Wilhelmshaven (8. 7. 2026) – Aufgrund eines medizinischen Notfalls des Fahrers ist am Dienstag gegen 15.40 Uhr eine Müllwagen von der Hooksieler Landstraße abgekommen. Dabei habe sich der Fahrzeugführer leicht verletzt, so die Polizei. Der 56-jährige Mann aus Wilhelmshaven sei mit dem Müllfahrzeug auf der Landesstraße 810 aus Richtung Wilhelmshaven kommend in Richtung Hooksiel unterwegs.
Aufgrund des Notfalls geriet der Fahrer im Bereich der Ausfahrt Fedderwardergroden in den Gegenverkehr. Anschließend kam der Wagen nach links von der Fahrbahn ab. Das Müllfahrzeug geriet auf die Berme und beschädigte diese sowie die dortige Leitplanke auf einer Länge von rund 50 Metern. Zu einer Kollision mit anderen Fahrzeugen kam es nicht.
Der 56-Jährige wurde bei dem Unfall leicht verletzt. Er wurde durch den Rettungsdienst zur weiteren medizinischen Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Das Müllfahrzeug wurde bei dem Unfall beschädigt und wurde durch die Betreiberfirma aus der Berme geborgen und abgeschleppt.
Die Höhe des Schadens könne noch nicht beziffert werden, so die Polizei. Für die Dauer der Unfallaufnahme war die Hooksieler Landstraße im Bereich der Unfallstelle in beide Fahrtrichtungen für etwa zwei Stunden voll gesperrt. Unter anderem mussten auslaufender Betriebsstoffe beseitigt werden.
Wangerland/Wilhelmshaven (6. 7. 2026) – Seit 20 Jahren durchkämmen Artenkenner am „Nationalpark-Tag der Artenvielfalt“ in einem jährlich wechselnden Teilgebiet des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer die Naturlandschaft. In diesem Jahr haben 35 Expertinnen und Experten Lebensräume vor Schillig im Wangerland ins Visier genommen und eine große Biodiversität vorgefunden. „Dass wir hier auf dem Festland unmittelbar neben touristisch stark genutzten Bereichen eine hohe Zahl an verschiedenen Arten nachweisen konnten, ist ein großartiges Zeichen: „Nationalpark wirkt!“, erklärte Benedikt Wiggering, Dezernent für Biodiversität, Forschung und Monitoring der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer.
Über 20 Jahre hat sich ein Netzwerk von Expertinnen und Experten entwickelt, das die Artenvielfalt dokumentiert. Foto: Michael Räder/NLPV
Der Küstenort bietet eine für das friesländische Festland eher untypische Lebensraumvielfalt. Der Grund: Durch die ursprünglich künstlich geschaffenen Sandvorspülungen grenzen hier auf kleinstem Raum am Festland Salzwiesen, Dünen, Sandstrand, kleine Waldgebiete und die Watten direkt aneinander. Viele Übergänge und Grenzlebensräume bedeuten eine Fülle ökologischer Nischen für die unterschiedlichsten Lebensformen.
Sechsstündige Suche rund um Schillig
Am Treffpunkt begrüßte Wiggering die Teilnehmenden. Gruppen aus Spezialisten für bestimmte Tier- und Pflanzenarten schwärmten in verschiedene Bereiche des Schutzgebietes aus. Ihre sechsstündige Suche im Watt und an Land brachte zahlreiche spannende Nachweise zutage. Die Ausbeute wurde anschließend in der Jugendherberge Schillig zusammengetragen.
Aus der Gesamtliste von über 600 Arten stechen einige Funde hervor: Pflanzenkundler dokumentierten knapp 160 Gefäßpflanzen- und vier Moosarten. Neben typischen Küstengewächsen wie Stranddistel oder Dorniger Hauhechel sorgte ein Fund für besondere Begeisterung: Die Experten stießen auf die Strandwinde und konnten das größte Vorkommen dieser Art am Festland bestätigen.
