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Beiträge veröffentlicht in “Hooksiel”

Kommentar: Gemeinde und WTG müssen durch Transparenz Vertrauen zurückgewinnen

Von Gerd Abeldt

Hooksiel (27. 7. 2025) – Natürlich, nachher ist man immer schlauer. Hätten der Wangerländer Gemeinderat 2019 geahnt, dass der Umbau des maroden Kurmittelhauses in Horumersiel zu einem Thalasso-Zentrum statt 8,8 am Ende 23 Millionen Euro kosten würde, hätte er dem Projekt mit Sicherheit nicht zugestimmt. Jetzt stehen die Verantwortlichen für die Wangerland Touristik GmbH (WTG) mit dem Rücken an der Wand. Das Unternehmen ist insolvent – und das Vertrauen in die Entscheider weitgehend verspielt. Vertrauen, das für die Gestaltung der Zukunft dringend nötigt wäre. 

Desaster vollständig aufklären

Nur Transparenz kann neues Vertrauen schaffen. Schon deshalb muss das Desaster um das „Thalasso Meeres Spa“ vollständig aufgearbeitet werden. Alle politischen Entscheidungen, Kalkulationen und Preissprünge, Weichenstellungen für Bau und Ausstattung, die zahlreichen Pannen und Schwierigkeiten, die offenbar mangelhafte Bauaufsicht, das Kostenmanagement und, und, und. 

Die WTG ist kein x-beliebiges Privatunternehmen, wie Manfred Meppen kürzlich richtigerweise betont hat. Das Unternehmen gehört den Bürgern. Die Millionen von Euro, die möglicherweise auch aufgrund von Naivität, Blauäugigkeit, Unfähigkeit oder Schlimmerem verbrannt wurden, sind das Geld der Bürger. Geld, das an anderen Stellen fehlt.

Genauigkeit vor Schnelligkeit

Bei der Aufarbeitung muss der Grundsatz gelten: Genauigkeit vor Schnelligkeit. Es geht um viel Geld – und es geht um Menschen. Müssen Akteure sich für Fehler politisch verantworten? Können sie für finanzielle Schäden ihres Handels haftbar gemacht werden? Oder gab es gar strafbare Handlungen, um die sich ein Staatsanwalt kümmern sollte?

Zur Bewertung braucht es Fakten. Spekulationen bringen niemanden weiter. Deshalb war es gut und richtig, dass die Gemeinde schon vor Monaten einen unabhängigen Sachverständigen damit beauftragt hat, Licht in die Abläufe und das Rechnungsdickicht zu bringen. Auch von dem Bericht des Gutachters wird es abhängen, inwieweit sich Juristen mit der weiteren Aufklärung befassen müssen. 

Zukunftsfragen offen diskutieren

Der Rat hat den Bürgern volle Transparenz versprochen. Gut so. Nur so lässt sich verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Das ist für die geplante Neuausrichtung der WTG unverzichtbar. Unabhängig davon haben die Gastronomen, Hoteliers und Vermieter, die sich jetzt zu Wort gemeldet haben, Recht mit der Feststellung, dass die Suche nach Schuldigen keine Zukunftsaufgabe löst. Wie soll die WTG organisatorisch aufgestellt werden? Welche Immobilien können verkauft, welche Betriebsteile geschlossen oder privatisiert werden? 

Brisante Fragen, zumal an den Antworten der Tourismus im Wangerland und damit viele Existenzen hängen. Natürlich wird es Widerstände geben, wenn den Bürgern die Notwendigkeit einzelner Maßnahmen nicht sinnvoll oder nicht nachvollziehbar erscheint. Die massiven Proteste etwa gegen die geplante Schließung des Meerwasser-Hallenwellenbades in Hooksiel sind noch in guter Erinnerung. 

Privatisierung ist auch eine Chance

„Ein privater Investor kann auch eine Chance sein“, hat der Hooksieler Matthias Suckert in der Debatte beim Seebadeverein gesagt. Wäre wohl eine finanziell angeschlagene WTG jemals in der Lage, den Investitionsstau auf dem Campingplatz aufzulösen? Was würde beim nächsten größeren Maschinenschaden mit dem Hallenwellenbad passieren, wenn die WTG jeden Euro zweimal umdrehen müsste, um die Gehälter zu zahlen?

