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Hooksiel-life: Vom Leben an der Küste

Ausbau des Glasfaser-Netzes in Hooksiel erreicht zweite Phase

Glasfasernetz Ausbau in Hooksiel
Die Kabel für das Glasfaser-Verteilnetz in Hooksiel sind inzwischen unter der Erde. Foto: hol

Hooksiel (25. 02. 2023) – Die erste Phase des Ausbaus des Glasfasernetzes in Hooksiel ist fast abgeschlossen. Wie die Glasfaser Nordfest auf Anfrage von „Hooksiel-life“ mitteilt, werden die Baumaßnahmen für das Verteilnetz auf öffentlichen Grund und Boden in den Ausbaugebieten Hooksiel Ost, West und Zentrum in den nächsten Tagen erfolgreich beendet. Tomke Hollander. Pressesprecherin des Infrastruktur-Unternehmens: „Es fehlt dann nur noch die Anbindung eines Neubaugebiets und des Campingplatzes, den wir nachträglich mit ins Ausbaupolygon mit aufgenommen haben.“

Parallel dazu habe der Bau der Hausanschlüsse auf Privatgrundstücken schon begonnen. „Anwohnerinnen und Anwohner, die sich heute schon für einen Glasfaseranschluss und -tarif von einem unserer Vermarktungspartnern entschieden haben, werden in den nächsten Monaten an das neue Netz angeschlossen“, so Hollander. 

„Wir gehen zurzeit davon aus, dass die ersten Hausanschlüsse in den nächsten Wochen aktiviert werden, sodass es nicht mehr so lange dauert, bis die ersten Anwohnerinnen und Anwohner – oder auch Touristen und Besucher – in Lichtgeschwindigkeit surfen können“, so die Pressesprecherin. Wie viele Grundstückseigentümer bislang schon einen Glasfaser-Vertrag bei der Telekom oder der EWE abgeschlossen haben, wisse man bei Glasfaser Nordwest nicht. 

Laut aktueller Planung will die Glasfaser Nordwest die Arbeiten in allen Gebieten Anfang 2024 abschließen. Wer sich später für einen Glasfaseranschluss entscheide, werden dann selbstverständlich auch noch angeschlossen, so Hollander. Ernsthafte Probleme habe es beim bisherigen Ausbau nicht gegeben. Glasfaser Nordwest lägen keine Informationen darüber vor, dass Gas- oder Telefonleitungen bei den Tiefbauarbeiten der Ausbaupartnerfirmen getroffen oder beschädigt worden seien. 

Will das Land die Ausbildung der Feuerwehr-Truppfüher abschieben?

Hooksiel/Hannover. Die Gemeinde- und Kreisfeuerwehren schlagen Alarm. Es fehlen für den Fortbestand der Wehren wichtige Lehrgänge an den landeseigenen Feuerwehrakademien in Niedersachsen. Die CDU-Fraktion im Landtag hat die Ausbildungssituation heute als dringliche Anfrage ins Landtags-Plenum eingebracht.

Katharina Jensen beim Landvolk

Die Freiwilligen Feuerwehren in Friesland löschten Brände, seien Teil des Katastrophenschutzes der Landkreise und käme, wenn technische Hilfe benötigt wird. „Sie helfen bei Verkehrsunfällen und öffnen Türen. Die Kameradinnen und Kameraden brauchen eine entsprechende Ausbildung“, betont die CDU-Abgeordnete Katharina Jensen (Foto) aus dem Wangerland. 

Die Antworten von Innenministerin Daniela Behrens (SPD), der das zuständige Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz (NLBK) unterstellt ist, hätten seinen aber ernüchternd gewesen .„Mehr Digitalisierung, mehr Ausbilder – woher auch immer die kommen sollen – und am liebsten die Verlagerung eines der wichtigsten Führungslehrgänge, des Truppführers, in die Fläche“, fasst Jensen zusammen. 

