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Hooksiel-life: Vom Leben an der Küste

Zu wenig Patienten: Landkreis schließt Zentrale Notfallambulanz in Varel

Friesland (4. 11. 2024) – Die Friesland Kliniken GmbH steckt wie sehr viele Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft in einer Finanzkrise. Ihr Träger, der Landkreis Friesland, muss die zur GmbH gehörenden Krankenhäuser in Sanderbusch und Varel mit Zuschüssen in Millionen-Höhe stützen, um Zahlungsfähigkeit der GmbH zu erhalten. 

Telemedizin wurde nicht angenommen

Heute hat der Kreistag in nicht-öffentlicher Sitzung mehrheitlich einen Beschluss gefasst, um das Defizit zu begrenzen. Zum 1. Dezember werde die Zentrale Notfallambulanz (ZNA) im St.-Johannes-Hospital in Varel geschlossen, teilte der Landkreis im Nachgang der Beschlussfassung mit. Man habe auf seit Monaten geringe Fallzahlen reagiert. So hätten zum Bespiel von Juni bis Oktober nur sechs Patienten das Angebot der Telemedizin, einer Ferndiagnose übers Internet, in Anspruch genommen, die abends und nachts sowie an Wochenenden und Feiertage die Betreuung durch Fachärzte vor Ort ersetzen sollte.

Geburtshilfe nicht betroffen

Wie der Krankenhaus-Träger betont, bleibe unabhängig von der Schließung der ZNA die Rund-um-die-Uhr-Versorgung im Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe in Varel erhalten. „Das bedeutet, dass Fälle hier weiterhin jederzeit angenommen werden, und zwar fußläufige Patientinnen und Patienten ebenso wie Rettungsfahrzeuge“, heißt es in der Mitteilung

Der bisherige, schon eingeschränkte Betrieb der ZNA Varel verursache einen Gesamtkostenbedarf von geschätzt 690.035 Euro. Für einen annähernd kostendeckenden Betrieb wären 91 Patienten am Tag mit einer Mindest-Notfallpauschale von 30 Euro notwendig gewesen. „Nach aktuellem Stand ist das tatsächliche Patientenaufkommen hiervon weit entfernt. Eine positive Entwicklung zeichnet sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht ab“, so der Landkreis. Aufgrund der auch tagsüber sehr geringen Fallzahlen lägen die Kosten fürs Personal und den Einsatz der Telemedizin deutlich über den Erlösen.

Das in der ZNA beschäftigte Personal werde künftig in anderen Abteilungen der Friesland Kliniken eingesetzt. Die interdisziplinäre Notaufnahme am Standort Sanderbusch ist weiterhin 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für alle Patientinnen und Patienten sowie für den Rettungsdienst erreichbar. Erneut bewerten werde man die Situation der Notaufnahmen, sobald das beauftragte Sanierungsgutachten für die Friesland Kliniken sowie eine Machbarkeitsstudie zur Zusammenarbeit mit der Klinikum Wilhelmshaven gGmbH vorliegen.

Im Künstlerhaus Hooksiel: 24 farbenfrohe Werke voller Lebendigkeit

Ingeborg Wolff-Szepanski Texas 17 Uhr
„Texas, 17 Uhr“ heißt dieses in Hooksiel ausgestellte Bild von Ingeborg Wolff-Szepanski. Foto: Künstlerhaus

Hooksiel (4. 11. 2024) – Das Künstlerhaus in Hooksiel ist ein Ort zum Durchatmen. Ein Ort an dem sich Geist und Seele stärken können. Diese Funktion erfüllt das kulturelle Kleinod in den kommenden Wochen in besonderem Maße. Darauf weist Künstlerhaus-Leiterin Renate Janßen-Niemann anlässlich der Ausstellung „Abstrakt trifft Real“ der Eheleute Ingeborg Wolff-Szepanski und Reinald Szepanski hin. „Gerade in unruhigen Zeiten kann man durch einen einen Blick auf die Schönheit und Farbigkeit der Bilder Kraft schöpfen.“ 

Das in Wardenburg lebende Paar zeigt 24 Werke, dazu einige Holzskulpturen von Reinhold Szepanski. Zu den Gästen bei der gut besuchten Vernissage am Sonntag gehörte auch Wangerlands Bürgermeister Mario Szlezak, der sich von der Farbigkeit und er harmonischen Vielfalt der Werke angetan zeigte.