Erstnachweis für Niedersachsen
Pilzkundler Jörg Albers kartierte beachtliche 32 Arten. In den feuchteren Bereichen des nahegelegenen Waldstücks stieß er unter anderem auf den Natternstieligen Schleimfuß. Für den Höhepunkt des Tages sorgte jedoch ein anderer Fund: Mit der Entdeckung eines Graskernlings (ein pflanzenparasitischer Pilz) gelang ein Erstnachweis für ganz Niedersachsen – möglicherweise, denn die genaue Bestimmung dieser Pilzart muss noch bestätigt werden.
In Schillig konnte die Strandwinde in der höchsten bekannten Bestandsdichte nachgewiesen werden. Foto: Benedikt Wiggering/NLPV
Das Team im Watt habe rund 30 Arten dokumentieren können, darunter verschiedene Algen und Arten des Wattbodens. Die Ergebnisse dieser Gruppe zeigten, wie dynamisch sich der Lebensraum verändert: Bei rund 20 Prozent der kartierten Arten handelte es sich um Neobiota (nicht-heimische Arten). Dazu zählten etwa die etablierte Pazifische Auster oder die Manila-Teppichmuschel, die erst vor zwei Jahren in Schillig erstmalig nachgewiesen werden konnte.
16 Wildbienenarten
Auch bei den Fluginsekten erwies sich Schillig als artenreich. Die Entomologie-Gruppe kartierte neben drei Libellenarten und einer Florfliege rund 70 Fliegen- sowie bis zu 16 Wildbienenarten. Den herausragende Fund in dieser Gruppe entdeckte Jana Deierling: Sie konnte ein Exemplar der in Deutschland stark gefährdeten Mooshummel nachweisen – ein Fund, der für große Freude sorgte und die Bedeutung intakter, vielfältiger Lebensräume unterstreicht.
Der Nationalpark ist reich an Insekten. Die Artenkenner kartierten elf Heuschrecken-, rund 50 Wanzen und mehr als 40 Zikadenarten. Auch die Käfer-Spezialist kamen mit etwa 60 unterschiedlichen Arten voll auf ihre Kosten. Seltener sind in Schillig die Schmetterlinge. Das Team verzeichnete 13 verschiedene Tagfalter-, darunter den bekannten Admiral, sowie elf Nachtfalterarten wie das auffällige Taubenschwänzchen.
Raubseeschwalbe auf Durchreise
Auch ein vielfältiges Bild zeigte sich bei den Wirbeltieren. Neben zehn Säugetier- und einer Amphibienart konnte die Gruppe der Ornithologen 75 verschiedene Vogelarten nachweisen. Für den Höhepunkt sorgte dabei die Sichtung einer Raubseeschwalbe – ein seltener Durchzügler auf dem Weg zwischen Brutgebieten an der Ostsee und Überwinterungsgebieten am Mittelmeer und in Afrika.
Wilhelmshaven/Wangerland (3. 7. 2026) – Der Bestand der Kegelrobben im Wattenmeer und auf Helgoland nimmt weiter zu. Während der Erhebungen 2025-2026 zählten Forschende 12.497 Kegelrobben und 3.385 Jungtiere, was ein weiteres Populationswachstum bestätigt. Das teilt das Trilaterale Wattenmeer-Sekretariat mit Sitz in Wilhelmshaven mit.
Fühlen sich offenkundig wohl: Zwei Kegelrobben auf einer Sandbank. Foto: Jessica Schop
Die Zahl der gesichteten Jungtiere sei im Vergleich zum Vorjahr um elfProzent gestiegen. In den vergangenen fünf Jahren habe sich die Zahl der Jungtiere jährlich um durchschnittlich zwölf Prozent erhöht. Wie in den Vorjahren wurden die meisten Jungtiere im niederländischen Teil des Wattenmeers (1.731) gefunden, gefolgt von Helgoland (1.077) und Niedersachsen (575), wo ein deutlicher Anstieg beobachtet wurde.
Viele Gründe für Schwankungen
Während des Fellwechsels 2026 wurden mit 3,6 Prozent mehr Kegelrobben gezählt als im Jahr zuvor. Von den insgesamt 12.497 Tieren wurden in Niedersachsen (1.222) gesichtet, was hier einen Rückgang bedeutet. „Jährliche Schwankungen können durch Wetter, Störungen und andere Faktoren hervorgerufen werden, weshalb die langfristigen Trends im Wattenmeer der zuverlässigere Indikator sind“, so die Forschenden.
