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Beiträge veröffentlicht in “Wangerland”

Unabhängige geben Einblick ins Thalasso-Desaster

Wangerland (27. 8. 2026) – Die letzten Kapitel zum Thema Thalasso-Desaster sind noch nicht geschrieben. Auch ist die Frage noch offen, mit welcher Überschrift sie versehen werden müssen: „Pleiten, Pech und Pannen“ oder eher „Größenwahn, Unfähigkeit und Untreue“. Noch laufen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Fehlende Abstimmungen, keine Dokumentationen, schlechte Kommunikation: Die Zustände beim Bau des Thalasso Meeres Spa muten chaotisch an. Am Ende stand eine Kostenexplosion und ein möglicherweise dauerhaft unwirtschaftlicher Gesundheitstempel. Foto: hol

Am Mittwochabend gab die Gruppe der Unabhängigen im Rat der Gemeinde Wangerland (ZUW) im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung einen Einblick in ein Zwischengutachten eines Bausachverständigen, der im Auftrag der Gemeinde die Kostensteigerung von 4,7 über 8,8 auf am Ende über 20 Millionen Euro nachvollziehbar machen soll. Das Papier liegt seit April wurde, wurde aber bislang von der Gemeinde mit Verweis auf rechtliche Bedenken unter Verschluss gehalten. Die gute Nachricht, so ZUW-Sprecher Dieter Schäfermeier: Der Gutachter geht von Gesamtkosten von „nur“ 21,6 Millionen Euro aus. Zuletzt waren 23 Millionen und mehr befürchtet worden.

Mit Bemühen um Transparenz gescheitert

Wohl auch am großen Interesse an dem Gutachten dürfte es gelegen haben, dass sich über 50 Interessierte im Dorfgemeinschaftshaus in Hohenkirchen einfanden, in dem zunächst Ratsfrau Geraldine Vogdt das Wahlkampfprogramm der Wählergemeinschaft „Pro Wangerland“ und die Erkenntnisse aus der bisherigen Arbeit im Gemeinderat vorstellte. Dabei habe das Bemühen um Transparenz beim Bau des „Thalasso Meeres Spa“ (TMS) in Horumersiel einen Schwerpunkt gebildet. Als ZUW sei man allerdings lange mit dem Bemühen um mehr Kontrolle der Wangerland Touristik GmbH (WTG) bei dem Bauvorhaben an der Ratsmehrheit gescheitert.

Erst Ende 2024 sei das Ausmaß der Kostensteigerungen offenkundig geworden. Wie Geraldine Vogdt sagte, sei sie eine von zwei Anzeige-Erstattern, die die strafrechtlichen Ermittlungen in der Angelegenheit ins Rollen gebracht hätten. Auch weil sie immer wieder mitten in der Nacht Lastwagen beobachtet habe, die Baumaterialen zur TMS-Baustelle gebracht und dort hinter einem Bauzaun abgelegt hätten – für jedermann zugänglich. Ohne Annahmekontrolle.

Schäfermeier (rechts, mit Bernd Abrahams), der nach erste Bedenken im Rat an den letzten 64 Baubesprechungen des im Sommer 2024 eingeweihten Gesundheitstempels teilgenommen hat, stellte eine Zusammenfassung des Gutachtens vor, das für Nicht-Baufachleute kaum verstehbar sei.

Eine sich durch das Papier ziehende Erkenntnis: Es fehlen prüffähige Unterlagen wie Protokolle, Nachweise, Bautagebücher, Bauablaufpläne und Prüfberichte. Bei der WTG habe man nicht einmal ein eigenes Baukonto für das Großprojekt eingerichtet, so dass alle Rechnungen über das laufende Girokonto des Unternehmens abgewickelt werden mussten.

Architekt schon überbezahlt?

Aus den Lücken in der Dokumentation und der fehlenden Transparenz der Unterlagen ergeben sich eine Fülle von Streitpunkten. So habe der Architekt etwa aus Sicht des Gutachters auf Grundlage der ursprünglichen Kostenberechnung in Höhe von 8,8 Millionen Euro einen Honoraranspruch von rund 1,5 Millionen Euro. Mit für den Fachmann zum Teil nicht nachvollziehbaren Kostensteigerungen stieg auch die Honorarforderung des Architekten. Ausgezahlt wurden etwa 2,8 Millionen Euro. Der Gutachter geht von einer Überzahlung in Höhe von 1,4 Millionen Euro aus. Der Architekt seinerseits hat hingegen noch Nachforderungen von mehreren Millionen Euro angemeldet.

Als Fehler habe sich erwiesen, dass die WTG als Auftraggeberin die Projektleitung eigenständig übernommen hat. Die Projektabwicklung sei von dieser Seite ohne jede Fachkenntnis, Kontrolle und Führung erfolgt. Von Auftragnehmern wurden Rechnungen gestellt, ohne dass die erforderlichen Nachweise dafür erbracht wurden. „Die vertraglich vereinbarte Prüfung der Einhaltung von Verträgen und Leistungen wurde nicht ordnungsgemäß durchgeführt“, heißt es in dem Gutachten.

Missmut auf der Baustelle

Und das alles zu Zeiten von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg, die zwar aus Sicht des Gutachters nur für einem geringen Teil der Kostensteigerungen verantwortlich waren, die aber die Bauabläufe deutlich beeinträchtigt haben dürften – und in der Folge ohne die nötige Kommunikation zwischen Bauherren, Architekten und Baufirmen zu Missmut und Chaos auf der Baustelle geführt haben. „Die Bauleitung war völlig überfordert“, so der Eindruck von Schäfermeier.

