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Hooksiel-life: Vom Leben an der Küste

Nach Sturz mit dem Fahrrad – sieben Brüche, Trauer und große Enttäuschung

Sabrina Stiller an Unfallstelle
Sabrina und ihr Vater Andreas Stiller aus Altengroden begutachten nach zwei Jahren noch einmal die Unfallstelle: Ein Radweg im Wilhelmshavener Stadtpark. Foto: privat

Hooksiel/Wilhelmshaven (5. 7. 2024) – Es sollte eine schöne Sommer-Radtour durch den Wilhelmshavener Stadtpark werden. Was Anja Stiller und ihre Tochter Sabrina dann tatsächlich erlebten, war aus heutiger Sicht ein Horrortripp. Sabrina geriet mit ihrem Rad in eine Sandkuhle, stürzte und brach sich den Tibiakopf am Schienbein unterhalb des rechten Knies. 

Es folgte eine medizinische Tortur mit einer Notoperation des Trümmerbruchs, sechs Folgeoperationen unter Vollnarkose, Korrekturbrüchen und Wundentzündungen. Sabrina war etliche Monate lang an einen Rollstuhl gefesselt. Heute, gut zwei Jahre nach dem tragischen Unfall, kann sie wieder gehen, wenn auch unter Schmerzen. An Laufen ist nicht zu denken. Zudem, so schildert Vater Andreas Stiller, wurde durch den Sturz und die Operationen die Beinachse verschoben. Die Folge: Arthrose. „Ärzte in einer Spezialklinik in Heidelberg haben uns gesagt, dass Sabrina zwingend ein neues Knie benötigt. Die Operation sollten wir aber erst in fünf bis zehn Jahren vornehmen lassen, damit die Frakturen richtig ausgeheilt sind.“

Unfall mit schlimmen Folgen

Der Unfall am 27. August 2022, ein Sonnabend, hat das ohnehin nicht leichte Leben der Familie Stiller zusätzlich belastet. Sabrina, heute 32, ist seit ihrer Geburt körperlich und geistig behindert. Abe trotz des schlimmen Unfalls hat die junge Frau ihren Lebensmut nicht verloren. „Sabrina war so tapfer“, schildert Andreas Stiller. „Geweint hat sie nur unmittelbar beim Sturz – und weil wir dadurch unseren geplanten Urlaub absagen mussten.“ Die Operationen und die zahllosen Physio-Behandlungen im Anschluss habe sie klaglos ertragen. 

Ein wichtiger Therapeut war ihr Pferd. Sabrina reitet von Kindesbeinen an beim Reit- und Fahrverein (RuF) Hooksiel. „Sobald sie im Rollstuhl sitzen konnte, mussten wir mit ihr zum Stall in Oesterdieken fahren“, schildert Anja Stiller. Die gute Botschaft nach all den schweren Monaten seither: Sabrina wird weiterhin reiten können.

Kein Warnschild

Der gesundheitliche Zustand der Wilhelmshavenerin hat sich inzwischen stabilisiert. Dennoch lässt Anja und Andreas Stiller die Frage nicht zur Ruhe kommen, warum es eigentlich zu dem Unfall im Stadtpark kommen konnte. Anja und Sabrina fuhren auf einem ansich festen Radweg nahe des Ehrenfriedhofs. Durch Sonne und Schattenwurf sei der Belag aber nicht an jeder Stelle erkennbar gewesen. Auch deswegen sei Sabrina in ein Loch gefahren, dass offenbar zuvor von Arbeitern mit staubfeinem Sand aufgefüllt worden war – möglicherweise zum Wohle der umstehenden Bäume. „Warum hat da niemand ein Warnschild aufgestellt?“, fragt sich Andreas Stiller. „Dann wäre der Unfall vermutlich nicht passiert.“

Der Vater war unmittelbar nach dem Unfall bei der Polizei, um Anzeige zu erstatten. Der Beamte dort habe ihm nach einer Ortsbegehung bestätigt, dass die Gefahrenstelle hätte abgesichert werden müssen. Das habe die Stadt dann – offenbar infolge des Hinweises von der Polizei – einige Tage später auch getan. Ein Schild mit dem Hinweis „Radwegschäden“ weist auf Gefahrenstellen hin.