Nach Angaben der trilateralen Expertengruppe für Meeressäuger mit Mitgliedern aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden bestätigen die Zahlen die fortlaufende Ausbreitung der Kegelrobben im Wattenmeer in Richtung Osten. Gleichzeitig komme der Nachwuchs oft in benachbarten Ländern zur Welt. Der spätere Zeitpunkt der Geburten im östlichen Wattenmeer deute darauf hin, dass sich die dortigen Kolonien noch in der Entwicklung befinden.
Gesamte Wattenregion im Blick
„Kegelrobben der Nordsee bewegen sich frei und ausgiebig, daher erfassen unsere Zählungen nicht nur lokale Kegelrobben, sondern auch Besucher aus anderen Regionen“, sagt Jessica Schop von Wageningen Marine Research, Hauptautorin des Forschungsberichts. „Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, die Populationsdynamik in einem größeren Maßstab zu betrachten und Beobachtungen aus benachbarten Kolonien in die jährliche Bewertung der Populationstrends einzubeziehen.“
Kegelrobben sind die größten Raubtiere an der Wattenmeerküste und eine der symbolträchtigsten Arten der Region. Ihr Bestand wird jährlich im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit zwischen Dänemark, Deutschland und den Niederlanden gezählt.
Wilhelmshaven (2. 7. 2026) – Seien Sie froh, wenn Sie kein Russisch können. Sie leben dann möglicherweise sicherer. Und das hat nichts mit neuen Einreisebestimmungen in die USA oder automatisierten Abhörmethoden des CIA zu tun.
Ohne Russisch-Kenntnisse, so die Hoffnung, geraten Sie nicht ins Visier einer vermeintlichen Wunderheilerin, die zuletzt in Wilhelmshaven ihre Dienste angeboten hat. Wie die Polizei berichtet, hat dort am vergangenen Donnerstag eine 74-jährige Seniorin die Dienste der Anfang 40-jährigen Frau mit kräftiger Statur und blonden, zusammengesteckten Haaren in Anspruch genommen.
Gegen 10 Uhr sei die Rentnerin im Wendehammer der Otto-Meentz-Straße, Ecke Bismarckstraße, von zwei bislang unbekannten Täterinnen angesprochen worden. Eine dieser Frauen offenbarte der 74-Jährigen, dass sie verflucht sei – auf Russisch, was auch das Opfer bestens beherrscht.
Sie ahnen schon, wie die Geschichte weiter ging? Die Helferin bot ihre Dienste gegen den Fluch an. Eine zweite Frau – etwa 50, dunkelbraune Haare, ebenfalls mit akzentfreiem Russisch – kam hinzu und bestätigte die Fähigkeiten der Heilerin. Na dann …
Die 74-Jährige wurde nach Darstellung der Polizei von der vermeintlichen Heilerin über mehrere Stunden in ein Gespräch verwickelt. Dabei erklärte sie, dass sie für die Heilung neben Lebensmitteln auch das Bargeld der Verfluchten benötige.
Das eigentliche Heilungsritual wurde in der Bismarckstraße im Bereich der Bushaltestelle „Stettiner Straße“ in der Nähe eines Friseursalons vollzogen. Dabei wurde das Geld in ein Tuch gewickelt. Die Heilerin übergab das Bündel an die Seniorin, die es für eine bestimmte Zeit unter ihre Matratze legen solle, um den Fluch zu brechen.
Es kam wie es kommen musste: Die Geschädigte offenbarte sich ihren Angehörigen. Eine Nachschau ergab, dass sich in dem Beutel anstelle des Geldes lediglich Papier befand. Wie viel Geld die Seniorin für ihre „Heilung“ eingebüßt hat, berichtet die Polizei nicht.