Ja, Privatisierung ist eine Chance – aber auch ein Risiko. Um gemeinsam den richtigen Pfad zwischen diesen beiden Polen zu finden, braucht es viele Gespräche, Vertrauen und Transparenz. 

Keinen Raum für Spekulationen bieten

Vor diesem Hintergrund ist es besonders unglücklich, dass der ehemalige WTG-Geschäftsführer Armin Kanning, einer der Motoren für das Thalasso-Projekt, heute ausgerechnet bei der privaten Gesellschaft Verantwortung trägt, die die Immobilien der WTG vermarkten soll.  Ein ganz normaler Stellen-Wechsel? Oder ein von langer Hand geplanter Coup? Die Personalie bietet jede Mange Raum für Spekulationen und Verschwörungstheorien. Bürgermeister, Rat und WTG-Geschäftsführung sind gut beraten, auch bei diesem Thema für vollständige Transparenz zu sorgen. Und das möglichst umgehend.

Gastronomen und Vermieter: WTG-Privatisierung darf kein Tabu sein

Wangerland/Hooksiel (26. 7. 2025) – In einem offenen Brief hat eine Gruppe von touristischen Leistungsträgern aus dem Wangerland sich für die Beteiligung von privater Kompetenz an der gemeindeeigenen Wangerland Touristik GmbH ausgesprochen. Die Gastronomen, Hoteliers und Vermieter appellieren an Bürger, Kommunalpolitik und an alle Partner der in finanzielle Schieflage geratenen WTG – bei aller verständlichen Enttäuschung – den Blick nach vorn zu richten und sich Gedanken über neue Strukturen zu machen.

Offener Brief zur aktuellen Lage

Die WTG befindet sich nach der Kostenexplosion beim Bau des „Thalasso Meeres Spa“ von 8,8 auf 23 Millionen Euro derzeit in einer Insolvenz in Eigenregie. Erklärtes Ziel des gemeindeeigenen Unternehmens ist es, sich zu verschlanken, Immobilen und auch ganze Betriebsteile zu verkaufen. Die Suche nach privaten Investoren läuft.

Strände, Campingplätze und Bäder müssen nach Ansicht der touristischen Leistungserbringer wirtschaftlich aufgestellt sein, um ihre Potenziale für das Wangerland entfalten zu können. Archiv-Foto: hol

„Schuldzuweisungen bringen uns in dieser Lage nicht weiter, sondern lähmen“, stellen die Leistungsträger in dem von Christian A. Fuchs, Inhaber des NAKUK Hotels (Horumersiel) und Vorstand der Ortsgruppe Jever-Jeverland des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga, verbreiteten Brief. „Wir brauchen jetzt Klarheit, Mut zur Veränderung und einen ehrlichen Blick auf unsere Strukturen.“ 

Öffentliche Hand ist kein Unternehmer

Der Tourismus sei die tragende Säule für das Wangerland, doch fehle es an professioneller Kompetenz in seiner Steuerung. Statt ihn aktiv zu fördern, sei er oft einfach nur verwaltet worden. „Die öffentliche Hand ist kein Unternehmer. Spätestens seit der jüngsten Ereignisse um die WTG weiß das wohl jeder im Wangerland.“ Ein Privatinvestor, da sind sich die Unterzeichner des Briefes – darunter die Hooksieler Sven Klostermann (Gastronom), Andreas Stemmer (Vermietung) und Matthias Suckert (Inhaber einer Vermietungsagentur) – sicher, hätte viele der Herausforderungen effizienter gemeistert und schon aus reinem Eigeninteresse Risiken minimiert und Potenziale besser ausgeschöpft.

Neuharlingersiel als Vorbild

Als positives Beispiel verweisen die Leistungsträger auf Neuharlingersiel. Dort liegt die öffentliche touristische Infrastruktur und das Touriamus-Marketing in den Hängen des gemeinnützigen Kurverein Neuharlingersiel e. V.. Die Wangerländer regen neue Strukturen an, in die Leistungsträger eingebunden werden: eine „WTG 5.0 mit starker privater Beteiligung“. „Privatisierung als Denkmodell darf keine Tabuzone mehr sein“, heißt es in dem offenen Brief wörtlich. 

