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Beiträge veröffentlicht in “Wilhelmshaven”

Ärztlicher Bereitschaftsdienst am Klinikum auch fürs Wangerland

Wilhelmshaven/Friesland (27. 12. 2025) – Das Fieber steigt! Die Halsschmerzen nehmen! Der Blutdruck schwankt bedenklich! Und das ausgerechnet am Wochenende. Ein Blick in die Zeitung: Welche Praxis hat Notdienst? Rein ins Auto, hin zur Arztpraxis. Und, mit ein bisschen Glück, ist das ungute Gefühl nach einem kurzen Gespräch beseitigt.

Jeverländer, die an Wochenende oder nach Feierabend der ärztlichen Praxen medizinischen Rat benötigen, müssen sich künftig an die zentrale Bereitschaftsdienst-Praxis am Klinikum Wilhelmshaven wenden. Archiv-Foto: hol

Was über Jahrzehnte gängige Praxis in weiten Teilen Frieslands war, ändert sich jetzt. Ab Januar gibt es keine niedergelassenen Bereitschaftsdiensts-Praxen im Landkreis mehr. Wie die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) mitteilt, müssen Patientinnen und Patienten aus ganz Friesland künftig – wie bislang schon die Wilhelmshavener und Sander – außerhalb der Praxen-Öffnungszeiten die zentrale Bereitsschaftsdienst-Praxis am Klinikum Wilhelmshaven aufsuchen. 

Versorgung auf hohem Niveau

„Für auftretende Beschwerden in den Abendstunden sowie an Wochenenden und an Feiertagen ist die Bereitschaftsdienst-Praxis am Klinikum Wilhelmshaven als fester Anlaufpunkt für die Patienten etabliert und bietet eine zuverlässige Versorgung auf hohem Niveau“, sagt Matthias Abelmann, Bezirksausschuss-Vorsitzender der KVN-Bezirksstelle Wilhelmshaven. „Damit entfällt die Suche nach der geöffneten Arztpraxis am Wochenende.“

Die Suche nach Ärzten, die Bereitschaftsdienste anbieten, wurde ohnehin zunehmend problematischer. Wie Klaus-Peter Schaps, niedergelassener Facharzt in Wilhelmshaven und Vorsitzender des Ärzteverein Wilhelmshaven-Friesland der Ärztekammer Niedersachsen gegenüber „Hooksiel-life“ schildert, werde es immer schwieriger, Mediziner für die Bereitschaftsdienste zu begeistern. 

Ärzteschaft ganz glücklich

„Insgesamt ist die Ärzteschaft ganz glücklich mit der Änderung der Bereitschaftsdienst-Ordnung“, ist Schaps überzeugt. „Es war ohnehin nur noch einem Hand voll Kollegen, die diese Dienste gemacht haben. Die Ärzte fühlen sich entlastet. Und das ist wichtig. Der Fachkräftemangel schlägt inzwischen auch bei den Hausärzten durch. Nachfolger für eine Praxis findet man aufgrund der Arbeitsdichte und der hohen Bürokratielast so gut wir gar nicht mehr.“ 

Finanzielle Einbußen müssten die Mediziner durch die Reform nicht fürchten. Wer gern als niedergelassener Arzt weiter Nebendienste machen möchte, könnte sich bei den Johannitern einstellen lassen. Die Johanniter organisieren für die KVN den zentralen Bereitschaftsdienst. „Auch die Patienten haben die Regelung inzwischen weitgehend akzeptiert“, so Schaps. „Wir hatten mit deutlich mehr Gegenwehr gerechnet.“

Lies: „Nicht hinnehmbar“

Gegenwehr kommt aber aus der Politik. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), zugleich direkt gewählter Landtagsabgeordneter im Landkreis Friesland, kritisiert die KVN-Reform der Bereitschaftsdienstes als „nicht hinnehmbar“. Die Entscheidung sei „über die Köpfe der Menschen hinweg“ gefallen

Lies wirft der KVN vor, die Reform ohne ausreichende Einbindung der politischen Entscheidungsträger und betroffenen Kommunen vorangetrieben zu haben: „Eine so grundlegende Veränderung der regionalen medizinischen Versorgung darf nicht im Alleingang beschlossen werden.“ Mit der Schließung der bisherigen Bereitschaftsdienst-Praxen im Bereich Varel-Jade-Friesische Wehde sowie dem Wegfall der dezentralen Dienste in Jever, Schortens und dem Wangerland werden nach Ansicht von Lies viele Menschen künftig deutlich längere Wege in Kauf nehmen müssen. 