Sie können kein Russisch? Na dann seien Sie trotzdem vorsichtig. Schon wegen der Ähnlichkeiten des Vorfalls zu den Praktiken selbst ernannter Heiler mit deutschen Wurzeln. Am Anfang steht eine Diagnose. Es folgt ein Heilungsversprechen. Dann wird es teuer. Und oft genug ist in Nachgang unklar, ob die Heilung gewirkt hat. Vielleicht, so die Hoffnung, wurde ja die 74-Jährige auch tatsächlich von ihrem Fluch befreit …
Friesland/Wangerland (18. 6. 2026) – Nachdem es an einer Schule in der Region zu einem so genannten „Choking-Game“-Vorfall gekommen ist, warnt die Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland vor dieser Art von gefährlichen Mutproben, die insbesondere über soziale Medien verbreitet werden. Ziel ist es, durch das Zudrücken des Halses oder andere Methoden die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn bewusst einzuschränken, um einen kurzen Rauschzustand oder eine Bewusstseinsveränderung herbeizuführen. Die Handlungen werden dabei häufig gefilmt und anschließend in sozialen Netzwerken geteilt.
Polizei warnt vor gefährlichen Mutproben
In der vergangenen Woche habe ein 13-jähriger Schüler einen Mitschüler von hinten bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Gegen den Jugendlichen werde jetzt d wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, teilte die Polizei heute mit.
Die Polizei weist ausdrücklich darauf hin, dass diese vermeintliche Mutprobe erhebliche gesundheitliche Risiken birgt. Bereits nach kurzer Zeit kann Sauerstoffmangel zu Bewusstlosigkeit, schweren Verletzungen, dauerhaften gesundheitlichen Schäden oder sogar zum Tod führen, „Kein Trend, keine Challenge und kein Video sind es wert, die eigene Gesundheit oder das eigene Leben aufs Spiel zu setzen.“
Eltern sollten mit ihren Kindern sprechen
Darüber hinaus können auch rechtliche Konsequenzen drohen, warnt die Polizei. Wer andere zu solchen Handlungen auffordert, diese unterstützt oder entsprechende Inhalte verbreitet, mache sich unter Umständen strafbar. Die Polizei appelliert insbesondere an Eltern und Erziehungsberechtigte, das Gespräch mit Kindern und Jugendlichen zu suchen und sie über die erheblichen Gefahren solcher Mutproben aufzuklären. „Ein offener Austausch kann dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu erkennen und gefährliche Nachahmungen zu verhindern.“
Wilhelmshaven (17. 6. 2026) – Der Zoll hat heute mit einem feierlichen Festakt am Marinestützpunkt in Wilhelmshaven sein neues LNG-Einwachenschiff „Friesland“ getauft und in Dienst gestellt. Taufpatin war die Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller (SPD) aus Varel. Sie wünschte dem Schiff im Beisein des Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Dennis Rohde, „allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“.
Die Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller tauft das neue Schiff des Zolls in Wilhelmshaven auf den Namen „Friesland“. Foto: Zoll
Das über 55 Meter lange und zehn Meter breite Einsatzschiff wird künftig von Wilhelmshaven aus in der Nordsee eingesetzt. Zu den zentralen Aufgaben der zehnköpfigen Besatzung, darunter zwei Kontrollbeamte, gehören die Überwachung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs sowie die Durchsetzung der Zollvorschriften bis in die ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ).
Emissionsarmer Antrieb
Die 25,5 Knoten schnelle „Friesland“ wurde auf der Peene-Werft in Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern) gebaut und verfügt über einen emissionsarmen LNG-Antrieb (LNG, liquefied natural gas), der, anders als die herkömmlichen Dieselantriebe, nahezu keine Schwefeldioxide sowie deutlich weniger Stickoxide und Feinstaub ausstößt. Auch die Emission von Kohlenstoffdioxid liegt um bis zu 20 Prozent niedriger.
Das neue Zollschiff ist mit modernster Kontroll- und Überwachungstechnik ausgestattet. An Bord befindet sich zudem Festrumpf-Schlauchboot mit dem Namen „Klaas“ ein als Tochterboot, das insbesondere bei Kontrollen und Boarding-Manövern zusätzliche Einsatzmöglichkeiten eröffnet.