Es brauche ein Umdenken. „Die Milchkühe unseres lokalen Tourismus – Campingplatz, Strände, Meerwasserwellenbad – müssen wirtschaftlich so aufgestellt werden, dass sie ihre Potenziale entfalten können. Eine kontrollierte Privatisierung von Campingplatz und Wellenbad kann nicht länger ausgeschlossen werden, wenn sie echte Modernisierung und Investitionen ermöglicht. Und natürlich brauchen wir Schutz vor übertriebenen oder unpassenden Bebauungsplan-Änderungen. Aber nicht alles Neue ist schlecht. Nicht alles Alte ist heilig. Die Zukunft verlangt differenziertes Denken – nicht pauschale Ablehnung.“ 

Recherche führt Reporter in den Bauch eines fliegenden Pottwals

Schillig (26. 7. 2025) – Der Himmel über Schillig ist bunt. Sehr bunt, vielfältig und maritim. Da drehen sich Wale neben Haifischen und Kraken im Wind. Krebse, Seesterne und Echsen aller Art räkeln sich neben Pinguine, Schlangen, Schildkröten und Bären. Gehalten nur von dünnen Seilen. Die Augen können sich kaum satt sehen. Zumal auch etliche Phantasie-Figuren für dieses Wochenende den Weg ins Wangerland gefunden haben.

Die Suche nach den besten Bildern führte ein NDR-Team bis ins Innere eines gut 30 Meter langen Wal-Drachen. Foto: hol

Das 18. Internationale Drachenfest hat wieder eine große Schar Drachenliebhaber nach Schillig gelockt. Die „Drachenflieger“ präsentieren ihre zum Teil selbst gefertigten, bis zu 30 Meter langen Flugobjekte noch bis Sonntag direkt am Strand. Mit der inzwischen etablierten Großveranstaltung lockt die Wangerland Touristik GmbH jährige etliche Tausend Schaulustige an die Küste. 

Dazu gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Musik und Show, Essen- und Getränkebuden, Kinderanimation und – gleich nebenan – Vorstellungen vom Circus Axo.

Entsprechend groß ist auch das Medieninteresse. Hier werden Interviews mit Mitgliedern der Drachenflieger-Familien über deren farbenprächtiges Hobby geführt, dort buhlen Fotoapparate und Filmkameras um den originellstes Blick auf die Exponate. In Sachen Kreativität ganz vorn dabei war ein Team des NDR. Ein Reporter kletterte in den „Bauch“ eines windgefüllten, gut 30 Meter langen Pottwals – eine Perspektive, die an die Geschichte vom Propheten Jonas erinnert, der einst von einem Wal verschluckt und wieder ausgespuckt worden sein soll. Auf den Bericht darf man gespannt sein.

Das Drachenfest wird am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag jeweils ab 12 Uhr fortgesetzt. Ein besonderer Höhepunkt dürfte die für heute Abend angesetzte Nachtflug-Show werden. 

„Friesland-Therme“ nach Panne bis auf Weiteres geschlossen

Horumersiel (26. 7. 2025) – Die „Friesland-Therme“ in Horumersiel muss vorübergehend geschlossen werden. Das teilte die Wangerland Touristik GmbH (WTG) gestern Abend mit. Grund dafür ist offenbar aber nicht das laufende Insolvenzverfahren der WTG. 

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Die „Friesland-Therme“ in Horumersiel ist nach einem technischen Defekt vorübergehend geschlossen. Foto: WTG

Nach Angaben der WTG ist ein technischer Defekts der Grund dafür, dass das Bad „bis auf Weiteres“ geschlossen bleiben müsse. „Derzeit lässt sich leider noch nicht abschätzen, wie lange die Schließung andauern wird“, so die Marketing-Leiterin des Unternehmens, Eske Gobes.

Durch die vorübergehende Betriebspause würden einige Angebote und Aktionen ausfallen, die in der „Friesland-Therme“ üblicherweise angeboten werden. Unter anderem müssten das für Montag geplante Seniorenschwimmen und ein Wassergymnastik-Kurs ausfallen. Die WTG bittet Gäste und Einheimische um Verständnis. Man werde die Öffentlichkeit umgehend auf dem Laufenden halten, sobald neue Informationen vorlägen. 