Thalasso Meeres Spa
Die Kosten für den Bau des Thalasso Meeres Spa sind aus dem Ruder gelaufen – auch weil die Wangerland Touristik als Bauherrin immer wieder Sonderwünsche zu Ausstattung und Qualität der Baustelle angemeldet hat. Foto: WTG

Ein wesentlich Faktor für die immensen Kostensteigerungen waren aus Sicht der ZUW die immer neuen Wünsche des damaligen Geschäftsführers der WTG. Nach einem Besuch der Thalasso-Einrichtungen auf Norderney im Juli 2020 habe er offenbar eine Fülle neuer Erkenntnisse gewonnen, die zu erheblichen Umplanungen (und Verteuerungen) des Projektes in Horumersiel führten. Wie der Gemeinderat erst 2024 erfahren habe, musste deshalb seinerzeit bereits ein neuer Bauantrag gestellt werden.

Pleite beim geplanten Wasserfall

Unter anderem musste der ursprünglich für die Fassade vorgesehene Bockhorner Klinker weißen Steinen weichen, eine Kältekammer wurde bestellt, neue Edel-Fliesen geordert. Farbe wurde als Wandverzierung als zu schnöde bewertet. Holztüren ersetzten Standardtüren, Lampen, Behandlungsplätze – alles sollte vom Feinsten sein.

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Ein Eingangsbereich mit Tresen aus Edelhölzern und einem Wasserfall an der Wand wurde konzipiert. Allein der Wasserfall habe 60.000 Euro gekostet, schilderte Schäfermeier. Der Preis für die Sonderanfertigung musste die WTG im voraus zahlen. Da dann das beauftragte Unternehmen pleite ging, war das Geld futsch – und der Wasserfall Geschichte.

Ähnlich bunt eine Posse um die Sprechfunkanlage, über die im Brandfall die Patienten in den Behandlungsräume gewarnt werden sollen. Auf Wunsch der Geschäftsführung sollte darüber auch Musik abgespielt werden können. Es wurde eine entsprechende Software installiert – die aber nur englische Sprache übermittelt. Für Brandschutzzwecke also wenig hilfreich. Auch Nachbesserungen gestalteten sich schwierig, zumal es keine Dokumentation dazu gibt, wo welche Stromkabel verlegt wurden. Also mussten die schönen neuen Wände teilweise wieder aufgeklopft werden …

Suche nach Verantwortlichen

Eine Frage, die die anschließende Debatte beherrschte: Wer hätte wann das drohende Chaos beim Thalasso-Bau stoppen können – und vielleicht auch müssen? Schließlich werde durch die Insolvenz der WTG Vermögen der Gemeinde vernichtet. Warum, so wollte Manfred Meppen, ehemaliger Beamter in Diensten der Gemeinde, wissen, habe niemand zum Beispiel die Kommunalaufsicht eingeschaltet?

Als Grund dafür verwiesen Geraldine Vogdt, Dieter Schäfermeier und Immo Müller (UWW) und Pro-Wangerland-Bürgermeisterkandidat Bernd Abrahams darauf, dass man sich im Rathaus lange Zeit nichts vom Ausmaß des Desasters gewusst habe. Die WTG brauche nicht mehr Kontrolle, sondern mehr Unterstützung, habe es von anderen Gruppierungen geheißen. Unter anderem hatte die WTG-Geschäftsführung Schäfermeier vorgeworfen, eine Hetzjagt zu betreiben.

Der Hooksieler hatte schon Anfang 2022 Zweifel an der Wirtschaftlichkeits-Berechnung fürs Thalasso gezweifelt. „Grundlage dafür waren Massagezahlen aus dem alten Reh-Zentrum aus 2007/2008.“ Um das Zentrum wirtschaftlich betreiben zu können, hätten die geplanten Mitarbeiter 16 bis 24 Stunden am Tag arbeiten müssen. An ein drohendes jährliches Millionen-Defizit mochte im Rathaus niemand glauben. Immo Müller: „Ich gehe davon aus, dass der Bürgermeister und auch der größte Teil des Rates dem Geschäftsführer voll vertraut haben.“ Die tatsächlichen Zahlen seien lange weder dem Rat noch der Verwaltung bekannt gewesen.

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Hooksieler beeindruckt Konzert-Besucher in Horumersiel

Hooksiel/Horumersiel (26. 8. 2026) – Benny Köster (Foto) ist auf dem besten Weg, fester Bestandteil der Konzertreihe „Live hinterm Deich“ zu werden. Nach seinem Auftritt vor vier Wochen beim Konzert in Hooksiel, zeigte der Nachwuchsmusiker an diesem Dienstag in Horumersiel sein Können.

Mit Klassikern wie „Wind of Change“ auf der Gitarre – noch mit dem alten Text – und „Lambada“ auf dem Saxophon begeisterte der Hooksieler sein Publikum, zu dem neben Einheimischen auch viele Urlaubsgäste zählten. Im Anschluss traten die „Die Ungesteckerten 3“ aus Ostfriesland auf, die Coverversionen von zahlreichen bekannten Songs zum Besten gaben.