„Vor allem mit Blick auf den Truppführer finde ich den Vorschlag fatal, denn der bindet in den Akademien mit gut 30 Prozent aller Lehrgänge die meisten Kapazitäten“, so Jensen. Es sei völlig realitätsfern, dass diese Ausbildung künftig Ehrenamtliche in den Kommunen übernehmen sollen. Zumal die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehren in Friesland immer komplexer würden. Immerhin, so Jensen: „Es soll eine Ausbildung in Wilhelmshaven geben, für das Löschen von Bränden am LNG-Terminal.“ 

Für 2023 habe Friesland einen Bedarf von 339 Feuerwehrlehrgängen angemeldet, lediglich 74 konnten vom NLBK zugeteilt werden. „Die Auswirkungen der fehlenden Lehrgänge sind perspektivisch katastrophal. Fehlende Ausbildung gefährdet die Einsatzfähigkeit der Wehren“, so Jensen. Sie unterstützt damit die Kritik, die zuletzt von Gemeinde- und Kreisbrandmeister auf der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Hooksiel formuliert worden war.

Notlage am Alten Hafen: Toiletten zerstört

Hooksiel (22. 2. 2023) – Ein echter Notstand. Der innere Druck nimmt zu. Doch zum Glück ist gleich da vorn eine öffentliche Toilette. Aber zu früh gefreut. Das WC ist geschlossen. Wegen Vandalismus. 

Dieses nachempfundene Erlebnis könnten in diesen Tagen auch eine Reihe von Karnevals-Flüchtlingen in Hooksiel durchlitten haben. Als ganz schlechten Scherz. Unbekannte haben vor einigen Wochen in der öffentlichen WC-Anlage am Alten Hafen gewütet und und dabei Toiletten, Waschbecken, Seifenspender und Tür zerstört. Armin Kanning, Geschäftsführer der Wangerland Touristik GmbH (WG), beziffert den Schaden gegenüber „Hooksiel-Life“ auf gut 1000 Euro. 

Toilettenanlage Hooksiel
Die Wangerland Touristik GmbH hat Anzeige erstattet. Unbekannte haben in der Toilettenanlage am Alten Hafen gewütet und erheblichen Schaden angerichtet. Foto: hol

Das WC wird von der WTG betreut. Im Kern soll die Anlage mit Toiletten und Dusche den Sportbootfahrern dienen, die ihre Boote im Alten Hafen festmachen. Darüber hinaus können die Toiletten aber von jedermann genutzt werden. 

Auch in der Vergangenheit ist es immer wieder mal vorgekommen, dass die Anlage beschädigt wurde. Die Toiletten liegen auf der Rückseite des Feuerwehrgerätehauses, der Zugang ist versenkt und daher schwer einsehbar. Unmittelbare Nachbarn, die durchgehend ein Auge auf die Anlage haben, gibt es nicht.

Die WTG hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Wenn nicht der Zufall hilft, dürften die Aussichten gering sein, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden können. Dennoch, so Kanning, werde die Toilettenanlage in Kürze wieder geöffnet. „Für einen Urlaubsort wie Hooksiel ist eine öffentliche Toilette am ZOB einfach zu wenig.“

Auf ein verbessertes WC-Konzept hofft Wangerlands Tourismuschef im Zuge der Neugestaltung des Feuerwehrareals am Alten Hafen. Bekanntlich zieht die Wehr noch in diesem Jahr in einen Neubau am Hohe Weg um. Bei der Gemeinde Wangerland läuft derweil die Planung an, wie das alte Feuerwehrhaus bzw. das Grundstück künftig genutzt werden kann.

Übrigens: Der unter starkem Druck stehende Urlauber, dessen Notlage wir eingangs beschrieben haben, hatte Glück. Der Inhaber eine nahe gelegenen Gaststätte ließ den Mann seine Toilette nutzen. 

Hooksieler Kinder erhalten Seelenproviant fürs Leben

Viele der Hooksieler Kindergarten-Kinder (wie der kleine Tamme) haben die neue Kita-Leiterin Vanessa Zander längst in ihr Herz geschlossen. Foto: hol

Hooksiel (21. 2. 2023) – Der Kindergarten „Alte Schule“ in Hooksiel bekommt einen neuen Namen. Künftig soll die Kindertagesstätte der Gemeinde Wangerland den Namen „Küstenkinder“ führen. „Alte Schule? Das sind wir nicht“, begründet Kita-Leiterin Vanessa Zander den Vorstoß, der von 16 der 18 Mitarbeitern der Einrichtung mitgetragen und inzwischen auch vom Schulausschuss des Rates unterstützt wird.

