Wilhelmshaven – Das ehemalige Uniper Steinkohlekraftwerk Wilhelmshaven ist in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden. Es wurde am 24. September 1976 von der Nordwestdeutschen Kraftwerke AG in Betrieb genommen und zuletzt von Uniper betrieben. Im Rahmen des deutschen Kohleausstiegsbeschlusses wurde das Steinkohlekraftwerk am 7. Dezember 2021 stillgelegt.
Rückbau beginnt im Herbst
Das Unternehmen Uniper hat sich Ende 2025 dazu entschlossen, das Kraftwerk zurückzubauen. Damit werden die Weichen für die nächste Phase der Entwicklung des ehemaligen Kraftwerksstandorts gestellt. Der Rückbau soll im Herbst 2026 beginnen und bis voraussichtlich Ende 2029 abgeschlossen werden. Ein wesentlicher Meilenstein ist die für das Frühjahr 2027 vorgesehene Sprengung des 275 Meter hohen Schornsteins.

Das Wilhelmshavener Steinkohlekraftwerk war 45 Jahre lang Bestandteil der deutschenStromversorgung. Mit einer Leistung von zuletzt 777 Megawatt gehörte das Kraftwerk zu den leistungsstärksten Steinkohlekraftwerken Deutschlands. In dieser Zeit wurden mehr als 58 Millionen Tonnen Steinkohle verbrannt und über 151 Millionen Megawattstunden Strom erzeugt. Mit der endgültigen Stilllegung im Dezember 2021 endete die Stromproduktion am Standort.
Raum für neue Projekte
Nicolai Bülles, Leiter des Standortes Wilhelmshaven: „Hinter 50 Jahren Kraftwerksgeschichte stehen Generationen engagierter Kolleginnen und Kollegen. Sie haben die Stilllegung verantwortungsvoll gemeistert und zugleich die Zukunft des Standorts vorbereitet. Dafür gebührt ihnen unser großer Dank und Respekt. Mit dem geplanten Start des Rückbaus Anfang Oktober beginnt nun ein neues Kapitel für unseren Standort.“
Mit dem Rückbau entsteht auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände schrittweise Raum für die Umsetzung von neuen Projekten. Uniper entwickelt das rund 100 Hektar große Areal im Rahmen der Energiewende weiter. Ziel ist es, die vorhandene Infrastruktur für neue Energie- und Industrieprojekte zu nutzen und am Standort neue Ansiedlungen zu schaffen.
Der Solarpark Voslapper Groden auf der ehemaligen Aschedeponie des Kraftwerks befindet sich bereits in der Fertigstellung. Die Photovoltaikanlage verfügt über eine Leistung von rund 17 Megawatt-Peak. Ein weiteres Projekt, das sich bereits im Bau befindet, ist ein Batteriespeicher (BESS) mit einer Leistung von 50 Megawatt bzw. einer Speicherkapazität von 100 Megawattstunden. Für Oktober ist die Anlieferung von 26 Batterien geplant.
Batteriespeicher im Bau
Harald Poppinga, Projektleiter BESS: „Mit der Anlieferung der Batterien erreichen wir einen wichtigen Meilenstein beim Bau unseres Batteriespeichers in Wilhelmshaven. Die Anlage zeigt, wie wir den traditionsreichen Energiestandort konsequent für die Anforderungen eines zunehmend erneuerbaren Energiesystems weiterentwickeln. Mit 50 Megawatt Leistung beziehungsweise 100 Megawatt-Stunden Speicherkapazität wird der Batteriespeicher künftig einen wichtigen Beitrag zu Flexibilität und Stabilität im Stromnetz leisten.“

Darüber hinaus sind am Standort weitere Projekte zur Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energie vorgesehen. Dazu zählt unter anderem eine Großelektrolyse zur Erzeugung von erneuerbarem Wasserstoff aus Offshore-Strom. Die Projekte sind Bestandteil der Entwicklung des Energy Transformation Hubs Nordwest in Wilhelmshaven und sollen an die künftige Wasserstoffinfrastruktur angebunden werden.
Aus- und Fordbildungszentrum
Der Rückbau des Kraftwerks umfasst die ehemaligen Anlagen des Steinkohleblocks und des Gasturbinenkraftwerks. Vor dem maschinellen Abbruch ist eine Schadstoffsanierung vorgesehen. Verwaltungsgebäude, Werkstatt- und Lagergebäude sowie einzelne für die künftige Nutzung relevante Gebäude und Einrichtungen sollen erhalten bleiben.
Insbesondere das Werkstattgebäude ist von besonderer Bedeutung, da der Kraftwerksstandort seit mehr als 20 Jahren ununterbrochen Heimat einer Ausbildungsstätte ist. Diese wurde im Zuge der Transformation zu einem Aus- und Fortbildungszentrum weiterentwickelt, um junge Menschen in technischen Berufen auszubilden und Fachkräfte für die Energiewende zu qualifizieren.
Caro Hilbert, Gesamtprojektleiterin des Rückbauprojektes: „Das Rückbaukonzept setzt auf einen sicheren mechanischen Rückbau durch den Einsatz von speziellen Longfrontbaggern und minimiert Arbeiten von Personal in der Höhe. Darüber hinaus fiel die Wahl auf Rückbauexperten, die in der jüngeren Vergangenheit vergleichbare Projekte bei Uniper als auch anderen großen Kraftwerksbetreibern sicher durchgeführt haben.“
Uniper mit Sitz in Düsseldorf ist ein europäisches Energieunternehmen mit globaler Reichweite. Mit rund 7000 Mitarbeitern spielt das Unternehmen eine zentrale Rolle bei der Sicherung der Energieversorgung in Europa – insbesondere in seinen Kernmärkten Deutschland, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden.