Die Konzertreihe „Live hinter Deich“ wird von der Wangerland Touristik GmbH angeboten. Konzerte finden jeweils dienstags in Horumersiel und donnerstags in Hooksiel statt. Beginn ist um 19 Uhr. Diesen Donnerstag, 27. August, tritt auf der Bühne am Gästehaus Hooksiel der „Shantychor Likedeeler“ auf. Der Eintritt ist frei. „Die Ungesteckerten 3“ werden übrigens am Donnerstag, 17. September in Hooksiel erwartet.

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Debatte über die Zukunft von Hooksiel: Viel Arbeit für die Politik

Hooksiel (26. 8. 2026) – Der Ort Hooksiel wird weiter wachsen. Davon jedenfalls sind die Kommunalpolitiker überzeugt, die sich am Dienstagabend auf Einladung des Hooksieler Seebadevereins zum „Parteien-Talk“ eingefunden hatten. Vor rund 80 Interessierten diskutierten sie zwei Stunden lang über Infrastrukturprojekte, in der nächsten Wahlperiode unbedingt angegangen werden müssen – oder halt auch nicht.

Auf dem Podium im Gästehaus die Kommunalpolitiker (von rechts) Fabian Ulbrich, Andy Strümpel, Gaby Szlezak, Holger Ulfers und Dieter Schäfermeier sowie der Moderator Gerd Abeldt von „Hooksiel-life“. Foto: hol

Thomas Leimkühler aus dem Seebadevereins-Vorstand begrüßte mit Dieter Schäfermeier (Pro Wangerland), Andy Strümpel (CDU), Gaby Szlezak (Bündnis 90/Die Grünen), Holger Ulfers (SPD) und Fabian Ulbrich (Freie Wähler) Kandidatinnen und Kandidaten von Wählergruppen und Parteien, die sich bei der Kommunalwahl am 13. September um Mandate im Gemeinderat bemühen. Die Kandidatin der AfD war zeitlich verhindert. Und auch die FDP fehlte.

Großbaustelle Alter Hafen

Einigkeit besteht zum Thema Strandsicherung. In dem geplanten Bau eines Deckwerkes, das den von Strömung und Sturmfluten bedrohten Badestrand sichern sollt, sehen alle eine Chance für Hooksiel. Sehr wichtig ist nach der Einschätzung der Politiker auch die Entwicklung am Alten Hafen, insbesondere die zukünftige Nutzung des ehemalige Feuerwehrareals. Die Gemeinde sucht hierfür seit 2022 einen Investor. Bislang erfolglos. Aktuell wartet man auf die Präsentation von Plänen für den Bau einer Markthalle.

Hier überwog auf dem Podium die Skepsis. „Die schöne Markthalle in Aurich wurde schnell wieder geschlossen“, sagte Ulbrich. Eine Halle kombiniert mit Hotelzimmern im Obergeschoss? „Wer will schon über einem Markt wohnen, in dem immer Betrieb ist“, fragte Dieter Schäfermeier. Strümpel hofft weiterhin auf ein Hotel für dieses Filetgrundstück. Holger Ulfers und Gaby Szlezak rieten dazu, die Entscheidung nicht über Knie zu brechen. Ulfers: „Wir dürfen hier vor allem nichts falsch machen.“

Auch jenseits des Feuerwehrareals sehen die Politiker am Alten Hafen großen Handlungsbedarf. Der Hafenplatz sollte barrierefrei sein, das Kopfsteinpflaster ersetzt, die Sanitäranlage erneuert werden. Wie stabil ist die Kaimauern noch? Wie lässt sich auf Dauer die Wasserqualität sichern? Fragen über Fragen. Schäfermeiers Vorschlag „Wir sollten eine Arbeitsgruppe mit allen zuständigen Behörden und Institutionen bilden, um die Probleme anzugehen“ blieb unwidesprochen.

Knackpunkt Trabrennbahn

Klar Position bezogen die Politiker zur geplanten touristischen Entwicklung des Freizeitgeländes durch die landeseigene Hafengesellschaft NPorts. Zumindest zu einem Detail. Aus Sicht von SPD und Pro Wangerland soll die Trabrennbahn an der Bäderstraße auf jeden Fall dauerhaft erhalten bleiben. Andy Strümpel hielt für die CDU dagegen. Wenn sich ein Investor zum Beispiel für einen attraktiven Hotelbau an dieser Stelle finde, müsse die nur an drei Tagen im Jahr genutzte Pferdesportarena weichen. Zumal ohnehin niemand sagen könne, ob Trabrennsport eine Zukunft habe. Hotel hin oder her – die Grünen sehen den Tiersport ansich schon kritisch. Gaby Szlezak: „Wenn Pferde bei 35 Grad Rennen laufen müssen, ist das für mich fragwürdig.“

Weiteres Thema: Die Zukunft des ehemaligen Meerwasser-Hallenwellenbades und der umliegenden Flächen. Das Areal gehört der insolventen Wangerland Touristik GmbH (WTG) und steht zum Verkauf. Der Einfluss der Politik auf die Auswahl des Investors sei nur gering, so Schäfermeier. Und die WTG brauche das Geld, um wieder auf die Beine zu kommen.

Hotel statt Hallenbad?