In der voll belegten Einrichtung am Kreuzhamm werden in fünf Gruppen (davon eine Integrationsgruppe) 98 Kinder betreut, 27 davon sind im Krippenalter. Vanessa Zander hat im September vergangenen Jahres die Leitung übernommen. In einer schwierigen Zeit. Im Herbst gab es noch eine Vielzahl von Corona- und Grippefällen. „Teilweise waren bis zu 13 Mitarbeiter bei uns erkrankt“, schildert die 30-Jährige im Gespräch mit „Hooksiel-life“. Die Konsequenz: An drei Tagen blieb die Kita komplett geschlossen. Vier Wochen lang wurde nur Notbetreuung für Kinder von Berufstätigen angeboten. 

„Mir ist schon bewusst, dass das auch für die betroffenen Familien eine harte Zeit war. Aber es ging nicht anders“, sagt Vanessa Zander. Sie freue sich riesig, dass die Eltern inzwischen wieder die Kita-Räume und das dazu gehörende Freigelände betreten dürfen und sich selbst davon überzeugen können, dass die Kinder sich wohl fühlen.

„Wir laden die Kinder bei uns dazu ein, Kind zu sein“, umschreibt Vanessa Zander ihr pädagogisches Konzert. Die Jungen und Mädchen sollen das Miteinander lernen, aber auch den Kontakt zu ihnen zunächst unbekannten Erwachsenen. Im Kern gehe es darum, Bedürfnisse und soziale Kompetenzen zu entwickeln; ohne Vorgaben oder Lernziele. Zander: „Wir sollen den Kindern Seelenproviant für ihren Lebensweg mitgeben.“

Vanessa Zander, selbst noch ohne eigene Kinder, ist in Wilhelmshaven aufgewachsen. Sie lebt aktuell in Sengwarden. Nach dem Abitur auf dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium absolvierte sie zunächst eine Lehre als Bürokauffrau. Bei einem Praktikum in der Kita „Hummel-Hus“ in Fedderwarden, habe sie dann entdeckt: „Ich muss etwas mit Kindern machen.“ 

Dieser Erkenntnis folgte ein vierjährige Ausbildung zur Erzieherin. Berufliche Erfahrungen, auch als stellvertretende Leiterin, sammelte die junge Frau unter anderem in Kinder-Betreuungseinrichtungen in Zetel und Varel. Mit der Stelle in Hooksiel sei ihr Wunsch wahr geworden, selbst als Leiterin verantwortlich zu sein. „Und meine Büroausbildung kann ich jetzt auch ganz gut gebrauchen.“

Einige Akzente hat Vanessa Zander in den vergangenen Monaten schon gesetzt. So gibt es im Krippenbereich einen Rückzugsraum für ruhebedürftige Kinder. Zwei Hochbeete sollen das Pflanzen und Ernten vermitteln. Die Mädchen und Jungen dürfen in der Kita-Küche beim Zubereiten des Essens helfen. Und: Jeden Donnerstag wird zum Tagesbeginn mit allen Kindern 15 Minuten lang gemeinsam gesungen. 

Die Kernzeit der Betreuung der „Küstenkinder“ liegt bei 8 bis 13 Uhr. Hinzu kommt eine Frühbetreuung ab 7 Uhr sowie eine Mittagsbetreuung bis 14.30 Uhr. Die neue Kita-Leiterin teilt die Ansicht, dass die Betreuungszeiten mittelfristig erweitert werden sollten, um Berufstätigen besser gerecht werden zu können. Zumal es immer mehr alleinerziehende Eltern gebe. „Viele Nachbarkommunen sind da schon weiter. In Oldenburg etwa gibt eine Kita mit 24-Stunden-Betreuung.“ So weit wird es in Hooksiel nicht kommen. Schon aus Kostengründen.

Beim Karneval spielerisch die Mitschüler kennengelernt

Hooksiel (20. 2. 2023) – Karneval kann lehrreich sein. Und zwar nicht nur durch humoristische Büttenreden, die meist einen Kern Wahrheit enthalten. Ein Karnevalsfest lässt sich sogar sinnvoll in den Unterricht von Grundschülern einbauen. Zumindest ist Peter Nußbaum, Leiter der Grundschule Hooksiel, davon überzeugt.