Wirtschaftsminister Olaf Lies

Lies (Foto) bemängelt zudem, dass die Entscheidung ohne Abstimmung mit den regionalen Krankenhäusern gefallen sei. Die KVN müsse zurück an den Tisch. „Wir brauchen Transparenz, Mitbestimmung und Lösungen, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.“

Unterstützt wird Lies von Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD). „Die KVN hat vor der Verkündung der Reform keinen Kontakt zum Landkreis Friesland gesucht. Bei einem so wichtigen Aspekt der gesundheitlichen Versorgung in der Region sollte es im Vorfeld gemeinsame Gespräche geben, bevor einseitige Entscheidungen verkündet werden.“ 

Krankschreibung vom Telearzt

Die Bereitschaftsdiensts-Praxis am Klinikum Wilhelmshaven ist künftig Anlaufpunkt für die Einwohner der Städte Wilhelmshaven, Varel, Schortens und Jever und den Gemeinden Sande, Wangerland, Zetel, Bockhorn und Jade. Die Praxis wird montags bis freitags von 20 bis 21 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 12 sowie von 20 bis 22 Uhr geöffnet haben. 

Unter der zentralen Rufnummer 116 117 ist der Bereitschaftsdienst telefonisch erreichbar, wenn die Arztpraxen geschlossen sind.

Dies gilt montags, dienstags und donnerstags ab 19 Uhr, am Mittwoch und Freitagnachmittag ab 15 Uhr und samstags, sonntags und feiertags ab 8 Uhr bis jeweils 7 Uhr des folgenden Tages. 

„Patientinnen und Patienten, bei denen eine zeitnahe Behandlung notwendig ist und keine Weiterleitung in eine KVN-Bereitschaftsdienst-Praxis möglich erscheint, werden künftig obligatorisch telemedizinisch durch eine Ärztin oder Arzt betreut“, erläutert Abelmann. Dies geschehe telefonisch oder per Videostream innerhalb von 30 Minuten nach dem Anruf bei der 116 117. Die Telemediziner könnten auch ein elektronisches Rezept und eine elektronische Arbeitsunfähigkeit-Bescheinigung ausstellen. „Auch der medizinische Fahrdienst bleibt erhalten, wird aber gezielter und ausschließlich auf ärztliche Anordnung durch die Teleärztin oder den Telearzt ausgelöst“, so der KVN-Bezirksvorsitzende. 

KVN vertritt Ärzteschaft

Die KVN ist die Interessenvertretung der rund 14.700 niedergelassenen Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten in Niedersachsen. Sie sichert die flächendeckende medizinische Versorgung für die rund acht Millionen Einwohner in Niedersachsen rund um die Uhr, kontrolliert die Qualität der medizinischen Leistungen und legt gemeinsam mit den Krankenkassen das Leistungsspektrum und die Honorierung der Vertragsärzte fest.

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„Hooksiel-Life“ wünscht ein Frohes Weihnachtsfest!

Von Gerd Abeldt

Es ist wieder so weit. Weihnachten. Erneut kein Schnee. Aber immerhin ist es kalt. Und am Abend irgendwann soll der Weihnachtsmann kommen. Mit Bescherungen.

Auch das noch. Bescherungen. Hatten wir davon im ablaufenden Jahr nicht schon genug? Die Welt brennt. Krieg, Gewalt, Hunger und Armut überall. Selbst unsere Wohlstandsblase Deutschland scheint bedroht. Auch das Wangerland ist betroffen, sogar Hooksiel.