Für Sabrina kam die Warnung zu spät. Lange haben sich Stillers mit dem Gedanken getragen, zivilrechtlich gegen die Stadt vorzugehen, um so möglicherweise Schmerzensgeld oder Schadensersatz für Sabrina zu erstreiten. Ihre Anwälte schätzen die Erfolgsaussichten allerdings als gering ein. Inzwischen ist das Thema Klage vom Tisch. Mit zu der Entscheidung beigetragen hat, dass Familie Stiller als Klägerin im Fall einer Niederlage vor dem Landgericht Oldenburg möglicherweise auf Prozess- und Anwaltskosten von mehreren Tausend Euro sitzengeblieben wäre.

Sabrina und Andreas Stiller

„Wir wollen keine Schuldzuweisung betreiben“, betont Andreas Stiller (links mit Tochter Sabrina; Foto: hol) . Aber, auch daraus macht er keinen Hehl, vom Verhalten der Stadt Wilhelmshaven sei er „extrem enttäuscht“. Bereits in einem Schreiben aus Oktober 2022 wies die Stadtverwaltung jede Verantwortung von sich. Der Unfall sei auf keinen Fall durch eine Verletzung der Verkehrssicherheitspflicht zustande gekommen. 

Grundsätzlich hätten Verkehrsteilnehmer Straßen und Wege in dem Zustand hinzunehmen, in dem sie sich erkennbar darbieten, heißt es in dem Schreiben. Man müsse seine Fahrweise entsprechend anpassen. Zum Zustand des Radweges im Stadtpark: Es habe sich um einen Sandweg gehandelt. „Es entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass Sandwege insbesondere in Zeiten extremer Trockenheit über keine feste Oberfläche verfügen.“ 

Sabrina Stiller hätte die lockere Sandfläche und damit die Rutschgefahr an bereits sichtbaren Reifenspuren erkennen können. „Wenn sie dennoch weiter gefahren ist, dann handelte sie auf eigene Gefahr.“ Abschließende Bewertung seitens der Stadt: Ausschließlich Eigenverschulden.

Traurig und auch wütend

Hätte die geistig beeinträchtige Frau die Gefahrenstelle tatsächlich selbst erkennen können? Nicht einmal ihrer Mutter war der unnatürliche Unterschied im Belag des Weges aufgefallen. „Wie eine juristische Bewertung auch ausgefallen wäre: Klar dürfte sein, dass ein Hinweisschild das Unfallrisiko deutlich verringert hätte“, sagt Andreas Stiller. 

Traurig und auch wütend ist der Vater des Opfers aber noch aus einem anderen Grund. „Die juristische Einlassung war die einzige Reaktion aus dem Rathaus“, klagt Stiller. „Kann man angesichts der dramatischen Folgen des Unfalls für Sabrina nicht erwarten, dass irgendeiner von der Stadt sich einmal nach ihrem Gesundheitszustand erkundigt und vielleicht gute Besserung gewünscht hätte? Ich finde, dass gehört sich so.“

Vorfreude aufs große Spielefest

Spielefest MTV
Viele Hooksieler Vereine beteiligen sich an der Ausrichtung des Spielefestes am Montag. Archiv-Foto: hol

Hooksiel (5. 7. 2024) – Hooksiel bereitet sich auf das große Spielefest vor. An der Veranstaltung der Interessengemeinschaft „De Hooksieler“ beteiligen sich zahlreiche weitere Vereine aus dem Ort. Am kommenden Montag, 8. Juli, ab 14. 30 Uhr verwandelt sich der Garten der Generationen an der Nee Straat in eine Spiellandschaft. Das Besondere: Alle Angebote sind für Kinder und Jugendliche kostenfrei.

Im vergangenen Jahr wurde das Spielefest von mehreren Hundert Kindern besucht. Unterstützt werden De Hooksieler um ihre Vorsitzende Anke Müller bei der Ausrichtung unter anderem von der Freiwilligen Feuerwehr, den Sportvereinen FC Nordsee Hooksiel und MTV Hooksiel, der Jugendpflege der Gemeinde, der DLRG Ortsgruppe Wangerland, der Wilhelmshavener Kinderhilfe (WiKi), dem Nationalparkhaus Minsen und der Initiative „Weil wir Hooksieler sind“. Für Kaffee und Kuchen sorgt das benachbarte „Wohnstift Hooksiel“. 

Landwirtschaft kritisiert Verbot von Zuchtrinder-Export nach Marokko

Wangerland/Aurich (5. 7. 2024) – Marokko gilt zunehmend als wichtiger Wirtschaftspartner für Deutschland. Das hat nicht zuletzt die Reise einer niedersächsischen Wirtschaftsdelegation unter Führung von Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) vor wenigen Tagen gezeigt, bei der eine „vertiefte Zusammenarbeit“ etwa im Energie- und Rohstoffsektor vereinbart wurde.