Ein Großteil der an die 100 Mädchen und Jungen kamen gestern kostümiert zur Schule. Eingebunden in ein pädagogische Konzept waren das alle Lehrkräfte und der Förderverein der Schule. Das Ergebnis: ein äußerst kreativer Schultag.

Mit leckeren Waffeln versorgten Eltern des Fördervereins der Grundschule Hooksiel die Schülerinnen und Schüler beim gemeinsamen Karnevalsfest. Foto: Förderverein

Zunächst präsentierten die Kinder in ihren Klassen ihre Kostüme, machten kleine Modenschauen. Nach der großen Pause wurden dann die Klassenverbände aufgelöst. Alle Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse konnten nach Lust und Laune Kreativ- und Bewegungsstationen ansteuern – hier Karaoke, da Disco, in der Sporthalle verschiedene Spiel- und Sportangebote. Und im Werkraum verteilten die Eltern des Fördervereins mit leckeren Waffeln.

Karneval ist eine gute Gelegenheit, die etablierten Rollen aufzubrechen, sagt Nußbaum, selbst mit einer Clown-Perücke ausstaffiert. „Wir haben die Klassenverbände bewusst aufgelöst, damit sich die Kinder auch über die Klassengrenzen einmal besser kennen lernen.“ Dabei hatten die Schülerinnen und Schüler offenkundig jede Menge Spaß. Rundum ein gelungner Schultag.

Kommentar: Wahlfreiheit darf nicht zu Lasten von Kindern und Steuerzahlern gehen

Von Gerd Abeldt

Viele Köche verderben den Brei. Das gilt auch für Behörden. Einen Beleg dafür liefert das Kuddelmuddel um die Schülerbeförderung im Wangerland; zumindest insoweit sie Grundschulkinder aus Waddewarden betrifft.

Waddewarden hat keine eigene Grundschule mehr. Die Eltern dort können sich die passende Schule aussuchen. Einige favorisieren Hooksiel, andere Tettens. Vielleicht geht sogar ein Kinder nach Hohenkirchen. 

Schulträger aller drei Schulen ist die Gemeinde Wangerland. Dennoch gibt es keine strikt einzuhaltende Schulbezirke, die einzelne Orte bestimmten Schulen zuordnen. Warum nicht? Schule ist nicht gleich Schule. Die inhaltliche Ausrichtung der Bildungseinrichtungen ist Sache des Landes. Und das erlaubt viel Kreativität. 

Die Schulen in Hooksiel und Tettens sind Ganztagsschulen, die GS Hohenkirchen (noch) nicht. Aber auch Ganztag ist nicht gleich Ganztag. Zumindest nicht aus Sicht von Eltern. Ein Beispiel: Die Tetta von Oldersum Schule in Tettens etwa ist als „Umweltschule“ ausgezeichnet, während man auf dem Hooksieler Schulhof jegliches Grün vergeblich sucht. 

Die Wahlfreiheit hat ihren Preis. Einen Preis, den aber nicht die Gemeinde und auch nicht das Land zahlen, sondern der Landkreis Friesland, der den Transport der Schülerinnen und Schüler zur Schule organisieren (und bezahlen) muss. Über fünf Millionen Euro im Jahr.

Für Grundschulkinder, die mehr als 2,5 Kilometer vom Schulstandort entfernt wohnen, gibt es eine Beförderungspflicht – oder einen Anspruch auf Erstattung der Busfahrtkosten. Dort, wo es keine Busse gibt, fahren Taxis die Kinder zur Schule. Man muss kein Kämmerer sein, um sich auszumalen, dass Taxis nicht billig sind. Allemal günstiger sind Busfahrten, die aber auch ihre Tücken haben. Zumindest dann, wenn – wie zwischen Waddewarden und Tettens – 6-jährige Kinder auf einer acht Kilometer langen Strecke noch von Bus zu Bus umsteigen müssen.

Warum der Landkreis aber für die überschaubare Zahl von Grundschulkindern aus Waddewarden gleich mehrere Schul-Transportwege organisieren muss, erschließt sich nicht. Schon gar nicht, wenn es bei der Schulwahl letztlich doch eher um die Frage gehen dürfte, ob die Lehrer hier oder dort „viel netter“ oder vermeintlich kompetenter sind.