Im Gespräch mit Renate Janßen-Niemann gaben die Künstler einen Einblick in ihre Arbeitsweise. Gemeinsam nutzen sie ein kleines Atelier, in dem sie, begleitet von Musik, ihre Visionen künstlerisch umsetzen. Ingeborg Wolff-Szepanski malt Reales in Acryl oder auch als Aquarell – Landschaften, oder auch Ereignisse, paart sie mit Fantasien. Auch Ehemann Reinald setzt bei seinen durchweg abstrakten Arbeiten auf Farbigkeit, wobei der gelernte Mediengestalter mit künstlerischen Wurzel in der Bildhauerei neben Acrylfarben auch schon mal Sand, Erde oder Spachtelmasse auf die Leinwand aufträgt. 

„Positives und Lebendigkeit sollen unsere Gemälde ausstrahlen“, sagten die Künstler bei der Ausstellungseröffnung. „Abstrakt trifft Real“. Die bis zum Neujahrstag jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Zu den Feiertage werde es noch Sonderöffnungszeiten geben, kündigte Renate Janßen-Niemann an.

Schleuse vor Weihnachten gesperrt

Hooksiel (2. 11. 2024) – Die Schleuse am Hooksieler Außenhafen wird vor Weihnachten immer wieder einmal gesperrt sein. Darauf weist die Wangerland Touristik GmbH hin, die die landeseigene Schleuse betreibt. Die WTG beruft sich dabei auf einen Hinweis der landeseigenen Hafengesellschaft NPorts. 

Laut NPorts soll es zwischen Montag, 18. November, und dem 23. Dezember zu Sperrungen der Schleuse selbst und damit der Wasserverbindung zwischen Jade und Hooksmeer kommen. Betroffen sein werde von der Sperrung der Brücke über die Schleuse auch die Straßenverbindung zwischen Hooksiel und Wilhelmshaven im Zuge der Bäderstraße. 

Die angekündigten Sperrungen dürfen im Zusammenhang mit der laufenden Sanierung der Schleuse stehen. Nach jetzigem Stand werden die Sperrungen nicht durchgängig erfolgen. Unklar ist noch, inwieweit die Fahrt von Fischerbooten, etwa anlässlich des Hooksieler Weihnachtsmarktes, durch die Schleuse zum Alten Hafen betroffen sein wird. 

D-Jugend mit Derby-Sieg

Hooksiel (3. 11. 2024) – Endlich. Im siebten Spiel der zweite Sieg. Und das in einem Derby. Die D-Jugend-Fußballer der Jugendspielgemeinschaft (JSG) Wangerland haben am Samstag auf dem Platz an der Jaderennbahn in Hooksiel gegen die dritte Mannschaft des Heidmühler FC einen ungefährdeten 5:1 Sieg (4:1) eingefahren.

Dabei lief das Spiel gar nicht gut an. Die JSG-Spieler setzen sich zwar schnell in der gegnerischen Hälfe fest, machen aber kein Tor. Ein Konter – und es steht 0:1. Doch die Mannschaft habe, so berichtet Trainer Bernhard Köster, konzentriert weiter nach vorn gespielt. In der 8. Minute die Belohnung: Raik schickt Hanjo und der gleicht aus. Wenig später lässt Louis an der Strafraumgrenze auf Thies klatschen, der steckt auf Hanjo durch, 2:1.

Hinten klären Thede und Mats und im Zweifel ist ja auch noch Ben H. im Tor da. Vorn geht Thies auf rechts durch, spielt zu Louis, 3:1. Und Louis trifft noch vor der Pause per Weitschuss zum 4:1. 

In der zweiten Hälfe verflacht das Spiel etwas. Aber die JSG steht hinten sicher – und vorn wieder ein feiner Pass von Raik auf Louis: 5:1. Der Trainer ist zufrieden: „Vergangene Woche 1:5 im Derby, diesmal 5:1 im Derby, so schnell kann es gehen.“

Weitere Ergebnisse vom Wochenende:
C-Jugend: JSG Wangerland – FC Sillenstede (0:2) 0:3
E1-Jugend: JSG Dangastermoor/Büppel -JSG Wangerland (1:1) 2:6

Tennis: Hooksieler Mannschaften stehen vor schweren Aufgaben

Hooksiel (1. 10. 2024) – An diesem Wochenende beginnt die Tennis-Wintersaison in den Altersklassen. Der FC Nordsee Hooksiel geht mit zwei Teams ins Rennen, einer Herren ü50- und einer Herren ü60-Mannschaft. 