Dass an dem Standort ein Schwimmbad erhalten bleibt, gilt als ausgeschlossen. Wahrscheinlicher sei ein Hotelbau, der aber maximal vier Geschosse hoch sein dürfte, so Ulfers. Den Vorschlag von Ulbrich, die Fläche für Wohnbebauung zu nutzen, hält Schäfermeister für abwegig. Bei dem hohen Preis für Grundstück und Abrisskosten gebe es keine Alternative zu einer intensiven Nutzung,

Von großer Bedeutung für Hooksiel ist nach Überzeugung von Holger Ulfers der Einstieg in die Bauleitplanung für die Freifläche zwischen der Bäderstraße und dem Altendeich. Hier könnten Grundstücke für Dauerwohner entstehen, möglicherweise sei auch Platz für den Neubau eines Kindergartens, den auch Gaby Szlezak und Andy Strümpel für in absehbarer Zeit erforderlich halten. Für den CDU-Politiker könnte ein Kindergarten eine sinnvolle Nachnutzung für das Gästehaus sein, das der WTG gehört. Ulfers sprach sich zudem für einen Discounter-Standort in der Nähe des neuen Feuerwehrgerätehauses aus, mitten im Ort. Strümpel und Szlezak würden sich auch über einen Netto-Markt im Gewerbegebiet freuen.

Wohnungen statt Walter-Spitta-Haus

Einigkeit in der Runde bestand darüber, dass vor allem auch bezahlbarer Wohnraum etwa für junge Leute oder für Senioren geschaffen werden müsse. Schäfermeier verwies darauf, dass die Gemeinde mit der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Friesland über die Nutzung der Freiflächen am Walter-Spitta-Haus im Gespräch sei. Die Kirche will das Gemeindehaus aufgeben. Denkbar wäre die Erweiterung der benachbarten Altenwohnanlage. Diskutiert wurde darüber hinaus über den Bau von Mehrfamilienhäusern und die Verdichtung der Bebauung im Ort, etwa durch die Nutzung großer Gärten oder – wie Strümpel anregte – den Abriss von maroden Altbauten.

In der Debatte wurden eine Reihe weiterer Positionen deutlich. Unter anderem forderte Andy Strümpel weitere Gewerbeflächen für Hooksiel, Holger Ulfers hält die Sanierung der maroden Georg-Adden-Straße sowie die Planung der Grundschul-Erweiterung für dringend erforderlich. Fabian Ulbrich unterstrich die Dringlichkeit des Baus eines Radweges entlang der Landesstraße von Hooksiel nach Waddewarden. Gaby Szlezak wies auf die große Bedeutung von Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen vor Ort hin.

Gemeinde hofft auf Geld von der WTG

Viele Projekte erfordern viel Geld. Wo soll das herkommen, zumal die Gemeinde schon jetzt einen hohen Schuldenstand hat? Dieter Schäfermeier zeigte sich optimistisch. Wenn das Insolvenzverfahren für die WTG gut laufe, werde die Gemeinde ihr Geld zurückbekommen, das sie der Tourismustochter einst geliehen hat. „Dann wird unser Handlungsrahmen deutlich besser.“

Im Anschluss hatte das Publikum Gelegenheit, weitere Fragen an die Politiker zu stellen: Inwieweit hat die Gemeinde Fördertöpfe im Blick? Gibt es eine Gesamtstrategie für die Entwicklung des Wangerlandes? Wer kümmert sich eigentlich um die Schafe am Deich, die unter der Hitze leiden? Fragen über Fragen, die deutlich machen, dass es noch viel Redebedarf gibt.

Nächste Podiumsdebatte

Die nächste Podiumsdiskussion des Seebadevereins ist für Dienstag, 8. September, ab 19 Uhr im Gästehaus angesetzt. Auf dem Podium werden dann die Bürgermeister-Kandidaten Mario Szlezak (SPD), Thies Fischer (CDU) und Bernd Abrahams (Pro Wangerland) erwartet. 

Gästestatistik erlaubt nur wenig Rückschlüsse auf Ursachen

Wangerland (25. 8. 2026) – Die Lage ist schwierig, aber nicht hoffnungslos. Das ist die Botschaft, die man seit Wochen hinter vorgehaltener Hand zum Stand des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung der Wangerland Touristik GmbH (WTG) hört. Während Insolvenzverwaltung, Geschäftsführung und Gläubigerausschuss versuchen, die finanzielle Lage des gemeindeeigenen Tourimusunternehmens durch Personalabbau, Schließung defizitärer Unternehmenssparten und Verkäufe von Immobilien zu verbessern, lecken sich eine Reihe von Vermietern und Gastronomen schon die Wunden.

Noch ist nicht absehbar, wie sich die Gästezahlen in 2026 im Wangerland entwickeln. Bei der WTG geht man davon aus, dass die Vorjahreszahlen noch zu erreichen sind. Foto: hol

Insbesondere die Schließung der Schwimmbäder in Hooksiel und Horumersiel habe zu erheblichen Einbrüchen bei den Vermietungszahlen geführt, heißt es. Die WTG hält dem entgegen, dass sich dieser Trend aus der Gästestatistik auf Basis der gezahlten Gästebeiträge so nicht ableiten lasse. Gemeindeweit bewege sich die Zahl der Ankünfte und Übernachtungen auf Vorjahresniveau.