Die Panne in der „Friesland-Therme“ trifft die WTG zur Unzeit. Zum einen weil derzeit Hochsaison ist und das Hallenbad mit angeschlossenem Freibad dann besonders gut angenommen wird. Zum anderen weil die Nutzer der Bäder im Wangerland ohnehin schon durch die laufende Insolvenz in Eigenregie verunsichert sind. Wie berichtet stehen deshalb die WTG-Bäder zum Verkauf beziehungsweise vor der Schließung. Als Alternative bietet sich für Schwimmer aktuell das Meerwasser-Hallenwellenbad in Hooksiel an.

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Kurze Galoppade kostete Immo Müller vermutlich den Sieg

Hooksiel (24. 7. 2025) – Guter Saisonstart für den Hooksieler Rennverein. Bei bestem Wetter erlebten am Mittwochabend in der Jaderennbahn 2900 Zuschauer sieben packende Trabrennen sowie zwei Showrennen, bei denen Ponyreiter beziehungsweise Mini-Traber an den Start gingen. Ein Trost für alle Wetter, die an diesem Renntag keinen Überschuss erzielt haben: Für nächsten und übernächsten Mittwoch sind bereits die nächsten Rennen angesetzt.

Die Zuschaue erlebten eine ganze Reihe sehr spannender Rennen auf der Jaderennbahn.

Viele Rennen hatten eine sehr knappen, zum Teil auch überraschenden Ausgang. Ein Beispiel: Im dritten Rennen gilt Immo Müller, Vorsitzender des heimischen Rennvereins, mit seinem Traber Elmo‘s Fire bei den Wettern als leichter Favorit. Zehn Gespanne gehen an den Start. Der Starterwagen gibt Gas. Und schon eine Schrecksekunde. Elmo‘s Fire galoppiert. Müller nimmt sein Pferd zurück, lässt sich auf den letzten Platz fallen – und startet erneut durch. Eine Disqualifikation droht erst bei der zweiten Galoppade. 

Bei dem mit 1500 Euro dotieren Rennen um den Preis der „Nietiedt-Gruppe“ müssen die Gespanne auf der Grasrennbahn 2200 Meter zurücklegen. Elmo’s Fire schiebt sich Platz um Platz vor. Am Ende reicht es nicht ganz. Beim Kopf-an-Kopf-Einlauf liegt Kezara des Monts mit Fahrer Joachim Hay eine Nasenlänge vorn. Hay gewann übrigens mit Außenseiter Milton T noch ein weiteres Rennen, bei dem Siegwetter für 10 Euro Einsatz immerhin 129 Euro einheimsen konnten.

Erfolgreichster Fahrer des Abend war aber Jochen Holzschuh, der mit verschiedenen Pferden drei Konkurrenzen für sich entscheiden konnte. Die weiteren Siegertitel gingen an Frank Westerveld aus den Niederlanden mit Let it be Petnic sowie den Belgier Maykel den Dubbleden mit Madoc Worthy. 

Auch der Renntag am Mittwoch, 30. Juli, beginnt pünktlich um 18 Uhr.

Beim Abbiegen Außenspiegel erwischt

Hooksiel (24. 7. 2025) – Am Mittwoch gegen 11.10 Uhr,kam es im Bereich Pakenser Altendeich in Hooksil zu einem Verkehrsunfall mit geringem Sachschaden. Ein 31-jähriger Mann bog mit einem landwirtschaftlichen Gespann, bestehend aus einem Traktor und einem Güllefass, von der Straße Pakenser Altendeich nach rechts in die Straße Dieken ab. 

Dabei schwenkte das Heck des Güllefasses aus, so die Polizei, und streifte den Außenspiegel eines auf der Landesstraße 810 in Richtung Horumersiel fahrenden Lastwagen. An beiden Fahrzeugen entstanden geringe Sachschäden. Personen wurden nicht verletzt.

Ministerin Staudte will Küstenfischerei zukunftsfähig ausrichten

Hooksiel (24. 7. 2025). Frauen gestalten die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft in Niedersachsen mit – mit frischen Ideen und in verantwortlichen Positionen. Davon hat sich Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miram Staudte (Grüne) im Rahmen ihrer „Sommerreise“ überzeugt. Unter anderem stach sie vom Hooksieler Außenhaufen aus mit einem Muschelkutter in See.