Herren ü 50 Bezirksliga

Mannschaftsführer Mirko Ortmanns steht mit der ü50 als Aufsteiger in die Bezirksliga vor einer schweren Saison. Einige starke Spieler aus dem erfolgreichen Team des vergangenen Winters sehen für diese Saison nicht und nur eingeschränkt zur Verfügung. Robert Lebin etwa schlägt für seinen Heimverein MTV Jever auf. Spitzenspieler Thomas Otte, zeitgleich im ü 65-Regionalliga-Team des TV Vechta gemeldet, wird nur an wenigen Spieltagen zur Verfügung stehen. Einige weitere Spieler plagen Verletzungsprobleme. 

Angesichts dieser Ausgangslage wäre der Klassenerhalt ein großer Erfolg. Zu ihrem ersten Spiel muss die ü50 am Samstag, 9. November, zum hoch favorisierten SV Cappeln reisen. Die weiteren Gegner sind der Bremer HC, TC Oldenburg-Süd, SV Nordenham und TV BW Augustfehn.

Herren ü 60 Bezirksklasse

In Angebracht der guten Leistungsklassen der Gegenspieler steht auch die ü60 vor keiner leichten Saison. Allerdings ist für Mannschaftsführer Alexander Scholz die personelle Ausgangslage entspannter, da durch die enge Kooperation mit dem TV Hohenkirchen eine ganze Reihe von Spielern auf der Meldeliste stehen. In der Bezirksklasse muss sich der FCN mit dem Delmenhorster TC, dem Wardenburger TC, SC Epe, SV Vorwärts Nordhorn und TV Oldenburg-Süd auseinandersetzen. Zum Auftakt, ebenfalls am 9. November, müssen die Wangerländer nach Nordhorn reisen. 

Ihre Heimspiele tragen beide Hooksieler Mannschaften übrigens in der Tennishalle in Varel aus. Hier schlägt die ü50 am Sonntag, 17. November, ab 14 Uhr gegen Nordenham auf. Die ü60 hat erstmals am Samstag, 1. Dezember, 9 Uhr, gegen Wardenburg das Heimrecht.

Spuk-Haus am Altendeich zieht Kinder und Erwachsene in seinen Bann

Nadja und Jörg Rebels
Die Hooksieler Halloween-Fans Nadja und Jörg Debels verwandeln Haus und Garten am Altendeich zur Freunde von Kindern und Erwachsenen jährlich zu einem Spuk-Haus. Foto: hol

Hooksiel (1. 11. 2024) – Hooksiel hat Halloween offenbar nach den ersten Eindrücken von Freitag früh gut überstanden. Und das obwohl sich gestern eine sehr große Zahl an dubiosen Gestalten im Ort aufhielten: Gespenster, Vampire, Hexen, Todgesagte und sonstige Gerippe. Einige Fledermäuse und sogar riesige Vogelspinnen wurden gesichtet – und dazu jede Menge bizarre Fratzen. 

Der Gruselfaktor jedenfalls war gewaltig. Und das lag nicht nur am „Gruseleum“ im Ort, das zur Familien-Halloween-Show samt einem Jahrmarkt der Kuriositäten eingeladen hatte. In der Fußgängerzone im Verlauf der Lange Straße verbreiteten um die 50 kreativ ausgehöhlte und durch Augen, Nase und Mund strahlende Kürbisköpfe Halloween-Stimmung. 

Lina Bienert und Julian Dreßel
Freuen sich über die gelungene Kürbis-Aktion in der Fußgängerzone: Lina Bienert und Julian Dreßel von der Initiative „Weil wir Hooksieler sind“. Fot0: hol

Verantwortlich für die Aktion zeichnete die Jugend-Initiative „Weil wir Hooksieler sind“. Die jungen Leute hatten die Kürbisse für Kindergarten und Grundschule geliefert, wo Kita-Kinder und Schüler die Grusel-Fratzen aus den Schalen schnitten. Kleine Hinweisschilder an den Kürbissen verraten die jeweilige Urheberschaft. 