Schwierige Analyse

Rückgänge der Gästezahlen in einzelnen Orten oder in einzelnen Betriebsarten könnten unterschiedliche Ursachen haben. So habe sich möglicherweise die Zahl der wirtschaftlichen Akteure verändert, Quartiere seinen geschlossen worden oder neue hinzugekommen. Auch längere Sanierungsphasen könnten die Zahlen der Übernachtungen beeinflussen. Schon deshalb seien Vergleiche und vor allem die Rückschlüsse auf Ursachen schwierig.

Noch schwieriger wird eine Analyse, weil die WTG sich aktuell weigert, absolute Zahlen für Ankünfte und Übernachtungen aufgeschlüsselt nach einzelnen Ortslagen wie etwa Horumersiel/Schillig, Hooksiel oder Hohenkirchen herauszugeben. „Aufgrund der teilweise geringen Anzahl an Beherbergungsbetrieben könnten aus einer solchen Darstellung Rückschlüsse auf einzelne Betriebe und deren Geschäftsentwicklung gezogen werden“, teilt das Unternehmen auf eine entsprechende Anfrage von „Hooksiel-life“ mit.

Viele Urlauber bedauern, dass es das Hallenwellenbad Hooksiel nicht mehr gibt. Inwieweit das fehlende Angebot die Zahl der Vermietungen im Umfeld beeinflusst, ist umstritten. Archiv-Foto

Dieses Argument dürfte vor allem für Hohenkirchen gelten. Dort ist das „Wangerland-Resort“ seit dem Frühjahr 2025 in Betrieb. Zuvor hatte es am Standort mindestens drei Jahre lang keine touristischen Übernachtungen gegeben. Auch wenn die große Zahl an Schülerinnen und Schülern, die das Resort im Rahmen von Klassenfahren besuchen, sich nicht in der Gästestatistik der WTG niederschlägt, wäre zu erwarten, dass die sonstigen Gäste in dem gut gebuchten Quartier die Übernachtungszahlen in der Gemeinde steigen lassen.

Mehr Übernachtungen in Hotels

Für diese Annahme spricht, dass nach der WTG-Gästestatistik die Zahl der Übernachtungen in Hotels im Wangerland insgesamt in den ersten sieben Monaten diese Jahres um 9,5 Prozent auf 110.637 zugenommen hat. Rund 20 Prozent der rund 796.000 Übernachtungen bis Ende Juli seien in Hotels gebucht worden. Inwieweit des Verschiebungen zwischen den unterschiedlichen Hotelstandorten gegeben hat, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen.

Hoteliers und Betreiber von Pensionen und Ferienanlage verweisen auf ihre Erkenntnisse aus persönlichen Gesprächen mit Gästen, die bedauern würden, dass es weder in Hooksiel noch in Horumersiel ein Schwimmbad mehr gebe. In der Hauptsaison schlage sich dieser Unmut nur bedingt in den Umsatzzahlen nieder, da die Häuser dann auch ohne Bäder noch nahezu ausgebucht seien.

Massive Einbrüche

Massive Einbrücke habe man aber in der Vorsaison erlebt und erwarte sie auch für die Nachsaison. Trotz der Beteuerungen der Vermieter gegenüber ihren Gästen, dass es im Radius von 20 Kilometern mehrere Hallenbäder gibt. „Viele Gäste planen ihren Urlaub inzwischen mit Hilfe der KI. Wenn wir dann kein Bad mehr vorweisen können, sind wir bei der Suche raus“, schildert eine Vermieterin.

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Schlechte oder zumindest zurückgehende Buchungszahlen können aber auch ganz anderer Ursachen habe, sagt Matthias Suckert. Der Inhaber der „Agentur am Meer“ in Hooksiel verweist auf eine Analyse von 1562 Buchungen von Ferienvermietungen. Eine Erkenntnis: „Die Wahrnehmung, dass die Buchungszahlen sinken, betrifft in der Regel Betriebe mit starren Mindestaufenthalten – zum Beispiel wochenweise – und langen Reaktionszeiten.“ Anbieter von Ferienwohnungen, die auch Aufenthalte unter fünf Tage zulassen und über Online-Kanäle schnell buchbar seien, würden eine starke und wachsende Nachfrage bedienen.

Immer mehr Kurzurlauber

Der Anteil der Kurzurlaube von bis zu fünf Tagen nehme deutlich zu und mache bereits 31 Prozent der Buchungen aus. 19,5 Prozent der Gäste würden für fünf bis sechs Nächte buchen. Der Anteil der „klassischen“ Buchungszeiten von einer oder zwei Wochen liege nur noch bei 39,5 Prozent.

Matthias Suckert

„Vermieter, die ihre Konditionen nicht an dieses veränderte Gästeverhalten anpassen, erleben Leerstände, die von flexiblen Anbietern problemlos gefüllt werden“, ist Suckert (auf dem Foto links) überzeugt.

Die WTG hält sich mit einer Prognose für das gesamte Jahr 2026 noch zurück. Bis Ende Juli hätten die Zahlen bei den Ankünften um 4 Prozent, die der Übernachtungen um 2,1 Prozent unter denen von 2025 gelegen. Das könne aber auch mit „Sondereffekten“ zu tun haben, die die Statistik verzerren. Dazu rechnet die WTG beispielsweise die unterschiedlichen Ferienzeiten, aber auch die schwierige Anlaufphase nach dem Verkauf des Campingplatzes in Hooksiel mit einer Reihe von Modernisierungen. „Solche Faktoren beeinflussen die nackten Zahlen erheblich, ohne dass die eigentliche touristische Attraktivität eines Ortes dadurch sinkt“, heißt es in der WTG-Stellungnahme.