Auf Muschelkutter in See gestochen

Zu den Stationen gehörte die Bezirksförsterei Suhlendorf (Landkreis Uelzen), die seit April 2025 von Cindy Paustian geleitet wird. Weiter ging es zum Biohof Wilkenshoff in Hollenstedt (Landkreis Harburg). Schon mit 18 Jahren wurde dort Ulrike Cohrs als Hof-Inhaberin zu einer „Visionärin mit Gummistiefeln“. Ihr Ziel: Die Weiterentwicklung einer zukunftsfähigen ökologischen Landwirtschaft. 

Von der Besatzmuschel zur Delikatesse: Manuele Melle (rechts) stellt Ministerin Miriam Staudte das Säen und Ernten der Miesmuscheln an Bord eines Kutters vor. Foto: Ministerium

Anschließend ging es nach Hooksiel – und dort direkt an Bord. Manuela Melle ist Geschäftsführerin der Niedersächsischen Muschelfischer GbR und vertritt in dieser Funktion die drei Muschelfischerbetriebe. Ihre Aufgabe: Den Dialog mit Behörden und Verbänden führen, um die Interessen der Muschelfischer zu fördern. 

Doch wie funktioniert die Muschelfischerei eigentlich? Die Muschelfischereibetriebe „säen“ die gefangenen oder mit Hilfe von künstlichem Substrat angesiedelten Besatzmuscheln zunächst einmal aus. Nach etwa zwei Jahren werden sie wieder abgeerntet, und zwar ab einer Größe von etwa fünf Zentimetern. Wie sich die kleinen Muscheln am Substrat ansiedeln und die großen Muscheln schließlich geerntet werden, erlebte die Ministerin auf der Kutterfahrt. 

Dialog über Probleme der Betriebe

Manuela Melle beschäftigen aber auch Themen wie die Auswirkungen der LNG-Terminals vor Ort, die Trassenanbindungen zu den Offshore-Windparks und die hohen Energiekosten für Treibstoffe. Fischereiministerin Staudte: „Die Ernte von Miesmuscheln auf einem Kutter zu verfolgen – das war spannend. Die Branche steht vor großen Herausforderungen.“

Die niedersächsische Küstenfischerei wirtschaftlich und ökologisch tragfähig weiterzuentwickeln, darum gehe es im Fischereidialog, den das Landwirtschaftsministerium im Frühjahr mit dem Umweltministerium gestartet habe, und an dem auch die Muschelfischer beteiligt sind. Staudte: „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die niedersächsische Küstenfischerei zukunftsfähig und nachhaltig auszurichten.“ 

Meppen: Insider sollen Fakten zum Thalasso-Bau öffentlich machen

Hooksiel (23. 7. 2025) – Die Insolvenz der Wangerland Touristik GmbH (WTG) dürfe nicht zum Ausverkauf von Hooksiel führen. Das war die einhellige Meinung der Bürger, die zum ersten „Gäste- und Bürgersnak“ des Seebadevereins Hooksiel gekommen waren. Insbesondere müsse das Hallenwellenbad erhalten bleiben. Es sei „das Bad der Hooksieler“, so Seebadevereins-Vorsitzender Wolf Hegemann. Hegemann sagte, dass sich bereits ein Kompetenzteam des Vereins um die technische und bauliche Ausstattung des Bades kümmere. Um ein Konzept für den dauerhaften Erhalt zu erarbeiten, wäre noch betriebswirtschaftliches Know How wünschenswert.

Thalasso Meeres Spa
Aus der geplanten Wohlfühlen-Oase ist ein Horrorszenario geworden. Die Kostenexplosion beim „Thalasso Meeres Spa“ hat die gemeindeeigene WTG in die Insolvenz getrieben. Noch liegen nicht alle Fakten zu Verantwortlichkeiten dazu auf dem Tisch. Foto: hol

Das Hallenbad sei touristisch unverzichtbar, aber auch für den Schwimmunterricht der Kinder und für das Training der DLRG Wangerland „extrem wichtig“, betonte DRLG-Vorstand Arne Schmöckel. Die Zukunft des von der WTG betriebenen Bades, das einen jährlichen Zuschussbedarf in sechsstelliger Höhe hat, steht derzeit auf der Kippe. Im Zuge der Insolvenz in Eigenregie suchen WTG und Insolvenz-Sachwalter nach einem Käufer für den Campingplatz Hooksiel und hoffen, dass es Interessenten gibt, die auch eine Idee für die Übernahme des Bades haben. 

