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Idee für Förderprojekt: „Hooksmeer 2.0“ könnte Attraktivität Hooksiel steigern

Hooksmeer -Grafik
Das Hooksmeer mit den Freizeiteinrichtungen an der Nordseite und einem Wald im Süden. Schon derzeit ist der Karte ein Rundwanderweg zur sehen, der um einen Radweg ergänzt werden könnte. Foto: hol

Hooksiel (30. 10. 2023) – Das Hooksmeer und die umliegenden Freizeitflächen könnten zu einem eigenständigen Naherholungsgebiet werden und damit die touristische Attraktivität von Hooksiel deutlich erhöhen. Das jedenfalls ist die Überzeugung eines Arbeitskreises, den Tobias Geisen ins Leben gerufen hat. Die Fragestellung, mit der sich die Runde beschäftigt hat: Gibt es ein tolles Projekt, für das die Gemeinde Wangerland auf Zuschüsse aus dem Topf für Kohleausstiegs-Strukturförderung des Bundes hoffen könnte.

Projekte fürs Wangerland gesucht

Die Förderung soll die wirtschaftliche Infrastruktur in Regionen wie den Großraum Wilhelmshaven stärken, in denen aus Klimaschutzgründen Kohlekraftwerke vom Netz genommen wurden oder werden. Aus dem mit insgesamt mit 141 Millionen Euro gefüllten Fonds wird bereits ein Wasser-Wald-Zentrum des Wasserverbandes OOWV bezuschusst. Die Stadt Schortens setzt auf Kohle-Mittel für den Ausbau ihres Bürgerhauses, in Wilhelmshaven soll neben anderen Vorhaben der Bau eines Stadtteilhauses gefördert werden. 

Und im Wangerland? Bislang sind dazu noch keine konkreten Überlegungen bekannt. Bürgermeister Mario Szlezak räumte kürzlich vor der Bürgerinitiative Hooksiel Handlungsbedarf ein. Er forderte die Bürger auf, Vorschläge zu machen.

Ein solcher Vorschlag ist das Projekt „Hooksmeer 2.0“. Das Hooksmeer ist bekanntlich vor 40 Jahren im Zuge der Eindeichung des Industriegebiets Voslapper Groden in Wilhelmshaven angelegt worden. Es bietet derzeit Liegeplätze für Sportboote und wird von Surfern, Wasserski- sowie Tretbootfahrern genutzt. Das Gewässer bildet die Verbindung vom Außenhafen zum historischen Sielort. 

Pendelverkehr mit einer Solarfähre

Genau diese Funktion könnte nach Ansicht von Geisen und seinen Mitstreitern deutlich gestärkt werden. Die Idee: Eine von Sonnenenergie angetriebene Fähre pendelt zwischen Außenhafen/Strand und dem Alten Hafen im Ortskern. Zusätzliche Anleger etwa beim Restaurant „Zur Brücke“, an einer neuen Badestelle nahe der Wasserskianlage und an einem Wanderweg im „Hooksieler Wäldchen“ an der Südseite könnte die Fähre sogar zu einer Nahverkehrs-Alternative machen. „Die neue Verbindung zwischen Dorfkern und Strandbereich würde zum Teil die Nutzung von Autos ersetzen.“ 

Leuchtturm und Mountainbike-Bahn

Weitere Teilmaßnahmen des Projektes wären die Sanierung (Elektro-Infrastruktur, Hafenmauer, Toilettenanlage, ausbaggern) beziehungsweise der Umbau des Alten Hafens (Steganlage, bessere Erreichbarkeit der Südseite, barrierefreier Belag), die Einrichtung einer gezeitenunabhängigen Badestelle im Freizeitgelände auf der Nordseite sowie die Schaffung eines geschlossenen Radfahr-Rundweges ums Hooksmeer. 

Leuchtturm Roter Sande

Die Standfestigkeit des Leuchtturms „Roter Sand“ in der Wesermündung ist gefährdet. Außerdem setzt Korrosion dem maritimen Denkmal zu.
Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Schirmer

Ideal ergänzt würde das Projekt nach Ansicht des Arbeitskreises durch eine „neue Landmarke“, den Leuchtturm „Roter Sand“. Bekanntlich soll einer der bekanntesten deutschen Leuchttürme in der Wesermündung abgebaut, saniert und an Land wieder aufgestellt werden. Bürgermeister Szlezak hatte kürzlich angeregt, dass dieser neue Standort auch im Wangerland liegen könnte.