Dennoch hat das Bundeslandwirtschafts-Ministerium unter Leitung von Cem Özdemir (Grüne) den Export deutscher Zuchtrinder in das nordafrikanische Land untersagt und damit eine schon über 30 Jahre andauernde Partnerschaft blockiert. Der Zuchtrinder-Export war Gegenstand eines fachlichen Austausches, zu dem sich Vertreter von Rinderzuchtverband, Landwirtschaft und Politik beim Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOSt) in Aurich trafen. Dabei waren die Landtagsabgeordnete Katharina Jensen (CDU), der Vorsitzend des Kreislandvolkverbandes Friesland Lars Kaper (Varel) und vom VOST Geschäftsführer Dr. Cord-Hinnerk Thies, Vermarktungsleiter Heiner Saathoff, Exportleiter Heiner Tholen und Vorstand Jann Janssen

Jensen bim VOST
Die Landtagsabgeordnete Katharina Jensen und der Vorsitzende des Kreislandvolks Friesland , Lars Kaper (links) besuchten den Stammviehzüchterverband VOST in Aurich-Schirum. Foto: VOST

Der VOSt stehe seit 145 Jahren an der Seite der Landwirtschaft und sei für den Erfolg der Milchvieh- und Rinderhaltung in Friesland und Ostfriesland sowie im Ammerland unverzichtbar, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. „Seit über 100 Jahren werden Tiere ins europäische Ausland und auch international vermarktet. Das ostfriesische Zuchtvieh ist weltweit begehrt.“ 

Die Betonung liegt hierbei auf Zuchtvieh. Im internationalen Geschäft sind es vor allem Zuchtrinder, die den Weg in eine neue Heimat antreten. Mit Blick auf das Tierwohl würden dabei behördlich genau geprüft und verfolgt. „Sowohl die Fahrzeuge, die Spediteure aber auch die Empfänger in den Zielländern müssen im Vorfeld angegeben werden. Die Routen werden vom Veterinäramt minutiös kontrolliert, auch durch GPS-Daten und Protokolle bei den Empfängern.“ 

Noch im Dezember vergangenen Jahres hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg einen Erlass des niedersächsischen Landwirtschaftsministerium für nicht rechtens erklärt, indem der Lebendtransport von Rinder ins Nicht-EU-Ausland untersagt worden war. Das Gericht hatte bei einem geplanten Export von Zuchtrindern nach Marokko keinen Verstoß gegen das EU-Tierschutzrecht zu erkennen vermocht, zumal die Rinder vor Ort für die Milchproduktion vorgesehen waren. 

„Umso bedauerlicher ist es, dass das Bundeslandwirtschaft-Ministerium die benötigten Veterinär-Atteste widerrufen hat“, stellten die Runde beim VOST fest. Man dürfe zum Teil berechtigte Bedenken gegen den Lebendtransport von Schlachtvieh nicht auf Zuchtrinder übertragen, sagte Lars Kaper gegenüber „Hooksiel-life“. Der Viehhandel mit Marokko sollte möglichst schnell wieder ermöglicht werden.

Auch in allen anderen Fragen der Zucht von der künstlichen Besamung über die Vermarktung von Kälbern und auch Schlachtvieh sieht sich der VOST als Partner der Landwirte der Region. Chancen in der Zucht ergäben sich aus der gezielten „Anpaarung“ mit Bullen, die zum Beispiel eine gute Eutergesundheit oder auch eine lange Nutzungsdauer vererben. Der VOST ist hierbei Berater der Landwirte. „Aus dem Leben vieler Milchviehbetriebe sind die Leistungen nicht wegzudenken.“ Den Politikern, die heute zum Tierwohl neue Gesetze beschließen, empfahl Verbands-Geschäftsführer Thies ein Praktikum in einem Betrieb. 

