derzeit auf 800 Schiffen im Einsatz, unter anderem auf Kreuzfahrtschiffen, bei deren Größe eine ähnliche Anzahl von Sensoren verbaut sein dürfte. 

Zweifel an den Mess-Methoden

Mit Blick auf die Entwarnung zu des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN), das bislang keine Chlor- und Brom-Belastungen im Jadewasser festgestellt haben will, meldet die Gemeinde Zweifel an den Messungen an. So sei bislang nicht veröffentlicht worden, wo genau die Proben entnommen worden sind. Zu erwarten wären Brom-Verbindungen am Meeresboden, wohin das eingeleitete kältere Abwasser sinke und sich zu einer Wolke verdichte. 

Angesichts des geringen Anteils von verflüssigtem Erdgas an den Gasimporten Deutschlands könne keine Rede davon sein, dass das LNG-Terminal „einen wesentlichen Beitrag zur Gasversorgung“ leiste. Damit sei bei der Genehmigung der Anlage aber der Verzicht auf eine Umweltverträglichkeit-Untersuchung begründet worden. „Eine sorgfältige Umweltverträglichkeit-Untersuchung hätte dazu führen können, dass es nur eine zeitlich begrenzte Genehmigung für die chemische Rohrreinigung gegeben hätte und der Umbau auf umweltneutrales Ultraschallreinigung zwingend vorgeschrieben worden wäre“, argumentiert die Gemeinde. 

Es sei zu vermuten, dass die Entscheidung zur Stoß-Chlorierung ausschließlich wirtschaftliche Gründe habe. Allerdings müsse die Gemeinde Wangerland als Anlieger mit den Entscheidungen, die jetzt vom Betreiber und dem NLKWN getroffen werden, 20 Jahre lang leben. „Das bedeutet, dass allein über 600 Tonnen Chlor in dieser Zeit vor unserer Haustür landen.“ 

Umwelthilfe klagt gegen Einsatz von Chlor an Bord der „Höegh Esperanza“

Wilhelmshaven/Hooksiel (19. 12. 2023) – Trotz der jüngsten Entwarnung durch die Genehmigungsbehörde: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat am heutigen Dienstag beim Bundesverwaltungsgericht Klage gegen den Einsatz von Bioziden beim Betrieb des LNG-Terminalschiffs „Höegh Esperanza“ vor Wilhelmshaven eingereicht. Die Umwelthilfe möchte damit einen Stopp der Chlor-Einleitungen erreichen. 

DUH: Gefahr für sensibles Ökosystem Wattenmeer

Die Betreiber der FSRU (Floating Storage and Regasification Unit) verwenden Chlor, um die Rohrsysteme des Terminalschiffs zum Beispiel vom Befall mit Muscheln und Algen zu reinigen. In der Folge werden mit dem Abwasser Chlor-Biozide in die Jade geleitet. Die DUH kritisiert, dass dies das sensible Ökosystem der Jade und des Wattenmeers erheblich gefährde und fordert die unverzügliche Umrüstung des Terminalschiffs auf den aktuellen Stand der Technik ohne Chlor.

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hatte erst vor wenigen Tagen eine Zwischenbilanz zum Gewässer-Monitoring an und um die „Höegh Esperanza“ veröffentlicht. Danach seien im ersten Jahr des Betriebes der FSRU keine über die genehmigen Mengen erhöhten Chlorwerte festgestellt worden. Die meisten Werte lagen unter der Nachweisgrenze. Gutachter hatten vor diesem Hintergrund einen Betrieb der vor der Hooksieler Hafeneinfahrt liegenden „Höegh Esperanza“ ausgeschlossen – trotz der Elektro-Chlorierung an Bord. 

Es gibt schonendere Alternativen

DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller Kraenner der DUH wird Betreiber Uniper dennoch vor, die Nordsee zu verschmutzen, obwohl schonendere Alternativen für das so genannte Antifouling vorhanden seien. „Das Wattenmeer wird damit leichtfertig als Müllhalde missbraucht.“ Dass die Regasifizierung des flüssigen Erdgases auch ohne Chlorensatz funktioniere, beweise das zweite Terminalschiff „Excelsior“, das im Februar in der Jade festmachen soll. Hier soll das Rohrsystem mit Hilfe eines Ultraschall-Verfahrens geschützt werden – ohne Biozide. 

Die DUH habet mit anderen Umweltverbänden und Fischereibetrieben das Bundeswirtschaftsministerium, das Land sowie die Genehmigungsbehörden mehrfach darauf hingewiesen, dass der Betrieb des Terminalschiffs mit Biozid aus ihrer Sicht rechtlich nicht zulässig sei, zumal umweltfreundlichere Lösungen zur Verfügung stünden. Auch der Haushaltsausschuss des Bundestages habe das Bundeswirtschaftsministerium bereits im März 2023 aufgefordert, die Umrüstung der „Höegh Esperanza“ einzuleiten. 

„Uniper und die Zulassungsbehörde müssen endlich handeln, anstatt weiter die Hände in den Schoß zu legen. Mit unserer Klage werden wir den Schutz des Wattenmeers über den Rechtsweg jetzt durchsetzen“, ist Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der DUH, zuversichtlich: „Leidtragende des Biozid-Einsatzes sind auch die Krabben- und Muschelfischer an der Jade. Diese drohen ihre Existenzgrundlage zu verlieren, wenn die Einleitung von Chlor-Biozid unmittelbar neben den Muschelkulturen ungebremst fortgesetzt wird.“