Szlezak: 23 Millionen sind Obergrenze

Bürgermeister Mario Szlezak wies den Eindruck zurück, nur Hooksiel stehe vor dem Ausverkauf. „Auch in Horumersiel stehen das Thalasso-Zentrum, das Verwaltungs-Gebäude und die Friesland-Therme auf der Agenda.“ Es gehe aber nicht darum, Infrastruktur abzuschaffen, sondern touristische Angebote dauerhaft zu erhalten; möglicherweise nicht mehr unter dem Dach der WTG, sondern in privater Hand. Aber mit Erhalt der Arbeitsplätze. Um Verständnis warb er dafür, dass nicht jeden Tag über den Stand des Insolvenzverfahrens berichtet werde. „Die Gespräche laufen noch.“

Die WTG-Insolvenz sei die Folge des „Tsunamis“, der mit der Kostenexplosion beim Bau des Thalasso Meeres Spa in Horumersiel über das Unternehmen und die Gemeinde gekommen sei. Die Kosten waren von 4,9 über 8,8 auf rund 23 Millionen Euro gestiegen. Szlezak wies Spekulationen zurück, dass es am Ende auch 28 Millionen Euro werden könnten. Auch wenn der von der Gemeinde beauftragte unabhängige Sachverständige mit der Prüfung der Abläufe und der einzelnen Rechnungen noch nicht fertig sei, könne man von 23 Millionen Euro als Maximalkosten ausgehen.

Die WTG gehört den Bürgern

Der Hooksieler Manfred Meppen, selbst viele Jahre in führender Stellung bei der Gemeinde Wangerland beschäftigt, wies darauf hin, dass es sich bei der WTG um ein Unternehmen der Wangerländer Bürger handle und nicht um ein beliebiges Privatunternehmen. „Die Millionen, um die es geht, sind unsere Millionen.“ Meppen forderte Mitarbeiter und sonstige Beteiligte auf, alles was sie über die Gründe für die Kostenexplosion und damit für die Insolvenz wissen, öffentlich zu machen – auch um weitere Aufklärung zu ermöglichen: zur politischen Verantwortung, zu möglichen Haftungen aber auch zu strafrechtlichen Themen, um die sich dann die Staatsanwaltschaft kümmern müsse.

Für ihn sei völlig unverständlich, so Meppen, wie sich der Gemeinderat als Gesellschafterversammlung über Jahre offenbar nur auf die Aussagen des WTG-Geschäftsführes und der von im bestellten Fachleute verlassen konnte. „Warum hat niemand mal die Kommunalaufsicht eingeschaltet?“ Szlezak führe dazu aus, dass man im Rat beim Kostensprung auf 8,8 Millionen Euro durchaus Zweifel gehabt habe. Aber schon damals hätte ein Ausstieg aus dem Projekt zwei Millionen Euro gekosten. „Aus heutiger Sicht ist klar: Hätten wir es nur gemacht …“ Später sei dann der Punkt überschritten gewesen, an dem man aus den Thalasso-Plänen hätte aussteigen können. Der Abbruch der Arbeiten, so die Befürchtung, wäre teurer geworden als der Weiterbau.

Offene Fragen zum Auftrag an GLC

Mehrere Bürger, darunter auch Günter Schmöckel, brachten ihren Unmut darüber zum Ausdruck, dass der ehemalige WTG-Geschäftsführer Armin Kanning heute ausgerechnet bei jener Gesellschaft, der GLC Glücksburg Consulting AG, beschäftigt ist, die nach Investoren für den Campingplatz Hooksiel suchen soll. Dadurch entstehe der Eindruck, der Verkauf wäre von langer Hand geplant. Das ganze habe ein „Geschmäckle“, hieß es in der Runde, ein „absolutes No Go“.