Überwachung des Seeeraumes
„Die ,Friesland‘ zeigt sehr anschaulich, wie wir in moderne und nachhaltige Einsatzmittel in der Seeraumüberwachung investieren – und damit in Schutz und Ordnung auf See“, sagte Dennis Rohde. „Die an Bord eingesetzten Zöllnerinnen und Zöllner sorgen für Gerechtigkeit und für Sicherheit hier an ihrem Einsatzort auf dem Jadebusen, auf dem Küstenmeer der ostfriesischen Inseln bis in die Ausschließliche Wirtschaftszone.“
Die Leiterin des Hauptzollamts Oldenburg, Regierungsdirektorin Stephanie Grotheer: „Ich freue mich sehr, dass uns mit der Indienststellung der ,Friesland’ nunmehr auch am Standort Wilhelmshaven ein hochmodernes maritimes Einsatzmittel zur Verfügung steht.“ Der Kapitän des Zollschiffs, Marlon Unnold, bedankte sich bei der Taufpatin, den Gästen und bei der Werft.
Hooksiel/Wilhelmshaven (17. 6. 2026) – Ein besonderes Segelboot hat am Dienstagnachmittag Hooksiel in Richtung Wilhelmshaven passiert – die „Malizia Explorer“. Mit der Tour „Segel setzen für den Meeresschutz“ will die Deutsche Umwelthilfe (DUH) auf die industrielle Übernutzung der deutschen Nordsee aufmerksam machen. Mit an Bord: Bekannte Umwelt- und Klimaschutzaktivisten wie Luisa Neubauer und Nathan Goldblat sowie Meeresschutz- und Energieexperten.
Die „Malizia Explorer“, ein Segelschiff mit Forschern und Umweltschutzaktivisten an Bord, passierte auf ihre Protestfahrt gegen die Industrialisierung der Nordsee nach Wilhelmshaven den Außenhafen von Hooksiel, in dessen Sichtweite sich die LNG-Terminals befinden.
Ihre Botschaft: „Die Nordsee darf nicht weiter zur Industriezone für fossile Projekte und zerstörerische Nutzung gemacht werden. Klima- und Meeresschutz müssen Vorrang haben – besonders in Schutzgebieten.“
Von Borkum bis Brunsbüttel
Die Umweltschützer warnen vor neuen Gasbohrungen vor Borkum in unmittelbarer Nähe zum Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer. Ein Dorn im Auge sind ihnen auch die zunehmende Zahl an LNG-Terminals. Obwohl der Gasverbrauch sinke und bestehende Terminals nur gering ausgelastet sind, würden weitere LNG-Kapazitäten geplant – etwa in Stade. „Damit drohen fossile Überkapazitäten, neue Abhängigkeiten und zusätzliche Belastungen für Küstenökosysteme.“
Belastung durch Lärm, Licht und Biozide
Die Segeltour mit dem 26 Meter langen Expeditionsschiff führt die Aktivisten von Borkum über die LNG-Anleger in der Jade weiter zur Ölförder-Plattform Mittelplate vor Friedrichskoog bis zum LNG-Terminal in Brunsbüttel. Vor der Hafeneinfahrt nach Wilhelmshaven wurden sie von Aktivisten des Bündnisses von Klima- und Umweltschutzverbänden „Netzwerk Energiedrehscheibe“ begrüßt. Wilhelmshaven mit seinen zwei Flüssigerdgas-Regasifizierungsschiffen stehe exemplarisch für den massiven Ausbau von LNG-Infrastruktur an der deutschen Küste. Zudem ist ein weiteres landseitiges Terminal in Planung.
Belastungen für das sensible Küstenökosystemen und den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sehen die Naturschützer unter anderem durch Schiffsverkehr, Lärm, Licht, Schadstoffe, Biozide sowie neue Hafen- und Pipelineinfrastruktur. Aus Sicht der DUH zeigt Wilhelmshaven, wie fossile Überkapazitäten geschaffen und langfristige Gasabhängigkeiten zementiert werden.