Katharina Jensen nutze den Besuch, um mit den Beteiligten über die neue Novelle des Tierschutzgesetzes zu sprechen. Neben einem angedachten Exportverbot von Zuchttieren werde besonders die Schweinehaltung in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland geschwächt.„Eine Gesetzesänderung, die in den letzten Monaten im Schatten anderer Debatten vorbereitet wurde und in meinen Augen wieder erkennen lässt, dass die Landwirtschaftsministerien in Berlin und Hannover die deutsche Tierhaltung stark reduzieren wollen.“

Marineoffizier mit einem Herz für die Kunst und Spaß an der Arbeit

Hooksiel (4. 7. 2024) – Großer Bahnhof zum Abschied. Henning Gieseke verlässt nach 30 Jahren Hooksiel. Die Verdienste des ehemaligen Marineoffiziers für den Ort wurden am Mittwochabend auf einem Empfang gewürdigt, den die Arbeitsgruppe Hooksiel für ihr langjähriges Mitglied ausgerichtet hatte. Als Vertreter der Gemeindeverwaltung sprach Abteilungsleiter Markus Gellert Dankesworte: „Wie waren stets ein verlässlicher Partner der Gemeinde Wangerland.“

Henning Giseke (Mitte) mit Björn Mühlena und Bruno Bölts
Henning Gieseke (Mitte) verlässt Hookiel: Für sein jahrzehntelanges Engagement im Ort dankten unter anderem Björn Mühlena (Vorsitzender des Vereins Kunst- und Erlebnispfad Hooksiel) und der Sprecher der Arbeitsgruppe Hooksiel, Bruno Bölts (rechts). Foto: hol

Henning Gieseke lebt seit 1994 in dem Sielort. Hier bezog er nach dem Ende seiner Dienstzeit bei der Marine in Wilhelmshaven mit seiner Frau Karin ein Haus in der Bakenstraat und begann bald danach damit, was aus seiner Sicht selbstverständlich ist: Er engagierte sich für Belange im Ort. „Dabei dürften mehrere Tausend Stunden ehrenamtliche Arbeit zusammengekommen sein“, vermutet Gellert. „Das ist keineswegs selbstverständlich.“

Gieseke gehört zu den Mitbegründern des Vereins „Kunst- und Erlebnispfad Hooksiel“, der sich über die Jahre zum Förderverein für das Künstlerhaus Hooksiel entwickelt hat. „Ich liebe die Kunst und finde es wichtig, dass alle Bürgerinnen und Bürger Kunst erleben können.“ Aus seiner Sicht sind daher die dekorativen Skulpturen im öffentlichen Raum ebenso wichtig wie die wechselnden Ausstellungen im Künstlerhaus Hooksiel. „Es muss nicht jeder alles mögen, aber alles hat seine Berechtigung.“

Durch Toleranz und Teamfähigkeit hat sich Giesecke auch bei seiner jahrelangen Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Hooksiel ausgezeichnet. Wie Arbeitsgruppen-Sprecher Bruno Bölts sagte, sei es eine traurige Nachricht, dass die 21-köpfige Gemeinschaft eines seiner fleißigsten Mitglieder verliert. Die Arbeitsgruppe pflegt seit Jahrzehnten unter anderem die Grünanlage am Südeingang des Ortes (auf Wilhelmshavener Grund) und den Kreisel nahe der Tankstelle (eigentlich eine Kreis-Aufgabe). 

Gieseke (82) zieht in Kürze in das 300-Seelen-Dorf Großplötzschau in der Nähe von Leipzig um, wo ein Neffe von ihm lebt. Für den Witwer, der in seinem Leben über 30 Mal umgezogen ist, noch einmal ein Neuanfang, ein „Geschenk obendrauf“, wie er sagt.

Unter den an die 100 Gästen beim Empfang an der Göpelscheune waren auch acht Mitglieder der Crew, die vor 62 Jahren, also 1962, mit Henning Gieseke zusammen in die Marine eingetreten sind. Die Senioren sangen ihrem Kameraden ein Ständchen und erinnerten an alte Zeiten. Gieseke war bei der Marine vorwiegend als Minenjäger aktiv. Militärischer Höhepunkt der Karriere des Kapitän zur See a. D. war der Minenräum-Einsatz im Persischen Golf nach dem Irak-Krieg Anfang der 1990er Jahre – dem ersten scharfen Einsatz deutscher Streitkräfte außerhalb des Nato-Gebietes, wie der damalige Kommandeur der Flottille der Minenstreitkräfte betont. 

Ein wenig traurig stimmt ihn die Erinnerung an seine sich daran anschließende Verwendung im Verteidigungsministerium in Bonn. Er sei für die Ausbildung von Soldaten von Marine, Heer und Luftwaffe zuständig gewesen. Nach dem Mauerfall und dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes standen damals auch vertrauensbildende Maßnahmen mit russischen Streitkräften auf der Agenda … ein Ansatz, der dann irgendwann im Sande verlaufen ist.