Natürlich ist es schön, wenn Eltern sich die passende Schule für ihr Kind aussuchen können. Aber diese Freiheit ist gefährlich. Allemal dann, wenn der Schulweg für Kinder zur Gefahr wird. Also: Wenn Busverkehre nicht vernünftig zu organisieren sind, müssen Taxis her. Wenn Taxis zu teuer sind, müssen klare Schulbezirke her, damit Busse sinnvoll eingesetzt werden können. 

Ich vermute, wenn nur eine Behörde für das System Schule und seine Gesamtkosten zuständig wäre, würden diese Gebote der Vernunft längst eingehalten werden.

Sie haben auch eine Meinung zu dem Thema? Schreiben Sie uns gern eine Email an die Adresse infos@hooksiel-life.de mit dem Betreff Leser-Meinung.

Raser in Oldorf gefährden Schulkinder

Schulbus
Autofahrer dürfen Schulbusse, die Warnblinklicht eingeschalteter haben, nur in Schritttempo passieren, damit Kinder nicht gefährdet werden. Darauf weist der Automobilclub ADAC immer wieder hin. Die Praxis sieht häufig anders aus, wie die Situation in Oldorf (Wangerland) beweist. Themen-Foto: ADAC

Hooksiel/Waddewarden (20. 2. 2023) – Schon die Vorstellung treibt den meisten Eltern den Angstschweiß auf die Stirn: Kinder aus Waddewarden fahren morgens früh im Dunkeln mit dem Bus Richtung Tettens. Sie müssen zur Grundschule. In Oldorf steigen die 6- bis 10-Jährigen an der stark befahrenen Hauptstraße zwischen Jever und Hohenkirchen aus, müssen die Straße überqueren, gut 100 Meter zur Nebenstraße Richtung Tettens laufen, wo – mit etwas Glück – auf der gegenüber liegenden Seite der Bus nach Tettens wartet.

Allerdings nicht immer. Wie gegenüber dem Schulausschuss der Gemeinde Wangerland bestätigt wurde, kommt es auch schon mal vor, dass der zweite Bus losfährt, ohne auf die Kinder zu warten. Nicht in böser Absicht, aber der enge Fahrplan dränge die Busfahrer halt zur Eile. 

Um ihren Kindern eine lange Wartezeit in Oldorf zu ersparten, haben die Eltern Eigeninitiative entwickelt, schildert eine betroffene Mutter. Ein Elternteil vergewissert sich, dass die Kinder in Waddewarden in den Bus einsteigen, ein andere fährt schon vor nach Oldorf, um die Ankunft des Busses dort und das Umsteigen der Kinder in den zweiten Bus abzusichern.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Bushaltestelle in Oldorf alles andere als sicher ist. Geschwindigkeitsmessungen der Gemeinde im Zeitraum Mitte Oktober bis Mitte November vergangenen Jahres haben ergeben, dass über 67 Prozent der durchschnittlich 3655 Autos am Tag auf der Oldorfer Straße zu schnell fahren. 50 Stundenkilometer sind zulässig. Sehr viele Autos wurden mit Tempo 60 und mehr, einige sogar mit 100 km/h gemessen.

Dennoch, so der bei der Gemeinde für Schulen zuständige Abteilungsleiter, Markus Gellert, lehnt die Verkehrsbehörde beim Landkreis Friesland es nach einer Ortsbegehung ab, die zulässige Geschwindigkeit zumindest im Bereich der Bushaltestellen auf Tempo 30 zu verringern. Ein entsprechender Antrag der Eltern aus September 2022 wird von der Gemeinde unterstützt.

Tempo 30 sei laut Straßenverkehrsordnung (StVO) für die Hauptstraße nicht zulässig, heißt es. Die Busse stehen an den Haltestellen mit eingeschaltetem Warnblinklicht. Autofahrer dürfen sie eigentlich nicht, oder zumindest nur im Schritttempo passieren, um die Fahrgäste zu schützen. Die Praxis sieht allerdings anders aus …

Gellert wertet es schon als kleinen Erfolg, dass ein Vertreter der Verkehrsbehörde den Schulausschuss persönlich besuchen will, um mit den Kommunalpolitikern nach einer Lösung zu suchen. Als Sofortmaßnahme habe die Gemeinde die Beleuchtung vor Ort verbessert und zeitweise ein Geschwindigkeits-Display aufgestellt, das den Autofahrern ihr (zu hohes) Tempo anzeigt.