Die Aufgabe, der sich viele Hooksieler Kinder mit Einbruch der Dunkelheit am Donnerstagabend stellten, war es, die genaue Kürbiszahl zu ermitteln. „Wer uns die richtige Lösung sagt, bekommt eine Extra-Portion Süßigkeiten“, versprachen Lina Bienert und Julian Dreßel von WWHS.

„Süßes oder Saures“ – das war auch die Forderung der zahlreichen kostümierten Kindergruppen, die mehr oder weniger originell verkleidet von Haustür zu Haustür zogen, deren Bewohner erschreckten, dann Sprüche und Lieder vortrugen, um dafür mit Süßigkeiten belohnt zu werden. Dass dieser amerikanische Brauch mit dem deutschen Reformationstag so gar nichts zu tun hat, störte niemanden.

Spuk-Haus in Hooksiel
Eine Geister-Show auf einer Leinwand erhöhte den Gruselfaktor am Spuk-Haus. Foto: hol

Höhepunkt beim Halloween-Rundgang durch den Ort war für viele ein Besuch beim Spuk-Haus am Altendeich. Schon seit Wochen hat sich hier die Familie Debels auf die Geisternacht vorbereitet und ihren Vorgarten mit Spinnennetzen, Hexen und sonstigen Monstern, Totenköpfen und anderen abgetrennten Körperteilen sowie einer Horror-Leinwand-Show stilecht präpariert. Aber nicht nur das. Auch die Wohnräume im Inneren des Hauses hat Haushexe „Nadja“ für ihren Festtag komplett umdekoriert.

Zur Freude alle Halloween-Freunde. Für den Nachmittag hatten Nadja und Jörg Debels zum Kinderfest eingeladen, am Abend waren dann die Nachbarn zu Gast. „In der Vorbereitung stecken schon mehrere Wochen Arbeit drin“, verrieten die Gastgeber, die Halloween schon seit einigen Jahren mit wachsender Begeisterung zu ihrem Festtag machen. „Und wie geht es nach Halloween weiter?“, wollte „Hooksiel-Life“ wissen. „Der Abbau dauert natürlich einige Tage“, so Hexe-Nadja. „Und dann geht es direkt mit der Weihnachts-Dekoration weiter.“

Neuer Campingplatz-Leiter setzt auf Sauberkeit und auf Funktionalität

Mark Schlemme
Mark Schlemme ist der neue Leiter des Campingplatzes in Hooksiel. Foto: hol

Hooksiel (30. 10. 2024) – Was ist ein Campingplatz, auf dem niemand campiert? Richtig: Eine weitgehend leere Fläche. Das heißt aber nicht, das so ein Platz nicht einen Campingplatz-Leiter bräuchte. Mark Schlemme, Herr der an die 1500 Wohnwagen-Stellplätze der Wangerland Touristik GmbH (WTG), ist jedenfalls zuversichtlich, dass es ihm über die Wintermonate nicht langweilig werden wird.

Schlemme hat seinen neuen Job zum 1. September angetreten. Er ist Nachfolger von Dieter Luikenga, der das Wangerland Ende Juni verlassen hat. „Aktuell bin ich noch dabei, mir die derzeitigen Abläufe und die Strukturen des Betriebes anzusehen“, sagte der 39-Jährige im Gespräch mit „Hooksiel-Life“. Dabei habe ihn in seinen ersten Wochen das Mitarbeiter-Team sehr gut unterstützt.

Platz und Strand müssen winterfest sein

In der Urlaubssaison besteht das Campingplatz-Team aus 17 Mitarbeitern. Da der Stellplatz vor dem Deich mit Blick auf die Sturmflutsaison stets Mitte Oktober geräumt werden muss, haben die meisten Saison-Kräfte ihren Arbeitsplatz bereits verlassen. Aktuell sind nur noch wenige Handwerker vor Ort, die den Platz samt seiner Gebäude und den gesamten Strand bis zum Hooksieler Außenhafen winterfest machen.

„Strandkörbe, Spielplatz-Geräte, Mülleimer – alles, was beweglich ist, muss abgeräumt und bis zum März eingelagert werden“, sagt Schlemme. Immerhin liegt das Areal am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Auch würde es den Deichen nicht gut bekommen, wenn bei einer Sturmflut feste Gegenstände gegen den Schutzwall treiben und die Grasnarbe beschädigen.