Konkrete Entwicklungen und belastbare Daten wolle man zum Jahresende beziehungsweise zum Saisonabschluss präsentieren. „Sobald die Datenlage vollständig vorliegt.“

In Schlangenlinien durch Hohenkirchen gefahren

Hohenkirchen (23. 8. 2026) – Am frühen Sonntagmorgen hat eine Streife des Polizeikommissariats Jever die Fahrt eines alkoholisierten Autofahrers beendet. Gegen 4.10 Uhr, so die Polizei, seien die Beamten auf der Jeverschen Straße in Hohenkirchen auf einen Pkw aufmerksam geworden, der durch eine stark in Schlangenlinien geführte Fahrweise auffiel.

Bei der anschließenden Kontrolle stellten die Einsatzkräfte bei dem Fahrzeugführer deutliche alkoholbedingte Ausfallerscheinungen fest. Ein vor Ort durchgeführter Atemalkoholtest bestätigte den Verdacht und ergab einen Wert von 1,43 Promille. Als Beweis die Fahruntüchtigkeit wurde eine ärztliche Blutentnahme in einem Krankenhaus angeordnet. Gegen den Fahrer wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Gemeinde soll endlich Planung am Kreuzhamm vorantreiben

Wangerland/Hooksiel (22. 8. 2026) – Nach dem beschlossenen Verkauf der Rundinsel im Wangermeer bei Hohenkirchen an Dirk Boll, einer der Geschäftsführer des „Wangerland Resort“, will die Gemeinde jetzt die Bauleitplanung vorantreiben. Der Ausschuss für Gemeindeentwicklung gab grünes Licht dafür, dass die Verwaltung ein Planungsbüro damit beauftragt, einen Bebauungsplan zu entwickeln, der die Gestaltung einer „Abenteuerinsel“ ermöglicht.

B-Plan für Abenteuerinsel

Das Planungsgebiet umfasst die 20,27 Hektar große Inselfläche, die Zuwegung sowie eine Fläche an der Straße Jelliestede, an der ein Anleger für den Inselverkehr entstehen könnte. Die „Abenteuerinsel“ soll als weitere Attraktion das „Wangerland Ressort“ bereichern und weitere Urlauber ins Wangerland holen. 

Noch nicht beschäftigt hat sich die Bauabteilung der Gemeinde in den vergangenen zwei Jahren mit der künftigen Entwicklung der Grundstücke an der Straße Kreuzhamm in Hooksiel. Wie der zuständige Abteilungsleiter Peter Podein einräumte, sei seit der Verhängung einer Veränderungssperre im September 2024 noch nichts weiter passiert. Der Ausschuss empfahl, die Sperre um ein Jahr zu verlängern. Zudem forderte die Politik die Verwaltung auf, das Projekt jetzt auch inhaltlich anzupacken.

Fläche für Grundschul-Erweiterung

Die Veränderungssperre ermöglicht die Umsetzung von städtebaulichen Zielen. Ein Teil des betroffenen Areals soll für eine möglicherweise notwendige Erweiterung der Grundschule Hooksiel gesichert werden. Darüber hinaus will sich die Gemeinde Gedanken über die Zulässigkeit von Ferienwohnungen und Zweitwohnungen am Kreuzhamm machen und die Festsetzungen zur Bebauung der Grundstücke überprüft.

Rätselraten über Lücke bei Einnahmen aus Parkgebühren

Wangerland (21. 8. 2026) – Die Haushaltslage der Gemeinde Wangerland ist mit Stand Ende Juli „solide“. Wie Gemeindekämmerer Arthur Wichmann vor dem Finanzausschuss des Gemeinderates ausführte, würden sich die allermeisten Einnahmeposten so wie erwartet entwickeln. Insbesondere bei den großen Einnahmeposten wie Gewerbesteuern, Grundsteuern, Schlüsselzuweisungen und Konzessionsabgaben sowie dem Anteil der Gemeinde an der Einkommensteuer lägen die tatsächlichen Einnahmen nahezu punktgenau auf Höhe der prognostizierten Ansätze, zum Teil sogar darüber.

Gästebeiträge mit Aufholpotenzial

Die Summe der von der Gemeinde eingezogenen Gästebeiträge, die im wesentlichen an die Tourismustochter Wangerland Touristik GmbH weitergeleitet werden, waren mit Stand Ende Juli aber noch ein gutes Stück von der erhofften Höhe entfernt. Neben den Jahresgästebeiträgen in Höhe von 320.000 Euro hat hat die Gemeinde bislang 1,95 Millionen Euro eingenommen.

Veranschlagt sind für das gesamte Jahr aber 3,2 Millionen Euro. Wichmann verwies darauf, dass Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr sehr spät Sommerferien hat, so dass die Zahl der Übernachten im August noch zulegen kann. „Hier besteht noch Aufholpotenzial.“

Ein zweites Sorgenkind sind die Parkgebühren. Die Gemeinde hofft hier für das gesamte Jahr auf Einnahmen von rund 350.000 Euro, allein von den kostenpflichtigen Parkplätzen der Gemeinde. Bislang wurden aber erst 155.000 Euro verbucht. Die Lücke wird kaum noch zu schließen sein.