Offene Fragen zum Vogelschutz gefährden Investitions-Entscheidungen

Containerschiff vor dem Hooksieler Strand
Vom Hooksieler Strand aus sind die Containerschiffe gut zu sehen, die regelmäßig den JadeWeserPort ansteuern. Foto: hol

Wilhelmshaven/Hooksiel (2. 7. 2024) – Die einst für Industrieansiedlungen aufgespülten Flächen auf dem Voslapper Groden Nord und Süd in Wilhelmshaven spielen für einige der rund 20 Vorhaben des Projektverbundes „EnergyHub – Port of Wilhelmshaven“ eine Schlüsselrolle. Das Problem: Die Zeitachse, wann die EU-Vogelschutzgebiete für industrielle Zwecke zur Verfügung stehen, ist unklar.

Minister will sich für Lösung einsetzen

Die Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereinigung (WHV) hat Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) darauf hingewiesen, wie zeitkritisch das Problem ist. „Hier sind dringend naturschutzrechtliche und raumordnerische Regelungen auf EU- und Landes-Ebene erforderlich, um den Flächenbedarfen für Gewerbe einerseits und Kohärenz andererseits gerecht zu werden“, betonten die WHV-Vertreter. „Wenn dies nicht kurzfristig gelingt, drohten geplante Projekte des EnergyHubs zu scheitern.“ Durch Kohärenzmaßnahmen sollen die bedrohten Vogelarten auch weiterhin geschützt werden.

Lies bei der WHV
Im Gespräch über die Entwicklung der Wilhelmshavener Häfen: (von links MdL Marten Gäde, Wirtschaftsminister Olaf Lies, WHV-Präsident John H. Niemann., Vizepräsident Hans-Joachim Uhlendorf
und Vorstandsmitglied Hans Joachim Schweinsberg. Foto: WHV

Lies, der mit dem Wilhelmshavener Landtagsabgeordneten Marten Gäde die Interessenvertretung besuchte, versicherte, dass die Landesregierung sich der wirtschaftlichen Bedeutung dieser Vorhaben für den Standort Wilhelmshaven bewusst sei und er sich persönlich um Lösungsmöglichkeiten bemühen werde. 

WHV-Präsident John H. Niemann wies zudem auf die Notwendigkeit zur zügigen Erweiterung des JadeWeserPorts (JWP II) hin. Um in der Energiewende voranzukommen, müsse der Ausbau der Offshore-Windenergie rasch und konsequent umgesetzt werden, um genügend erneuerbarer Strom für die Wirtschaft, die E-Mobilität und die Wasserstoffproduktion zur Verfügung zu haben. 

Flächenbedarf für Offshore-Windenergie

Wilhelmshaven besitze hierfür ein Alleinstellungsmerkmal: Mit der Erweiterung des JWP könnten mittelfristig Infrastrukturen geschaffen werden, um die großen und schweren Komponenten der Offshore-Windkraftanlagen, die in großer Anzahl in den nächsten 20 Jahre auf Projektflächen in der Nordsee installiert werden sollen, zu lagern, vorzumontieren und auf Spezialschiffe verladen zu können. 

„Diese Aufgabe könnte der JWP II neben anderen Funktionen als Vielzweckhafen (z.B. Fahrzeug-, Schwerlast, Containerumschlag sowie Recycling) aufgrund seines Flächenpotentials, der günstigen Verkehrsanbindung und seiner nautischen Vorzüge bestens erfüllen“, so Niemann. Wichtig sei, diese strategische Entscheidung frühzeitig zu treffen, um für Reedereien, Logistiker und Industrien ein Angebot und Investitionsperspektiven zu schaffen.

Planung für JWP II

Um den Ausbau der Offshore-Windenergie voranzutreiben, sucht die landeseigene Hafengesellschaft NPorts nach den Worten von Lies nach Flächen, die für den Umschlag von Offshore-Komponenten erschlossen werden können. So plane NPorts derzeit den Bau der schwerlastfähigen Liegeplätze 5 bis 7 in Cuxhaven mit Lager- und Logistikfläche. Unabhängig davon würden die Planungsprozesse laufen, um den Bau und die Inbetriebnahme des JWP 2 zum marktseitig sinnvollen Zeitpunkt zu ermöglichen.