Wilhelmshaven (16. 6. 2026) – Der Verkauf der Vynova Wilhelmshaven GmbH an die Westlake Vinnolit GmbH & Co. KG ist vollzogen. Das teilte Dr. Christian Kaufmann mit. Damit sei „ein wichtiger Meilenstein erreicht“. Zuvor hatte die notarielle Beurkundung des Kaufvertrags stattgefunden. „Mit dem Vollzug der Transaktion haben wir eine tragfähige und zukunftsorientierte Lösung für den Standort Wilhelmshaven erreicht. Der Einstieg eines strategischen Investors sichert die Fortführung der Produktion und eröffnet dem Werk langfristige Perspektiven“, so der Insolvenzverwalter.
Der US-Konzern Westlake Vinnolit lobt insbesondere die gute Infrastruktur und die Lage am tiefen Fahrwasser des Vynova-Werkes in Wilhelmshaven. Foto: Vynova
Das Amtsgericht Wilhelmshaven hatte am Montag das Insolvenzverfahren eröffnet und Kaufmann von der Pluta Rechtsanwalts GmbH zum Insolvenzverwalter ernannt. Er war bereits seit der Anordnung der vorläufigen Verwaltung als vorläufiger Insolvenzverwalter tätig. Mit dem Kauf übernimmt die deutsche Westlake-Tochter den Geschäftsbetrieb des Chemiewerke in Wilhelmshaven sowie sämtliche rund 350 Arbeitsplätze. Damit sei die Grundlage für eine nachhaltige Fortführung des Betriebs geschaffen, so Kaufmann.
Dank an Banken und Landesregierung
„Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten ist. Mein besonderer Dank gilt den Mitarbeitern, die den Betrieb trotz der mit einer Insolvenz verbundenen Unsicherheit mit großem Engagement unterstützt haben, insbesondere auch der Leitungsebene um den Geschäftsführer Dr. Peter Prinz“, so Kaufmann weiter. „Eine solche Transaktion erfordert eine intensive Zusammenarbeit verschiedener Teams.“
Strategischer Investor
Kaufmann dankte unter anderem auch den beteiligten Banken, der Nord/LB und der Volksbank Wilhelmshaven eG, für den gewährten Massekredit sowie der Landesregierung um Ministerpräsident Olaf Lies und Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne und den Mitarbeitern des Wirtschaftsministeriums für die Unterstützung, nicht zuletzt durch eine Landesbürgschaft.
Der Produktionsstandort für Polyvinylchlorid (PVC) und Vinylchloridmonomer (VCM) zählt zu den bedeutenden Anlagen seiner Art in Europa. Mit der Übernahme stärkt Westlake Vinnolit seine Marktposition und erweitert seine Produktionskapazitäten. „Diese Akquisition stärkt unser Geschäft, indem sie unsere globale Chlorvinyl-Produktionsbasis erweitert und unsere bestehenden Chlorvinyl-Produktionsanlagen in Europa und Nordamerika ergänzt“, so Jean-Marc Gilson, Präsident und Chief Executive Officer von Westlake. Das Werk in Wilhelmshaven profitiere von einer vorteilhaften logistischen Infrastruktur, einschließlich eines Tiefwasserhafens, der eine effiziente Versorgung mit Rohstoffen ermögliche. Gilson: „Wir freuen uns darauf, die Mitarbeiter des Standorts in der Westlake-Familie willkommen zu heißen.“
Hauptsitz in Houston
Westlake Vinnolit ist ein Mitglied der Westlake Unternehmensgruppe. Die Westlake Corporation ist an der New York Stock Exchange gelistet und hat seinen Hauptsitz in Houston sowie Betriebe in Asien, Europa und Nordamerika. Westlake wurde 1986 gegründet und beschäftigt weltweit rund 14.600 Mitarbeiter.
Als ein führender europäischer Hersteller von PVC und wichtiger Partner für Natronlauge bietet Westlake Vinnolit maßgeschneiderte Lösungen für Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen. Das Unternehmen beschäftigt in Deutschland rund 1.400 Mitarbeiter in der Zentrale in Ismaning bei München sowie an seinen vier Produktionsstandorten in Bayern und Nordrhein-Westfalen.
Wilhelmshaven/Wangerland (16. 6. 2026) – Jedes Jahr werden im deutschen Wattenmeer mehr als 7.000 Seehunde geboren. Die Hauptgeburtszeit liegt zwischen Anfang Juni und Mitte Juli. Immer wieder werden so genannte „Heuler“ aufgefunden, also Seehunde im Alter von bis zu sechs Wochen, die von ihrer Mutter getrennt sind.