Unsicherheiten und Ängste

Die schlechte Nachricht des Jahres: Die Wangerland Touristik GmbH ist insolvent. Die Versuche, das gemeindeeigene Unternehmen in Eigenregie zu retten, werden Spuren hinterlassen. Der Campingplatz in Hooksiel ist an private Investoren verkauft. Das Ende des Meerwasser-Hallenwellenbades scheint besiegelt. Und was aus dem Gästehaus wird, steht in den Sternen …

Vieles bei der kommunalen Tourismus-Tochter wird sich verändern. Ob für Gemeinde, Bürger und Gäste zum Besseren oder zum Schlechteren muss sich erweisen. Betroffen sind auf jeden Fall eine ganze Reihe von Beschäftigten der WTG, denen bereits gekündigt wurde. Obwohl sie einen guten Job gemacht haben, zum Teil über Jahrzehnte. Das löst Unsicherheiten aus, auch Ängste. Schöne Bescherung.

Wir wünschen uns allen gegenseitig „Frohe Weihnachten“. Es ist schwer, sich über Weihnachten zu freuen, wenn man nicht weiß, wie der Alltag danach aussieht. 

Wunder sind möglich

Und dennoch: Weihnachten ist das Fest der Hoffnung. Die Christenheit glaubt an das Wunder der jungfräulichen Geburt, an die Versöhnung der Mächtigen an der Krippe von Jesus. Lasst uns die Zuversicht behalten, dass am Ende alles gut werden kann. Auch wenn es dazu ab und zu mal Wunder braucht. 

Zumindest wir in Hooksiel haben Grund dazu. Wir leben in einem schönen Ort, in dem auch viele andere gern leben möchten; zumindest zeitweise. Wir haben eine gute Infrastruktur – Schule, Kindergarten, Arztpraxen, Apotheke, Geschäfte, Tankstelle, Gastronomie, Sport- und Freizeitangebote. Ebenso wichtig: Viele Hooksieler engagieren sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl, bei den Kirchen und sozialen Institutionen, in Vereinen, in Arbeitsgruppen. Es gibt einen guten Zusammenhalt, kaum Gewalttätigkeiten und einen offenen Diskurs über den richtigen Weg in die Zukunft. Gut so! 

Frische Ideen

Mich würde es nicht wundern, wenn sich Vieles im neuen Jahr zum Besseren wendet. Private Investoren müssen nicht die Vorboten für den Untergang des Wangerlandes sein. Im Gegenteil. Sie bringen möglicherweise frische Ideen, schaffen neue Arbeitsplätze und damit Wohlstand. 

Wir selbst sind aber auch gefordert. Bei der Aufklärung des Desasters rund um den Bau des Thalasso-Zentrums in Horumersiel etwa oder bei der Auswahl unseres künftigen politischen Führungspersonals. Im nächsten Herbst sind Kommunalwahlen. Wir sollten schon jetzt wirklich engagierten Mitbürgern Mut machen, sich als Kandidatinnen oder Kandidaten aufstellen zu lassen – damit wir die Wahl (und nicht die Qual) haben, einen guten Gemeinderat zu nominieren. 

Den Zusammenhalt in den Ort müssen wir uns aber weiterhin selbst bescheren. Dazu gehört eine gute und offene Kommunikation. Als „Hooksiel-Life“ werden wir uns auch 2026 darum bemühen, unseren Teil dazu beizutragen. In diesem Sinne: „Frohe Weihnacht Hooksiel, frohe Weihnacht Wangerland!“ 

Festnahme nach Kellerbrand in der Werftstraße

Wilhelmshaven (23. 12. 2025) – Die Polizei in Wilhelmshaven meldet eine erneute Festnahme im Zusammenhang mit einer Brandstiftung. Am Montag, kurz nach 23 Uhr, kam es in einem Mehrparteienhaus in der Werftstraße zu Bränden in zwei voneinander unabhängigen Kellerräumen.

Die Serie von Brandstiftungen in Wilhelmshaven reißt nicht ab. In diesem Haus in der Marktstraße starb im Juni ein Kind. Archiv-Foto: hol

Zuvor hatte eine Streifenwagenbesatzung der Polizei einen Mann bemerkt, der sich auffällig im Eingangsbereich des Wohnhauses aufhielt und sich anschließend von dort entfernte. Kurz darauf wurde der Brand gemeldet. Das Gebäude wurde umgehend evakuiert, die Feuerwehr alarmiert und eine Fahndung eingeleitet. „Der verdächtige Mann konnte rund 500 Meter vom Brandort entfernt angetroffen und vorläufig festgenommen werden“, so die Polizei. Ein Atemalkoholtest habe einen Wert von 1,68 Promille ergeben.