Eine hohe Anziehungskraft, gerade für junge Leute, hätte nach Ansicht von Touristikern auch eine Mountainbike-Anlage mit Hindernissen und Sprungelegenheiten im Hooksieler Freizeitgelände. Den Außenhafen aufwerten könnte ein Terminalhaus, in dem Büros für Hafennutzer oder auch Coworking-Räume, also kurzzeitig anmietbare Büros für jedermann, untergebracht werden könnten.

Klar ist dem Arbeitskreis, dass für das Projekt „Hooksmeer 2.0“ noch eine Fülle von Detailfragen zu klären wären, so etwa technische und ökologische Fragen. Aber angesichts einer in Aussicht gestellten Förderquote von 90 Prozent wäre es nach Ansicht von Tobias Geisen auf jeden Fall der Mühe wert, sich damit auseinanderzusetzen.

Anmerkung: „Hooksiel-life“ würde gern Ihre Meinung erfahren. Was halten Sie vom Projekt „Hooksmeer 2.0“? Haben Sie ergänzende Anregungen dazu? Schreiben Sie uns Ihre Ideen und Vorschläge gern unter infos@hooksiel-life.de (Betreff: Hooksmeer).

Verträge und Biotope setzen Grenzen für neue Infrastruktur am Hooksmeer

Biotope am Hooksmeer
Weiden-Sumpfgebüsch, Schilf-Langröhricht, Weiden-Sumpfwald: Die rötlich schraffierten Flächen sind nach Paragraph 30 des Bundesnaturschutzgesetzes streng geschützt. Hinzu kommen weitere Teilflächen mit großer Bedeutung für Pflanzen- und Vogelarten. Grafik: Untere Naturschutzbehörde

Hooksiel (30. 10. 2023) – Schon die erste Recherche zum Projekt „Hooksmeer 2.0“ zeigt: Der Vorschlag der Arbeitsgruppe um Tobias Geisen stößt in Hooksiel auf große Zustimmung – allerdings gibt es auch Vorbehalte und Hindernisse, die bedacht und, wenn möglich, ausgeräumt werden wollen. 

Die landeseigene Hafengesellschaft NPorts, der die Flächen rund ums Hooksmeer gehören, hat „grundsätzlich keine Bedenken“ gegen die Steigerung der Attraktivität des Areals. Vor einer finalen Entscheidung müsse man sich entsprechende Ausbaupläne aber im Detail ansehen.

Die Gemeinde Wangerland verweist auf einen städtebaulichen Vertrag mit der Stadt Wilhelmshaven. Darin wurde festgehalten, dass das „Hooksieler Wäldchen“ auf der Südseite des Hooksmeeres Sperrgebiet und Schutzzone zum Wilhelmshavener Industriegebiet sei, die ausschließlich für Natur- und Landschaft ohne weitere Entwicklungsaufgabe genutzt werden soll. Ausdrücklich solle aus Sicherheitsgründen niemand dazu animiert werden, sich dorthin zu bewegen oder sich längere Zeit in dem Wald aufzuhalten. 

Danach wäre, so Torsten Meuer aus der Bauverwaltung der Gemeinde, ein offizieller Rundweg nicht möglich. Allerdings: Die größte vom Voslapper Groden ausgehende Gefahr bestand über Jahrzehnte in einer oberirdischen Chlorgasleitung. Bei einer Leckage hätte sich eine Chlorwolke bodennah in Richtung Hooksiel bewegen können – und wäre bestenfalls von einem Schutzwall am Rande des Waldes gestoppt worden.

Inzwischen gibt es die Chlorgasleitung nicht mehr. Sie wurde vor Jahren demontiert. Meuer will die aktuellen Veränderungen auf dem Voslapper Groden zum Anlass nehmen, die Schutzfunktion des „Hooksieler Wäldchens“ zu hinterfragen und erneut zu prüfen, inwieweit mit Blick auf die neue Lage der städtebauliche Vertrag einem Rundweg entgegen steht.

Jens Eden von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Friesland sieht eine intensivere Freizeitnutzung rund ums Hooksmeer skeptisch. Der Landschaftsrahmenplan des Landkreises von 2017 weise rund um das Hooksmeer eine Reihe von Artenschutz- und Biotop-Gebiete aus (siehe Karte oben). Diese Gebiete seien im Sinne des Naturschutzes „zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln“. 

Ausdrücklich werde in dem Plan festgehalten, dass auf den Ausbau weiterer Infrastruktur-Einrichtungen verzichtet werden sollte, auch im Bereich der Biotope nördlich des Hooksmeeres. Insbesondere aber für den südlich des Gewässers gelegenen Wald ergibt sich, so Eden, dass „ein Ausbau von Freizeiteinrichtungen wie Wanderwege, Radwege, Schutzhütten durch beziehungsweise in den Waldflächen naturschutzrechtlich nicht genehmigt werden kann“.