Gute Nachfrage nach Ostdünen-Stellplätzen

Die Stellung halten über den Winter lediglich Mark Schlemme und sein Stellvertreter Harald Badberg. Aus ihren Büros im Obergeschoss des Verwaltungsgebäudes haben sie einen wunderschönen Blick über den Strand und die Jade. Das Duo kümmert sich unter anderem um die Reisemoblisten, die die 62 Stellplätze auf der Ostdüne unweit vom Campingplatz für eine Winterauszeit nutzen. 

Die ganzjährige Nutzung der Düne vor dem Hooksieler Deich ist erst seit einem Jahr möglich. „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, sagt Schlemme, der zusammen mit Badberg und der Campingplatz-Leitung in Schillig den Winter über auch dafür verantwortlich ist, dass die Ostdüne bei einer nahenden Sturmflut rechtzeitig geräumt wird. Dafür stehen die Reisemobilisten in ständigem digitalen Kontakt mit der WTG. Im Bedarfsfall müssen sie ihre Gefährte hinter dem Deich in Sicherheit bringen.Wer das nicht macht, wird abgeschleppt.

Quereinsteiger mit Blick von außen

Mark Schlemme ist in seinem neuen Beruf ein Quereinsteiger. Aufgewachsen in Jever lebt er mit Frau und zweijährigem Sohn in Wiefels. Neben der Familie kann er sich für den Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund und fürs Boßeln begeistern, dem Nationalsport in Wiefels.

Gelernt hatte Schlemme einst Hotelfachwirt im Hotel Upstahlsboom in Schillig. Von dort wechselte er zum Stadtmarketing der Stadt Jever. Doch so richtig glücklich war der junge Mann mit seinen Aufgaben nicht. Seine Konsequenz: Eine Umschulung zum Maler und Lackierer. Nach drei Jahren in dem Beruf wechselte er 2023 zum Bauhof der WTG. „Als ich die interne Ausschreibung der Stelle als Campingplatzleiter gesehen habe, wusste ich gleich, dass das etwas für mich sein kann.“ 

Kooperation innerhalb der WTG

Bei der WTG sieht man das genauso. Schlemme hat schon im Bauhof einen guten Eindruck hinterlassen, kennt den Tourismus, die Gastronomie, die Region und er kann handwerkliche Herausforderungen einschätzen. Aber er selbst ist kein Camper. Gerade von dem unbefangenen Blick von außen erhofft man sich bei der WTG Impulse für die Weiterentwicklung des Angebotes. Erste Gedanken dazu hat sich der neue Leiter schon gemacht. Sie sollen in den nächsten Wochen WTG-intern besprochen werden. Dass die WTG kaum finanzielle Spielräume für eine umfassende Modernisierung des Platzes hat, schreckt Schlemme dabei nicht: „Gute Funktionalität und Sauberkeit sind das A und O. Alles andere geht dann, wenn es auch geht.“

Zu den Innovationen gehört die engere Kooperation der Campingplätze Hooksiel und Schillig. Erstmals habe man sich in diesem Herbst wechselseitig mit drei Mitarbeitern beim Bergen der jeweiligen Strandkörbe geholfen. Schlemme setzt auf einen guten Kontakt zu den Campern und plant einige Veranstaltungen. Zu den recht neuen Angeboten auf dem Platz gehören so genannte Tiny-Häuser. Erstmals gab es jetzt auch ein FKK-Tiny-Haus. Ein neuer Markt? Schlemme: „Da müssen wir mal sehen, wohin die Reise geht.“

Befragung für Mietpreisspiegel läuft

Friesland/Wangerland (29. 10. 2024) – Wie hoch ist die ortsübliche Vergleichsmiete? Welche Spannen sind an den unterschiedlichen Standorten vorhanden? Ein qualifizierter Mietspiegel soll ein wissenschaftlich abgesichertes, differenziertes Bild der bestehenden Mieten im Landkreis Friesland vermitteln und Anfang 2025 veröffentlicht werden.

Ein Mietspiegel wird derzeit erstmalig für das Kreisgebiet erarbeitet. Dazu wurden Mitte Oktober rund 7.400 Briefe mit Fragebögen an Mieterinnen und Mieter in den Städten und Gemeinden im Kreisgebiet geschickt. Wer angeschrieben wurde, ergab sich aus einer Zufallsstichprobe aus den Adressdaten der Kommunen. Alle gesetzlichen Datenschutzregeln seien dabei strengstens eingehalten worden, betont der Landkreis.

