Wangerland (24. 2. 2026) – Die Landtagsabgeordnete Katharina Jensen (Wangerland), fischereipolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Landtag, wirkt für einen echten Dialog zwischen Landesregierung, Naturschützern und Fischern. Die aktuellen Pläne zum Schutz des Wattenmeeres könnten andernfalls die Existenz vieler Betriebe bedeuten.

„Naturschutz im Wattenmeer ist wichtig und richtig“, so Jensen. Aber der Zeitpunkt und die Grundlage der aktuellen Planungen seien hochproblematisch. Künftig sollen zehn Prozent des Wattenmeers streng geschützt werden. Das bedeute noch weniger Fläche für die Küstenfischer. „Da die Flächenkonkurrenz vor unserer Küste bereits heute sehr groß ist, ist das inzwischen eine Existenzfrage“, so die CDU-Politikerin.
Verbände beziehen Position
Das Umwelt- und das Agrarministerium in Hannover würden mir ihrer Planung zwar Vorgaben aus der EU-Biodiversitätsstrategie umsetzten. Danach müssen bis 2030 mindestens 30 Prozent der Meeresflächen geschützt und davon mindestens zehn Prozent streng geschützt werden. Derzeit läuft die Verbandsbeteiligung, das Konzept soll schon im März vorgelegt werden.
Die Umweltschutz-Organisation WWF fordert mit Blick auf den ökologischen Zustand der Küstengewässer sogar einen Fischereistopp für rund die Hälfte der derzeit noch befischten Gebiete im Bereich des Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Damit würden die Fanggründe der Krabbengründe nach Ansicht des WWF lediglich um 35 Prozent verkleinert. Gerade die Krabbenfischers würden auf aufgrund ihrer hohen Beifangrate die Natur erheblich schädigen. Der WWF verweist auf ein staatlich gefördertes Abwrackprogramm, mit dem die Flotte der Krabbenfischer um 30 Prozent verkleinert werden soll.
Auch der Verband der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei im Landes-Fischereiverband Weser-Ems verweist auf den laufenden Prozess der Kapazitäts-Anpassung in der Fischereiflotte. Dieser Prozess und seine Auswirkung auf die Fangmengen sollten zunächst abgewartet werden. Kritik übt der Verband unter anderem an den Vorschlägen zum Zuschnitt der Schutzgebiete. Die Sperrung von Prielsystemen und Buchten könnte dazu führen, dass ganze Häfen ihre Fanggebiet verlieren – mit entsprechenden Folgen für die lokale Hafenwirtschaft und den Tourismus. Besonders problematisch seien die Pläne unter anderem für die Jade.

Wie Katharina Jensen ausführt, definierte ein vorliegendes Fachkonzept zunächst einen Suchraum innerhalb bestehender Schutzgebiete. In einem zweiten Schritt sollen daraus konkrete Teilflächen festgelegt werden. „Insgesamt sollen rund 54.710 Hektar als fischereifrei ausgewiesen werden“, so die Abgeordnete. „Für diese Flächen wird ein vollständiger, ganzjähriger Ausschluss der Fischerei zugrunde gelegt.“
Auch der Jadebusen wäre betroffen
Die betroffenen Gebiete würden der gewerblichen Nutzung damit dauerhaft nicht mehr zur Verfügung. Nach den vorliegenden Karten betreffen die vorgesehenen Teilflächen unter anderem Bereiche im Jadebusen sowie vor Wangerooge. Betroffen wären mithin auch die Fischer, die in Hooksiel, Dangast und Horumersiel beheimatet sind.
An der niedersächsischen Nordseeküste sind insgesamt 114 Fischereifahrzeuge registriert. Diese werden von 317 Beschäftigten bewirtschaftet. Darunter befinden sich 88 Krabbenkutter sowie fünf Fahrzeuge der Muschelfischerei in insgesamt 17 Fischereihäfen.
Jensen kritisiert Verfahren
Jensen bezweifelt ebenso wie der Verband der Küstenfischer, ob die Datengrundlage für sozioökonomische Bewertung von 18 analysierten Teilflächen auf Grundlage ausreichend ist. Dafür wurden unter anderem Logbücher, Anlandungen und Schiffsregisterdaten aus den Jahren 2021 bis 2023 verwendet.
„Für jede Teilfläche wurden Erlöse, Schiffe und sogenannte ,Stresslevel‘ berechnet. Anpassungen oder Ausweichverhalten der Betriebe wurden dabei nicht berücksichtigt. Schiffe unter zwölf Metern Länge wurden in die Analyse überhaupt nicht einbezogen“, kritisiert Jensen. „Gerade diese kleineren Schiffe sind jedoch ein relevanter Bestandteil der niedersächsischen Küstenfischerei.“
Die CDU-Politikerin spricht sich für eine differenzierte Betrachtung aller Flottensegmente aus. Schon in den vergangenen Jahren seien durch den Ausbau der Offshore-Windkraft, durch Infrastrukturmaßnahmen sowie durch Kabeltrassen und deren Schutzkorridore Einschränkungen für die Fischerei entstanden. „Viele Betriebe stehen vor strukturellen Entscheidungen.“
Vor diesem Hintergrund müssten die wirtschaftliche Auswirkungen des Schutzprogrammes vollständig und realistisch bewertet werden. Aus Sicht der Fischer gehört dazu auch eine Härtefallregelung für existenziell betroffene Betriebe. Jensen: „Wer tragfähige Lösungen will, braucht vollständige Datengrundlagen und einen transparenten Dialog.“