Nicht jeder einsame Seehund am Strand ist ein hilfsbedürftiger „Heuler“. Robben ruhen sich auch einfach nur aus. Foto: Martin Stock / LKN.SH
Wichtig, so die Nationalpark-Verwaltung: „Nicht jede allein liegende Robbe ist ein hilfsbedürftiger Heuler. Ob ein Seehundjunges tatsächlich Unterstützung braucht, können nur erfahrene Fachleute beurteilen.“ Wer ein Jungtier entdeckt, sollte unbedingt Abstand halten, es nicht anfassen und auf keinen Fall aufnehmen.
Kontakt mit Menschen gefährlich
Schon der einfache Kontakt mit Menschen könne dazu führen, dass die Seehund-Mutter nicht mehr zurückkehrt und das Junge in Obhut genommen werden muss. „Außerdem können Robben beißen und Krankheiten übertragen, auch wenn sie gesund wirken“, warnen Seehund-Fachleute.
Die Nationalparkverwaltung rät bei der Sichtung eines „Heulers“: Weiträumig Abstand halten (nach Möglichkeit 300 Meter), den Weg zum Wasser nicht versperren, ruhig bleiben, Hunde anleinen und von dem Tier fernhalten. „Das Jungtier soll unbedingt am Fundort belassen werden, damit die Mutter es gegebenenfalls wiederfinden kann.“
Ansprechpartner Seehundstation
Wer einen Heuler oder eine hilfsbedürftige Robbe findet, sollte den Fundort möglichst genau melden. Erster Ansprechpartner in Niedersachsen ist die Seehundstation Nationalpark-Haus Norddeich (Tel. 04931 97333-0).
Hooksiel (11. 6. 2026) – Das Leben von Tobias Geisen ist voller Energie. Beruflich und privat. Als Unternehmer setzt der Hooksieler auf Projekte im Zusammenhang mit der Energiewende. Privat will er Hooksiel in Schwung bringen – sei es als Vorsitzender des örtlichen Vereins für Handel, Handwerk und Gewerbe, im Vorstand von Dorfgemeinschaft und Förderverein der Grundschule oder auch als Initiator des Projekts „Hooksmeer 2.0“.
Trassen wie etwa die für die Gaspipeline von Hooksiel nach Etzel wollen genau geplant sein. Die Hooksieler Nojalu Infrastruktur GmbH unterstützt dabei die Investoren. Foto: Nojalu
Geisen (47) ist in der Eifel in der Nähe von Koblenz geboren. Nach der Schule hat er an der Technischen Universität Clausthal im Harz Bergbau mit den Schwerpunkten Tiefbau und Bohrtechnik studiert und im Anschluss ab 2005 als Bergbau-Ingenieur gearbeitet. „Als Steiger im Schichtdienst in K+S-Bergwerken in Neuhof bei Fulda und Zielitz bei Magdeburg“, erinnert sich Geisen. Sechs Jahre lang habe er danach im Salzbergwerk Bernburg an der Saale sein Geld verdient, zuletzt als stellvertretender Produktionsleiter.
Als Steiger in Bergwerken gearbeitet
Danach ging es nach Kanada, wo der Kasseler K+S-Konzern ein neues Kali-Bergwerk aus dem Boden stampfen wollte. Ein Milliarden-Projekt mitten in der Prärie, an dessen Planung und Bau Geisen beteiligt war. Nach Fertigstellung des untertägigen Bereichs im neuen Solfeld kehrte der Ingenieur aber mit Frau und dem ersten Kind im Gepäck 2015 nach Deutschland zurück und arbeite hier noch bis 2018 für den K+S-Konzern.