Ermittlungen dauern an

Die Feuerwehr löschte die Brände im Keller. Die Wohnungen darüber blieben unbeschädigt und grundsätzlich bewohnbar. Alle Bewohnerinnen und Bewohner konnten in ihre Wohnungen zurückkehren, Ersatzunterkünfte waren nicht erforderlich.

Die Ermittlungen wegen schwerer Brandstiftung gegen den Festgenommenen dauern an, teilte die Polizei heute früh mit. Insbesondere geht es um die Frage, ob es Zusammenhänge zu weiteren Bränden in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten Wochen gibt. Das werde derzeit von den spezialisierten Brandermittlern der Polizei Wilhelmshaven geprüft.

Große Zahl von Brandstiftungen

Die Brandermittler in Wilhelmshaven hatten in den zurückliegenden Monaten jede Menge zu tun. Immer wieder kam es zu Brandstiftungen, bei denen Unbekannte etwa Müllbehälter, Fahrzeuge oder an Wohnhäuser anzündeten. Die Suche nach den Tätern oder den Tätergruppen blieb bislang weitgehend erfolglos. 

Zuletzt hatte die Polizei im Zusammenhang mit dem Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Mitscherlichstraße am Mittwoch, 17. Dezember, einen Mann festgenommen. Der Verdacht gegen ihn konnte in der Folge aber noch erhärtet werden. 

Immer noch nicht aufgeklärt ist auch der Brand in der Marktstraße 81 im Juni dieses Jahres, bei dem ein Kind gestorben ist. Unbekannte hatten gegen 2 Uhr nachts im Eingangsbereich eines leer stehenden Spielzeuggeschäftes Sperrmüll angezündet. Der Rauch zog über das Treppenhaus in die darüber liegenden Wohnungen und schnitt den dort lebenden Menschen den Rettungsweg ab. Vier Erwachsene und vier Kinder wurden zum Teil schwer verletzt. 

Engagement für die Region: Auszeichnung für Lutz Bauermeister

Wilhelmshaven (22. 12. 2025) – Im Rahmen des traditionellen Opulenten Frühstücks des Clubs zu Wilhelmshaven (CzW) wurde Lutz Bauermeister im November in Abwesenheit mit dem Ehrenschild des Clubs ausgezeichnet. Nun überreichte der Präsident des Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbandes Jade (AWV), Tom Nietiedt, die Ehrung persönlich im Rahmen eines Weihnachtsfrühstücks.

Tom Nietiedt (links), Präsident des Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbandes Jade, überreicht das Ehrenschild des Clubs zu Wilhelmshaven an den ehemaligen Hauptgeschäftsführer des AWV, Lutz Bauermeister. Foto: AWV e. V.

Mit der Auszeichnung würdigt der Club das langjährige und außergewöhnliche Engagement von Bauermeister – sowohl als Hauptgeschäftsführer des AWV, aber auch im Rahmen zahlreicher ehrenamtlicher Tätigkeiten. Bauermeister hat sich über viele Jahre hinweg mit großem Einsatz für das wirtschaftliche und kulturelle Leben in der Region Wilhelmshaven/Friesland stark gemacht und zahlreiche Initiativen angestoßen, die bis heute Wirkung zeigen. 

Vor 75 Jahren: Friedliche Invasion ebnet Weg für Rückgabe Helgolands

Von Theo Kruse

Helgoland/Wilhelmshaven (21. 12. 2025) – Was Resolutionen und diplomatische Verhandlungen nicht erreichten, das vollbrachten zwei Heidelberger Studenten vor 75 Jahren. Mit einer Aufsehen erregenden Aktion hissten sie die deutsche und die Flagge des Europarates auf der von Trümmern übersäten Felseninsel. Das Bild ging um die Welt und zwei Monate später gab der britische Hochkommissar, Sir Ivone Augustine Kirkpatrick, die geplante Rückgabe der Insel bekannt.

Die Kraft der Bilder ist auch heute unumstritten. Aber damals gab es keine Fake-News. Die Bilder waren echt und zwei mitgereiste Reporter, unter anderem von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sorgten dafür, dass diese Bilder durch die Weltpresse verbreitet wurden. 

