Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Alle Beiträge zum Thema “Hobby”

Ostfriesland-Krimis: Hooksieler Ermittler in der zweiten Reihe

Hooksiel (14. 3. 2026) – Auf dem Bildschirm tobt das Verbrechen. Abend für Abend. Mal auf Usedom, mal im Erzgebirge, mal in Ostfriesland. Mehr oder weniger eigenwillige Ermittler lösen mehr oder weniger originelle Verbrechen. Meistens zumindest. Das Publikum vor den Fernsehern ist nur wenige Meter vom Geschehen entfernt, aber doch nicht wirklich dabei. 

Hajo Hasbargen hat die Schauspielerei als sein Hobby entdeckt. Seit 2026 hat der Hooksieler als Komparse bereis an elf Krimi-Verfilmungen für das ZDF mitgewirkt. Foto: privat

Anders bei Hajo Hasbargen. Der Hooksieler hat seit Sommer 2016 an insgesamt elf Verfilmungen von „Ostfriesland-Krimis“ des Autors Klaus-Peter Wolf und zwei „Friesland- Krimis“ für das ZDF mitgewirkt. Als Komparse. Also als Schauspieler in der zweiten Reihe. Der wesentliche Unterschied zu „echten“ Schauspielern: Komparsen haben nur sehr selten Texte zu sprechen. Manchmal tauchen sie nur für wenige Sekunden in einem Film auf, meist im Hintergrund, häufig kaum wahrnehmbar – aber sie gehören dazu, sind wichtig für das stimmige Umfeld. 

Drehorte in Ostfriesland

Der letzte Einsatz liegt erst wenige Tage zurück. Zuletzt in Norden und zuvor am Hafen von Bensersiel drehte Produzent Martin Lehwald von der Schiwago Film GmbH (Berlin) Szenen für „Ostfriesenzorn“ und „Ostfriesentod“. Beide Filme werden voraussichtlich 2027 ausgestrahlt werden. Mit dabei unter anderem Piccco von Groote als Kommissarin Kathrin Klaasen, Tom Radisch als Kommissar Frank Weller, Hajo Hasbargen als namenloser Polizist und – als zweiter Komparse aus Hooksiel – Krabbenfischer Sven Kaiser, der als Kapitän eines Wasserschutz-Bootes im Einsatz ist. 

Blick hinter die Kulissen

„Es ist schon spannend, einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können“, sagt Hajo Hasbargen. Der Elektrotechniker in Vorruhestand hatte sich vor acht Jahren eher aus Spaß auf eine Suchanzeigen hin erstmals als Komparse beworben. Warum er seinerzeit beim Casting aus den rund 500 Bewerbern ausgewählt wurde? Der Hooksieler weiß es nicht genau. Aber jedenfalls habe es ihn sehr gefreut, als wenig später der Anruf kam und jemand fragte: „Wann haben Sie Zeit?“ 

Eine Szene aus einem Krimi mit dem Hooksieler Hajo Hasbargen als Polizist in der zweiten Reihe. Foto: privat

Ja, Zeit braucht man beim Film. Als Mitarbeiter in der Produktion, an der Kamera, als Schauspieler und auch als Komparse. Immer wieder und wieder werden notfalls bestimmte Szenen gedreht, bis das letzte Detail passt. Der erste Drehtag bei „echtem Schietwetter“, so erinnert sich Hajo Hasbargen, begann um 18 Uhr und hätte eigentlich um 23 Uhr enden sollen. Zuhause war er dann um 6 Uhr morgens. Im Film selbst war er letztlich selbst kaum zu erkennen – er spielte einen Beamten der Spurensicherung, der aber eine Kapuze trug. 

Komparsen für den Film unverzichtbar

Ohnehin wisse man kaum, was von dem gedrehten Material letztlich tatsächlich in den Film gelangt, schildert Hasbargen. Die Szenen werden nicht in der Reihenfolge aufgenommen, wie sie nachher im fertigen Film zu sehen sind. Oft werden alle Szenen zusammen gedreht, die an einem Ort spielen. Manchmal bestimmen aber auch das Wetter oder die Verfügbarkeit der Schauspieler den Drehplan.

Den Überblick hat die Regie, die aus dem Material am Ende ein spannendes Ganzes macht. Die Komparsen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle, sind aber für das Gesamtbild unverzichtbar. Mal sieht man sie nur von hinten, mal nur einzelne Körperteile, mal werden sie auch komplett herausgeschnitten. 

Abschiedsgruß an Ubbo Heide

Aber es gibt für sie auch anspruchsvolle Aufgaben. „Als Polizist sollte ich den Ermittlern einen geschlossenen Koffer überreichen“, erinnert sich Hasbargen. „Aber der Koffer wollte nicht zu gehen.“ Die Anweisung von der Regie: „Dann tu so …“. Oder: Kommissar Ubbo Heide verlässt das Büro in Richtung Feierabend, geht vorbei an seinem uniformierten Kollegen (Hajo Hasbargen). Gehört es sich da nicht, dass man sich verabschiedet? Und schon hat der Hooksieler seinen ersten Sprech-Auftritt: „Tschüss!“ 

Für Hasbargen ist die Mitarbeit beim Film zu einem schönen Hobby geworden. Man lerne viele spannende und meist nette Leute kennen. Unter den Komparsen, aber auch aus dem Aufnahmeteam oder unter den Schauspielern, darunter etwa Filmgrößen wie Julia Jentsch, Christian Erdmann, Kai Maertens oder Felix Vörtler, der im „Friesland-Krimi“ Hauptkommissar Jan Brockhorst spielt. 