Der Weg in die Selbstständigkeit begann 2018 mit dem Einstieg als Geschäftsführer und Mitgesellschafter in ein Planungsunternehmen in Esens. Die Familie Geisen mit damals zwei Kindern zog nach Hooksiel. Das Unternehmen wuchs schnell von zehn auf 45 Mitarbeiter. „Zu schnell“, sagt Geisen aus heutiger Sicht. Es gab Unstimmigkeiten zwischen den Gesellschaftern. Man trennte sich 2021. Und Tobias Geisen gründete mit der Nojalu Infrastruktur GmbH sein eigenes Planungs- und Ingenieurbüro. Nojalu steht übrigens für die ersten Buchstaben der mittlerweile drei Söhne von Familie Geisen.
Planung von Trassen für Kabel und Pipelines
Die acht bis neun Mitarbeiter des Unternehmens begleiten heute in ganz Deutschland Vorhaben, vornehmlich Infrastrukturplanungen wie etwa für die Verlegung von Erdkabeln oder den Bau von Rohrleitungen und Pipelines für Strom, Gas oder Wasser. Von Windrädern auf See gewonnener Strom muss per Kabel an Land gebracht, per Schiff importiertes Flüssigerdgas (LNG) zu Kavernen gepumpt werden. Hier kreuzen andere Kabel, dort müssen Straßen- oder Bahngleise passiert werden.
Bergbau-Ingenieur Tobias Geisen betreut mit seinem Unternehmen zahlreiche Projekte rund um die Energiewende. Aus seiner Sicht ergeben sich daraus auch Chancen für Hooksiel. Fotos: Nojalu
Zur Planung gehört viel technisches Wissen, aber auch die Begleitung von Genehmigungsverfahren oder Gespräche mit Kommunen und betroffenen Grundeigentümern. „Meist verstärken wir die Teams der Investoren. Wir sind die Antwort auf den Fachkräftemangel“, so Geisen. „Über einen Mangel an Aufträgen brauchen wir uns die nächsten 20 Jahre keine Sorgen machen.“
Großprojekte in ganz Deutschland
Zur Expertise des Unternehmens gehören auch Planungen im Bereich der Geothermie, also der Nutzung der im Erdinneren erzeugten Wärme. Geschäftsführer Geisen selbst arbeitet mit an den Planungen für den „Suedlink“, eine der gewaltigen Stromleitungen, über die in einigen Jahren Windstrom aus dem Norden in den Süden der Republik transportiert werden soll. Eingebunden sei sein Unternehmen auch in die Planung eines Infrastruktur-Tunnels in Berlin. Hinzu kommen Investitionen im Bereich der „Energiedrehscheibe“ Wilhelmshaven wie etwa das NeuConnect-Projekt. Ziel ist es, die Stromnetze Großbritanniens und Deutschlands mit einem Seekabel zu verbinden. Dafür müssen aber auch landseitig geeignete Kabeltrassen gefunden werden.
Geisen ist überzeugt davon, dass die zahlreichen Energieprojekte im Raum Wilhelmshaven die Region verändern. Dabei sieht er auch Chancen für das benachbarte Hooksiel. Etwa für Gastronomie und Hotellerie oder für die Ansiedlung von Unternehmen. „Es werden viele Firmen in die Region kommen, auch kleinere. Die benötigen sofort Büroräume – und später vielleicht auch ein Grundstück in einem Gewerbegebiet.“
Bedarf an „Co-Working-Büros“
Gerade in der Startphase seien da so genannte „Co-Working-Büros“ interessant, also voll ausgestattete Büroräume, die die Unternehmen für eine bestimmte Zeit mieten. Nach den Vorstellungen von Geisen könnten einige davon in einem Mehrzweckgebäude am Hooksieler Außenhafen untergebracht werden – mit Blick auf die Jade und den Voslapper Groden.
Ausdrücklich unterstützt er die Pläne der Hafengesellschaft NPorts, den Außenhafen durch ein Mehrzweckgebäude aufzuwerten. Da NPorts selbst nicht als Investor auftreten will, hatte Geisen kürzlich im Gemeindeentwicklungs-Ausschuss seine Idee vorgetragen, das Gebäude mit Hilfe von Fördermitteln des Bundes durch eine noch zu gründende gemeinnützige GmbH zu errichten. Im ersten Anlauf verfing der Vorschlag bei den Politkern noch nicht. Ob es einen zweiten Vorstoß geben wird, bleibt abzuwarten.