Protest von Sudenten

Kurz vor Weihnachten 1950 setzen der damals 22-jährige René Leudesdorff und der 21-jährige Georg von Hatzfeld in Begleitung zweier Journalisten auf die unbewohnte Insel über. In einer „friedlichen Invasion“ besetzen sie den Roten Felsen, hissen die deutsche, die europäische und die Helgoländer Flagge und harren zwei Tage und Nächte in eisiger Kälte inmitten von Trümmern und Bombenkratern aus.

Die Aktion der Studenten aus Heidelberg brachte die Verhandlungen zur Rückgabe Helgolands in Bewegung. Am 20. Dezember 1950 wollte sie gegen Adenauers Wiederbewaffnungspläne demonstrieren und forderten die Rückgabe Helgolands, das seit Ende des 2. Weltkrieges unter britischer Verwaltung stand. 

Rückkehr im März 1952

Die Helgoländer Bevölkerung war 1945 evakuiert worden. Nach sieben Jahren britischer Besatzung konnten die Helgoländerinnen und Helgoländer am 1. März 1952 wieder auf ihre Insel – es ist es eine Heimkehr auf ein Trümmerfeld. Was offizielle Eingaben der Bundesrepublik nicht zu bewerkstelligen vermochten, hatten die beiden Heidelberger Studenten mit ihrer Protestaktion erreicht. Die Briten sahen dich unter dem internationalen Druck zur Rückgabe Helgolands gezwungen. Bis dahin hatten die Besatzer das Eiland in der Nordsee als Bombenziel für die britische Luftwaffe – Royal Air Force – genutzt. 

Ausflüge zum Roten Felsen

Von Wilhelmshaven aus pendelte nach der Freigabe der Insel 1952 zunächst das ehemalige Minenräumboot „Arngast“ nach Helgoland, bevor zwei Jahre später die „Rüstringen“ als Neubau in Dienst gestellt wurde. 1962 schließlich bot die städtische Schifffahrtsgesellschaft „Jade“ die neue „Wilhelmshaven“ an, die 20 Jahre später an die Carolinensieler Reederei Bernhard Warrings, veräußert wurde. 

Das Schiff blieb bis 1983 im Helgoland-Verkehr eingesetzt und wurde anschließend in die Türkei verkauft. Dort wurde sie 2014 als „Leviathan“ verschrottet. Auch heute noch legen Bäderschiffe und Katamarane am Wilhelmshavener Helgolandkai und im Hooksieler Außenhafen an, um den Roten Felsen anzusteuern – Deutschlands einzige Hochseeinsel. 

Polizei warnt vor Betrug mit Anlagen in Krypto-Währungen

Friesland/Wangerland (21. 12. 2025) – Die Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland warnt vor Betrugsversuchen mit Geldanlagen in Krypto-Währungen. In mehreren bekannt gewordenen Fällen seien teils erhebliche Vermögensschäden entstanden, so die Ermittler.

Anzeigen als Lockmittel

Nach bisherigen Erkenntnissen werden die Geschädigten häufig durch professionell wirkende Werbeanzeigen im Internet auf angeblich seriöse Krypto-Handelsplattformen aufmerksam. Nach einer Registrierung erfolgt zeitnah eine telefonische Kontaktaufnahme durch vermeintliche „Broker“. Diese überzeugen die Betroffenen von der Anlagemöglichkeit und bewegen sie zunächst zu einer vergleichsweise geringen Einzahlung. „Durch vorgetäuschte oder tatsächlich ausgezahlte kleinere Gewinne wird Vertrauen aufgebaut“, so die Polizei. Im weiteren Verlauf würden die Geschädigten dann zu deutlich höheren Investitionen gedrängt. 

Unter anderem böten die Täter Unterstützung durch Fernzugriffs-Software an, die auf den Endgeräten der Geschädigten installiert werden soll. Durch diesen Zugriff erhalten die Täter umfassende Kontrolle über Computer oder Smartphones. 