Millionen-Förderung für Investitionen

Gründe dafür? Unbekannt. Möglicherweise, so eine Vermutung, würden mehr Autofahrern ihre Wagen in parkgebührenfreien Nebenstraßen abstellen. Eventuell würden aber auch mehr Autofahrer „vergessen“, ihre Gebühr zu entrichten. Dagegen spricht allerdings, dass die Parkplatz-Kontrolleure der Gemeinde unverändert intensiv die Parkplätze kontrollieren.

Erfreulich sei, so Wichmann, dass die Gemeinde 3,47 Millionen Euro nach dem Niedersächsischen Kommunalinfrastrukur-Fördergesetz bekommt. Das Geld stammt im wesentlichen aus dem Infrastrukur-Fördertopf des Bundes und soll die Investitionskraft der Kommunen stärken. Über die Verwendung kann die Gemeinde weitgehend eigenständig entscheiden. Die Mittel stehen bis 2036 bereit.

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Auch für brave „Kampfhunde“ werden höhere Steuern fällig

Wangerland/Hooksiel (21. 8. 2026) – Der Hund ist brav. Sehr brav. Aber Vorsicht: Er ist ein Kampfhund, zumindest im allgemeinen Sprachgebrauch. Und nach der Klassifizierung der Hundesteuer-Gebührensatzung der Gemeinde Wangerland. Und dabei wird es nach eine entsprechenden Empfehlung des Finanzausschusses der Gemeinderates voraussichtlich auch bleiben.

Antrag von Hundehalter

Zum Leidwesen eines Hundehaltes aus Hooksiel. Er hatte den Antrag gestellt, dass die Gemeinde ihre Steuerpraxis ändert. Derzeit müssen Halter von „normalen“ Hunden 60 Euro im Jahr Steuer zahlen. Für einen „Kampfhund“ (American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier, Pitbull-Terrier sowie deren Kreuzungen) werden 288 Euro fällig. Die Gemeinde will damit auch das Halten von potenziell gefährlichen Tieren unattraktiv machen.

Nach Ansicht des Hooksielers sollte der erhöhte Steuersatz nur Hunde treffen, deren Gefährlichkeit durch die zuständige Fachbehörde festgestellt wurde. Sein Hund sei tatsächlich nicht gefährlich und zudem sehe das Niedersächsische Gesetz über das Halten von Hunden keine generelle Einstufung bestimmter Hunderassen als gefährlich mehr vor.

Geltende Regelung zulässig

Gemeindekämmerer Arthur Wichmann wies im Ausschuss darauf hin, dass die bestehende rassebezogene Regelung der Hundesteuersatzung der Gemeinde gleichwohl rechtlich zulässig und auch gerichtlich bestätigt sei. Derzeit würden insgesamt 15 Hunde mit dem erhöhten Steuersatz belegt. Bei elf Hunden beruhe dies ausschließlich auf die Rassezugehörigkeit. Bei vier Hunden sei die Gefährlichkeit behördlich festgestellt worden. Bei einem vollständigen Verzicht auf die rassebezogene Besteuerung wäre nach Berechnung der Verwaltung mit jährlichen Mindererträgen von rund 2500 Euro zu rechnen.

Ausschuss gegen Änderung

Im Ausschuss stieß die Argumentation des Antragstellers durchaus auf Verständnis. Dennoch, so die Position der Gruppe „Gemeinsam fürs Wangerland“ (CDU, Grüne, FDP), lehne man den Antrag ab, weil bestimmte Hunderassen nach allgemeiner Einschätzung ein erhöhtes Gefährdungspotenzial aufweisen können. Wer sich für einen solchen Hund entscheide, wisse, dass hiermit eine höhere steuerliche Belastung verbunden ist. Die SPD schloss sich dieser Sichtweise an. Und auch die Wählergemeinschaft Pro Wangerland sprach sich gegen die Änderung aus.

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Thalasso: Pro Wangerland beleuchtet Explosion der Baukosten

Wangerland (20. 8. 2026) – Die Wählergemeinschaft Pro-Wangerland (WPW) lädt für Mittwoch, 26. August, alle interessierten Bürger zu einer öffentlichen Veranstaltung ein. Beginn ist um 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Hohenkirchen amAlma-Rogge-Weg 4.

Thalasso metres Spa Logo
Wer oder was hat die Baukosten für das Thasos Meeres Spa in die Höhe getrieben? Mit dieser Frage will sich die Wählergemeinschaft Pro Wangerland in einer Wahlkampfveranstaltung auseinandersetzen. Archiv-Foto: hol

Die WPW will ihr Wahlprogramm für die kommende Legislaturperiode vorstellen und umfassend über den Bau des Thalasso Meeres Spa (TMS) in Horumersiel berichten. Der Schwerpunkt soll dabei bei den Gründen für die massiven Kostensteigerungen vor und während der Bauphase liegen. Dabei wolle man auch auf den Bericht des externen Gutachters eingehen, der im Auftrag der Gemeinde Wangerland Organisation, Abläufe und Rechnungen rund um das Projekt geprüft hat.

Der Zwischenbericht des Gutachters war kürzlich intern vorgestellt worden. Die Gemeinde lehnt es bislang ab, selbst unkritische Teile daraus zum jetzigen Zeitpunkt öffentlich zu machen, um die laufenden strafrechtlichen Ermittlungen und mögliche Schadensersatz-Forderungen nicht zu gefährden.