Szlezak räumte ein, dass das „Scheiße gelaufen“ sei. Die GLC sei aber ein kompetentes Unternehmen, mit dem man schon früher in Kontakt stand. Die Firma habe den Verkaufsauftrag ohne Ausschreibung vom Gläubigerausschuss, ohne Mitwirkung der Gemeinde, erhalten. Kurios: Der Auftrag soll laut GLC am 28. Mai erteilt worden sein. Der Insolvenzantrag, und damit die Geburtsstunde eines Gläubigerausschusses, erfolgte aber erst am 26. Juni.

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Selbst Starkregen konnte den Spaß am Spielefest nicht verwässern

Hooksiel (23. 7. 2025) – Der „Garten der Generation“ im Herzen von Hooksiel hat offenbar eine sehr gute Drainage. Noch vor Beginn des Spielefestes am Mittwochnachmittag hatte es sehr stark geregnet. Dennoch konnten im Anschluss mehrere Hundert Kinder die zehn Spielstationen problemlos nutzen. 

Auch die Vorsitzende der Interessengemeinschaft „De Hooksieler“, Anke Müller, war hörbar erleichtert. Schon am Vormittag hatte der Aufbau der Pagodenzelte und Stände aufgrund von Starkregen um zwei Stunden verschoben werden müssen. „Am Ende hat aber alles gut geklappt“, freute sich Organisationsleiterin Anke Müller auch im Namen der zahlreichen Aktiven von den Vereinen und Organisationen, von denen Mitglieder die verschiedene Stände betreuten. 

Die Jugendfeuerwehr zeigte Kindern, wie man mit einem Wasserstrahl zielen kann. Jugendliche der DLRG verreiten die Kniffe, die man kennen muss, um Knoten zu binden. Das Nationalparkhaus Minsen hatte eine Wissenschaftsstation mit Mikroskopen zur Beobachtung von Kleinstlebewesen aufgebaut. Beim FC Nordsee Hooksiel konnten die Kinder an einer Klüterbahn boßeln, beim MTV durfte man Seil springen, am Stand des Künstlerhauses malen. 

Die Aktiven der Initiative „Weil wir Hooksieler sind“ betreuten gleich mehrere Stände. Hier wurden Kinder angemalt, dort durften sie mit Stöckern Hindernisse umwerfen. Gut belegt war auch die Hüpfburg. Zudem gab es für Teilnehmer am Spielfest Kaffee und Kuchen und andere Leckereien. Die Kinder, die erfolgreich alle Stationen absolviert hatten, durften sich als Belohnung ein Eis abholen. Der Blick in ihre strahlenden Augen war für die Ehrenamtlichen der schönste Lohn. 

Seebadeverein will Kompetenzzentrum für Tourismus und offenen Diskurs werden

Hooksiel (23. 7. 2025) – Wangerland Touristik, Hallenbad, Leuchtturm „Roter Sand“, Ortsbild, Strandaufspülung, altes Feuerwehrgerätehaus, Schießlärm, ungepflegtes Ortsbild – über einen Mangel an Themen brauchten sich die Verantwortlichen des Seebadevereins Hooksiel bei der ersten Auflage ihrer Veranstaltungsreihe „Gäste- und Bürgersnak“ nicht zu beklagen. Rund 180 Interessierte, darunter zahlreiche Urlaubsgäste, fanden sich am Dienstagabend im Gästehaus ein, um in einem Frage- und Antwortspiel ihre Sorgen, Hoffnungen, Anregungen und Kritik auf den Weg zu bringen.

Im Zentrum der zweistündigen, vom Seebadevereins Vorsitzenden Wolf Hegmenn geleiteten Diskussion stand die Insolvenz der Wangerland Touristik GmbH (siehe eigener Artikel). Aber auch jenseits der Schieflage des gemeindeeigenen Unternehmens mit noch nicht absehbaren Folgen für Hooksiel (Campingplatz, Hallenwellenbad, Gästehaus) beschäftigen die Bürger einen ganze Reihe von Themen. Ein Großteil von ihnen will der Seebadeverein in den kommenden Monaten aufgreifen und gegebenenfalls Kompetenzteams bilden, um bei der Lösung von Problemen mit Fachwissen und Engagement helfen zu können.