Geld geht auf ausländische Konten

Die angeblichen Investitionen auf Krypto-Plattformen finden tatsächlich gar nicht statt, so die Polizei. Stattdessen werde das Geld auf ausländische Konten transferiert und anschließend über Krypto-Währungen verschleiert. Die eingezahlten Beträge seien in der Regel vollständig verloren. 

Die Polizei rät dringend zu besonderer Vorsicht. „Seien Sie grundsätzlich misstrauisch bei ungewöhnlich hohen Gewinnversprechen! Sprechen Sie vor finanziellen Entscheidungen mit Vertrauenspersonen! Geben Sie keine persönliche Daten und Zugangsdaten weiter!“

Warnsignale

Typische Warnsignale für Anlagebetrug seien Versprechen wie „hohe Gewinne bei geringem Risiko“; Kontaktaufnahmen über soziale Netzwerke oder Dating-Plattformen; sehr schnelle telefonische Betreuung nach einer Registrierung sowie die Aufforderung zur Installation von Fernzugriffs-Programmen wie TeamViewer oder AnyDesk. Weitere Indizien, die misstrauisch machen sollten: Fehlende Angaben im Impressum der Internet-Plattform der Anbieter; die Aufforderung zu Überweisungen auf Privatkonten sowie Auszahlungs-Versprechen, die an weitere Gebühren oder Steuern geknüpft sind. 

Ermittler bitten um Hinweise

Zudem warnt die Polizei vor sogenannten Anschluss- oder „Recovery“-Betrügereien. Dabei melden sich nach einem bereits erfolgten Anlagebetrug angebliche Dienstleister, die versprechen, verlorenes Geld gegen eine Gebühr zurückzuholen. Auch hierbei handle es sich regelmäßig um Betrug. 

Die Zahl entsprechender Betrugsversuche habe in jüngster Zeit deutlich zugenommen. Die Ermittler bitten Betroffene oder Personen, die verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich an ihre örtliche Polizeidienststelle zu wenden.

Künstliche Intelligenz erfasst Störungen im Wattenmeer

Wilhelmshaven/Wangerland (17.12. 2025) – Ein Pfosten, daran drei dunkle Kästchen. Was auf den ersten Blick nach obskurer Kunst wirken könnte, ist tatsächlich moderne Forschung. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist seit September Teil des Projekts „KI-Nationalpark“, einem bundesweiten Modellvorhaben. 

Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer zeichnen Kamera- und Audiogeräte biologische Vielfalt und menschliche Störungen auf. Die Auswertung der Daten erfolgt KI-unterstützt und anonymisiert. Foto: Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer/ Florian Packmor

In deutschen Nationalparken und Wildnisgebieten wird erstmals ein schutzgebietsübergreifendes, KI-gestütztes Monitoringsystem aufgebaut, das Biodiversität, Klimafaktoren und menschliche Nutzung gemeinsam erfasst und auswertet. Ziel ist es, den Schutz der biologischen Vielfalt zu verbessern und die Grundlagen für ein zukunftsfähiges Management zu schaffen.

Datenerfassung ohne Störungen

„Mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz stellen wir Technik in den Dienst der Natur. Die automatisierte Datenerfassung und -auswertung ermöglicht uns, Veränderungen im Gebiet des Nationalparks schnell und präzise zu erkennen, ohne dadurch Störungen für die Tierwelt zu verursachen“, erklärt Benedikt Wiggering, Projektkoordinator bei der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven.

Das Projekt wird von Nationale Naturlandschaften e. V. koordiniert und gemeinsam mit der Universität Freiburg und der biometrio.earth GmbH umgesetzt. Gefördert wird es durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK), Förderlinie „KI-Leuchttürme“.

Neues Werkzeug für den Naturschutz

Mit einem bundesweiten Netzwerk von Fotofallen, Audiologgern (den Kästen am Pfosten) und Klimaloggern werden Daten zu Artenvielfalt, Tierpopulationen, Umweltfaktoren und menschlichen Einflüssen gesammelt. Die Geräte zeichnen unter anderem Vogelstimmen, Fledermäuse, größere Säugetiere oder Geräuschquellen wie Landwirtschaftsmaschinen und Freizeitaktivitäten auf. Künstliche Intelligenz ermöglicht die automatische Auswertung der großen Datenmengen: Arten werden identifiziert, menschliche Störungen erfasst und Zusammenhänge zwischen Klima, Biodiversität und Nutzung sichtbar gemacht.