Nach Kandidatur für AfD fristlose Kündigung durch Mission

Wangerland/Jever (19. 8. 2026) – Martina Müller, Kandidatin der AfD für ein Mandat im Gemeinderat der Gemeinde Wangerland und im friesländischen Kreistag, hat durch ihr Bekenntnis zu der in Niedersachsen als „gesichertrechtsextrem“ eingestuften Partei ihren Job verloren. Wie die Partei mitteilt, wurde wurde die angehende Kommunalpolitiker am 17. August von ihrem Arbeitgeber, der mission:lebenshaus gGmbH, fristlos gekündigt.

Martina Müller: „Ich bin schwer enttäuscht“

Zuvor habe der Arbeitgeber Martina Müller noch aufgefordert, bis zum 7. August ihre Kandidaturen zurückzuziehen. Andernfalls würde man arbeitsrechtliche Schritte bis hin zur Kündigung einleiten. Die Wangerländerin arbeitet seit Mitte 2011 bei der mission:lebenshaus gGmbH und ist zudem 1. Vorsitzende der Mitarbeitervertretung.

„Meine langjährige Tätigkeit habe ich mit Überzeugung und Verantwortung gelebt und mich stets für die Belange und Interessen der Beschäftigten eingesetzt“, so Martina Müller. „Ich bin schwer enttäuscht davon, dass mein Arbeitgeber nach so langer vertrauensvoller Zusammenarbeit versucht, mich zu nötigen und meine berufliche Existenz bedroht, nur weil ich mich auch für die Mitmenschen in meiner Gemeinde und meinem Landkreis künftig einsetzen möchte.“

Mission ist Teil der Diakonie

Die mission:lebenshaus gGmbH ist eine 100-prozentige Tochter des Vereins für Innere Mission in Bremen und unterhält sechs stationäre Hospize in Norddeutschland, unter anderem in Jever, Varel und Wilhelmshaven. In einer heute verbreiteten Stellungnahme bestätigt der Verein die Darstellung.

Der Verein für Innere Mission sei Teil der evangelischen Kirche sowie auch Teil der Diakonie und erfülle seit 177 Jahren seinen Auftrag auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes. „Die unantastbare Würde jedes Menschen, Nächstenliebe, Respekt, Teilhabe, Solidarität sowie die besondere Verantwortung für Menschen in vulnerablen Lebenslagen sind zentrale Grundlagen unseres Handelns.“

Grundsätzlich arbeite man nicht nicht mit Personen, Organisationen oder Netzwerken zusammen, deren Handeln oder vertretene Positionen im Widerspruch zu den grundlegenden Werten von Kirche und Diakonie stehen. Dabei gehe es nicht um die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Partei oder Organisation als solche. Entscheidend sei die Frage, ob Haltungen, Positionen und öffentliches Handeln mit dem kirchlich-diakonischen Auftrag und den daraus folgenden Loyalitätsanforderungen vereinbar seien.

Kein Platz für Ausgrenzung von Menschen

„Die mission:lebenshaus gGmbH verhält sich parteipolitisch neutral – aber wir ergreifen Partei, wenn es um genau die Menschen geht, die bei uns entscheidende Unterstützungsleistungen suchen“, wird in der Erklärung betont. „Wenn also Menschen und Gruppen von wiederum anderen Menschen, Gruppen und auch Parteien abgewertet und ausgegrenzt und zu Bürgerinnen und Bürgern zweiter Klasse degradiert werden, dann müssen wir uns dem mit aller Entschiedenheit entgegenstellen.“

Man habe die Kandidatur der Mitarbeiterin für die „Alternative für Deutschland“ bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen sorgfältig geprüft. Das Ergebnis: „Nach unserer Auffassung steht die aktive Kandidatur für eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Organisation in einem schwerwiegenden Spannungsverhältnis zu den Grundwerten und dem Auftrag von Kirche und Diakonie.“ Und weiter: „In unseren Einrichtungen können Menschen in vulnerablen Lebenslagen darauf vertrauen, dass wir ihnen mit Achtung und Empathie begegnen und unabhängig von Herkunft, Nationalität, Religion, Weltanschauung, sozialem Status oder persönlicher Lebenssituation für ihre Würde und ihre Rechte eintreten.“

Man sehe sich mit der Kündigung auf Grundlage des Grundgesetzes und der geltenden kirchlichen und arbeitsrechtlichen Regelungen.

Sichert: Unfassbarer Vorgang

Martin Sichert, Kreisvorsitzender der AfD Friesland-Wittmund, stuft die Kündigung hingegen als „unfassbar“ ein. Arbeitgeber hätten die Pflicht, Mitarbeiter für Arbeit im Gemeinderat und Kreistag freizustellen und ihnen diese Arbeit zu ermöglichen. „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es Arbeitgeber gibt, die so demokratiefeindlich sind, dass sie Mitarbeiter abmahnen und sogar kündigen, nur weil diese für die aktuell in Umfragen stärkste politische Partei kandidieren.“

Gerade Unternehmen im Umfeld der Diakonie, die massiv von staatlichen Geldern finanziert würden, hätten eine eine besondere Neutralitätspflicht. „Ich fordere den diakonischen Träger auf, die Kündigung und die Abmahnung mit sofortiger Wirkung zurückzuziehen.“ 

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