Im Zusammenhang mit dem EnergyHub wurde positiv angesprochen, dass einige wichtige Infrastrukturprojekte bereits erfolgreich umgesetzt worden sind, etwa der Bau von Gaspipelines und eines LNG-Terminals. Weitere Projekte seien in der Umsetzung oder einer konkreten Planung (zweites LNG-Terminal, Pipeline- und Strominfrastruktur, Anleger für verflüssigte Gase usw.). Um so wichtiger sei es, die Schwierigkeiten in den Planungs- und Genehmigungsprozessen zügig mit den Beteiligten zu lösen sind, um Investitionsentscheidungen der Unternehmen zu erleichtern. 

Neuer Ponton für „Bernhard Gruben“

Bernhard Gruben in Hooksiel
Der Rettungskreuzer „Bernhard Gruben“ an seinem bisherigen Liegeplatz an der Südseite des Hooksieler Außenhafens. Foto: hol

Hooksiel (2. 7. 2024) – Der Seenotrettungskreuer „Bernhard Gruben“ soll umziehen. Wie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und Hafenbetreiber Niedersachsen Ports (NPorts) gegenüber „Hooksiel-life“ bestätigten, soll das Rettungsschiff künftig an einem neuen Ponton an der Nordseite des Hooksieler Außenhafens festmachen.

Aktuell laufen die vorbereiteten Arbeiten. Wie Mathias Lüdicke, Leiter der NPorts-Niederlassung Wilhelmshaven, sagte, würden die notwendigen elektrischen Anschlüsse und Kabel auf der Nordseite verlegt. Derzeit liegt die „Bernhard Gruben“ an einem Ponton auf der Südseite der Seeschleuse. Da dort die räumlichen Verhältnisse sehr beengt sind, nutzt die DGzRS bislang zusätzlich einen Materialcontainer, der allerdings auf der Nordseite steht. 

„Die DGzRS bemüht sich seit Jahren um größere Stationsräumlichkeiten am Hooksieler Außenhafen“, erläutert der Pressesprecher der Rettungsorganisation mit Sitz in Bremen, Christian Stipeldey. „Die Möglichkeiten sind sehr begrenzt.“Die Planung sehe vor, auf der Nordseite, zwischen der Schleuse und dem Ponton der Reederei Huntemann, einen neuen, größeren Ponton zu installieren. „Das wird unsere Logistik vereinfachen“, so Stipeldey. Der neue Anleger werde es ermöglichen, einen größeren Container direkt auf dem Ponton zu platzieren.

Der Container solle unter anderem eine Werkstatt sowie einen kleinen Büro- und Aufenthaltsraum aufnehmen. Stipeldey: „Dies wird kleinere Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten unseres Seenotrettungskreuzers vor Ort durch unsere Besatzung erleichtern und ihre Raumverhältnisse an Land erheblich verbessern.“

Die „Bernhard Gruben“ ist 23,1 Meter lang. Das extrem seetüchtige Schiff ist einer der Eckpfeiler der Nord- und Ostsee unterhält. Die Stammbesatzung besteht aus neun Rettungsmännern, von denen jeweils vier „auf Wache“ sind, also rund um die Uhr an Bord leben und jederzeit einsatzbereit sind. 

Gemeinde sucht die besten Radler

Wangerland (1. 7. 2024) – Seit 2008 treten Kommunalpolitiker und Bürger für mehr Klimaschutz und Radverkehr in die Pedale. Die Gemeinde Wangerland ist wie der gesamte Landkreis Friesland vom 1. bis 21. September 2024 mit von der Partie. In diesem Zeitraum können alle, die in Wangerland leben, arbeiten, einem Verein angehören oder eine (Hoch-)Schule besuchen bei der Kampagne „Stadtradeln“ des Klima-Bündnisses mitmachen und möglichst viele Radkilometer sammeln. Anmelden können sich Interessierte schon jetzt unter stadtradeln.de/wangerland

Es soll eine gemeinsame Auftakt- und Abschlussveranstaltung geben. Außerdem findet eine Staffelstabtour durch alle Gemeinden des Landkreises Friesland und den beteiligten ostfriesischen Nachbarkommunen statt. Weiterhin wird die Gemeinde Wangerland eine eigene Preisverleihung für die besten Radler und Teams durchführen. 