Projekt läuft bis 2027

„Mit KI-Nationalpark schaffen wir ein Werkzeug, das den Schutzgebietsverwaltungen erstmals schnelle, belastbare und vergleichbare Daten an die Hand gibt“, sagt Marla Schulz, Projektkoordinatorin beim NNL e.V. „So können wir Biodiversität und Klimaschutz noch besser zusammen denken – und unsere Nationalparke als Schatzkammern der Natur langfristig sichern.“

Das Projekt soll von 2025 bis 2027 in 13 Nationalparken und zwei Wildnisgebieten in ganz Deutschland laufen. Die gesammelten Daten fließen in einen anpassungsfähigen Management-Zyklus ein, in dem mithilfe der KI Veränderungen und Störungen schneller erkannt werden können, so dass Maßnahmen zeitnah angepasst werden. Am Ende des Projekts sollen daraus konkrete Handlungsempfehlungen für das Schutzgebietsmanagement abgeleitet werden.

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Vynova-Insolvenz: Jensen sieht Versäumnisse bei der SPD

Wilhelmshaven (15. 12. 2025) – Die Insolvenz der Vynova Wilhelmshaven GmbH komme nicht überraschend. Sie ist nach Überzeugung der CDU-Landtagsabgeordneten Katharina Jensen (Wangerland) das Ergebnis von Rahmenbedingungen, die energieintensive Industriestandorte seit längerem massiv unter Druck setzen. Mit dem Insolvenzantrag werden die Folgen nun konkret. „Vynova ist das erste Unternehmen, das diese Entwicklung mit voller Wucht trifft. Es wäre naiv zu glauben, dass es das letzte bleibt.“

Wirtschaftlicher Druck immer höher

Bereits 2023 hatten Beschäftigte am Standort öffentlich vor zu hohen Energiepreisen und zunehmenden Wettbewerbsnachteilen gewarnt. Mitarbeiter, Betriebsrat und Geschäftsleitung in Wilhelmshaven hatten gemeinsam für einen Brückenstrompreis und klare politische Signale demonstriert. Jensen, damals vor Ort, forderte eine schnelle Reaktion der Politik. Inzwischen seien zusätzliche Anforderungen aus europäischen Regelwerken hinzugekommen, unter anderem bei Emissionsvorgaben und der PFAS-Regulierung. Der wirtschaftlich Druck habe sich über einen längeren Zeitraum stetig erhöht. 

Entlastung kommt zu spät

„Gerade die SPD, die in Niedersachsen und auf Bundesebene seit mehreren Legislaturen politische Verantwortung trägt, hätte die Interessen eines energieintensiven Industriestandorts wie Wilhelmshaven entschlossener vertreten müssen“, so Jensen. „Wer erst dann reagiert, wenn Insolvenzen eintreten, betreibt Krisenverwaltung statt Industriepolitik.“ Zwar sei angekündigt, dass ein Industriestrompreis ab dem 1. Januar 2026 greifen soll. Aber für viele Betriebe und deren Beschäftigten komme diese Entlastung zu spät. 

Die chemische Industrie sei Teil zentraler industrieller Wertschöpfungsketten. Gerate sie unter Druck, betreffe das nicht nur einzelne Betriebe, sondern auch Zulieferer, Dienstleister und ganze Regionen. „Vynova ist ein Warnsignal. Wenn jetzt nicht entschieden gegengesteuert wird, werden weitere Standorte folgen“, so Jensen abschließend. 

Ministerpräsident Lies: Vynova braucht eine Perspektive

Wilhelmshaven (15. 12. 2025) – Die niedersächsische Landesregierung will alle Möglichkeiten prüfen, das Vynova-Werk in Wilhelmshaven zu retten. Das betont Ministerpräsident Olaf Lies in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Landtagsabgeordneten Marten Gäde und der Bundestagsabgeordneten Siemtje Möller (alle SPD). Auf dem Voslapper Groden stünden 356 tarifgebundene Arbeitsplätze und die Zukunft eines der größten PVC-Produktionsstandorte Europas auf dem Spiel. 