Die Elternvertreterin im Schulausschuss, Christiane Harms-Janßen, würdigte das Engagement der Gemeinde. Wenig Verständnis habe sie allerdings dafür, wie lange es dauert, bis in der Sache wirklich etwas passiert. „Die Eltern, die den Antrag gestellt haben, wollten mehr Sicherheit für ihre Kinder – gerade in der dunklen Jahreszeit. Jetzt ist es morgens schon wieder hell – und passiert ist kaum etwas.“

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar.

Wo Cowboys mit Prinzessinnen spielen

Hooksiel (19. 2.2023) – Fasching ist nichts für Norddeutsche? Mag sein. Aber Kindern ist die geografische Einordnung von Traditionen völlig egal. Sie verkleiden sich gern. Spielen zusammen. Wollen Spaß haben – ob nun Fasching ist oder nicht.

Damit erklärt sich auch schon, warum es heute in den Hooksieler Skiterassen rappelvoll war. „Ich gebe es ganz offen zu: Ich bin ein Faschingsmuffel“, sagt Anja Seidl-Vogt. „Aber bei den Kindern sieht das ganz anders aus: Kinder lieben Fasching, auch weil sie mit ihren Verkleidungen in die verschiedensten Rollen schlüpfen können.“ 

Genau: Am heutigen Sonntag turnten Cowboys und Prinzessinnen ebenso über die Hüpfburg und durch den Kletterturm des Restaurants wie Äffchen und Piraten. Und weil sich die Kleinen offenkundig wohl fühlten, ging es auch den Großen gut. Den Eltern sowieso, aber auch den Wasserski-Fans. Bei herrlichem Sommerwetter hatte Inhaber Hans-Ott Vogt die Wasserskianlage angeworfen und viele Sportbegeisterte nutzen die Gelegenheit, ihre ersten Runden in diesem Jahr zu drehen. 

Elterncafe: Gespräche unter Müttern sind Hilfe für Familien

Elterncafe Hooksiel
Sozialpädagogin Britta Voigt (rechts) freut sich auf die Gespräche it den Müttern im „Elterncafe“ im Walter-Spitta-Haus in Hooksiel. Foto: hol

Hooksiel (15. 2. 2023) – „Guten Morgen, wir winken uns zu …“. Der Gesang beginnt, große und kleine Hände drehen sich. Freundlich geht es zu im „Elterncafe“ Hooksiel. Mit einem kleinen Lied und einer Tasse Tee begrüßen sich Britta Voigt und ihre Gäste im Walter-Spitta-Haus. Hier trifft sich die Mitarbeiterin des Familien- und Kinderservicebüros (FamKi) des Landkreises Friesland einmal in der Woche mit Müttern und deren Kleinkinder.

„Es können auch gern Väter oder Großmütter mit den Kleinen kommen“, sagt die Sozialpädagogin. Aber vermutlich liege es an der für Arbeitnehmer ungünstigen Zeit – jeweils dienstags von 10 bis 11 Uhr – , dass bislang ausnahmslos Mütter mit ihr das Begrüßungslied angestimmt haben.

Dabei geht es erst in zweiter Linie um die Erwachsenen. Im Zentrum der Treffen stehen die Kinder, Säuglinge bis zu einem Jahr. Niedliche Schnullerkinder auf dem Weg zum Krabbeln – aber manchmal auch Schreikinder, die ihre Eltern um den Schlaf bringen. „Die Kinder lernen hier andere Kinder kennen, erfahren soziale Kontakte“, schildert eine junge Mutter, die darüber hinaus die Informationsangebote des „Elterncafes“ schätzt. Zuletzt ein Vortrag über Zahnpflege bei Säuglingen. Demnächst einer über gesunden Schlaf. 

Manchmal kämen drei, manchmal auch sechs Kinder zu den lockeren Treffen, sagt Britta Voigt, die das „Eltercafe“ als „niederschwelliges Angebot der Familienhilfe“ beschreibt. Soll heißen: Im lockeren Gespräch schildern Mütter ihre Sorgen und Nöte, aber auch ihre positiven Erfahrungen etwa bei der Auswahl von Windeln oder Schnullern. Oder: Wie regiert man eigentlich, wenn der „Nachtschreck“ ein Kind im Schlaf erfasst? Die Säuglinge schreien, wachen aber gar nicht richtig auf.