Applaus vom ganzen Team

Nicht vergessen wird Hajo Hasbargen eine Szene, in der und zwei weitere Komparsen die Hauptrolle gespielt haben. Das Trio wurde während einer Drehpause in einen Raum gebeten. „Dort standen sie dann alle: Produzent, Regisseur, Schauspieler, Kameraleute – und haben uns applaudiert. Das ist schon ein besonderes Zeichen der Wertschätzung. Das vergisst man nicht“, sagt der Hooksieler, der nach wie vor auch gern selbst Krimis im Fernsehen guckt. „Aber man sieht einen Film anders, wenn man selbst mal dabei war.“ 

Schrauben an alten Autos als Balsam für die Seele

Hooksiel (25. 10. 2025) – Ulrich Nolzen hat seine Liebe in Bordeaux gefunden. Genauer gesagt: Eine seiner Lieben. Dann hat er ihr in Hooksiel ein eigenes Haus gebaut. Ein schmuckes Haus, in dem er seither viel Zeit mit ihr verbringt. Wie lange noch, ist unklar. „Es ist fast alles fertig. Langsam wird unsere Beziehung ein wenig langweilig.“

Ulrich Nolzen liebt Oldtimer. Aktuell freut er sich über einen BMW 1600 GT, dem er in seiner prachtvollen Garage in Hooksiel neues Leben eingehaucht hat. Foto: hol

Nolzen ist Oldtimer-Fan. In seiner optisch einem Wohnhaus gleichenden Garage am Lange Hamm in Hooksiel steht ein BMW. Und was für einer. Ein BMW 1600 GT Coupe, Baujahr 1967. das ursprünglich der Hans Glas GmbH konzipierte Modell wurde von BMW mit dem Unternehmen Glas übernommen, mit eigenen Bauteilen modifiziert und dann in einer Stückzahl von lediglich 1255 gefertigt. Neupreis damals: 15.850 D-Mark.

Eines dieser Schmuckstücke steht jetzt in Hooksiel. „Ich habe mich in das Armaturenbrett und das hölzerne Lenkrad verliebt“, gesteht Ulrich Nolzen. Auf das in Frankreich angebotene Schmuckstück aus 1. Hand habe ihn ein Freund aufmerksam gemacht. Im November 2017 wurde das Auto aus Bordeaux abgeholt. „Der Wagen sah oberflächlich sehr gut aus“, erinnert sich der Oldtimer-Freund im Gespräch mit „Hooksiel-life“. Also habe er es erworben und nach Hooksiel bringen lassen.

Karosserie und Elektrik runderneuert

Bei genauerer Betrachtung in Friesland ergab sich dann ein etwas anderes Bild. Rostfraß überall. Etliche Teile des Wagens mussten grundsaniert, die Elektrik komplett erneuert werden. Selbst die Sitze sind neu. „Ich habe fast alles selbst gemacht“, schildert Nolzen.

Zum Abschluss erhielt der 1600 GT eine neue Lackierung – und ist seither einer der Stars bei den regelmäßigen Ausfahrten des Oldtimer-Klön-Treffs (OKT), den Nolzen 2016 ins Leben gerufen hat. Seither treffen sich Oldtimer-Freunde aus Friesland und Wilhelmshaven regelmäßig am ersten Sonntag eines Monats an der Bäckerei Ulfers beim Kreisverkehr in Hooksiel und steuern gemeinsam unterschiedlichste Ziel in der Region an.

Lange Liste von schönen Oldtimern

Ulrich Nolzen ist 2015 mit seiner Frau aus Wuppertal nach Hooksiel gezogen. Hier hatte das Paar zuvor schon seit 1987 regelmäßig Urlaub gemacht. Schon als junger Mann musste er die Verantwortung für eine Industrieofenbau-Firma übernehmen. Ein teilweise stressiger Job. Als Ausgleich entdeckte Nolzen für sich das Schrauben an alten Autos. 

Sein erster Oldtimer war ein DKW-Bus. Es folgten eine Reihe weiterer historischer Fahrzeuge – unter anderem ein Opel Super 6 (Baujahr 1936), ein DKW Schnelllaster, ein Renault Floride, ein wunderschöner Austin Healey Sprite, ein weißer Mercedes 280 SL „Pagode“, ein Glas 3000 V8 und ein R 4. Alles tolle Autos, die für Ulrich Nolzen allesamt aber nur so lange reizvoll waren, bis er sie komplett saniert hatte und ein anderer Oldtimer-Freund einen guten Preis dafür geboten hat.

So könnte auch der BMW 1600 GT irgendwann einmal in andere Hände übergehen, wobei der heutige Wert des Fahrzeuges deutlich über dem ursprünglichen Neupreis liegen dürfte. Sollte es so kommen, würde Ulrich Nolzen sich nach einem neuen Oldtimer umsehen, den er dann auf der Hebebühne in seiner Garage zu neuem Glanz verhilft. Denn: „Ich kann nirgendwo so schön abschalten wie beim Dengeln, Schrauben oder Schmirgeln …“