Unterstützung zugesichert

Lies (Sande), Gäde (Wilhelmshaven) und Möller (Varel) haben nach eigenem Bekunden unmittelbar nach Bekanntwerden der Nachricht vom Insolvenzantrag der Vynova Wilhelmshaven GmbH am vergangenen Freitag Gespräche aufgenommen und politische Unterstützung zugesichert. „Vynova steht exemplarisch für viele chemische Unternehmen, die derzeit unter massiven Kosten- und Marktdruck geraten. Wir dürfen nicht zulassen, dass solide Industriearbeitsplätze wegbrechen“, so Lies. 

Industrielles Rückgrat

„Wir müssen dafür sorgen, dass strategisch wichtige Industriearbeitsplätze erhalten bleiben“, bekräftigt Siemtje Möller. „Der Energy Hub, dem Vynova angehört, zeigt, welche Zukunftschancen Wilhelmshaven hat. Vynova ist nicht nur ein Arbeitgeber, sondern Teil der wirtschaftlichen Zukunft unserer Region.“ Und, so betont Gäde, das PVC-Werk sei das industrielle Rückgrat Wilhelmshavens. „Die Menschen hier leisten seit Jahren engagierte Arbeit unter schwierigen Marktbedingungen. Sie jetzt im Stich zu lassen, kommt für uns nicht infrage.“

Strukturelle Verwerfungen

Aus Sicht der drei Politiker ist das Unternehmen nicht durch Misswirtschaft, sondern durch strukturelle Marktverwerfungen in die Schieflage geraten. Das Beispiel zeige, wie wichtig ein europäischer Schulterschluss bei der Reform des Strommarktes und des industriellen Wettbewerbsrechts sei. Es gehe hier nicht nur um ein einzelnes Unternehmen, sondern um eine ganze Region, so Lies: „Vynova braucht jetzt eine Perspektive.“



Anne Janssen: Wir müssen jetzt die Arbeitsplätze sichern

Wilhelmshaven/Hooksiel (14. 12. 2025) – Als „schweren Schlag für Wilhelmshaven und die Region“ bewertet die CDU-Bundestagsabgeordnete Anne Janssen die Insolvenz-Anmeldung der Vynova Wilhelmshaven GmbH. „Hinter dem Standort stehen Arbeitsplätze, Familien und viele Betriebe im Umfeld“, so die Politikerin aus Wittmund. „Mein erster Gedanke gilt den Beschäftigten, den Auszubildenden sowie den zahlreichen Kolleginnen und Kollegen in Fremdfirmen und bei Zulieferern, die nun um ihre Zukunft bangen.“

Anne Janssen

Janssen (Archiv-Foto: Bundestag/Tobias Koch) erinnert in einer Erklärung daran, dass Betriebsrat und Beschäftigte bereits 2023 deutlich gemacht hätten, wie groß der Druck am Standort ist – insbesondere durch die hohen Energiekosten und Wettbewerbsnachteile im europäischen Vergleich.

„Wenn ein Partnerwerk im Ausland ähnliche Produkte deutlich günstiger herstellen kann, wird es für Standorte wie Wilhelmshaven existenziell“, so Janssen. „Dass es jetzt so weit gekommen ist, zeigt: Industriepolitische Warnsignale dürfen nicht länger nur diskutiert werden – es braucht verlässliches Handeln.“

Es komme jetzt darauf an, alles zu tun, um Arbeitsplätze zu sichern und Perspektiven zu schaffen. Gleichzeitig brauchten energieintensive Unternehmen in Deutschland noch schneller spürbare Entlastungen bei den Stromkosten und wieder Planbarkeit. Denkbar sei eine Senkung der Stromsteuer, die Begrenzung staatlicher Preisbestandteile und einen befristeten, wettbewerbsfähigen Industriestromansatz, bis ausreichend erneuerbare Energien und Infrastruktur zu konkurrenzfähigen Preisen verfügbar sind. Ein Teil dieser Maßnahmen seien beschlossen, so Janssen, aber noch nicht wirksam genug. 

Die Vynova Wilhelmshaven GmbH hatte am Donnerstag einen Insolvenzantrag gestellt. Das PVC-Werk beschäftigt am Standort rund 360 Mitarbeiter.