Die Hilfe für die Eltern besteht im Austausch von Erfahrungen. Die Kleinen interessiert das noch herzlich wenig. Sie strahlen vor sich hin, halten sich an ihren Muttis fest oder testen das ausliegende Spielzeug. Offenkundig fühlen sich alle wohl auf den Krabbelmatten am Boden.

Gelegentlich wird bei der „frühen Hilfe“ auch der Bedarf an intensiverer Beratung offenkundig. Zum Beispiel wenn ernsthafte Entwicklungsprobleme bei den Kindern angesprochen werden oder Stress im Miteinander in den Familien. Beratend stehen den „Elterncafes“ der FamKi dann etwa eine Hebamme oder Ärzte zur Seite. Auch in Fällen von häuslicher Gewalt bietet Britta Voigt Hilfe an: Zum Programm der FamKi gehört auch Scheidungsberatung.

Beim Besuch von „Hooksiel-Life“ im „Elterncafe“ ist das aber kein Thema. Im Gegenteil. Wie stets singen Mütter, Kinder und Sozialpädagogin ein Abschiedslied, winken sich noch einmal zu und freuen sich auf das Treffen am nächsten Dienstag ab 10 Uhr. Weitere Eltern mit Kleinkindern sind dazu herzlich eingeladen.

Erneute Debatte über Unterkunft für Flüchtlinge in Hohenkirchen

Wangerland (17. 2. 2023) – Die Mitglieder des Rates der Gemeinde Wangerland treffen sich am Montag zu einer „interfraktionellen Sitzung“. Als Gast möglicherweise dabei: Niedersachsens neue Innenministerin Daniela Behrens (SPD).

Auf der Tagesordnung der nicht-öffentlichen Zusammenkunft steht nur ein Thema: Information über Pläne für eine Flüchtlingsunterkunft im „Dorf Wangerland“. Nachdem der Landkreis Friesland und die Gemeinde Wangerland entsprechende Überlegungen bereits verworfen haben, laufen aktuell Gespräche zwischen den Betreibern der Hotel- und Freizeitanlage mit dem Land Niedersachsen.

Entscheidungen gibt es noch nicht. Die Vertragsverhandlungen seien noch nicht abgeschlossen, so das Innenministerium in Hannover auf Anfrage von „Hooksiel-life“. Am Montag sollen der Leiter der Landesaufnahmebehörde (LAB), Klaus Dierker, und der Leiter des LAB-Standortes Oldenburg, Sven Wietusch, den Vertretern der Gemeinde den vorläufigen Planungsstand vorstellen. Danach wäre aus Sicht des Landes im Fall des Falles in Hohenkirchen eine Unterbringung von bis zu 400 Flüchtlingen denkbar, zuzüglich einer „Notfallreserve“ von 100 Plätzen. 

Landkreis und Gemeinde lehnen bislang die zentrale Unterbringung einer größeren Zahl von Flüchtlingen in Hohenkirchen ab. Die derzeit dem Landkreis zugewiesenen Flüchtlinge aus der Ukraine seien überwiegend dezentral untergebracht. Mit dem kürzlich in Jever in Betrieb genommenen Containerdorf habe man zudem noch Kapazitäten für Neuankömmlinge.

Für eine Unterkunft von mehreren Hundert Menschen, darunter voraussichtlich viele Kinder, sei die Infrastruktur in dem Dorf mit nur rund 1800 Einwohner nicht gegeben. Die Betreiber der Anlage, die das „Dorf Wangerland“ erst 2021 übernommen haben, hatten Kreis und Gemeinde bis zu 600 Plätze samt Betreuung der Flüchtlinge angeboten. 

Das vom Niederländer Hennie van der Most entwickelte Hotel auf dem Areal der einstigen „Wangerland-Kaserne“ ist ein wichtiger Baustein bei den Überlegungen der Gemeinde, Hohenkirchen zum Urlaubsort in der „zweiten Reihe“ hinter den Küstenbadeorten Hooksiel, Horumersiel und Schillig zu entwickeln. Die neuen Eigentümer hatten Investitionen von mehreren Millionen Euro in Aussicht gestellt, suchen aber auch seit geraumer Zeit auf Immobilienportalen nach einem neuen Pächter.