Jeder kann einem bestehenden Stadtradel-Team beitreten oder selbst eine Radler-Gruppe gründen. Ziel ist es, dass die Radelnden so oft wie möglich das Fahrrad nutzen. Die Gemeinde Wangerland sucht zudem „Stadtradel-Stars“, die m Wettbewerbszeitraum kein Auto von innen sehen und komplett aufs Rad umsteigen. 

Der Bürgermeister Mario Szlezak hofft auf eine rege Teilnahme von Bürgern und Politikern, die dadurch aktiv ein Zeichen für mehr Klimaschutz und mehr Radverkehrsförderung setzen würden Ansprechpartner für den Wettbewerb beider Gemeinde ist Thomas Hayen (Tel: 04463/989104; E-Mail: t.hayen@wangerland.org).

Die Kanone ist wieder da: Böllerschüsse und ein dreifaches Hip Hip Hurra

Hooskieler Kanone steht wieder am Deich
Die preußische Kanone aus dem Jahr 1849 steht nach drei Jahren wieder an ihrem angestammten Platz auf dem Deich: Darüber freuen sich (von links) Wieland Rosenboom, Wolf Hegemann, Erwin Abels, Peter Müller, Frank Wenzel und Wolfgang Ademes. Foto: hol

Hooksiel (30. 6. 2024) – Hooksiel hat seine Kanone wieder. Nach drei Jahren Sanierungsdauer wurde die historische Waffe aus dem Jahr 1849 am Samstag, begleitet von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern, mit einem Kaltblüter-Gespann vom Hooksieler Ortskern zum Alten Hafen und von dort weiter per Hand auf den angestammten Platz auf der Krone des Deiches am Hooksmeer gezogen. 

Der Kraftakt endete mit einer millimetergenauen Platzierung der Lafette unterhalb des Hohen Stuhls. Die Belohnung für die von Gert Kelterborn dirigierte Freiwilligentruppe rund um den Seebadevereins-Vorsitzenden Erwin Abels: Zwei Böllerschüsse und ein dreifaches Hip-hip-Hurra als Signal an alle potenziellen Eindringlinge, dass Hooksiel ab sofort wieder wehrhaft ist.

Ursprünglich hatten die Preußen zwei Kanonen auf dem Hooksieler Deich platziert, als Schutz gegen dänische Kaperfahrer. Während das eine Exemplar über Jahre und Jahrzehnte gehegt und gepflegt wurde, gilt das andere als verschollen. Heimatfreund Wieland Rosenboom aus Horumersiel, der als humorvoller, launiger Redner und Hauptmann der Schutztruppe die zahlreichen Schaulustigen am Altern Hafen begrüßte, erinnerte daran , dass das Rohr der zweiten Kanone noch lange am heutigen Künstlerhaus gelegen habe … 

Die Sanierung der Kanone war ebenso wie der Festakt ihrer Neuaufstellung ein Gemeinschaftswerk. Als „Herr der Kanone“ stellte Abels seinen Stellvertreter Wolf Hegemann vor, der die Sanierung in den vergangenen drei Jahren koordiniert hat. Wieland Rosenboom hatte seine Schutztruppe mit schmucken Uniformen samt Pickelhauben der Freiwilligen Feuerwehr Minsen ausgestattet. 

Beeindruckend auch der Auftritt von Gerd Kelterborn vom „Friesland-Stern“ in Horum auf dem Kutschbock. Zwei Kaltblüter-Pferde vorweg, dahinter die historische Kanone. Ein schönes Bild, das zahlreiche Medienvertreter und Hunderte Schaulustige mit ihren Smartphones und Kameras im Bild festhielten. Applaus gab es auch für das Wendemanöver des Gespanns am engen Hafenplatz und die fachmännischen Kommandos von Kelterborn, der die Kanone auf dem Deich zu ihrem Stellplatz „für die nächsten 80 Jahre“ manövrierte. 

Bevor im Hafen das kleine Festbüfett mit eigens importiertem Kanonen-Bier eröffnet wurde, danke Abels den zahlreichen Helfern, die an der Sanierung der Kanone beteiligt waren. Dazu gehörten neben Wolf Hegemann unter anderem die Wagnerei Hauck in Bayern, der Bootsbauer Wolfram Heibeck, der Schmied Uwe Schuster, Frank Wenzel als Anstreicher, die Neue Jadewerft in Wilhelmshaven, die Hooksieler Arbeitsgruppe und die zahlreichen Spender, ohne deren Unterstützung dem Seebadeverein die Finanzierung des Projektes kaum möglich gewesen wäre.