Mit der Erstellung des Mietspiegels hat die Kreisverwaltung das Hamburger Institut Analyse & Konzepte immo.consult GmbH beauftragt, das die Daten erhebt und auswertet. „Die Teilnahme an der Befragung ist verpflichtend“, so der Landkreis. „Wer ein Anschreiben zur Teilnahme an der Befragung erhalten hat, möge den Fragebogen bitte ausgefüllt an das beauftragte Institut senden. Dies ist sowohl online als auch in Papierform portofrei im beiliegenden Rückumschlag möglich.“

Neben dem qualifizierten Mietspiegel wird aus den Daten auch das neue „Schlüssige Konzept“ erstellt, mit dessen Hilfe die angemessenen Unterkunftskosten für Leistungsempfänger nach den Sozialgesetzbüchern II und XII ermittelt und angepasst werden können. Nach der Reform des Mietspiegelrechts 2022 müssen Städte mit über 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern einen Mietspiegel erstellen. Die politischen Gremien des Landkreises haben beschlossen, dass der Landkreis diese Aufgabe als freiwillige Leistung für die kreiseigenen Städte und Gemeinden übernimmt. 

Ausbildung in Hooksiel: Ohne Schulgeld, aber mit sehr viel Fleiß zur PTA

Angehende PTA Kiara Stüten
Kiara Nicole Stütten aus Schortens absolviert in der Apotheke in Hooksiel den praktischen Teil ihrer Ausbildung der Pharmazeutisch-technischen Assistentin. Foto: hol

Hooksiel (29. 10. 2024) – Eine junge Frau mit großen Zielen kann man in der Apotheke in Hooksiel erleben. Kiara Nicole Stütten (21) absolviert hier den praktischen Teil ihrer Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA). Anfang 2025 wird sie, wenn alles gut geht, ihr Abschlussprüfung ablegen und sich dann, so der Plan der Schortenserin, um einen Studienplatz in Pharmazie bewerben.

Eigentlich habe sie immer Bäckerin oder Konditorin werden wollen, verrät Kiara Stütten, im Gespräch mit „Hooksiel-Life“. Doch das habe ihre Mutter ihr dann ausgeredet. „Mädchen, da musst du jeden Tag ganz früh aufstehen ….“

Weichenstellung durch Praktika

Hinzu kamen die positiven Eindrücke während eines 14-tägigen Schulpraktikums in einer Apotheke in Schortens, die durch weitere Praktika in Wilhelmshaven und in der Krankenhaus-Apotheke in Sanderbusch verstärkt wurden. Also machte sich Kiara Stütten nach dem Abitur am Mariengymnasium in Jever 2022 auf den Weg, PTA zu werden. 

Die zweieinhalbjährige Ausbildung besteht aus zwei Jahren Vollzeit-Schuluntertricht und einem sechsmonatigen Praktikum in einer Apotheke. Kiara Stütten hat die Ludwig-Fresenius-Schule in Oldenburg besucht. „Oldenburg ist mit dem Zug ja gut zu erreichen.“ Eine ähnliche Schule gibt es auch in Aurich. Zum Glück für die angehende PTA hat das Land Niedersachsen 2023 das Schulgeld abgeschafft, das die Auszubildenden bis dahin noch zahlen mussten.

An der Schule standen neben allgemeinbildenden Fächern wie Deutsch und Englisch Chemie, Biologie und Botanik im Fokus. Als PTA benötigt man umfassendes Wissen über Arzneimittel und die darin enthaltenen Wirkstoffe, über Ernährungs- und Körperpflegekunde und nicht zuletzt auch über Fertigkeiten, Mischungen, Cremes und Salben selbst herstellen zu können. „Die wichtigste Voraussetzung aber ist“, so der Eindruck der Auszubildenden, „dass man gut auswendig lernen kann.“