Keine Kosten für Gemeinde durch Leuchtturm

Vorbild sind dabei die vom Seebadeverein unterstützten Bemühungen, den unter Denkmalschutz stehenden Leuchtturm „Roter Sand“ aus der Wesermündung an den Deich von Hooksiel zu versetzen. Hegemann, der sich mit seinem Stellvertreter Wolfgang Ademes, tief in die Materie eingearbeitet hat, versicherte, dass der Gemeinde und der WTG für den Fall, dass sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als Eigentümerin des Bauwerks für Hooksiel entscheiden sollte, keine Kosten entstehen würden. Abbau, Transport, Wiederaufbau und Sanierung würde die Stiftung bezahlen, die auch die dauerhafte Unterhaltung des Bauwerks mit 30.000 Euro im Jahr unterstütze.

Der künftige Besichtigungs-Betrieb des Leuchtturms würde von einer noch zu gründenden gemeinnützigen GmbH getragen werden. Der Leuchtturm werde zu einem Touristen-Magneten, zeigte sich Hegemann überzeugt. Zweiflern fehle es an den nötigen Informationen.

Touristiker: Hotelbau wichtig

Kritisch betrachten einige Bürger der Bau eines Hotels auf dem ehemaligen Feuerwehrgelände am Alten Hafen – und die schlechte Kommunikation über das Thema. Das geplante Gebäude wäre zu groß. Die Gemeinde wäre nach Ansicht von Hegemann gut beraten, vor dem Verkauf des Grundstücks die Bonität des Investors und das Konzept es Betreibers eingehend zu prüfen. Aus Sicht des Seebadevereins-Vorsitzenden wäre der Standort der richtige Platz für ein „Bürger- und Gästehaus mit Kaffeerösterei“.

Dem widersprachen mit Matthias Suckert, Vermieter von Ferienwohnungen, und Steve Christenfeldt, Mit-Betreiber des Hotels „Packhaus“, unter anderem zwei touristische Leistungsträger vehement. „Hooksiel braucht dringend ein Hotel!“ Es gebe zwar 28 gastronomische Betriebe im Ort, aber nur zwei Hotels. Während Gäste in Ferienwohnungen sich weitgehend selbst versorgen, brächten Hotelgäste Geld in den Ort. Suckert bezweifelte zudem, dass Gemeinde oder WTG jemals das Geld für den Bau eines Bürger- und Gästehauses aufbringen könnten. Christenfeldt versicherte, dass der Planer, dessen Konzept den Zuschlag bekommen hatte, sowohl einen Investor als auch einen Betreiber an der Hand habe. 

Grünpflege muss besser werden

Hotel hin oder her – wichtiger sei es, dass Hooksiel seinen Gästen dauerhaft etwas bieten kann, sagte eine Bürgerin. Dazu gehöre auch ein gepflegtes Ortsbild. Der Seebadeverein hat sich nach den Worten von Schriftführer Thomas Leimkühler vorgenommen, zusammen mit anderen Organisationen im Ort dazu beizutragen. Bürger beklagten mangelhafte Grünpflege, etwas in der Lange Straße oder am Durchgang in Höhe des Hallenwellenbades zum Deich. Hier stehe das Unkraut meterhoch – und daneben eine brachliegende Baustelle. Zweifel meldete eine Bürgerin an, ob die geplante Sandaufspülungen am Hooksieler Strand, der über 1,7 Kilometer mit Betonsteinen gesichert werden soll, wirklich dazu beitrage, den Strand attraktiver zu machen. „Und fehlen dazu dringend Informationen.“ 

Leimkühler kündigte für den Seebadeverein an, das künftig jeden vierten Dienstag im Monat ein „Gäste- und Bürgersnak“ stattfinden soll. Der nächste Termin: Dienstag, 26. August, 18 Uhr im Gästehaus. Darüber hinaus könnten Bürger sich jederzeit mit Anregungen und Kritik melden. Oberstes Ziel des Verein sei es, Transparenz herzustellen, damit Bürger eingebunden werden können. Zudem möchte man als Seebadevereins zum Kompetenzzentrum für Tourismus werden. Geplant sei, ein touristisches Leitbild für Hooksiel zu erstellen. Insgesamt wolle man eine Plattform für einen offenen Diskurs bieten.