Zum Abschluss überreichte Abels an Hegemann eine Miniatur-Nachbildung des Leuchtturms „Roter Sand“ – das in der Nordsee an der Zufahrt zur Weser stehende Schifffahrtszeichen sucht bekanntlich einen neuen Standort. Hooksiel ist dabei noch im Rennen. Hegemann gilt als Unterstützer des Projektes.

Gelungener Auftakt für Konzert-Reihe am Gästehaus Hooksiel

Frank Hensel und Mitarbeiterin bei Live hinterm Deich
Frank Hensel von der Agentur Friesenevent freut sich mit seiner Mitarbeiterin Sandra Bruhnken über den guten Besuch zum Auftakt der Konzertreihe „Live hinterm Deich“ am Hooksieler Gästehaus. Foto: hol

Hooksiel (28. 6. 2024) – Mit einem tollen Auftritt der Auricher Band „Adenalin“ ist am Donnerstag Abend die Konzertreihe „Live hinterm Deich“ am Gästehaus in Hooksiel gestartet. Das Familien-Trio begeisterte die gut 150 Zuhörerinnen und Zuhörer mit professionell gecoverten Songs und ihrem gesanglichen Können.

Veranstalter der Konzertreihe ist die Wangerland Touristik GmbH. Bis Ende August treten unterschiedliche Bands jeweils dienstags im Kurpark in Horumersiel und donnerstags am Gästehaus in Hooksiel auf (die jeweiligen Termine auf Hooksiel-life in der Rubrik „Veranstaltungen“). Der Besuch der Konzerte ist kostenfrei. Für die gastronomische Versorgung sorgt die Agentur Friesenevent. 

Adrenalin

Zu den Bands, auf die sich die Hooksieler und ihre Gäste auch in diesem Sommer freuen dürfen, gehören unter anderem „Syracrus“ und „Likedeeler“, die im Wangerland bereits eine feste Fangemeinde haben. Die hat „Adenalin“ (Foto: Band) , die erstmals in Hooksiel gastierten, auch verdient. Wer sich davon überzeugen möchte, hat dazu am Donnerstag, 25. Juli, noch einmal die Gelegenheit. Dann gibt Vater Uwe Aden mit seinen Kindern Cantia und Yannec ein weiteres Open-Air-Gastspiel am Gästehaus.

Nach Prügelattacken in Tettens: Sicherheitskonzept fürs Dorffest

Wangerland/Hohenkirchen (27. 6. 2024) – Das Dorffest in Hohenkirchen beginnt am heutigen Donnerstag unter besonderen Sicherheits-Vorkehrungen. Der Grund: Beim 100-Jahr-Fest der Freiwilligen Feuerwehr in Tettens war es am vergangenen Wochenende zu erheblichen Ausschreitungen gekommen.

Vor diesem Hintergrund haben das Polizeikommissariat Jever und die Gemeinde Wangerland die Einsatzplanung für das Dorffest in Hohenkirchen gemeinsam ausgearbeitet. Das Traditionsfest wird bis zum Sonntag gefeiert.

Polizei und Gemeinde haben für Personen, die der mutmaßlich für die Gewalttaten in Tettens verantwortlichen Gruppe angehören oder zu deren Umfeld gerechnet werden, ein Aufenthaltsverbot beim Dorffest in Hohenkirchen ausgesprochen. Darüber hinaus werde die Polizei die Veranstaltung insbesondere in den Abend- und Nachtstunden mit einem verstärkten Kräfteaufgebot begleiten. 

Gemeinsam appellieren Polizei und Gemeinde an alle Bürger, sich von den Vorfällen im Nachbarort nicht von einer Teilnahme am Fest in Hohenkirchen abhalten zu lassen: „Die Polizei wird die Sicherheit der Veranstaltung gewährleisten, bei Zuwiderhandlungen konsequent einschreiten und ist auf alle Eventualitäten eingestellt.“ 

Beim Feuerwehrfest in Tettens hatte eine Gruppe männlicher Personen Besucherinnen und Besucher körperlich angriffen und dabei sieben Personen verletzt. Im Rahmen der sogleich eingeleiteten und noch andauernden Ermittlungen der Polizei sei inzwischen ein Großteil der vor Ort agierenden Täter namentlich bekannt. 

Sollte es während der Veranstaltung in Hohenkirchen zu Zwischenfällen kommen, ist die Polizei in Jever unter der Rufnummer 04461/7449-0 oder per Notruf über die 110 zu erreichen.