Kontakt mit den Kunden wichtig

Am Ende der Schulzeit stand eine erste Prüfung, in dem das erlernte Fachwissen abgefragt wird. Danach ging es ins (bezahlte) Praktikum. Zu den Herausforderungen der Sechs-Tage-Woche in Hooksiel gehört neben der Arbeit im Labor, der Organisation von Warenversand und der Überblick über den Lagerbestand der Umgang mit den Kunden der Apotheke – Beratung über Produkte, Hinweise zur Anwendung von Medikamenten oder auch mal kritische Gespräche etwa zu den beschränkten Möglichkeiten von E-Rezepten. „Aber das macht wirklich Spaß, zumal wir hier sehr viele Stammkunden haben“, sagt Kiara Stütten. Und wenn etwas mal auf Anhieb noch nicht ganz rund laufe, sei sie dankbar für Tipps von den erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, 

Schulische Voraussetzung für eine PTA-Ausbildung ist die mittlere Reife. Der Beruf ist quasi mit einer Job-Garantie verbunden. Sehr viele Apothekerinnen und Apotheker suchen händeringend nach qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. 

„Hooksiel-life“ stellt in loser Folge Auszubildende vor, die in Hooksiel eine Lehre machen. Bereits erschienen sind Berichte über einen angehenden Einzelhandelskaufmann, eine Medizinische Fachangestellte, einen Maler, zwei Veranstaltungskauffrauen, eine Zimmerin, eine Bäckerei-Fachverkäuferin, einen Handelsfachwirt, einen Koch, einen Landwirt und einen angehenden Fachangestellten für Bäderbetriebe.

Jensen: Abhängigkeit von wenigen Medikamenten-Herstellern verringern

Wangerland (28. 10. 2024) – Die Liefersituation für die Apotheken hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft. Das ist die Erkenntnis, die die Wangerländer CDU-Landtagsabgeordnete Katharia Jensen aus einer von ihr beantragten Unterrichtung im Unterausschuss (UA) Verbraucherschutz des Niedersächsischen Landtages ergibt. Die CDU fordert ein verstärktes Engagement von Landes- und Bundesregierung zur Bekämpfung der zunehmenden Liefer- und Versorgungsengpässe bei Medikamenten. 

Selbst Fiebersaft für Kinder fehlt

Während im Jahr 2021 noch 358 Meldungen zu Lieferengpässen verzeichnet wurden, stieg diese Zahl 2022 auf 576 und erreichte im Jahr 2023 alarmierende 927 Meldungen, so Jensen. Diese Entwicklung erfordert nach Meinung der Abgeordneten, die gerade von ihrer Fraktion zur verbraucherschutzpolitischen Sprecherin gewählt wurde, sofortige Maßnahmen. „Wir kennen bereits aus den vergangenen Infektzeiten, dass insbesondere Fiebersaft für Kinder fehlte.“ 

Die Ursachen für die aktuellen Lieferengpässe seien offensichtlich, so Jensen, die auch aus Gesprächen mit Apothekern in ihrem Wahlkreis Friesland/Jade berichten kann. „Ein wesentlicher Faktor ist die Verlagerung der Produktion von Wirkstoffen und Zwischenprodukten in Länder mit niedrigeren Produktionskosten, insbesondere nach China und Indien. Diese Konzentration auf wenige Hersteller führt dazu, dass Ausfälle einzelner Produzenten – sei es durch Störungen im Produktionsablauf oder Qualitätsmängel – nur unzureichend kompensiert werden können.“

Werke in Indien und China

Besonders besorgniserregend sei die Verteilung der Herstellungsstätten für die 15 wichtigsten Antibiotika: Von 225 Produktionsstätten weltweit befinden sich 81 in China und 65 in Indien, während Europa lediglich über 57 Produktionsstätten verfüge – davon liege nur eine in Deutschland.

Zusätzlich zu diesen strukturellen Problemen hätten globale Krisen wie die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg Produktion und Lieferketten erheblich gestört. Auch wachsende Bedarfe in Schwellenländern sowie das Fehlen von Verpackungsmaterial aufgrund gestiegener Kosten für Energie und Rohstoffe tragen zur Problematik bei. 

Produktion in Deutschland stärken

„Wir als CDU-Fraktion fordern daher eine Stärkung der heimischen Produktion: Es müssen effektivere Anreize geschaffen werden, um die Produktion von Arzneimitteln wieder vermehrt nach Deutschland und in die EU zu holen“, so Jensen. Ebenso wichtig sei eine Diversifizierung der Lieferketten. „Die Abhängigkeit von wenigen Herstellern muss reduziert werden, um die Versorgungssicherheit zu stärken.“